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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.04.2026

Außergewöhnlich

Noch fünf Tage
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Ein außergewöhnlicher Plot: Die Spitzenköchin Lis Castrop steht im Dienst der äußerst wohlhabenden Familie Hartmann. Doch das Silvestermenü im Hause der Hartmanns endet in einer Katastrophe – ein Anschlag ...

Ein außergewöhnlicher Plot: Die Spitzenköchin Lis Castrop steht im Dienst der äußerst wohlhabenden Familie Hartmann. Doch das Silvestermenü im Hause der Hartmanns endet in einer Katastrophe – ein Anschlag mit einem radioaktiven Gift tötet das Ehepaar und seine beiden Kinder. Lis gerät dabei gewissermaßen als „Beifang“ ebenfalls in den tödlichen Strudel.

Im Gegensatz zu den anderen Opfern stirbt sie jedoch nicht sofort. Ihr bleiben noch fünf Tage – eine letzte Gnadenfrist, bevor auch sie dem Gift erliegen wird. In dieser kurzen Zeit versucht Lis verzweifelt herauszufinden, wer hinter dem Anschlag steckt. Nach und nach erfährt man dabei auch mehr über ihre Vergangenheit: wie sie zur gefeierten Köchin wurde und schließlich ihre Anstellung bei den Hartmanns erhielt.

Gleichzeitig treibt sie eine zweite, sehr persönliche Sorge um: Was wird aus ihrer Tochter Cosima, wenn sie selbst nicht mehr da ist? Lis möchte unbedingt sicherstellen, dass für ihr Kind gesorgt ist.

Einen Thriller mit einer derart ungewöhnlichen Ausgangssituation habe ich bislang noch nicht gelesen. Als Ich-Erzählerin lässt Lis die Leserinnen und Leser unmittelbar an ihrem Schicksal teilhaben – man fiebert unweigerlich mit ihr mit. Kaum vorstellbar erscheint es, dass sie unter diesen Umständen den Fall tatsächlich aufklären kann. Ob ihr das gelingt, sei an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

Die Autorin, die unter dem Pseudonym Helena Falke schreibt, hat mit diesem Roman in jedem Fall ein spannendes und lesenswertes Werk vorgelegt.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Lustig und nachdenklich

Mirabellentage
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Der Roman beginnt leicht und beinahe episodenhaft. Nach dem ersten Drittel gewinnt man den Eindruck, es handle sich vor allem um eine lose Abfolge humorvoller Szenen, zusammengehalten durch eine einfache ...

Der Roman beginnt leicht und beinahe episodenhaft. Nach dem ersten Drittel gewinnt man den Eindruck, es handle sich vor allem um eine lose Abfolge humorvoller Szenen, zusammengehalten durch eine einfache Rahmenhandlung. Im Zentrum steht dabei Anna Nass, die resolute und einfallsreiche Haushälterin des verstorbenen Pastors Josef. Als dieser überraschend stirbt und ein sehr junger Nachfolger direkt aus Rom in das bayerische Dorf geschickt wird, prallen Welten aufeinander. Fridtjof, auf einer Hallig aufgewachsen, muss sich in der ungewohnten Umgebung erst zurechtfinden. Dabei steht ihm Anna mit unkonventionellen, oft amüsanten Methoden zur Seite und sorgt so für viele heitere Momente.

Doch im weiteren Verlauf wandelt sich der Ton des Romans spürbar. Ab dem zweiten Drittel treten die eher flachen Anekdoten in den Hintergrund, und die Geschichte gewinnt an Tiefe. Zwischenmenschliche Beziehungen rücken stärker in den Fokus, Konflikte werden differenzierter dargestellt, und auch existenzielle Fragen nach dem Sinn des Lebens und der eigenen Rolle treten hervor. Diese Entwicklung verleiht dem Roman eine unerwartete Ernsthaftigkeit, ohne jedoch seine Leichtigkeit vollständig zu verlieren.

Besonders gelungen ist die Balance zwischen Humor und Nachdenklichkeit. Die Figuren entwickeln sich glaubwürdig weiter, und gerade die Dynamik zwischen Fridtjof und Anna bleibt durchgehend lebendig und berührend. Trotz der ernsteren Themen bewahrt der Roman seine positive Grundstimmung.

Insgesamt überzeugt das Buch durch seinen gelungenen Wandel von einer unterhaltsamen, beinahe skizzenhaften Erzählweise hin zu einer tiefergehenden Geschichte über Gemeinschaft, Sinnsuche und menschliche Nähe.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Humorvolle Persiflage

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Mit seinem Roman entwirft Kristof Magnusson eine ungewöhnliche Geschichte aus dem Geheimdienstmilieu und bricht dabei bewusst mit allen Erwartungen, die man an klassische Spionagethriller hat. Statt Spannung ...

Mit seinem Roman entwirft Kristof Magnusson eine ungewöhnliche Geschichte aus dem Geheimdienstmilieu und bricht dabei bewusst mit allen Erwartungen, die man an klassische Spionagethriller hat. Statt Spannung und Hochglanz-Agenten steht hier der Humor im Vordergrund.

Im Mittelpunkt stehen der gefeierte junge Dichter Jakob Dreiser und der Geheimagent beziehungsweise Doppelagent Dieter Germeshausen. Die Handlung ist in den 90er Jahren verankert, einer Zeit des politischen Umbruchs nach dem Ende des Kalten Krieges. Während viele diese neue Ära als Befreiung empfinden, blickt Germeshausen mit Sorge in die Zukunft. In einer Welt ohne klare Fronten scheint ein Agent wie er plötzlich überflüssig zu werden.

Aus dieser Ausgangslage entwickelt Magnusson eine gelungene Persiflage auf die Geheimdienste in Ost und West. Besonders amüsant ist die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren. Dreiser gerät eher zufällig in die Welt der Spionage und schlägt sich dabei in allerlei skurrilen Situationen erstaunlich gut – oft sogar professioneller als der erfahrene Agent selbst.

Auch die Nebenfiguren sind liebevoll und humorvoll gezeichnet und tragen zur Leichtigkeit des Romans bei. Dabei lebt die Geschichte weniger von Spannung als von ihrem feinsinnigen Witz und den absurden Momenten.

Also kein klassischer Spionagethriller, sondern ein unterhaltsamer, intelligenter und sehr amüsanter Roman, den man nur ungern aus der Hand legt.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Verwinkelt

Moorland. Die Zwillinge
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Der Roman „Moorland“ von Andreas Winkelmann ist als Auftakt zu einer neuen Reihe angelegt. Im ersten Band steht das Verschwinden der Zwillinge Nike und Jana im Mittelpunkt. Nach einem Ausflug ins nebelverhangene ...

Der Roman „Moorland“ von Andreas Winkelmann ist als Auftakt zu einer neuen Reihe angelegt. Im ersten Band steht das Verschwinden der Zwillinge Nike und Jana im Mittelpunkt. Nach einem Ausflug ins nebelverhangene Moor kehren sie nicht zurück – eigentlich wollten sie nur Aufnahmen für ihren TikTok-Kanal machen.

Kommissarin Malia Gold, die gerade erst versetzt wurde, sieht sich sofort mit diesem rätselhaften Fall konfrontiert. Und rätselhaft bleibt er auch: Immer neue Hinweise tauchen auf, die die Ermittlungen in unterschiedliche Richtungen lenken und die Spannung konstant hochhalten.

Besonders eindrucksvoll ist die Darstellung der Moorlandschaft, die fast wie eine eigene Figur wirkt. Ihr werden menschliche Eigenschaften zugeschrieben – etwa, dass das Moor nichts vergisst. Dabei wird deutlich, dass sich der Autor in dieser Gegend bestens auskennt.

Der Schreibstil ist angenehm zugänglich; ich habe das Buch innerhalb von drei Abenden gelesen – ein klares Zeichen dafür, dass keine Langeweile aufkommt.

Auch die Figuren sind überzeugend und lebendig gezeichnet. Man merkt jedoch, dass die Geschichte auf mehrere Bände angelegt ist: Einige Handlungsstränge werden bewusst offengelassen. Obwohl ich normalerweise kein großer Fan von Cliffhangern bin, gelingt es dem Autor hier, die Neugier auf die Fortsetzung zu wecken.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Atmosphäre

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl
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Atmosphäre pur bietet dieser Kriminalroman, der den Leser mitten nach Neapel führt – besonders in die lebhafte Gegend rund um den Hafen. Gleichzeitig spielen auch die Bräuche der Karwoche und des Osterfestes ...

Atmosphäre pur bietet dieser Kriminalroman, der den Leser mitten nach Neapel führt – besonders in die lebhafte Gegend rund um den Hafen. Gleichzeitig spielen auch die Bräuche der Karwoche und des Osterfestes eine wichtige Rolle. Dazu gehört vor allem die Zubereitung traditioneller Speisen nach überlieferten Rezepten, die immer wieder in die Handlung einfließen und dem Ganzen eine sehr authentische Note verleihen.

Dass sich in dieser dichten Atmosphäre auch ein Kriminalfall entwickelt, wirkt zunächst fast überraschend. Doch genau dort, im Hafen von Neapel, wird eine Leiche gefunden. Commissario Gaetano muss deshalb seinen Urlaub bei den Verwandten vorzeitig abbrechen und nach Neapel zurückkehren. Dort unterstützt er seine Kollegin Beppa Bellucci, die sich noch in der Ausbildung befindet, bei den Ermittlungen.

Die Aufklärung des Falls verläuft nicht immer geradlinig. Die Kolleginnen und Kollegen im Polizeiteam sind allesamt recht eigenwillig und haben ihre ganz eigenen Vorstellungen davon, wie sie ihren Dienst ausüben. Trotzdem gelingt es ihnen, manchmal sogar ohne Wissen ihrer Vorgesetzten, gemeinsam Schritt für Schritt der Lösung näherzukommen. Dabei wird der Leser immer wieder auf falsche Spuren geführt, bevor sich am Ende schließlich alles zusammenfügt.

Wer einen hochspannenden Thriller erwartet, wird hier vielleicht nicht ganz fündig. Die Stärke des Romans liegt vielmehr in seinen Figuren und der lebendigen Atmosphäre Neapels. Gerade diese Mischung macht das Buch sehr angenehm zu lesen. Besonders hilfreich ist zudem die Liste italienischer Ausdrücke und Redewendungen mit deutschen Übersetzungen am Ende des Romans. Ohne diese hätte ich manche der italienischen Einsprengsel, mit denen Fabio Nola seinen Text gewürzt hat, wohl nicht immer sofort verstanden.

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