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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.04.2026

Köder auswerfen

Faustschlag von rechts
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In diesem Buch steht der 15jährige Jarik im Mittelpunkt. Sein Vater ist ausgezogen und hat eine neue Freundin, die Mutter ist immer gestresst und dauernd muss Jarik auf seinen kleinen Bruder aufpassen, ...

In diesem Buch steht der 15jährige Jarik im Mittelpunkt. Sein Vater ist ausgezogen und hat eine neue Freundin, die Mutter ist immer gestresst und dauernd muss Jarik auf seinen kleinen Bruder aufpassen, der erst neun ist. Kein schönes Leben für einen Jugendlichen, wären da nicht seine Freunde, mit denen er im Jugendclub abhängt und das Boxen, das er liebt.

Sein Boxtrainer Falk lädt ihn zu einem Zeltlager in den Ferien ein, da will man ein Rollenspiel nachspielen und in freier Natur leben. Jariks Freunde sind allerdings misstrauisch und vermuten einen rechten Zirkel hinter dem Zeltlager. Trotzdem macht Jarik mit, zuerst macht es Spaß, doch dann lernt er Falks grausame Seite kennen.

Das Buch bildet die Lebenswelt eines Jugendlichen sehr realistisch ab. Die Probleme mit den Eltern, der Wunsch nach näheren Bekanntschaften mit Mädchen, die Orientierungslosigkeit der Pubertät, der fremd werdende eigene Körper, das alles spielt eine wichtige Rolle. Rechte Kreise versuchen hier anzusetzen und den jungen Menschen Orientierung zu bieten, die das eigene Elternhaus leider oft nicht gibt. Eine Masche, die schon in der Nazizeit wirkte und heute noch ebenso erschreckend ist!

Der Roman ist spannend geschrieben und durch die kurzen Sätze und das lockere Schriftbild auch für Jugendliche gut lesbar, die nicht gern lesen. Ein wirklich gutes Jugendbuch!

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Ungewöhnlicher Krimi

Giftiger Grund
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Ein Krimi ohne Ermittler - das ist schon sehr ungewöhnlich.
In diesem Buch von Thomas Klüwer geht es um drei junge Menschen, die abwechselnd ihre Geschichte erzählen. Getroffen haben sie sich zufällig ...

Ein Krimi ohne Ermittler - das ist schon sehr ungewöhnlich.
In diesem Buch von Thomas Klüwer geht es um drei junge Menschen, die abwechselnd ihre Geschichte erzählen. Getroffen haben sie sich zufällig an einem Lost Place, einer aufgegebenen Tankstelle mitten im Nirgendwo.
Joran wurde nach über sieben Jahren aus dem Knast entlassen und hat Stress mit seinem Vater und einem ehemaligen Freund. Charu macht Fotos von Lost Places und stellt sie ins Netz, immer zusammen mit einer Glitzerkatze. Und die zehnjährige Edda flieht nachts heimlich aus ihrem Zuhause, in dem sie es nicht aushält.
Alle drei verbindet die morbide Magie des Ortes, aber auch Probleme mit ihren Mitmenschen. Als Edda eines nachts Schnitte am Bauch aufweist, wollen Charu und Joran ihr helfen und machen sich auf die Suche nach ihrem Zuhause, geraten dabei aber selbst immer mehr in Schwierigkeiten.
Das Buch von etwas mehr als 300 Seiten ist sehr komplex und reißt neben der Krimihandlung auch viele soziale Probleme an. Wer will einen Ex-Knacki einstellen? Wie kann ein Kind im Wohlstand verwahrlosen? Welchen Druck üben die asozialen Medien aus? Warum wollen Männer Frauen besitzen?
Obwohl diese Fragen nur kurz gestreift werden, bleiben sie doch im Gedächtnis - wie der ganze Krimi, der weit mehr als ein einfacher Kriminalroman ist.
Dafür gibt es eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Absurdes Agententheater

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Spionageromane sind eigentlich nicht mein Lieblingsgenre, aber dieses Buch hat mir ausgesprochen gut gefallen, denn es führt genau dieses Genre ad absurdum mit einer wirren Geschichte, die oft zum Lachen ...

Spionageromane sind eigentlich nicht mein Lieblingsgenre, aber dieses Buch hat mir ausgesprochen gut gefallen, denn es führt genau dieses Genre ad absurdum mit einer wirren Geschichte, die oft zum Lachen ist, manchmal aber auch tragisch und traurig. Eine gute Mischung!

Zu Anfang der 1990er Jahre ist alles im Umbruch, der Ostblock zusammengebrochen, der Eiserne Vorhang Geschichte und die Agenten beider Seiten müssen sich neu orientieren. Dieter Germeshausen war sogar als Doppelagent für beide Seiten im Dienst, nun ist er heimatlos und will mit einem letzten Coup seine Schäfchen ins Trockene bringen. Dafür rekrutiert er den eloquenten Dichter Jakob Dreiser, der ihm helfen soll Hubschrauber aus Kasachstan zu exportieren. Das kann nur schiefgehen!

Magnusson erzählt die Geschichte mit viel positiver Energie und sehr liebevoll gegenüber seinen Figuren. Das Buch hat alles, was ein guter Agententhriller braucht; Spannung, plötzliche Wendungen, ein paar absurde Ideen, ist aber nicht ohne Tiefgang. Besonders die Figur des Dieter Germeshausen hat mir in ihrer Vielschichtigkeit gut gefallen.

Leider gibt es am Ende einen heftigen Cliffhanger, der mich geärgert und zum Punktabzug geführt hat. Da muss doch noch ein zweiter Band folgen!

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Überraschend

Einatmen. Ausatmen.
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Von Maxim Leo hatte ich die beiden Krimis gelesen, die wie auch dieses Buch in Brandenburg spielen. Deshalb war ich gespannt auf diese Geschichte, die vom ersten Leseeindruck ganz anders ist als seine ...

Von Maxim Leo hatte ich die beiden Krimis gelesen, die wie auch dieses Buch in Brandenburg spielen. Deshalb war ich gespannt auf diese Geschichte, die vom ersten Leseeindruck ganz anders ist als seine bisherigen Bücher.
Von Anfang an ist der Ton leicht-locker. Wir fahren mit der erfolgreichen Managerin Marlene zwangsweise von Hamburg nach Brandenburg, wo Marlene fit gemacht werden soll für die Leitung des Konzerns, denn der bisherige Chef will in den Ruhestand gehen. Leider hat Marlene einige menschliche Defizite, die in den kommenden zwei Wochen ausgebügelt werden sollen. Mit ihrer Effizienzbesessenheit ist Marlene vollkommen falsch in dem schlossartigen Retreat bei dem "Seelenflüsterer" mit dem schönen Aliasnamen "Alex Grow". Natürlich kommt alles anders als gedacht, da spielen Wildschweine, ein Hausmeister und eine Baumbesetzerin eine wichtige Rolle.
Ich habe das Buch an einem Wochenende gelesen, die Zeit verging wie im Fluge. Manchmal musste ich laut lachen, manchmal war aber auch viel Tragik und Wahrheit im Buch.
Für mich war das Buch rund und ein echtes Lesevergnügen.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Sehr reflektiert

Schwarzer September
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Es ist Sommer in Fiumetto an der ligurischen Küste, ein Sommer voller Sonne für den zwölfjährigen Gigio. Doch er wartet auf seine Freundin Astel, mit der er seine Stunden am Strand verbringen will. In ...

Es ist Sommer in Fiumetto an der ligurischen Küste, ein Sommer voller Sonne für den zwölfjährigen Gigio. Doch er wartet auf seine Freundin Astel, mit der er seine Stunden am Strand verbringen will. In diesem Jahr, 1972, wartet er lange vergeblich und muss seine Zeit mit seiner jüngeren Schwester Gilda und seiner irischen Mutter verbringen. Aber als Astel endlich kommt, beginnt ein Sommer voller Glück und Verheißungen für die beiden Kinder. Sie übersetzen englische Songtexte, schauen die Olympiade in München bis zu jedem schrecklichen Tag, als das Attentat auf die Spiele stattfindet und außerdem Gigios und Astels ganze Welt plötzlich zusammenbricht.
Gigio, der Ich-Erzähler, schildert die Ereignisse aus seiner Sicht als Erwachsener, aber er kann sich noch gut in den Zwölfjährigen hineinversetzen, der er einmal war. Dabei reflektiert er seine Gedanken und die Ereignisse sehr intensiv. Allerdings macht genau das das Buch auch etwas langatmig. Man möchte unbedingt wissen, wie der Sommer weitergeht und Gigios Gedanken halten diesen Fluss der Ereignisse immer wieder auf. Deshalb ist das Buch nicht einfach zu lesen und man braucht Geduld. Allerdings formuliert Veronesi sehr gekonnt und in einer ausgesprochen schönen Sprache, was mich mit der Langatmigkeit etwas versöhnt hat.

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