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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.03.2026

Humorvolle Persiflage

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Mit seinem Roman entwirft Kristof Magnusson eine ungewöhnliche Geschichte aus dem Geheimdienstmilieu und bricht dabei bewusst mit allen Erwartungen, die man an klassische Spionagethriller hat. Statt Spannung ...

Mit seinem Roman entwirft Kristof Magnusson eine ungewöhnliche Geschichte aus dem Geheimdienstmilieu und bricht dabei bewusst mit allen Erwartungen, die man an klassische Spionagethriller hat. Statt Spannung und Hochglanz-Agenten steht hier der Humor im Vordergrund.

Im Mittelpunkt stehen der gefeierte junge Dichter Jakob Dreiser und der Geheimagent beziehungsweise Doppelagent Dieter Germeshausen. Die Handlung ist in den 90er Jahren verankert, einer Zeit des politischen Umbruchs nach dem Ende des Kalten Krieges. Während viele diese neue Ära als Befreiung empfinden, blickt Germeshausen mit Sorge in die Zukunft. In einer Welt ohne klare Fronten scheint ein Agent wie er plötzlich überflüssig zu werden.

Aus dieser Ausgangslage entwickelt Magnusson eine gelungene Persiflage auf die Geheimdienste in Ost und West. Besonders amüsant ist die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren. Dreiser gerät eher zufällig in die Welt der Spionage und schlägt sich dabei in allerlei skurrilen Situationen erstaunlich gut – oft sogar professioneller als der erfahrene Agent selbst.

Auch die Nebenfiguren sind liebevoll und humorvoll gezeichnet und tragen zur Leichtigkeit des Romans bei. Dabei lebt die Geschichte weniger von Spannung als von ihrem feinsinnigen Witz und den absurden Momenten.

Also kein klassischer Spionagethriller, sondern ein unterhaltsamer, intelligenter und sehr amüsanter Roman, den man nur ungern aus der Hand legt.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Verwinkelt

Moorland. Die Zwillinge
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Der Roman „Moorland“ von Andreas Winkelmann ist als Auftakt zu einer neuen Reihe angelegt. Im ersten Band steht das Verschwinden der Zwillinge Nike und Jana im Mittelpunkt. Nach einem Ausflug ins nebelverhangene ...

Der Roman „Moorland“ von Andreas Winkelmann ist als Auftakt zu einer neuen Reihe angelegt. Im ersten Band steht das Verschwinden der Zwillinge Nike und Jana im Mittelpunkt. Nach einem Ausflug ins nebelverhangene Moor kehren sie nicht zurück – eigentlich wollten sie nur Aufnahmen für ihren TikTok-Kanal machen.

Kommissarin Malia Gold, die gerade erst versetzt wurde, sieht sich sofort mit diesem rätselhaften Fall konfrontiert. Und rätselhaft bleibt er auch: Immer neue Hinweise tauchen auf, die die Ermittlungen in unterschiedliche Richtungen lenken und die Spannung konstant hochhalten.

Besonders eindrucksvoll ist die Darstellung der Moorlandschaft, die fast wie eine eigene Figur wirkt. Ihr werden menschliche Eigenschaften zugeschrieben – etwa, dass das Moor nichts vergisst. Dabei wird deutlich, dass sich der Autor in dieser Gegend bestens auskennt.

Der Schreibstil ist angenehm zugänglich; ich habe das Buch innerhalb von drei Abenden gelesen – ein klares Zeichen dafür, dass keine Langeweile aufkommt.

Auch die Figuren sind überzeugend und lebendig gezeichnet. Man merkt jedoch, dass die Geschichte auf mehrere Bände angelegt ist: Einige Handlungsstränge werden bewusst offengelassen. Obwohl ich normalerweise kein großer Fan von Cliffhangern bin, gelingt es dem Autor hier, die Neugier auf die Fortsetzung zu wecken.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Atmosphäre

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl
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Atmosphäre pur bietet dieser Kriminalroman, der den Leser mitten nach Neapel führt – besonders in die lebhafte Gegend rund um den Hafen. Gleichzeitig spielen auch die Bräuche der Karwoche und des Osterfestes ...

Atmosphäre pur bietet dieser Kriminalroman, der den Leser mitten nach Neapel führt – besonders in die lebhafte Gegend rund um den Hafen. Gleichzeitig spielen auch die Bräuche der Karwoche und des Osterfestes eine wichtige Rolle. Dazu gehört vor allem die Zubereitung traditioneller Speisen nach überlieferten Rezepten, die immer wieder in die Handlung einfließen und dem Ganzen eine sehr authentische Note verleihen.

Dass sich in dieser dichten Atmosphäre auch ein Kriminalfall entwickelt, wirkt zunächst fast überraschend. Doch genau dort, im Hafen von Neapel, wird eine Leiche gefunden. Commissario Gaetano muss deshalb seinen Urlaub bei den Verwandten vorzeitig abbrechen und nach Neapel zurückkehren. Dort unterstützt er seine Kollegin Beppa Bellucci, die sich noch in der Ausbildung befindet, bei den Ermittlungen.

Die Aufklärung des Falls verläuft nicht immer geradlinig. Die Kolleginnen und Kollegen im Polizeiteam sind allesamt recht eigenwillig und haben ihre ganz eigenen Vorstellungen davon, wie sie ihren Dienst ausüben. Trotzdem gelingt es ihnen, manchmal sogar ohne Wissen ihrer Vorgesetzten, gemeinsam Schritt für Schritt der Lösung näherzukommen. Dabei wird der Leser immer wieder auf falsche Spuren geführt, bevor sich am Ende schließlich alles zusammenfügt.

Wer einen hochspannenden Thriller erwartet, wird hier vielleicht nicht ganz fündig. Die Stärke des Romans liegt vielmehr in seinen Figuren und der lebendigen Atmosphäre Neapels. Gerade diese Mischung macht das Buch sehr angenehm zu lesen. Besonders hilfreich ist zudem die Liste italienischer Ausdrücke und Redewendungen mit deutschen Übersetzungen am Ende des Romans. Ohne diese hätte ich manche der italienischen Einsprengsel, mit denen Fabio Nola seinen Text gewürzt hat, wohl nicht immer sofort verstanden.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Verloren

Giftiger Grund
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Verlorener Ort, verlorene Menschen – der Grundgedanke von Lost Places spiegelt sich nicht nur im Schauplatz, sondern auch in den drei Hauptprotagonisten wider.

Da ist Joran. Nach mehreren Jahren im Gefängnis ...

Verlorener Ort, verlorene Menschen – der Grundgedanke von Lost Places spiegelt sich nicht nur im Schauplatz, sondern auch in den drei Hauptprotagonisten wider.

Da ist Joran. Nach mehreren Jahren im Gefängnis wird er entlassen. Bei einem Raubüberfall auf eine Tankstelle, den er gemeinsam mit zwei Freunden beging, verletzte er einen Mann mit einem Messer. Die Tankstelle steht inzwischen leer – ein aufgegebener Ort, der für ihn untrennbar mit seiner Schuld verbunden ist.

Dieser Lost Place ist zugleich das Ziel von Charu, der zweiten Protagonistin. Sie besucht verlassene Orte und veröffentlicht Videos darüber in ihrem Blog. Von den Einnahmen kann sie jedoch nur mühsam leben.

Und dann ist da noch Edda, ein zehnjähriges Mädchen, das jede Nacht ebenfalls die alte Tankstelle aufsucht. Sie bleibt lange geheimnisvoll; erst allmählich – und erst gegen Ende – wird deutlicher, was es mit ihr auf sich hat.

Thomas Knüwer hat den Roman in viele kurze Kapitel gegliedert. Jedes Kapitel trägt den Namen einer der drei Hauptfiguren und wird aus deren jeweiliger Perspektive erzählt. Dadurch werden manche Ereignisse doppelt geschildert – jedoch aus unterschiedlichen Blickwinkeln, was zusätzliche Tiefe schafft.

Für mich war es ein „Zwei-Tage-Buch“: Ich habe es in zwei Tagen durchgelesen. Das spricht für einen sehr flüssigen Schreibstil und eine durchgehend spürbare Grundspannung. Insgesamt hat mich die Lektüre angenehm überrascht.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Wiedersehen

Kala
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Der Roman Kala von Colin Walsh spielt im irischen Küstenort Kinlough. Eine geplante Hochzeit führt nach 15 Jahren zu einem Wiedersehen einer ehemaligen Freundesgruppe: Kala, Mush, Joe, Aidan, Helen und ...

Der Roman Kala von Colin Walsh spielt im irischen Küstenort Kinlough. Eine geplante Hochzeit führt nach 15 Jahren zu einem Wiedersehen einer ehemaligen Freundesgruppe: Kala, Mush, Joe, Aidan, Helen und Aoife waren damals unzertrennlich. Doch dann verschwand Kala spurlos. Trotz intensiver Suche blieb sie unauffindbar. Aidan nahm sich das Leben.

Als nun, fünfzehn Jahre später, Kalas sterbliche Überreste auftauchen, wird die Vergangenheit plötzlich wieder erschreckend gegenwärtig. Die Frage drängt sich auf: Was ist damals wirklich geschehen?

Mush, Helen und Joe erzählen abwechselnd aus ihrer Perspektive – sowohl von früher als auch von heute. Dabei wechselt der Roman oft unvermittelt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, was anfangs etwas gewöhnungsbedürftig ist. Da sich die drei Erzähler abwechseln, erfährt man manche Begegnungen mehrfach. Gerade das macht jedoch den Reiz aus: Es ist spannend zu sehen, wie unterschiedlich dieselben Ereignisse wahrgenommen und erinnert werden.

Besonders auffällig ist Joes Erzählweise: Er spricht über sich selbst in der dritten Person. Diese Distanz wirkt bewusst gewählt und könnte ein Hinweis darauf sein, dass er innerlich Abstand zu sich selbst und zu den anderen hält.

Der Einstieg ins Buch erfordert etwas Geduld, da man sich zunächst in die Struktur und die verschiedenen Perspektiven einfinden muss. Doch diese kleine „Durststrecke“ lohnt sich: Mit der Zeit verdichtet sich das Geschehen, die Spannung steigt stetig – und am Ende zieht einen die Geschichte völlig in ihren Bann.

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