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Veröffentlicht am 23.02.2026

Feministisch ? Naja.

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Ich möchte zunächst mit meinen Beweggründen, die mich dazu gebracht haben dieses Buch unbedingt lesen zu wollen, beginnen: wie auch schon im Klappentext erwähnt wird ist in den letzten Jahren ( vorwiegend ...

Ich möchte zunächst mit meinen Beweggründen, die mich dazu gebracht haben dieses Buch unbedingt lesen zu wollen, beginnen: wie auch schon im Klappentext erwähnt wird ist in den letzten Jahren ( vorwiegend zunächst im englischen Raum) ein gewisser Booktook-Hype entstanden und auch der Vergleich mit Margaret Atwood "Die Magd" haben mich in meinem Willen bestärkt, jetzt da die deutsche Übersetzung da ist, auch mal dieses Werk zu lesen. Und ich muss sagen, ich habe gemischte Gefühle.
Die Grundidee ist super interessant ( auch wenn ich es räumlich noch nicht ganz einordnen kann) und anfangs dachte ich auch, dass mich diese Empfindung auch weiterbegleiten wird, dem war aber leider nicht so. Die Umsetzung ist an einigen Stellen leider sehr schräg und ich weiß nicht, ob man vielleicht mit dem Marketing nicht auch etwas arg ambitioniert war.
Denn ich für meinen Teil kann eher wenig Feministisches darin erkennen; die älteren Frauen sehen sich doch recht stark wieder nach dem Vorher mit Männer. ( Interessanter Satz gleich zum Anfang: "Die Männer, Kleine, das war das Leben. Was sind wir schon ohne Zukunft, ohne Nachkommen") und wenn die "Kleine"/Ich-Erzählerin ( man möchte meinen die Anderen hätten ihr in all der Zeit vielleicht mal einen Namen gegeben, aber nein) Fragen stellt, wird sie zumeist mit dem Vorwand, dass es ja nichts bringen würde abgewiegelt. Unter feministischen Handeln hätte ich mich doch ein bisschen mehr Drang zur Veränderung, zum Umbruch, wenn sie schonmal aus dem Keller entkommen sind und weniger Resignation vorgestellt.

Es ist ein Buch mit durchaus Potential für Diskussionen, man empfindet glaub ich abhängig von der eigenen Lebenserfahrung ganz unterschiedlich dazu. Mich persönlich konnte es nur zu Teilen fassen, dazu war auch zu viele Lücken, die meiner Meinung nach nicht hätten sein müssen und eben irgendwie diese, mir nicht ganz verständliche Definition von feministischem Handeln.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Streift wichtige Themen modernen Datings

Open Hearts
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Im Zentrum dieses Romans steht die frisch verlassene Misty, die nachdem sie wieder in ihr altes Kinderzimmer in Brighton eingezogen ist, über eine Dating-App einen charmanten Mann namens Christopher kennenlernt, ...

Im Zentrum dieses Romans steht die frisch verlassene Misty, die nachdem sie wieder in ihr altes Kinderzimmer in Brighton eingezogen ist, über eine Dating-App einen charmanten Mann namens Christopher kennenlernt, der im Gegensatz zu ihr aber gerade nicht Single ist, sondern mit seiner Frau Sara in einer offenen Beziehung lebt. Die Autorin entwickelt aus diesem Konstrukt eine ( grundsätzlich erstmal wohlbekannte) Geschichte; sie treffen sich zunächst eine Zeit lang, ohne Verpflichtungen etc. und aus dem ganzen Unverbindlichen wird mit der Zeit immer mehr, was Misty zunehmend auch mit ihren Vorstellungen von Nähe, Liebe und dem allgemeinen Erwachsenwerden hadern lässt. Grundsätzlich also eine gute Ausgangslage für einen schönen Liebesroman.

Leider wird das Potential meiner Meinung nach aber nur teilweise ausgeschöpft. Da wäre zum einen die Figurenzeichnung; so sehr ich mich auch bemühe, ich empfinde Misty als junge Frau in einer Art Krise als schon einigermaßen nachvollziehbar, aber in weiten Teilen der Geschichte versinkt sie mir doch zu sehr in Selbstironie, Unsicherheit und teils auch fast schon Selbstsabotage. Und Christopher, der ja eigentlich so eine relevante Figur sein sollte, weil er doch irgendwie maßgeblich dazu beitragen sollte, dass Misty sich einfach mehr findet, bleibt für mich häufig zu "glatt", zu wenig widersprüchlich als dass ich seinen Charakter wirklich greifen könnte.

Und so geht es leider auch mit den für mich eigentlich so relevanten Themen des modernen Datings. Vom Klappentext her hatte ich mich eigentlich auf eine schöne Auseinandersetzung verschiedener Aspekte im Bezug auf die Liebe, als Teil von Mistys Selbstfindung gefreut. Aber statt Themen wie Eifersucht, Machtgefälle ( Wahnsinn, wie Misty sich Christopher unterordnet, sich klein macht ), etc. (kritisch) zu beleuchten, bewegt sich die Geschichte eher auf Schlagwort-Niveau, wird bei schwierigen Themen eher humoristisch, als dass sie wirklich zeigt, was für ein inneres Ringen damit auch verbunden sein kann. Der Roman streift einige wichtige Aspekte, schneidet die bedeutsamen Fragen von Freiheit, Bindung, Selbstliebe, etc. an und lässt einen dann aber im Unklaren zurück.

Es ist wahrlich kein schlecht schlechtes Buch: es liest sich okay, kann ein paar treffende Szenen zur Unsicherheit in der modernen Datingkultur beisteuern und ist mit dem wohlbekannten Konzept: aus Treffen ohne Verpflichtungen wird doch mehr, eine Lektüre, die durchaus gefallen kann.

Ich für meinen Teil hätte mir eine tiefere Auseinandersetzung mit Fragen der Selbstbehauptung, eine facettenreichere ( und vielleicht auch kritisch angehauchte) Reflexion über offene Beziehungsmodelle und einfach greifbarerer Figuren gewünscht.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Zum nebenbei hören angenehm, aber falsche Genreeinordung

Schwarze Schuld
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Das Cover und der Klappentext haben mich zunächst wirklich sehr angesprochen, die Atmosphäre wirkte düster und mysteriös und auf genau so eine Geschichte hatte ich mich eigentlich eingestellt. Und zum ...

Das Cover und der Klappentext haben mich zunächst wirklich sehr angesprochen, die Atmosphäre wirkte düster und mysteriös und auf genau so eine Geschichte hatte ich mich eigentlich eingestellt. Und zum Anhören und etwas nebenher machen war es auch okay, die Sprecherin hat gut zur Geschichte gepasst und außer dass ( was ich jetzt nur aus dem Austausch mit Anderen weiß) die Dialektphrasen durch Hochdeutsch getauscht wurden, hatte ich das Gefühl, dass es schon zum Buch passte.

Der Schreibstil und auch die Grundidee sind auch durchaus gelungen, auch wenn die Charaktere schon sehr klischeehaft für meinen Geschmack gezeichnet sind. Leider verfehlt die Geschichte für mich auch die Kurve ins ( so wie ich mir es halt vorstelle) fesselnde, einen nicht mehr loslassende Krimigenre. Die Handlung dümpelt lange Zeit eher vor sich hin, es geschieht schon Verschiedenes, aber nichts wirklich Relevantes. Und auch die Auflösung war tendenziell nach meinem Empfinden eher schwach. Die Reihe wird mich also wohl nicht weitersehen, was schade ist, weil die Grundidee zunächst echt interessant anmutete. Aber ein Krimi ist es für mich leider maximal unter dem Banner "Cozy-Krimi".

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Gemütlicher Roman, der aber nicht zwingend weihnachtlich ist

Weihnachten mit Tony
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Wir befinden uns rund um den Loch Lomond und begleiten Carrie, eine junge Frau, die nach Jahren in Australien in ihre Heimat zurückkehrt, um ihren kranken Vater zu unterstützen und sich einer wichtigen ...

Wir befinden uns rund um den Loch Lomond und begleiten Carrie, eine junge Frau, die nach Jahren in Australien in ihre Heimat zurückkehrt, um ihren kranken Vater zu unterstützen und sich einer wichtigen Mission zu stellen: der Rettung der schottischen Wallabys, insbesondere des namensgebenden und auch schon auf dem Cover verewigten Wallabys Tony. Dabei trifft sie unerwartet auf Marc, ihre Jugendliebe, der nun (vermeintlich) zielgerichtet die entgegenstehenden Interessen vertritt.

Grundsätzlich hätte diese Konstellation meiner Meinung nach einiges an Potential für emotionale Spannung, Konflikte und authentische Momente zwischen den Figuren gehabt, was aber leider bei weitem nicht genutzt wurde. Ich wurde auch leider nicht mit Carrie als Hauptperson warm, viel zu launisch und unnachvollziehbar war ihr Handeln in den meisten Fälle.
Auch der weihnachtliche Funke, der hier vermutlich miteingeflochten sein sollte, konnte so gar nicht auf mich überspringen, zeitweise hatte ich sogar vergessen, dass es hier um eine weihnachtliche Atmosphäre geht.
Der Aspekt mit den Wallabys und dem Naturschutz ist nett eingebunden, wenn auch für meinen Geschmack etwas sparsam, wenn man schon ein Tier aufs Cover druckt und teils auch etwas aus dem Zusammenhang gerissen. Ich verstehe den Gedanken, den man mit den Kapitel aus Tierperspektive vielleicht verfolgen wollte, an manchen Stellen war es für aber leider eher unnötig diese Facette einzubringen. Da wären ein paar mehr Stellen von Carrie ( und vielleicht Marc) auf der Insel mit den Wallabys schöner gewesen.

Insgesamt ein netter Roman, der sich zügig lesen ließ, der aber für mich persönlich einige Schwächen hat, nicht zuletzt, dass ich mich bei einem Buch, das schon "Weihnachten" im Titel hat, etwas mehr vorweihnachtliche Atmosphäre erhofft hatte.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Ungewöhnlicher, architekturzentrierter Mystery-Krimi

HEN NA IE - Das seltsame Haus
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Hen na ie – Das seltsame Haus von Uketsu ist ein kurzer, ungewöhnlicher Kriminalroman, der vor allem durch seine eigenwillige Grundidee überzeugt. Der Ansatz, ein Haus und seine Baupläne zum eigentlichen ...

Hen na ie – Das seltsame Haus von Uketsu ist ein kurzer, ungewöhnlicher Kriminalroman, der vor allem durch seine eigenwillige Grundidee überzeugt. Der Ansatz, ein Haus und seine Baupläne zum eigentlichen „Tatort“ und erzählerischen Motor zu machen ist super interessant. Es ergibt sich eine sehr eigene Atmosphäre zwischen nervöser "Detektivarbeit" und unterschwelligem Horror, die sich schön von vielen "klassischen" Thrillern abhebt.

Ein zunächst positiver Punkt ist für mich ganz allgemein schonmal, sie kommt schnell zur Sache und verliert sich somit nicht in Nebenhandlungen. Leider gehen für mich mit diesem Erzähltempo teilweise Logik und Plausibilität verloren. Die Figuren ziehen teilweise sehr weite Schlüsse aus kleinen Details im Grundriss und konstruieren daraus komplexe Szenarien, die auf mich nicht immer ausreichend begründet wirken. Mir ist bewusst, dass gerade der Mystery-Charakter hier dazugehört, aber eine gewisse Nachvollziehbarkeit sollte meiner Meinung nach immer noch gegeben sein. Auch die Figurenzeichnung konnte mich nicht völlig abholen, sie blieb mir einfach zu schemenhaft, wurde zu sehr hinter dem architektonischen Aspekt zurückgestellt.

Insgesamt aber eine sehr interessante Geschichte, die vor allem durch Setting, Atmosphäre und ihr formales Konzept punktet, leider aber mit der Innovation ein bisschen grundsätzliche Aspekte vergisst.

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