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Veröffentlicht am 17.09.2023

Zürich als Lifestyle

Tiefes, dunkles Blau
0

Ich habe Seraina Kobler auf der Ladies Crime Night 2022 im Rahmen der Crime Cologne erlebt und war sehr neugierig auf ihren Zürich-Krimi. Mir hat ihr Auftreten gefallen und ebenso ihre Sprachgewandtheit, ...

Ich habe Seraina Kobler auf der Ladies Crime Night 2022 im Rahmen der Crime Cologne erlebt und war sehr neugierig auf ihren Zürich-Krimi. Mir hat ihr Auftreten gefallen und ebenso ihre Sprachgewandtheit, die während der kurzen Lesung zum Vorschein kam. Nun hat es fast ein Jahr gedauert, bis ich das Buch aus meinem Bücherstapel gezogen und gelesen habe. Leider hat mich die Lektüre dann nicht so überzeugt. "Tiefes, dunkles Blau" ist sicherlich kein schlechtes Buch. Meine Erwartungshaltung war aber eine andere.

Seraina Kobler schreibt und schreibt und beschreibt - sie beschreibt Zürich und das hippe Leben in der Altstadt, sie beschreibt die Landschaft und den Schwarzen Garten, in dem die Seepolizistin ihr Gemüse züchtet und noch so vieles mehr. Doch leider bleibt es beim Beschreiben; sie dringt nicht ein ins tiefe dunkle Blau, sondern bleibt an der Oberfläche. Die Protagonisten bleiben schwach, die Hauptfigur kommt vor lauter Hochglanz-Lifestyle gar nicht wirklich zum Ermitteln, viele Themen werden nur kurz angerissen, aber nicht ausgearbeitet, und selbst die Prostituierten wirken wie feministische Hetären. Lädt Rosa Zambrano zum Essen ein, dann können ihre Kochkünste mit jedem Sternekoch mithalten, und einzig der Uringeruch nach der Street Parade will nicht so ganz in dieses Bild passen, welches auch das Tourismus-Büro von der Stadt hätte entwerfen können.

Nun ist "Tiefes, dunkles Blau" ein Debüt-Roman, und ich wünsche Seraina Kobler, dass es ihr gelingt in weiteren Romanen auch unter die schillernde Oberfläche des Zürich-Sees zu blicken.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Cosy Crime goes 80er - Retrocharme mit ein wenig Krimi

Tainted Love
1

Wer damals dabei war, wird den Sound sofort wieder spüren: Tainted Love. Genau diesen Titel hat nun Vincent Tal für seinen Kriminalroman und Reihenauftakt ausgesucht, der in den 80ern spielt. Im Nordhessischen ...

Wer damals dabei war, wird den Sound sofort wieder spüren: Tainted Love. Genau diesen Titel hat nun Vincent Tal für seinen Kriminalroman und Reihenauftakt ausgesucht, der in den 80ern spielt. Im Nordhessischen Zonenrandgebiet begegnen wir dem Bibliothekar Martin Ritter und seiner Freundin Christine Lehmann, einer Journalistin der örtlichen Lokalredaktion. Die beiden werden im heißen Sommer des Jahres 1986 mit einem Verbrechen konfrontiert, welches einige Jahre zurückliegt.

Nach einem gelungenen Intro habe ich das Gefühl, wieder in den 80ern angekommen zu sein. Die Atmosphäre ist stimmig, der Sommer heiß und natürlich läuft Tainted Love im Radio. Der lockere Schreibstil passt zum Summerfeeling. Hier liegt die große Stärke des Buches.

Insgesamt kommt mir der Kriminalfall aber zu kurz. Der eigentliche Fall ist eher schwach und die Recherche als solche fast schon homöopathisch. Es bleibt ein zielloses Stochern im Nebel. Zudem wirkt alles ziemlich konstruiert. Selbst für einen Cosy Crime ist mir das einfach zu wenig. Am Ende gibt es den einen oder anderen Cliffhanger, was zu erwarten war. Ich werde den Nachfolgeband aber eher nicht lesen wollen, denn abgesehen vom 80er-Feeling hatte dieses Buch für mich leider wenig zu bieten.

Fazit
Vier Sterne für das wunderschöne Cover und die 80er-Vives, aber maximal 2 Sterne für die Handlung und die eher oberflächlich gezeichneten Charaktere. In der Summe bin ich damit leider nur bei 2,5 Sternen

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Geschichtsstunde mit Romanelementen

Berchtesgaden
2

Kaum ein Ort war in der Nazi-Zeit so emotional aufgeladen wie Berchtesgaden. Hier hatte Adolf Hitler auf dem Obersalzberg auf 1000 m Höhe neben Berlin ein zweites Machtzentrum aufgebaut, und zahlreiche ...

Kaum ein Ort war in der Nazi-Zeit so emotional aufgeladen wie Berchtesgaden. Hier hatte Adolf Hitler auf dem Obersalzberg auf 1000 m Höhe neben Berlin ein zweites Machtzentrum aufgebaut, und zahlreiche Größen der damaligen Diktatur legten sich im Umland ebenfalls Zweitwohnsitze zu.

Carolin Otto, bislang bekannt als Drehbuchautorin, betitelt ihren ersten Roman schlicht mit dem Ortsnamen BERCHTESGADEN. Aufgehängt an insbesondere einer fiktiven ortsansässigen Familie und einigen wenigen geschichtlich bekannten Einwohnern beschreibt sie die Ereignisse der sogenannten Stunde Null. Das Dritte Reich ist zusammengebrochen, Amerikaner und Franzosen ringen um die prestigereiche Übernahme der Stadt. Die Menschen vor Ort müssen sich mit diesen neuen Gegebenheiten zurechtfinden.

Gerade dieser menschliche Aspekt würde einen großartigen Romanstoff hergeben. Es wäre spannend mit den ProtagonistInnen mitzuerleben, wie dies intellektuell und emotional verarbeitet wird. Doch genau das gelingt Carolin Otto aus meiner Sicht nicht. Dabei ist erkennbar, dass sie sich in einer unheimlichen Fleißarbeit an die Recherche begeben hat. Kaum ein Thema wird in ihrem Buch nicht angesprochen. Thematisiert wird die große Fülle der Gräueltaten der Nationalsozialisten, das Mitläufertum, das Denunziantentum. Auch wird herausgearbeitet, dass die Besatzungsmächte selbst keine Unschuldslämmer waren, und etwa People of Colour keinen Platz auf den amerikanischen Siegerfotos finden durften. Die sogenannte Rassentrennung war im Amerika der damaligen Zeit noch bittere Realität.

Aber Otto verzettelt sich. Sie zählt auf und beschreibt, was sie herausgefunden hat, und quetscht das alles in ein einziges Buch. Naturgemäß kann sie all diese Themen deshalb nur oberflächlich anreißen. Doch durch die reine Aufzählung der Gräueltaten entsteht kein Spannungsbogen. Nun gehöre ich vielleicht zu einer Generation, die noch sehr viel über den Faschismus in der Schule gelernt hat. Und sich darüber hinaus auch selbst mit dem Thema beschäftigt hat, Gedenkstätten besucht hat etc. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das Buch anders wirkt, wenn man dieses Vorwissen nicht mitbringt.

Wo so viele Opfergruppen angesprochen wurden, verwundert es dann doch, dass etwa Sozialdemokraten, Sozialisten und Kommunisten so gut wie unerwähnt bleiben. Auch das Thema der sexualisierten Gewalt nimmt aus meiner Sicht nicht den Stellenwert ein, der den Ereignissen in der Zeit von Krieg, Flucht und Vertreibung sowie auch der Besatzung angemessen gewesen wäre.

Bei all den geschichtlichen Fakten bleibt nur wenig Raum für den eigentlichen Roman. Vielmehr liest sich das Buch seitenweise eher wie ein Sachbuch. Die ProtagonistInnen verraten nur wenig über ihr Innenleben, so dass man nicht von einer Entwicklung sprechen kann. Mir ist das zu wenig, um mitfühlen zu können. Von einem Roman erwarte ich an der Stelle aber etwas anderes, denn sonst könnte ich gleich ein Geschichtsbuch lesen. Richtig gut haben mir nur wenige Szenen gefallen. Und hätte es mehr davon gegeben, hätte das Buch auch echte Romanqualitäten. Da die persönlichen Schicksale der ProtagonistInnen am Ende nicht auserzählt sind, gehe ich davon aus, dass eine Nachfolgeband geplant ist. Im Moment kann ich mir aber nicht vorstellen, dass ich diesen dann auch lesen würde.

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Veröffentlicht am 24.09.2025

Plüschiger Cosy Crime mit handwerklichen Fehlern

Knäckeblut
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Wenn deutsche Autoren sich für ihre Kriminalromane ein ausländisches Setting wählen, dann kann das Urlaubssehnsüchte wecken und ein charmantes Spiel mit gängigen Klischees sein. Insbesondere, wenn die ...

Wenn deutsche Autoren sich für ihre Kriminalromane ein ausländisches Setting wählen, dann kann das Urlaubssehnsüchte wecken und ein charmantes Spiel mit gängigen Klischees sein. Insbesondere, wenn die Urlaubslandschaft so hyggelig verschneit dargestellt wird, wie in Björn Berenz "Knäckeblut". Besonders gut gefallen haben mir die kleinen Einschübe, in denen schwedische Begriffe und Redewendungen erläutert werden. Das lies mich auf ein schönes Leseerlebnis hoffen. Für mich war es die erste Begegnung mit der mittlerweile dreibändigen Serie um die deutsche Buchhändlerin Ina und den schwedischen Polizisten Lars. Ich kam schnell ins Geschehen und das trotz der relativ großen Anzahl an Protagonist*innen. Aber warm wurde ich mit keiner dieser Personen. Ina wurde mir von Seite zu Seite unsympathischer, sie wirkte oft arrogant und betrieb ihre Nachforschungen ohne Rücksicht auf Verluste. Lars kam mir manchmal fast schon vor wie ein trotteliger Dorfpolizist. Weitere Personen möchte ich in dieser Rezension nicht benennen, um nicht zu spoilern.

Der Handlungsablauf stellte sich aber als das größere Problem dar. Leider häuften sich inhaltliche und logische Fehler. Der Plot hätte Potential gehabt, wurde jedoch unglaubwürdig aufgelöst. Mordsspaß in Schweden kam bei mir deshalb nicht auf. Es reicht eben nicht aus, eine Amateurermittlerin in eine Wohlfühlatmosphäre zu setzen. Hier standen die privaten Beziehungen der Protagonisten oft so sehr im Fokus, dass das Ermitteln zur Nebensache wurde. Vielleicht fehlten mir beim Lesen aber auch nur eine gehörige Portion Moltebeerenschnaps und Glückstee, von dem im Buch reichlich getrunken wurde.

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Veröffentlicht am 20.03.2025

Eine sehr deutsche seichte Unterhaltungsliteratur mit einigen Schwächen

Geheimnisvolles La Rochelle
1

Für mich war es der erste Roman aus dieser Reihe, und vielleicht liegt es auch daran, dass ich mit dem Buch bis zum Ende nicht wirklich warm geworden bin.

Was habe ich erwartet? Einen spannenden Kriminalfall, ...

Für mich war es der erste Roman aus dieser Reihe, und vielleicht liegt es auch daran, dass ich mit dem Buch bis zum Ende nicht wirklich warm geworden bin.

Was habe ich erwartet? Einen spannenden Kriminalfall, Familiengeheimnisse und Einblicke in die Cognac-Welt, das alles vor einer traumhaften Urlaubskulisse. Leider wurden meine Erwartungen nur zum Teil erfüllt.

Als "Quereinsteigerin" hat mich anfangs die Vielzahl der auftretenden Personen schlichtweg erschlagen. Tatsächlich habe ich nach 100 Seiten nochmal von vorne angefangen, weil ich nicht mehr mitkam, und mir dann ein Personenregister angelegt. Ich habe Nebenfiguren weggelassen und trotzdem standen am Ende mehr als dreißig Namen auf meinem Zettel. Das ist zu viel für 138 Seiten, zumal zumeist nur die Namen erwähnt werden, ohne dass die Personen wirklich vorgestellt werden,. Erst auf S. 118 erfährt man etwa den Vornamen des Kommissars. Dass es sich bei Adrien und Moreau um ein und die selbe Person handelt, wurde mir auch erst spät in der Handlung klar.

Es ist ja bei Büchern dieser Art üblich, dass der deutsche Autor sich hinter einem französischen Pseudonym verbirgt. Französisch vom Stil her wird das Buch dadurch allerdings nicht. Besonders anregend fand ich die Geschichte bis zum Ende nicht. Sie bewegt sich auf dem Level einer deutschen Fernsehproduktion. Die Handlung plätschert vor sich hin. Stereotype aller Art werden bedient, der miese Chef, der teekochende Maghrebiner, der maffiöse Italiener, die zickige Upperclass-Tussie,. die Gauloise-rauchende Lesbe etc. etc. Männer werden tendenziell eher mit ihrem Nachnamen genannt, Frauen mit ihrem Vornamen. Ich habe keine der Figuren als charakterlich tiefgehend beschrieben wahrgenommen. Stattdessen werden Klischees bedient.

Passend dazu verbreitet der Autor eine Familienidylle rund um den Kommissar, die mich nicht überzeugen konnte. Das Geheimnis um seine Mutter könnte spannend sein, wird aber nur am Rande erwähnt, und lässt sich für Quereinsteiger nicht gut nachvollziehen.

Besser gefallen haben mir die Landschaftsbeschreibungen und die enthaltenen Informationen zur Cognac-Herstellung.

Absolut ärgerlich, dass der Klappentext ja schon nahegelegt hat, dass es um die Cognac-Familie und ihre „dunklen Geheimnisse“ geht. Somit war klar, dass die erste Spur sich als Irrweg erweist. Dem Autor ist das nicht zwingend anzulasten, wohl aber dem Verlag. Zudem hätte ein ordentliches Lektorat dem Buch gut getan. So enthält es zahlreiche Rechtschreib- und Grammatikfehler, die vermeidbar gewesen wären.

Die Handlung hat mich nicht wirklich überzeugt, und ab einem gewissen Punkt war die Auflösung absehbar.

Fazit: eine sehr deutsche seichte Unterhaltungsliteratur für zwischendurch mit ein bisschen Frankreich-Feeling

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