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Veröffentlicht am 04.04.2026

Thriller über trügerische Erinnerungen und toxische Beziehungen voll bitterer Ironie - spannend und unterhaltsam zugleich

All your pretty lies. Glaubst du deinen Lügen?
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Vor fünf Jahren wurde Lucy verwirrt und blutverschmiert am Straßenrand aufgefunden - und ihre beste Freundin Savvy unweit entfernt tödlich verletzt. Ohne Erinnerungen an den Abend wurde Lucy in dem Mordfall ...

Vor fünf Jahren wurde Lucy verwirrt und blutverschmiert am Straßenrand aufgefunden - und ihre beste Freundin Savvy unweit entfernt tödlich verletzt. Ohne Erinnerungen an den Abend wurde Lucy in dem Mordfall zur Hauptverdächtigen und selbst ihre Eltern dachten, dass Lucy Savvy getötet hat. Ein Tatnachweis war allerdings nicht möglich und das Verbrechen blieb unaufgeklärt. Lucy kehrte der Kleinstadt in Texas den Rücken und fing in Los Angeles ein neues Leben an.
Anlässlich des 80. Geburtstags ihrer Großmutter kehrt sie nach Plumpton zurück, wo bereits der bekannte True-Crime-Podcaster Ben Owens wartet, der sich zum Ziel gesetzt, den Mord an Savvy aufzuklären. Lucy ist gezwungen, sich mit ihrer unbequemen Vergangenheit auseinanderzusetzen, auch wenn das bedeuten sollte, sie als Täterin zu entlarven.

Lucy kehrt in ihren Heimatort zurück, wo sie jeder für eine Mörderin hält. Statt gegen Feindseligkeit und Misstrauen anzukämpfen und sich zu verteidigen, sucht Lucy die Konfrontation und reagiert mit Provokation und Sarkasmus. Nur ihre Großmutter scheint an ihre Unschuld zu glauben und hofft, dass der Podcast die Wahrheit ans Licht bringen kann.

Der Roman wird aus Lucys Perspektive geschildert, die keine Erinnerungen an den Abend hat, als ihre beste Freundin ums Leben gekommen ist. Während böse Zungen die Amnesie als Ausrede oder Lüge interpretieren, kann es sich auch um die Folge eines schweren Traumas handeln, was die Schuldfrage offen lässt.

Neben Lucys gegenwärtiger Sicht und Szenen des Abends vor fünf Jahren, wird die Handlung mit Ausschnitten der Podcast-Folgen ergänzt, in denen Ben Interviews mit den Bewohnern Plumptons führt, die den Abend rekonstruieren sollen, aber auch Lucy und Savvy charakterisieren und Einblicke in das Beziehungsgeflecht der Kleinstadt geben.

Die unterschiedlichen Blickwinkel sorgen für anhaltende Spannung. Lucys sarkastische Art und die Stimme in ihrem Kopf, die sie wiederholt auffordert, zu töten, haben einen hohen Unterhaltungswert und schüren Zweifel, ob Lucy vertrauensvoll ist. Gleichzeitig offenbart Bens Hartnäckigkeit mehr als eine schmutzige Wahrheit über die Kleinstadtbewohner.

"All your pretty lies" ist ein Thriller über trügerische Erinnerungen und toxische Beziehungen, der voll bitterer Ironie und einer Hauptfigur, die es liebt, zu schockieren, einen Blick hinter die Fassade einer Kleinstadt wirft. Der True-Crime-Podcast, der von der Sensationsgier der Zuhörer lebt, setzt den Impuls für die Aufklärung des Cold Cases und verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf spannende und unterhaltsame Weise. Zu hinterfragen ist am Ende jedoch, ob die Polizei nicht schon allein durch die Überprüfung von Alibis den Fall fünf Jahre zuvor hätte aufklären können.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Spannende und dramatische Geschichte mit kämpferischen Frauen über die Jahrhunderte hinweg - atmosphärische Stimmung in bildhaft beschriebener Moorlandschaft

Spiegelland
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Cato flieht 1999 zusammen mit ihrer zwölfjährigen Tochter von ihrem gewalttätigen Ehemann in das Haus, das sie von ihrer unbekannten Großmutter geerbt hat. Das Haus in der Moorlandschaft wird zu ihrer ...

Cato flieht 1999 zusammen mit ihrer zwölfjährigen Tochter von ihrem gewalttätigen Ehemann in das Haus, das sie von ihrer unbekannten Großmutter geerbt hat. Das Haus in der Moorlandschaft wird zu ihrer Zuflucht und offenbart ihr gleichzeitig Familiengeheimnisse, die ihr Aufschluss über das zerrüttete Verhältnis ihrer Vorfahren geben.
26 Jahre später flüchtet auch Elias ins Moor zu seiner Großmutter Cato. Elias hat einen schweren Fehler begangen und schafft es kaum, die Tat mit sich auszumachen. Was er über seinen Großvater und Urgroßvater erfährt, ist erschütternd und wirft die beängstigende Frage auf, ob sich Geschichte wiederholt.
Jahrhunderte zuvor beginnt die Kolonisierung der Moorlandschaft in der Nähe von Bremen. Die junge Aletta gerät dabei in die Auseinandersetzungen zweier verfeindeter Dörfer. Um den Streit zu schlichten, ist sie sogar bereit, ihre Liebe zu opfern.

Der Roman handelt auf drei Zeitebenen, die zeitlich bis zu 260 Jahre getrennt sind, aber inhaltlich eng verwoben sind. Die Ereignisse handeln alle am gleichen Ort im Moor bei Worpswede und decken Konflikte und lang gehütete Geheimnisse auf. Die Kapitel sind kurz, was die Parallelen in der Handlung weiter verstärkt.

Zwei Perspektiven werden aus weiblicher Sicht dargestellt, in der Frauen gegen sexualisierte Gewalt, toxische Männlichkeit und patriarchale Strukturen ankämpfen müssen. Sowohl 1999 als auch 1756 geraten die Frauen in lebensgefährliche Situationen.
Die dritte Perspektive ist aus männlicher Sicht geschildert, aus der Sicht eines Täters, wobei diese aufgrund der Jugendlichkeit des Charakters und der weitaus kürzeren Darstellung weniger eindrücklich ist.

Der Roman ist durch die detaillierten Naturbeschreibungen und die unterschiedlichen Stimmungen, die vermittelt werden, sehr atmosphärisch beschrieben. Es fällt dadurch leicht, sich bildhaft in das Moor versetzen zu lassen und ein Gefühl für die Charaktere und ihr Handeln zu erhalten.
Aufwühlend und dramatisch sind die familiären Geheimnisse und Konflikte, die offenbart werden und für anhaltende Spannung um die Schicksale sorgen, die so realitätsnah wirken. Die Geschichte fesselt jedoch auch durch den Fund zweier Moorleichen und die Mystik, die sie umgibt und legt ein Augenmerk auf die Notwendigkeit des Schutzes der Moorlandschaft.

"Spiegelland" ist ein facettenreicher, bildhaft beschriebener Roman, der von häuslicher Gewalt und der Frage handelt, wie sich Schuld, individuelle Fehler und Charakterschwäche auf nachfolgende Generationen auswirken und die Zukunft bestimmen. Spannend, dramatisch und atmosphärisch werden drei Handlungsstränge verknüpft, die eine jahrhundertelange Unterdrückung darlegen und gesellschaftliche Strukturen in Frage stellen lassen.

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Spannende Kombination aus Polizeiarbeit und Psychothriller - wendungsreich durch wechselnde Verdächtige und falsche Fährten

Verdacht - Drei Frauen. Zwei Opfer. Ein mörderischer Plan.
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Natalie leidet unter Aussetzern seitdem sie nach langer Zeit wieder einen Brief erhalten hat, in dem sie als Lügnerin beschimpft wird. Die temporären Erinnerungslücken sind das Symptom einer Posttraumatischen ...

Natalie leidet unter Aussetzern seitdem sie nach langer Zeit wieder einen Brief erhalten hat, in dem sie als Lügnerin beschimpft wird. Die temporären Erinnerungslücken sind das Symptom einer Posttraumatischen Belastungsstörung, ausgelöst durch eine Vergewaltigung, für die der Täter nicht bestraft wurde. Ihr Ehemann war stets rücksichtsvoll an ihrer Seite und wird nun selbst beschuldigt, eine Kollegin vergewaltigt zu haben. DI Helen Stratton hat ebenfalls ein Trauma erlitten. Ihre ältere Schwester verschwand als Teenager spurlos. Die unzureichenden Ermittlungen der Polizei waren ausschlaggebend für Helens Berufswahl. Sie möchte Gerechtigkeit für all die Opfer erlangen. Auch Jahrzehnte später ist sie auf der Suche nach Karen und wird bei jeder aufgefundenen Frauenleiche hellhörig. Der Roman wird abwechselnd aus den zwei Ich-Perspektiven der beiden Hauptfiguren Natalie und Helen erzählt. Die Übergänge sind durch die dichte, temporeiche Handlung fließend und die Erzählstimmen durch die individuelle Charakterisierung deutlich unterscheidbar. Sowohl Natalies als auch Helens Verhalten in der Gegenwart sind von den Erlebnissen der Vergangenheit geprägt. Beide sind belastet und problembehaftet. Nach einer Vorstellung der Charaktere in ihren Lebenssituationen setzt die Spannung spätestens mit dem Leichenfund von Alice ein und bleibt kontinuierlich hoch. Mit Natalies Ehemann ist ein Täter schnell gefunden, denn alle Indizien sprechen gegen ihn. Gleichzeitig ist klar, dass die Aufklärung nicht so einfach sein kann und dass die Tat mit den hinterlassenen Spuren aufwändig inszeniert wurde. Der Untertitel "Drei Frauen. Zwei Opfer. Ein mörderischer Plan" verrät diesbezüglich schon fast zu viel. Dennoch bleibt die Spannung durch zahlreiche Wendungen, wechselnde Verdächtige und falsche Fährten auf einem konstant hohen Niveau. Als Leser ist man unaufhörlich eingeladen zu spekulieren und kann gleichzeitig niemandem trauen. Insbesondere Natalies Perspektive erscheint durch ihre Blackouts nicht verlässlich und trägt zur Irreführung bei. Die Kombination aus Polizeiarbeit und Psychothriller ist gelungen und lässt hoffen, dass es sich bei "Verdacht" um den Auftaktband einer neuen Buchreihe um DI Helen Stratton handelt, der aufgrund ihres persönlichen Hintergrunds die Gerechtigkeit für die Opfer der Verbrechen besonders am Herzen liegt.

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Veröffentlicht am 18.12.2025

Hoffnungsvoller Familienroman über belastete Mutter-Tochter-Beziehungen aus der Sicht von vier Generationen

Für immer wir
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Grace ist für ihre 89 Jahre topfit. Sie lebt alleine in der Pension an der walisischen Küste, die sie lange für Gäste betrieben hat und geht zweimal in der Woche schwimmen. Ihren 90. Geburtstag möchte ...

Grace ist für ihre 89 Jahre topfit. Sie lebt alleine in der Pension an der walisischen Küste, die sie lange für Gäste betrieben hat und geht zweimal in der Woche schwimmen. Ihren 90. Geburtstag möchte sie nicht feiern, rechnet jedoch nicht mit den Plänen ihrer Enkelin Elin, die ihrer geliebten Grama eine große Überraschungsfeier mit all ihren Freunden und Bekannten bereiten möchte.
Graces einziger Wunsch ist die Versöhnung mit ihrer Tochter Alys, zu der sie seit 30 Jahren keinen Kontakt hat. Als sie zufällig ihre Adresse ausmacht, da sie als Künstlerin bekannt geworden ist, schreibt sie Alys einen Brief und lädt sie ein, ohne Elin Bescheid zu geben. Elin wurde von ihrer Mutter Alys bitter im Stich gelassen und wollte bei ihrer Tochter alles besser machen. Ihre inzwischen 16-jährige Tochter Beca ist von den Erwartungen ihrer Mutter überfordert und fühlt sich vor allem hinsichtlich ihrer schulischen Leistungen unter Druck gesetzt. Dass ihr Vater akut in der Midlife Crisis steckt, macht die Situation nicht einfacher.

Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht aller vier Frauen erzählt - vier Frauen, die unmittelbar miteinander verwandt, aber doch so unterschiedlich sind. Die Kapitel sind jeweils kurz, die Geschichte abwechslungsreich und vielschichtig, da die Frauen an unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben stehen. Jede hat ihre eigenen Probleme und dazu kommen die Konflikte, die zwischen ihnen schwelen.

Die Geschichte ist warmherzig geschrieben und lebendig. Die Charaktere sind individuell gestaltet und wirken durch die tiefen Einblicke in ihre Leben, Gedanken und Gefühle lebensecht und nahbar. Die Rückblenden in die Vergangenheit offenbaren die ganze Familiengeschichte und welche Missverständnisse und Zerwürfnisse zwischen den einzelnen Generationen stehen.

Es ist ein Familienroman über belastete Mutter-Tochter-Beziehungen, über Enttäuschungen, Verrat und Überforderung, aber auch über unerschütterliche Mutterliebe, das enge Band einer Familie und das Wiederaufstehen nach dem Scheitern. Man fühlt mit den Charakteren und bleibt gespannt bis zum Schluss, wie die Frauen ihre inneren Dämonen bezwingen und ob es noch nicht zu spät für eine Versöhnung mit der abtrünnigen Alys ist.

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Kniffliger Cold Case mit vielen Verdächtigen, der beide Ermittler auch emotional involviert

Das Grab von Trueslow Hall -
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1999 verschwindet die Archäologin Nazma Kirmani bei Ausgrabungen auf dem Anwesen Trueslow Hall spurlos. Die örtliche Polizei geht der Vermisstenanzeige nach, aber nachdem die Frau in London bei einer Polizeistation ...

1999 verschwindet die Archäologin Nazma Kirmani bei Ausgrabungen auf dem Anwesen Trueslow Hall spurlos. Die örtliche Polizei geht der Vermisstenanzeige nach, aber nachdem die Frau in London bei einer Polizeistation vorstellig wird und auch Nachrichten an eine Freundin verschickt hatte, dass es ihr gutgehe, wird von einer freiwilligen Auszeit ausgegangen. Doch Nazma wird nie wiedergesehen und ihre Familie hat nie geglaubt, dass sie ohne ein Wort weggelaufen wäre.
Über 20 Jahre später wird ein verwitterter Rucksack der jungen Frau gefunden, der Zweifel hegt, ob nicht doch ein Verbrechen stattgefunden haben könnte. DI Lockyer und DC Broad nehmen die Ermittlungen in dem Cold Case-Fall auf, um herauszufinden, was damals wirklich mit Nazma passiert ist.

"Das Grab von Trueslow Hall" ist nach "Der Tote von Wiltshire" und "Die Morde von Salisbury" der dritte Band der Cold-Case-Krimireihe um den erfahrenen Ermittler DI Matthew Lockyer und seine jüngere Kollegin Gemma Broad. Da das Privatleben beider Hauptfiguren eine nicht unerhebliche Rolle spielt, ist es empfehlenswert, die ersten beiden Bände zu kennen.

Der Kriminalfall ist in sich abgeschlossen und von einer typisch für einen Cold Case gemächlichen Entwicklung geprägt. Nach über 20 Jahren sind viele Spuren verwischt und Lockyer und Broad sind insbesondere auf die Aussagen von Zeugen und Bekannten des möglichen Opfers angewiesen, die nicht unbedingt vertrauenerweckend sind. Je mehr Details die beiden Ermittler über Nazmas Beziehungen herausfinden, desto mehr Personen wirken verdächtig. Es gilt eine komplexe Kette von Ereignissen zu entwirren, die möglicherweise relevant sein können, wobei die Ermittler Lockyer und Broad wiederholt in Sackgassen landen.

Auch in diesem Fall wird deutlich, wie schwierig es nach so vielen Jahren ist, kleinste Puzzleteile richtig zusammenzusetzen. Durch die Ungewissheit über Nazmas Verbleib und die Anzahl an verdächtigen Personen, ist es spannend zu rätseln, was 1999 wirklich passiert ist.
Die Gegenwart handelt im Jahr 2020 und setzt kurz vor dem zweiten Lockdown im November ein. Die Corona-Pandemie drückt auf die Stimmung, birgt aber den Vorteil, dass Zeugen in der Regel einfach zu Hause anzutreffen sind.

Die klassische Polizeiarbeit ist realitätsnah dargestellt und zeugen von einer guten Intuition des Inspectors. Die persönlichen Geschichten der beiden Hauptfiguren werden fortgesetzt, wobei Lockyers Gedanken über seine erzwungene Vaterschaft phasenweise zu viel Raum einnehmen. Broads Schwierigkeiten im Zusammenleben mit ihrem dominanten Freund bleiben zunächst hintergründig. In beiden Fällen sind die Auswirkungen auf die Ermittlungen zu spüren, denn sowohl Lockyer als auch Broad werden auch emotional in die Fallaufklärung hineingezogen.
Das Ende kann als Ausblick auf einen vierten Band gewertet werden, indem Lockyer die Chance erhält, seinen persönlichsten Fall lösen zu können - die Aufklärung des Tods seines Bruders.

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