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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.04.2026

Gute Ansätze, Charakterentwicklung eher naja

Zugvögel wie wir
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Der Roman erzählt von einer Frau namens Eva, die sich im Schwedenurlaub spontan dazu entschließt mit dem Fahrrad entlang des Zugweges der Kraniche nach Frankreich zu fahren und dabei viele neue Erfahrungen, ...

Der Roman erzählt von einer Frau namens Eva, die sich im Schwedenurlaub spontan dazu entschließt mit dem Fahrrad entlang des Zugweges der Kraniche nach Frankreich zu fahren und dabei viele neue Erfahrungen, auch durch außergewöhnliche Begegnungen sammelt. Außerdem soll sie sich auf dieser Reise wieder selbst neu entdecken.

Für mich persönlich war der Einstieg in dieses Buch etwas holprig, die unterschiedlichen ( scheinbar wahllos aneinandergereihten) Texte haben mich zunächst etwas verwirrt, aber im weiteren Verlauf wurde das dann noch besser. Der Schreibstil passt auch sehr gut zur Atmosphäre, die aufgebaut wird, gerade auch mit den leisen Andeutungen, die immer wieder zwischen den Zeilen gemacht werden.

Es werden viele wichtige Themen angeschnitten und was für mich u.A. auffällig war, ist die Tatsache, dass weniger die negativen Dinge wie Verlust und Versäumnisse, sondern eher die Hoffnung, die Möglichkeit auf zweite Chancen, etc. im Vordergrund stand. Und ganz zentral natürlich auch die Frage, wie man nochmal neu beginnen kann ohne Vergangenes zu verleugnen.

Was für mich aber leider ein Punkt war, der das ganze Schöne an diesem Buch etwas trübt, ist die Tatsache wie wenig charakterliche Tiefe Eva als Hauptperson hat. Gerade bei einem Roman dieser Art mit diesen Themen hätte ich mir eine deutlich stärkere Entwicklung über die Reise hinweg gewunschen. Denn so schön offene Enden auch sind, um sich selbst zu überlegen, wie es weitergehen könnte, gewissen Dingen sollten dann doch nicht im Vagen gelassen werden.

Insgesamt ein Roman, der viele wichtige Themen anspricht und auch eine schöne Atmosphäre hat, mich aber mit der Figurenzeichnung ( die hier ja eigentlich sehr wichtig ist ) nicht überzeugen konnte.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Schöne Grundidee, verworrene Umsetzung

You and Me - Die zweite erste Liebe
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Das Buch kommt zunächst von Cover und Leseprobe wie ein unterhaltsamer und zugleich nachdenklicher Liebesroman über die Frage, wie sehr kleine Entscheidungen ein ganzes Leben verändern können, daher. Es ...

Das Buch kommt zunächst von Cover und Leseprobe wie ein unterhaltsamer und zugleich nachdenklicher Liebesroman über die Frage, wie sehr kleine Entscheidungen ein ganzes Leben verändern können, daher. Es sollen anhand der Geschichte von Jules und Adam Themen wie Romantik, Zeitreisen und auch allgemeine Alltagssorgen miteinander verbunden werden.

Dazu werden die Geschehnisse im Wechsel aus beiden Perspektiven erzählt. Nur leider blieben die beiden Charaktere für mich über die gesamte Geschichte hinweg eher unnahbar und unsympathisch. Ich wurde einfach nicht warm mit diesem Ehepaar.

Das zentrale Gedankenexperiment ( und später dann ja auch real werdend) ist grundsätzlich super interessant: Was wäre, wenn man die Vergangenheit noch einmal anfassen und neu ordnen könnte? Und so ein wenig zieht das Buch daraus auch seine ( leider nur wenigen) starken Momente, es regt teils zum Nachdenken über verpasste Chancen, egal ob in der Liebe oder in anderen Bereichen des Lebens an. Aber die Entwicklungen, die mit diesem Element vorangetrieben werden, wirken an einigen Stellen leider sehr konstruiert und klischeebehaftet. Und leider trägt der an manchen Stellen sprachlich doch etwas sehr überladene Schreibstil nicht gerade dazu bei, dass man sich gut im Buch selbst zurecht findet.

Insgesamt sicherlich ein Buch, das Menschen, die Romane über zweite Chancen und das große "Was wäre wann ?" gefallen kann. Ich durfte an einer Leserunde hierzu teilnehmen und dabei u.A. auch herausfinden wie unterschiedlich die Wahrnehmung sein kann. Für mich persönlich war es aber leider nichts. Das große Potential der Grundidee wurde einfach zu klischeehaft und meiner Meinung nach nicht vollständig ausgeschöpft, u.A. auch weil ich nicht mit den beiden Hauptpersonen und ihren Entscheidungen mitfühlen konnte.

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Veröffentlicht am 17.03.2026

Slow Slow-Burn

Summer Tides
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Starten wir zunächst mit dem Cover, was wirklich sehr passend zur Geschichte ist und sich auch sehr gut für eine ganze Reihe, immer mit zur Jahreszeit passenden Farben eignet. Auch der Farbschnitt passt ...

Starten wir zunächst mit dem Cover, was wirklich sehr passend zur Geschichte ist und sich auch sehr gut für eine ganze Reihe, immer mit zur Jahreszeit passenden Farben eignet. Auch der Farbschnitt passt mit den Möwen perfekt zur maritimen Atmosphäre, in der die Geschichte spielt.

Wir begleiten Scarlett nach St. Ives, an die Küste Cornwalls wo sie mit einem alten Strandkiosk einen Neustart, nicht nur für ihre berufliche Laufbahn sondern auch für ihre Selbstfindung starten möchte. Dabei stolpert sie über Jonah, einen Rettungsschwimmer, den das Fernweh und die Sehnsucht nach einem ungebundenen Leben antreibt. Zwischen den beiden wächst langsam eine immer stärkere Anziehung, die aber noch durch die Tatsache, dass Scarlett in London noch einen Freund hat ( der ihr aber echt nicht gut tut) und Jonah verschiedenste Gründe hat sich auf niemanden zu sehr einzulassen, erschwert und noch zusätzlich verlangsamt wird.

Und da ist tatsächlich auch mein größter Kritikpunkt an dieser Geschichte. Ich wusste ja, dass es sich um eine Slow- Burn Geschichte handelt, aber so slow hätte es dann auch nicht sein müssen. Zeitweise möchte man die beiden Hauptcharaktere einfach nur schütteln und sagen: " Jetzt kommuniziert doch mal ordentlich". Ein weiterer Punkt, der mir aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass super viele Themen angerissen werden, aber viele nicht zu Ende geführt werden. Ganz prominent ist da Scarletts Charakterentwicklung in der wirklich Potential gewesen wäre, die aber leider auf einem naiven Niveau stecken bleibt.

Als Auftakt einer Reihe meiner Meinung nach okay, man bekommt schonmal einen ersten Eindruck der Atmosphäre, der Menschen, etc.. Mich persönlich konnte die Liebesgeschichte hier nicht ganz abholen, dazu war sie teilweise zu zäh.

Für Personen, die Slow Burn (und dabei Betonung auf dem "Slow") mögen und bereit sind zu Gunsten einer schönen Atmosphäre, die sich über mehrere Bände hinwegzieht, einige Lücken in der Handlung zu tolerieren, ein schönes Sommerbuch.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Feministisch ? Naja.

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Ich möchte zunächst mit meinen Beweggründen, die mich dazu gebracht haben dieses Buch unbedingt lesen zu wollen, beginnen: wie auch schon im Klappentext erwähnt wird ist in den letzten Jahren ( vorwiegend ...

Ich möchte zunächst mit meinen Beweggründen, die mich dazu gebracht haben dieses Buch unbedingt lesen zu wollen, beginnen: wie auch schon im Klappentext erwähnt wird ist in den letzten Jahren ( vorwiegend zunächst im englischen Raum) ein gewisser Booktook-Hype entstanden und auch der Vergleich mit Margaret Atwood "Die Magd" haben mich in meinem Willen bestärkt, jetzt da die deutsche Übersetzung da ist, auch mal dieses Werk zu lesen. Und ich muss sagen, ich habe gemischte Gefühle.
Die Grundidee ist super interessant ( auch wenn ich es räumlich noch nicht ganz einordnen kann) und anfangs dachte ich auch, dass mich diese Empfindung auch weiterbegleiten wird, dem war aber leider nicht so. Die Umsetzung ist an einigen Stellen leider sehr schräg und ich weiß nicht, ob man vielleicht mit dem Marketing nicht auch etwas arg ambitioniert war.
Denn ich für meinen Teil kann eher wenig Feministisches darin erkennen; die älteren Frauen sehen sich doch recht stark wieder nach dem Vorher mit Männer. ( Interessanter Satz gleich zum Anfang: "Die Männer, Kleine, das war das Leben. Was sind wir schon ohne Zukunft, ohne Nachkommen") und wenn die "Kleine"/Ich-Erzählerin ( man möchte meinen die Anderen hätten ihr in all der Zeit vielleicht mal einen Namen gegeben, aber nein) Fragen stellt, wird sie zumeist mit dem Vorwand, dass es ja nichts bringen würde abgewiegelt. Unter feministischen Handeln hätte ich mich doch ein bisschen mehr Drang zur Veränderung, zum Umbruch, wenn sie schonmal aus dem Keller entkommen sind und weniger Resignation vorgestellt.

Es ist ein Buch mit durchaus Potential für Diskussionen, man empfindet glaub ich abhängig von der eigenen Lebenserfahrung ganz unterschiedlich dazu. Mich persönlich konnte es nur zu Teilen fassen, dazu war auch zu viele Lücken, die meiner Meinung nach nicht hätten sein müssen und eben irgendwie diese, mir nicht ganz verständliche Definition von feministischem Handeln.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Streift wichtige Themen modernen Datings

Open Hearts
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Im Zentrum dieses Romans steht die frisch verlassene Misty, die nachdem sie wieder in ihr altes Kinderzimmer in Brighton eingezogen ist, über eine Dating-App einen charmanten Mann namens Christopher kennenlernt, ...

Im Zentrum dieses Romans steht die frisch verlassene Misty, die nachdem sie wieder in ihr altes Kinderzimmer in Brighton eingezogen ist, über eine Dating-App einen charmanten Mann namens Christopher kennenlernt, der im Gegensatz zu ihr aber gerade nicht Single ist, sondern mit seiner Frau Sara in einer offenen Beziehung lebt. Die Autorin entwickelt aus diesem Konstrukt eine ( grundsätzlich erstmal wohlbekannte) Geschichte; sie treffen sich zunächst eine Zeit lang, ohne Verpflichtungen etc. und aus dem ganzen Unverbindlichen wird mit der Zeit immer mehr, was Misty zunehmend auch mit ihren Vorstellungen von Nähe, Liebe und dem allgemeinen Erwachsenwerden hadern lässt. Grundsätzlich also eine gute Ausgangslage für einen schönen Liebesroman.

Leider wird das Potential meiner Meinung nach aber nur teilweise ausgeschöpft. Da wäre zum einen die Figurenzeichnung; so sehr ich mich auch bemühe, ich empfinde Misty als junge Frau in einer Art Krise als schon einigermaßen nachvollziehbar, aber in weiten Teilen der Geschichte versinkt sie mir doch zu sehr in Selbstironie, Unsicherheit und teils auch fast schon Selbstsabotage. Und Christopher, der ja eigentlich so eine relevante Figur sein sollte, weil er doch irgendwie maßgeblich dazu beitragen sollte, dass Misty sich einfach mehr findet, bleibt für mich häufig zu "glatt", zu wenig widersprüchlich als dass ich seinen Charakter wirklich greifen könnte.

Und so geht es leider auch mit den für mich eigentlich so relevanten Themen des modernen Datings. Vom Klappentext her hatte ich mich eigentlich auf eine schöne Auseinandersetzung verschiedener Aspekte im Bezug auf die Liebe, als Teil von Mistys Selbstfindung gefreut. Aber statt Themen wie Eifersucht, Machtgefälle ( Wahnsinn, wie Misty sich Christopher unterordnet, sich klein macht ), etc. (kritisch) zu beleuchten, bewegt sich die Geschichte eher auf Schlagwort-Niveau, wird bei schwierigen Themen eher humoristisch, als dass sie wirklich zeigt, was für ein inneres Ringen damit auch verbunden sein kann. Der Roman streift einige wichtige Aspekte, schneidet die bedeutsamen Fragen von Freiheit, Bindung, Selbstliebe, etc. an und lässt einen dann aber im Unklaren zurück.

Es ist wahrlich kein schlecht schlechtes Buch: es liest sich okay, kann ein paar treffende Szenen zur Unsicherheit in der modernen Datingkultur beisteuern und ist mit dem wohlbekannten Konzept: aus Treffen ohne Verpflichtungen wird doch mehr, eine Lektüre, die durchaus gefallen kann.

Ich für meinen Teil hätte mir eine tiefere Auseinandersetzung mit Fragen der Selbstbehauptung, eine facettenreichere ( und vielleicht auch kritisch angehauchte) Reflexion über offene Beziehungsmodelle und einfach greifbarerer Figuren gewünscht.

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