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Veröffentlicht am 24.09.2025

Das Mordbuch der Chefschnüfflerinnen – Ermittlungen zwischen Cocktails und Fondue

Die Einladung – Mord nur für geladene Gäste
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Dieses Cover wirkt ist wie ein Fenster zur Straße, man schaut hinein und zack! steht man mit gefrorener Nase in einer düsteren Winterlandschaft. Mitten in dieser frostigen Einöde prangt ein feudales Herrenhaus, ...

Dieses Cover wirkt ist wie ein Fenster zur Straße, man schaut hinein und zack! steht man mit gefrorener Nase in einer düsteren Winterlandschaft. Mitten in dieser frostigen Einöde prangt ein feudales Herrenhaus, so hell beleuchtet, als würde gerade eine Adelige ihren siebten Gatten verscharren oder wenigstens eine sehr wichtige Teegesellschaft abhalten. Das warme Licht ist einladend, ja geradezu verdächtig freundlich. Fast, als wolle es rufen: „Komm rein, hier gibt’s Alkohol! Und eventuell einen Mord.“
Der Titel des Buches glänzt in dicker goldener Schrift, so selbstbewusst, als hätte er einen Adelstitel und einen eigenen Butler. Doch hinter dieser protzigen Pracht lauert ein düsteres Geheimnis.

„Die Einladung“ von Kelly Mullen ist ein Krimi, der sich liest wie ein köstlich schiefgelaufenes Abendessen: spannend, manchmal urkomisch – und immer mit dem Gefühl, dass gleich der Nachtisch explodiert. Man rätselt mit, ob die Figuren nun Täter oder Opfer sind. Die Kapitel sind schön klein und mit Überschriften versehen – perfekt für alle, die beim Lesen gern zwischendurch einen Kaffee, ein Alibi oder einen Keks brauchen. Und weil die Autorin offenbar ahnte, dass niemand 12 schrullige Figuren ohne Zettel im Kopf behält, sind sie in den Innenklappen als Karikaturen verewigt. So weiß man immer, wer der grimmige Klavierspieler, der alkoholkranke Koch oder der langweiligste Typ der Insel ist.

Die 77-jährige Rosemary, genannt Mimi, wird von ihrer reichen Nachbarin Jane eingeladen. Ein Erscheinen ist Pflicht, denn Jane kennt angeblich Mimi's wohlgehütetes Geheimnis. Die Einladung führt sie samt ihrer Enkelin Addie in ein monströses Herrenhaus, welches einer Burg gleicht und viele Geheimgänge hat, dass selbst Agatha Christie ins Schwitzen käme. Kaum ist das Buffet und die Auktion eröffnet, liegt die Gastgeberin auch schon mausetot in ihrem Zimmer. Ein Schneesturm und eine hochgezogene Hängebrücke sorgen dafür, dass niemand das Anwesen verlassen kann. Handyempfang? Fehlanzeige, denn der Strom ist weg. Polizei? Vielleicht im Frühling. Also bleibt es an Mimi und Addie, den Mord aufzuklären - bewaffnet mit Neugier, Scharfsinn, reichlich Alkohol und Zigaretten. Doch je mehr Verdächtige sie ins Visier nehmen, desto klarer wird: Der Mörder ist noch unter ihnen.

Fazit: „Die Einladung“ ist wie ein köstlicher "Gibson" - leicht runterzuschlürfen, wärmender Spaß und die Seiten fliegen dahin, als hätte jemand die Druckerschwärze mit Alkohol aufgegossen. Allerdings stolpert man gelegentlich über fremdartige Begriffe und Seriennamen.
Lösung: einfach überlesen, als sei es ein alibifreies Geständnis. ⭐️⭐️⭐️⭐️ für jede Menge Rätselei und das hinreißende Zitat:
"Lass es niemals zu, dass ein Mann dir die Leidenschaft für etwas nimmt."

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Der Künstler hält die Fäden in der Hand

Garden Girls
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Das Cover des Buches kommt in kräftigen Farbtönen mit dunkel lila Blüten und gelbem hervorstechendem Titel daher. Ein weibliches Auge schaut heraus und erzeugt Aufmerksamkeit. Für mich ein gelungenes Cover, ...

Das Cover des Buches kommt in kräftigen Farbtönen mit dunkel lila Blüten und gelbem hervorstechendem Titel daher. Ein weibliches Auge schaut heraus und erzeugt Aufmerksamkeit. Für mich ein gelungenes Cover, welches perfekt zur Story passt, aber nicht unbedingt auf einen Thriller hinweist.

Die Autorin Jessica R. Patch war mir bisher unbekannt. Ihr Schreibstil wechselt einerseits von der Erzählerperspektive hin zur Ich-Perspektive eines Opfers und baut damit Nähe auf, um sich besser in die Lage eines "Garden Girls" hinein zu versetzen. Dieser Stil bzw. Wechsel hat mich beim Lesen nicht gestört.

Der Prolog ist unheimlich spannend und hat mich bereits bei der Leseprobe total abgeholt. Das Buch wechselt dann rasch zur FBI-Außenstelle, Strange Crime Unit (SCU) nach Memphis und führt die verschiedenen Ermittler rund um die Hauptfigur des Agent Tiberis Granger auf. Dabei erfährt man Details der Vergangenheit von Ty mit Bexley Hemmingway, seiner Jugendliebe. Und taucht in die Geflogenheiten einer Sekte ein. Der Killer scheint den Ermittlern immer einen Schritt voraus zu sein und liefert ein gnadenloses, psychologisches Spiel zu dem er Ty wie an Marionettenfäden tanzen lässt. Absolut authentische Charaktere, die auch tiefe Gefühle zeigen.

Das letzte Drittel des Buches hat mich nicht mehr richtig gefesselt. Zu viele Personen wurden benannt, die Story flachte ab, trotz das der Killer noch nicht feststand und der Hurrikan Jodie peitschte plötzlich in Windeseile das Ende heran.
Ich hatte einen anderen Ausgang erwartet, das Motiv war zwar erkennbar, aber für mich nicht wirklich richtig schlüssig.

Fazit: "Garden Girls" ist ein unterhaltsamer Thriller, der sich gut liest und schnell Spannung aufbaut. Vielschichtige, authentische Charaktere lassen einen miträtseln und fesseln den Leser. Typische Gänsehautmomente findet man allerdings nicht. Detailreiche Beschreibungen von zu vielen Personen nehmen oft das Tempo aus der Story und skurrile Momente bremsen damit leider den Nervenkitzel aus.
Trotzdem ⭐️⭐️⭐️⭐️für die Story auf und rund um die Outer Banks.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Nordischer Politthrill zwischen Intrigen, Geheimnissen und Machtkämpfen

Die Stockholm-Protokolle
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Das Cover von "Die Stockholm Protokolle" besticht durch seine Farben, die sofort eine Mischung aus politischer Kühle und unterschwelliger Spannung vermitteln. Es wirkt wie ein Versprechen, dass unter der ...

Das Cover von "Die Stockholm Protokolle" besticht durch seine Farben, die sofort eine Mischung aus politischer Kühle und unterschwelliger Spannung vermitteln. Es wirkt wie ein Versprechen, dass unter der glatten Oberfläche der Stadt etwas brodelt, was der Roman aufgreift.

Im Zentrum stehen Julia Popovic und Alfred Swärd, ein Ehepaar, dessen berufliche Rollen sich plötzlich umkehren. Julia hat danach gestrebt, Politikreporterin zu werden, allerdings hat sie zu tief im Ministerium gegraben und wird von ihrer Zeitung kalt gestellt. Während sie beruflich zurückstecken muss, startet Alfred durch. Vom engagierten Windkraftenthusiasten im Fernsehen wird er zum Pressesprecher des Ministerpräsidenten Christian Bratt berufen und findet sich in einem Haifischbecken aus Machtkämpfen, Intrigen und politischem Kalkül wieder. Ihm wird vermittelt, dass diejenigen, die dort als politische Beamte arbeiten, speichelleckende Wölfe und Rivalen sind, von der Spitze bis ganz nach unten. Es ist ein Hauen und Stechen, Missgunst und Neid vom Feinsten.

Der Einstieg ins Buch ist anspruchsvoll. Die Vielzahl an politischen Rollen, sei es Staatssekretäre, Pressesprecher, Redenschreiber, Minister prasseln sofort auf einen ein, was anfangs eher überfordert als fesselt. Doch die kurzen, flüssig geschriebenen Kapitel und die wechselnden Erzählperspektiven von Julia und Alfred helfen dabei, sich nach und nach in diesem komplexen Geflecht zurechtzufinden.

Stark ist die Art, wie das Buch Machtstrukturen, Geheimnisse und persönliche Abgründe miteinander verwebt. Es ist kein blutrünstiger Thriller, sondern ein politisches Spannungsfeld, das sich langsam, aber stetig zuspitzt und der Realität nah kommt. Besonders im letzten Dritten zieht die Spannung deutlich an. Der Skandal, den das Ehepaar aufzudecken versucht, entwickelt sich zu einem potenziellen Erdbeben für die gesamte Regierung.

Allerdings bleibt man als Leser am Ende mit einigen Fragezeichen zurück. Der große Scoop wirkt zwar spektakulär, denn dieser kann nicht nur den Ministerpräsidenten, sondern vielleicht sogar die ganze Regierung stürzen, fällt dann aber insgesamt flach aus. Zudem entsteht der Eindruck, dass es sich um den Auftakt einer Reihe handelt, was schade ist, wenn man auf einen runden Abschluss gehofft hat. Auch der Bezug zum Titel bleibt eher vage.

Fazit: Die Stockholmer Protokolle ist ein atmosphärischer, intelligenter Politikthriller mit starken Momenten. Die Story ist interessant, die Hauptfiguren sympathisch, doch das unbefriedigende Finale verhindert den ganz großen Wurf, aber wer nordische Spannung mit politischem Einschlag mag, wird hier definitiv fündig. 3,5 von 5 Sternen, anspruchsvoll, gut erzählt, das Ende für mich nicht vollständig überzeugend.

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Veröffentlicht am 15.01.2026

Die Vergangenheit holt ihre Opfer zurück - versteck Dich, wenn du kannst

Blutwild
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Das Cover wirkt auf den ersten Blick dezent in mintgrün, bis auf das riesige, dreidimensionale Fleischermesser, welches einem förmlich ins Auge springt. Es spaltet die gelben Titelbuchstaben scharf und ...

Das Cover wirkt auf den ersten Blick dezent in mintgrün, bis auf das riesige, dreidimensionale Fleischermesser, welches einem förmlich ins Auge springt. Es spaltet die gelben Titelbuchstaben scharf und kraftvoll und gibt damit die Tonspur des Buchs vor: brutal, direkt, ohne Umwege.

Saskia te Marveld schreibt flüssig und angenehm, mit kurzen Kapiteln, die man zügig weg liest. Der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit trägt zunächst zur Spannung bei, wirkt aber stellenweise unkoordiniert. Einige Details der Vergangenheit hätten früher erklärt werden müssen, so verliert der Plot an Klarheit und lässt Leser zwischenzeitlich ratlos zurück. Der finale Knoten platzt erst sehr spät, wodurch der Spannungsbogen nicht ganz die erhoffte Höhe erreicht.

Trotzdem überzeugt „Blutwild“ mit seiner Atmosphäre und einer starken Protagonistin. Anka, einst Kommissarin, heute Resilienztrainerin, wirkt sympathisch, hilfsbereit, schleppt allerdings das Trauma einer grausamen Geiselnahme mit sich herum. Sie verlor dabei ihren linken Unterschenkel an eine Wildererfalle. Ihr Entführer sitzt längst im Gefängnis. Als plötzlich Leichenteile auftauchen, die denselben perfiden Schnittmustern folgen, kehrt der Albtraum unwiderruflich zu ihr zurück. Doch wie kann das sein, wer steckt dahinter?

Fazit: ⭐️⭐️⭐ für "Blutwild". Ein düsterer, beklemmender aber auch unterhaltsamer Thriller. Nicht jeder Twist sitzt perfekt, und manche Antworten kommen spät, aber am Ende fügt sich alles zusammen. Ein Debüt, was neugierig auf die nächsten Bücher der Autorin macht. Ich wurde gut unterhalten und kann das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

Im Schatten des Reichtums lauert der Tod

Das Gesetz der Elite
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Bereits das Cover stimmt auf die düstere Grundatmosphäre des Thrillers: "Das Gesetz der Elite" ein. Kühl, streng und thematisch passend. Es spiegelt die zentralen Motive von Kontrolle, Macht und die verborgenen ...

Bereits das Cover stimmt auf die düstere Grundatmosphäre des Thrillers: "Das Gesetz der Elite" ein. Kühl, streng und thematisch passend. Es spiegelt die zentralen Motive von Kontrolle, Macht und die verborgenen Strukturen einer Elite wider, die im Hintergrund die Fäden zieht.

Besonders eindrucksvoll ist das Eingangszitat, das wie ein programmatischer Schlüssel zur Geschichte wirkt. Es deutet früh an, dass es um gesellschaftliche Ordnung und tiefgreifende Ungleichheit geht, und lenkt den Blick geschickt auf die Grauzonen zwischen Recht und Unrecht.

Die Leseprobe überzeugte mich mit einem hohem Tempo und einer vielschichtigen, überraschungsreichen Handlung. Sandrone Dazieri versteht es, Spannung aufzubauen, ohne die psychologische Tiefe der Figuren zu vernachlässigen. Die Charaktere erscheinen glaubwürdig und komplex, häufig hin- und hergerissen zwischen persönlichen Motiven und äußeren Zwängen. Ein prägnantes Beispiel dafür ist Dante Torre, ein eigenwilliger, kantiger Charakter, dessen Denken zwischen Genialität und Wagemut pendelt. Er merkt schnell, dass „Genialität und Skrupellosigkeit des Feindes eine tödliche Kombination“ sind. Die Elite ist eine Schicht, die ein System mit eigenen Regeln, Logiken und Überzeugungen bildet.

Der Schreibstil ist präzise und flüssig, regt immer wieder dazu an, eigene Theorien zu entwickeln. Die Vorgeschichte der beiden Protagonisten wird nur angerissen und lässt sich nicht vollständig nachvollziehen, was die emotionale Bindung etwas erschwert, dem Verständnis der Handlung tut dies jedoch keinen Abbruch.

Auch wenn alle erzählerischen Fäden am Ende sauber zusammengeführt werden und das komplexe Konstrukt stimmig aufgelöst ist, konnte mich die Geschichte insgesamt nicht vollständig packen. Die Leseprobe hat große Erwartungen geweckt, die Spannung des Gesamtwerks blieb für mein Empfinden jedoch etwas dahinter zurück.

Fazit: ⭐⭐⭐ von 5 Sternen. Spannende Idee & starke Figuren, besonders Dante. Stil packend, Ende stimmig, doch insgesamt blieb die Spannung hinter meinen Erwartungen zurück.

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