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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.09.2025

Der Künstler hält die Fäden in der Hand

Garden Girls
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Das Cover des Buches kommt in kräftigen Farbtönen mit dunkel lila Blüten und gelbem hervorstechendem Titel daher. Ein weibliches Auge schaut heraus und erzeugt Aufmerksamkeit. Für mich ein gelungenes Cover, ...

Das Cover des Buches kommt in kräftigen Farbtönen mit dunkel lila Blüten und gelbem hervorstechendem Titel daher. Ein weibliches Auge schaut heraus und erzeugt Aufmerksamkeit. Für mich ein gelungenes Cover, welches perfekt zur Story passt, aber nicht unbedingt auf einen Thriller hinweist.

Die Autorin Jessica R. Patch war mir bisher unbekannt. Ihr Schreibstil wechselt einerseits von der Erzählerperspektive hin zur Ich-Perspektive eines Opfers und baut damit Nähe auf, um sich besser in die Lage eines "Garden Girls" hinein zu versetzen. Dieser Stil bzw. Wechsel hat mich beim Lesen nicht gestört.

Der Prolog ist unheimlich spannend und hat mich bereits bei der Leseprobe total abgeholt. Das Buch wechselt dann rasch zur FBI-Außenstelle, Strange Crime Unit (SCU) nach Memphis und führt die verschiedenen Ermittler rund um die Hauptfigur des Agent Tiberis Granger auf. Dabei erfährt man Details der Vergangenheit von Ty mit Bexley Hemmingway, seiner Jugendliebe. Und taucht in die Geflogenheiten einer Sekte ein. Der Killer scheint den Ermittlern immer einen Schritt voraus zu sein und liefert ein gnadenloses, psychologisches Spiel zu dem er Ty wie an Marionettenfäden tanzen lässt. Absolut authentische Charaktere, die auch tiefe Gefühle zeigen.

Das letzte Drittel des Buches hat mich nicht mehr richtig gefesselt. Zu viele Personen wurden benannt, die Story flachte ab, trotz das der Killer noch nicht feststand und der Hurrikan Jodie peitschte plötzlich in Windeseile das Ende heran.
Ich hatte einen anderen Ausgang erwartet, das Motiv war zwar erkennbar, aber für mich nicht wirklich richtig schlüssig.

Fazit: "Garden Girls" ist ein unterhaltsamer Thriller, der sich gut liest und schnell Spannung aufbaut. Vielschichtige, authentische Charaktere lassen einen miträtseln und fesseln den Leser. Typische Gänsehautmomente findet man allerdings nicht. Detailreiche Beschreibungen von zu vielen Personen nehmen oft das Tempo aus der Story und skurrile Momente bremsen damit leider den Nervenkitzel aus.
Trotzdem ⭐️⭐️⭐️⭐️für die Story auf und rund um die Outer Banks.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Nordischer Politthrill zwischen Intrigen, Geheimnissen und Machtkämpfen

Die Stockholm-Protokolle
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Das Cover von "Die Stockholm Protokolle" besticht durch seine Farben, die sofort eine Mischung aus politischer Kühle und unterschwelliger Spannung vermitteln. Es wirkt wie ein Versprechen, dass unter der ...

Das Cover von "Die Stockholm Protokolle" besticht durch seine Farben, die sofort eine Mischung aus politischer Kühle und unterschwelliger Spannung vermitteln. Es wirkt wie ein Versprechen, dass unter der glatten Oberfläche der Stadt etwas brodelt, was der Roman aufgreift.

Im Zentrum stehen Julia Popovic und Alfred Swärd, ein Ehepaar, dessen berufliche Rollen sich plötzlich umkehren. Julia hat danach gestrebt, Politikreporterin zu werden, allerdings hat sie zu tief im Ministerium gegraben und wird von ihrer Zeitung kalt gestellt. Während sie beruflich zurückstecken muss, startet Alfred durch. Vom engagierten Windkraftenthusiasten im Fernsehen wird er zum Pressesprecher des Ministerpräsidenten Christian Bratt berufen und findet sich in einem Haifischbecken aus Machtkämpfen, Intrigen und politischem Kalkül wieder. Ihm wird vermittelt, dass diejenigen, die dort als politische Beamte arbeiten, speichelleckende Wölfe und Rivalen sind, von der Spitze bis ganz nach unten. Es ist ein Hauen und Stechen, Missgunst und Neid vom Feinsten.

Der Einstieg ins Buch ist anspruchsvoll. Die Vielzahl an politischen Rollen, sei es Staatssekretäre, Pressesprecher, Redenschreiber, Minister prasseln sofort auf einen ein, was anfangs eher überfordert als fesselt. Doch die kurzen, flüssig geschriebenen Kapitel und die wechselnden Erzählperspektiven von Julia und Alfred helfen dabei, sich nach und nach in diesem komplexen Geflecht zurechtzufinden.

Stark ist die Art, wie das Buch Machtstrukturen, Geheimnisse und persönliche Abgründe miteinander verwebt. Es ist kein blutrünstiger Thriller, sondern ein politisches Spannungsfeld, das sich langsam, aber stetig zuspitzt und der Realität nah kommt. Besonders im letzten Dritten zieht die Spannung deutlich an. Der Skandal, den das Ehepaar aufzudecken versucht, entwickelt sich zu einem potenziellen Erdbeben für die gesamte Regierung.

Allerdings bleibt man als Leser am Ende mit einigen Fragezeichen zurück. Der große Scoop wirkt zwar spektakulär, denn dieser kann nicht nur den Ministerpräsidenten, sondern vielleicht sogar die ganze Regierung stürzen, fällt dann aber insgesamt flach aus. Zudem entsteht der Eindruck, dass es sich um den Auftakt einer Reihe handelt, was schade ist, wenn man auf einen runden Abschluss gehofft hat. Auch der Bezug zum Titel bleibt eher vage.

Fazit: Die Stockholmer Protokolle ist ein atmosphärischer, intelligenter Politikthriller mit starken Momenten. Die Story ist interessant, die Hauptfiguren sympathisch, doch das unbefriedigende Finale verhindert den ganz großen Wurf, aber wer nordische Spannung mit politischem Einschlag mag, wird hier definitiv fündig. 3,5 von 5 Sternen, anspruchsvoll, gut erzählt, das Ende für mich nicht vollständig überzeugend.

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Veröffentlicht am 15.01.2026

Die Vergangenheit holt ihre Opfer zurück - versteck Dich, wenn du kannst

Blutwild
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Das Cover wirkt auf den ersten Blick dezent in mintgrün, bis auf das riesige, dreidimensionale Fleischermesser, welches einem förmlich ins Auge springt. Es spaltet die gelben Titelbuchstaben scharf und ...

Das Cover wirkt auf den ersten Blick dezent in mintgrün, bis auf das riesige, dreidimensionale Fleischermesser, welches einem förmlich ins Auge springt. Es spaltet die gelben Titelbuchstaben scharf und kraftvoll und gibt damit die Tonspur des Buchs vor: brutal, direkt, ohne Umwege.

Saskia te Marveld schreibt flüssig und angenehm, mit kurzen Kapiteln, die man zügig weg liest. Der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit trägt zunächst zur Spannung bei, wirkt aber stellenweise unkoordiniert. Einige Details der Vergangenheit hätten früher erklärt werden müssen, so verliert der Plot an Klarheit und lässt Leser zwischenzeitlich ratlos zurück. Der finale Knoten platzt erst sehr spät, wodurch der Spannungsbogen nicht ganz die erhoffte Höhe erreicht.

Trotzdem überzeugt „Blutwild“ mit seiner Atmosphäre und einer starken Protagonistin. Anka, einst Kommissarin, heute Resilienztrainerin, wirkt sympathisch, hilfsbereit, schleppt allerdings das Trauma einer grausamen Geiselnahme mit sich herum. Sie verlor dabei ihren linken Unterschenkel an eine Wildererfalle. Ihr Entführer sitzt längst im Gefängnis. Als plötzlich Leichenteile auftauchen, die denselben perfiden Schnittmustern folgen, kehrt der Albtraum unwiderruflich zu ihr zurück. Doch wie kann das sein, wer steckt dahinter?

Fazit: ⭐️⭐️⭐ für "Blutwild". Ein düsterer, beklemmender aber auch unterhaltsamer Thriller. Nicht jeder Twist sitzt perfekt, und manche Antworten kommen spät, aber am Ende fügt sich alles zusammen. Ein Debüt, was neugierig auf die nächsten Bücher der Autorin macht. Ich wurde gut unterhalten und kann das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Große Themen, aber wenig emotionale Tiefe

Real Americans
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Das Cover von Real Americans zeigt eine große Auster auf zartem türkisem Hintergrund. Dieses Bild wirkt zunächst schlicht, trägt aber eine starke Symbolik in sich. Die Auster steht einerseits für Verschlossenheit, ...

Das Cover von Real Americans zeigt eine große Auster auf zartem türkisem Hintergrund. Dieses Bild wirkt zunächst schlicht, trägt aber eine starke Symbolik in sich. Die Auster steht einerseits für Verschlossenheit, einen Charakterzug, der sich bei vielen Figuren im Roman wiederfindet. Andererseits gilt sie als teure Delikatesse, die im Buch immer wieder konsumiert wird. Damit spiegelt das Motiv zugleich ein zentrales Thema der Geschichte wider: Klassenzugehörigkeit. Geld öffnet in dieser Welt viele Türen und bestimmt maßgeblich über Chancen, Lebenswege und Privilegien.

In drei voneinander getrennten Teilen lässt die Autorin Rachel Khong unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen. Daraus entwickelt sich eine generationsübergreifende Familiengeschichte, die zahlreiche Themen streift und immer wieder größere Fragen nach Herkunft, Identität und Zukunft stellt.

Im ersten Teil erzählt Lily ihre Geschichte, eine beinahe märchenhafte Romanze, in der ein modernes Aschenputtel den reichen Prinzen findet. Der zweite Teil wird aus der Perspektive ihres Sohnes Nick geschildert, der als Student zwischen Jugend und Erwachsenwerden seinen Vater und Platz im Leben sucht. Im dritten Teil schließlich kommt May zu Wort, Lilys Mutter. In diesem Abschnitt verknüpft sich die Familiengeschichte mit den chinesischen Wurzeln der Figuren, gleichzeitig taucht auch hier ein fast science-fictionhaftes Motiv auf, die Fähigkeit, die Zeit anzuhalten. Dieser Aspekt erscheint jedoch konstruiert, verwirrend und trägt wenig zur Entwicklung der Handlung bei.

Genetische Forschung bildet einen wichtigen Punkt der Handlung. Anhand von Mays wissenschaftlicher Arbeit stellt der Roman grundlegende moralische Überlegungen an. Wie weit darf Wissenschaft gehen, wenn es um das menschliche Erbgut geht? Ist es vertretbar, Gene zu verändern, wenn dadurch Krankheiten verhindert werden könnten? Darf der Mensch die Würfel selbst in die Hand nehmen und eine Spezies mit allen Wunschvorstellungen züchten? Der Roman berührt dabei viele gesellschaftlich relevante Themen, angefangen von Herkunft, Identität, Diskriminierung, ethischen Grenzen der Biomedizin, Erziehung, Macht und Geld sowie die damit verbundenen Privilegien. Schlussendlich geht es um die allumfassende Frage, was prägt uns? Unsere Gene, unsere Herkunft, unsere Erziehung oder die Zuschreibungen der Gesellschaft?

Trotz des großen Umfangs des Buches von über 500 Seiten werden die vielen Themen eher angerissen als wirklich ausgearbeitet, sodass vieles oberflächlich bleibt und kaum emotionale oder inhaltliche Tiefe hat. Viele Aspekte wirken überladen, manche Entwicklungen erscheinen konstruiert und an einigen Stellen schlicht nicht plausibel. Zwar bietet das Buch durchaus interessante Denkanstöße, doch die Handlung verliert sich stellenweise in ihren eigenen Ideen. Auch emotional blieb die Geschichte für mich überraschend distanziert. Weder die Story noch die Protagonisten konnten mich wirklich berühren und genau das erwarte ich von Literatur. Gerade bei einem Familienroman über mehrere Generationen hätte ich mir mehr Tiefe und emotionale Nähe gewünscht.

Der Roman behandelt spannende Fragen unserer Zeit. Den großen Hype und die Lobpreisungen rund um den Slogan „Deutschland liest ein Buch“ kann ich persönlich jedoch nicht ganz nachvollziehen. Für mich bleibt Real Americans ein interessantes, aber letztlich etwas überladenes Buch, das gute Ansätze hat, sein Potenzial jedoch nicht vollständig ausschöpft. Daher nur solide ⭐️⭐️⭐von fünf Sternen für viele große Ideen und gesellschaftliche Themen, aber zu wenig emotionale Wirkung.

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