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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.05.2026

Drei Namen, drei Leben

Die Namen
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In "Die Namen" von Florence Knapp begleitet man Cora im Jahr 1987 bei einer scheinbar einfachen Entscheidung: dem Namen ihres neugeborenen Sohnes. Doch genau dieser Moment verzweigt sich in unterschiedliche ...

In "Die Namen" von Florence Knapp begleitet man Cora im Jahr 1987 bei einer scheinbar einfachen Entscheidung: dem Namen ihres neugeborenen Sohnes. Doch genau dieser Moment verzweigt sich in unterschiedliche Lebenswege – je nachdem, welchen Namen sie wählt – und zeigt eindrücklich, wie prägend selbst kleinste Entscheidungen sein können.

Der Ansatz des Buches hat mich sofort gepackt und ist spannend umgesetzt. Als Leserin musste ich mich zu Beginn teilweise etwas "anstrengen", um die verschiedenen Erzählstränge auseinanderzuhalten. Mit der Zeit fügt sich alles zu einem Gesamtbild zusammen. Die unterschiedlichen Perspektiven und Figuren bringen dabei viel Dynamik in die Handlung und ich habe in vielen Momenten mitgefühlt. Emotionen spielen eine große Rolle, ohne dass es überladen wirkt, und man bleibt durchweg neugierig, wie sich die einzelnen Lebenswege entwickeln.

Gerade auf das Ende war ich sehr gespannt. Ich fand es grundsätzlich passend zur Geschichte, auch wenn es meine persönliche Neugier nicht ganz stillen konnte.

Alles in allem ist „Die Namen“ ein origineller und emotionaler Roman, der zeigt, wie sehr Entscheidungen unser Leben beeinflussen können und wie viele Möglichkeiten in einem einzigen Moment stecken.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Spannender Familienroman aus vier Perspektiven

Alle glücklich
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In "Alle glücklich" erzählt Kira Mohn aus vier Perspektiven die Geschichte einer Familie, die nach außen glücklich und erfolgreich wirkt. Doch hinter dieser Fassade bröckelt es und verbergen sich unausgesprochene ...

In "Alle glücklich" erzählt Kira Mohn aus vier Perspektiven die Geschichte einer Familie, die nach außen glücklich und erfolgreich wirkt. Doch hinter dieser Fassade bröckelt es und verbergen sich unausgesprochene Konflikte, die nach und nach Risse entstehen lässt.

Der Schreibstil hat mich direkt gepackt: flüssig, eindringlich und mit einem hohen Spannungsbogen. Besonders gelungen fand ich die vier unterschiedlichen Perspektiven, die zeigen, wie viel Ungesagtes sich innerhalb einer Familie ansammeln kann und wie unterschiedlich Wahrnehmung und Realität oft sind. Die Figuren entwickeln sich im Verlauf der Geschichte spürbar weiter. Besonders berührt hat mich Ben mit seiner sensiblen Art.

Gegen Ende wurde es für mich thematisch etwas zu geballt: Viele Entwicklungen und Probleme kommen zusammen, was zwar nicht unrealistisch ist, sich aber etwas überladen angefühlt hat. Das Ende selbst ging mir dann ein wenig zu schnell. Hier hätte ich mir noch etwas mehr Ausführung gewünscht.

Alles in allem ist „Alle glücklich“ aber ein fesselnder Familienroman, der zeigt, wie viel hinter einer scheinbar perfekten Oberfläche verborgen sein kann. Ich werde nun als nächstes "Die Nacht der Bärin" von Kira Mohn lesen - ihren Schreibstil finde ich wirklich toll.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

Unterhaltsamer Roman mit überspitztem Blick auf unsere Gesellschaft

Einatmen. Ausatmen.
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Maxim Leo erzählt in "Einatmen. Ausatmen." die Geschichte von Marlene Buchholz, einer erfolgreichen, aber zwischenmenschlich eher schwierigen Managerin, die für ein Coaching in ein abgelegenes Schloss ...

Maxim Leo erzählt in "Einatmen. Ausatmen." die Geschichte von Marlene Buchholz, einer erfolgreichen, aber zwischenmenschlich eher schwierigen Managerin, die für ein Coaching in ein abgelegenes Schloss geschickt wird. Dort trifft sie auf Coach Alex, der selbst mit seinen eigenen Problemen kämpft und auf eine Reihe unerwarteter Begegnungen, die nach und nach etwas in ihr in Bewegung bringen.

Ich habe das Buch als Hörbuch gehört, und Vera Teltz hat es wirklich großartig gelesen: sehr angenehm, lebendig und genau passend zur Geschichte. Inhaltlich ist der Roman kurzweilig und flüssig erzählt, mit einem durchweg hohen Tempo, das einen gut durch die Handlung trägt. Besonders gefallen hat mir der leicht sarkastische Ton, mit dem aktuelle Themen rund um Selbstoptimierung, Achtsamkeit und deren Gegenpole überspitzt dargestellt werden. Die Figuren sind mir ebenfalls sympathisch und bewusst etwas überzeichnet, was gut zum Stil des Buches passt und für viele unterhaltsame Momente sorgt.

Einziger Kritikpunkt für mich war die Entwicklung der Protagonistin: Die Veränderung ihres Mindsets ging mir etwas zu schnell und wirkte stellenweise nicht ganz realistisch. So tief verankerte Denkmuster lassen sich meiner Meinung nach nicht innerhalb von so kurzer Zeit komplett umkrempeln. Hier schaue ich aber vielleicht auch mit einem etwas zu nüchternem Auge darauf, was gar nicht die Intention der Geschichte war.

„Einatmen. Ausatmen.“ ist in jedem Fall ein unterhaltsamer und kluger Roman mit viel Witz und einem guten Blick auf unsere Zeit.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Vielschichtiger Familienroman von großer gesellschaftlicher Relevanz

Real Americans
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Rachel Khong spannt in "Real Americans" den Bogen über mehrere Jahrzehnte und Generationen hinweg: von Lily Cheng, Tochter eines chinesischen Auswanderpaares, die Ende der 90er in New York auf Matthew ...

Rachel Khong spannt in "Real Americans" den Bogen über mehrere Jahrzehnte und Generationen hinweg: von Lily Cheng, Tochter eines chinesischen Auswanderpaares, die Ende der 90er in New York auf Matthew trifft, über ihren Sohn Nick, der Jahre später nach Antworten sucht, bis hin zu Lilys Mutter. Dabei entfaltet sich nach und nach ein vielschichtiger Familienroman, in dem sich persönliche Geschichten und gesellschaftliche Fragen miteinander verbinden.

Der Aufbau mit drei Zeitebenen hat mir gut gefallen, da sich die einzelnen Perspektiven Stück für Stück ergänzen und ein umfassendes Gesamtbild ergeben. Themen wie Identität, Herkunft und Familie stehen klar im Mittelpunkt, aber auch größere Zusammenhänge, etwa die Unterschiede zwischen China und den USA sowie Kommunismus und Kapitalismus, werden spannend eingebunden. Besonders die Einblicke in die chinesische Geschichte rund die Regierungszeit von Mao Zedong haben für mich einen echten Mehrwert geboten.

Die Figuren sind dabei vielschichtig gezeichnet, auch wenn mir die Identifikation nicht immer leichtfiel. Trotzdem habe ich viel Empathie für ihre Lebenswege und Entscheidungen entwickelt. Der Schreibstil ist angenehm und flüssig, sodass sich der Roman trotz seiner Länge gut lesen lässt, auch wenn es zwischendurch kleinere Längen gibt. Ein Punkt, der mich etwas zwiegespalten zurücklässt, ist der Umgang mit dem Thema Genexperimente. Ich glaube, alleine damit hätte man ein ganzes Buch füllen können. So geht es neben den Themen rund um Herkunft und Identität etwas unter bzw. wirkt für mich etwas "zu viel".

Meine Erwartungen waren durch die große mediale Aufmerksamkeit (Kampagne "Deutschland liest ein Buch" etc.) sehr hoch. Das Buch ist definitiv gut zu lesen, konnte diese für mich aber nicht ganz erfüllen - dennoch ein vielschichtiger Familienroman mit historischen und gesellschaftlichen Bezügen.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Sehr berührend!

Der letzte Sommer der Tauben
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Abbas Khider erzählt in "Der letzte Sommer der Tauben" von dem vierzehnjährigen Noah, der Tauben züchtet und einen Sommer erlebt, in dem sich seine Welt grundlegend verändert: Das Kalifat wird ausgerufen ...

Abbas Khider erzählt in "Der letzte Sommer der Tauben" von dem vierzehnjährigen Noah, der Tauben züchtet und einen Sommer erlebt, in dem sich seine Welt grundlegend verändert: Das Kalifat wird ausgerufen und neue Regeln bestimmen das Leben seiner Familie während er versucht an den kleinen Freiheiten seines Alltags festzuhalten.

Der Roman hat mich vor allem durch seine Sprache beeindruckt. Khider schreibt poetisch und bildgewaltig. Viele Sätze tragen so viel Bedeutung in sich, dass man beim Lesen immer wieder innehält. Gleichzeitig sorgen die sehr kurzen Kapitel dafür, dass man als Leser nur so durch das Buch fliegt und sich das Buch trotz der schweren Themen erstaunlich schnell liest.

Besonders eindrücklich ist die Darstellung des Lebens in einer von Willkür geprägten Gesellschaft. Der Roman zeigt sehr authentisch, wie politische Macht den Alltag der Menschen verändert. Gleichzeitig hat mir sehr gut gefallen, wie Noah und seine Familie dennoch im Privaten wie gehabt miteinander umgegangen sind und auch das gemeinsame Lachen nicht zu kurz kam. Die Tauben fungieren durch das ganze Buch hinweg als symbolisches Bild, was sich immer wieder sehr gut einfügt und mir prima gefallen hat.

Einziger Kritikpunkt für mich ist das Ende: Es bleibt recht offen und lässt viele Fragen unbeantwortet. Gerade nach der intensiven Reise durch Noahs Welt hätte ich mir einen kleinen Ausblick oder eine etwas klarere Auflösung gewünscht.

Alles in allem ist „Der letzte Sommer der Tauben“ ein beeindruckender Roman, sehr berührend und lesenswert.

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