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Veröffentlicht am 07.04.2026

für mich ein Highlight

Frag nicht nach Agnes
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„Frag nicht nach Agnes“ von Valerie Jacob, erschienen im @rowohltverlag, ist eine kluge einfühlsame Schilderung dreier Frauen in Zeiten historischer Umbrüche. Die Autorin taucht tief in die Kriegs,- und ...

„Frag nicht nach Agnes“ von Valerie Jacob, erschienen im @rowohltverlag, ist eine kluge einfühlsame Schilderung dreier Frauen in Zeiten historischer Umbrüche. Die Autorin taucht tief in die Kriegs,- und Nachkriegsgeschichte ein und konnte mich mit ihrem Buch absolut begeistern.

In der Gegenwart lernt der Leser Lilo kennen, die als Goldschmiedin arbeitet und sich für nachhaltige Schmuckverarbeitung einsetzen möchte. Zu ihrer Mutter hat sie ein angespanntes Verhältnis. Ein Geheimnis steht zwischen ihnen, dass eng mit der Geschichte ihrer Großmutter zusammenhängt, über das ihre Mutter aber nicht reden möchte. Der einzige Ausspruch ihrer Mutter ist „deine Großmutter hat mein Leben zerstört“.
In Rückblicken erfährt man nun was es mit dieser Geschichte auf sich hat, die zum einen mit der Situation in der Familie in die Lilos Großmutter eingeheiratet hat zu tun hat, aber auch mit Ereignissen in einem Dorf in Frankreich „Oradour“ in dem es durch die Waffen SS zu einem Massaker an der französischen Bevölkerung gekommen ist.

In dem Buch wird klar, wie wenig Interesse die deutsche Justiz, aber auch die deutsche Bevölkerung an einer Aufarbeitung der deutschen Kriegsverbrechen hatte,aber auch,wie dieses fehlende Interesse zu fatalen Fehlentscheidungen führte und Auswirkungen auf individuelle Schicksale hatte. Die Stellung der Frau in der Nachkriegszeit spielt auch eine große Rolle und in mir kam häufig Wut hoch ob der ausweglosen Situation mancher Frauen in dieser Zeit, die sich mit dieser Situation nicht abfinden wollten oder konnten.
Auch die Sprachlosigkeit der Kriegsgeneration und deren Konsequenzen für nachfolgende Generationen, die Traumata, die das Leben dieser Generationen prägte bis in die heutige Zeit hinein.

Die beiden Geschichten, die hier auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt werden, haben mir beide gut gefallen. Die Gegenwartsgeschichte orientiert sich ein wenig an aktuellen Themen wie der Nachhaltigkeit in der Schmuckherstellung, zeigt aber eben auch, dass Familientramata bis in die Gegenwart reichen.

Die Vergangenheitsgeschichte hat mich sehr stark berührt, mich lange nicht losgelassen. Sowohl die Kriegsereignisse, aber vor allem das Schicksal von Lilos Mutter, aber vor allem das von Agnes, Lilos Großmutter, waren mehr als berührend.
Ein vielschichtiges, emphatisch verfasstes Porträt zwischen gesellschaftlichen Zwängen und individuellen Sehnsüchten, die in einem fatalen Ende münden und Jahrzehnte nachhallt.

Mich wird diese Geschichte sicherlich noch lange beschäftigen und ich spreche diesem Buch eine dicke Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

Der Krieg aus Sicht eines Kindes

Vergiss nicht zu tanzen, Hanna
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„Vergiss nicht zu tanzen,Hanna“,erschienen im @atlantikverlag ,ist eine Aufforderung an Hanna von ihrem Großvater, dass man auch in schlimmen Zeiten das Schöne nicht vergessen soll.

Hannas Familie ist ...

„Vergiss nicht zu tanzen,Hanna“,erschienen im @atlantikverlag ,ist eine Aufforderung an Hanna von ihrem Großvater, dass man auch in schlimmen Zeiten das Schöne nicht vergessen soll.

Hannas Familie ist in den zwanzigerJahren des 20. Jahrhunderts aus dem Oldenburger Münsterland in ein kleines Dorf im Osten der Republik, nahe der polnischen Grenze, umgesiedelt worden.Als streng katholische Familie haben es die Gehrkens im protestantischen Osten nicht leicht, vor allem nicht während der Nazizeit.Doch sie haben auf ihrem Hof ein ausreichendes Auskommen.Hanna, aus deren Sicht diese Geschichte erzählt wird, hat noch drei ältere Brüder und später kommt noch die kleine Rosa zur Welt, zu der Hanna ein sehr enges Verhältnis hat.Hanna erlebt das Erstarken des Nationalsozialismus das die Dorfgemeinschaft, aber auch die Familie spaltet und später auch den Einmarsch der Russen in das Dorf mit. Später wird ihre Familie zur Flucht gezwungen, weil die Polen das Dorf übernehmen.Die Flucht hat für die Familie weitreichende Konsequenzen und hinterlässt einen tief sitzenden Schmerz.

Diese Geschichte ist fiktiv, wie der Autor dieses Buches , der hier unter dem Pseudonym Mareike Busch schreibt,am Ende mitteilt, doch er hat das Buch im Gedenken an seine Mutter geschrieben und deshalb denke ich, dass wohl einige biographische Anteile im Buch sein werden.

Ich fand es sehr interessant diese Zeit mal aus der Sicht eines Kindes erzählt zu bekommen.Die kleine Hanna, die am Ende des Krieges 13Jahre alt ist, gibt Einblick in die Gedanken,- und Gefühlswelt eines Kindes, die diese Zeit miterlebt hat, obwohl sie die Tragweite des Ganzen sicherlich nicht begriffen hat. Gott sei Dank. Doch Hanna bekommt die Sorgen und Nöte ihrer Eltern, die sie abends durch die Wand belauscht, mit und auch zwei ihrer Brüder müssen in den Krieg ziehen. Auch die unterschiedlichen politischen Einstellungen der Menschen im Dorf, aber auch innerhalb der Familie bleiben ihr nicht verborgen.Auch die Flucht ist für Hanna ein einschneidendes Erlebnis.
Der unerschütterliche Glaube der Familie spielt hier eine große Rolle.Mich hat dieses Buch sehr an meine Mutter erinnert, die diese Zeit auch als Kind und Jugendliche miterlebt hat und auch in ihrem Leben hat der Glaube immer eine große Rolle gespielt.
Auch der Dümmersee, wo die Familie ihren Ursprung hat, ist mir ein Begriff. Wir besuchen ihn regelmäßig.

Ich fand diesen Roman sehr berührend und er ist auch eine Erinnerung an all die Menschen, die aus den Ostgebieten flüchten mussten und deren Familien zerrissen wurden und teilweise bis heute nicht wieder zusammengeführt wurden.

Ein Buch das für mich eine besonderes Leseerlebnis war und das ich sehr gerne empfehle.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

spannende Fortsetzung mit neuer Besetzung

Tote Seelen singen nicht
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Ich bin ein bekennender Adler Olsen Fan und deshalb hat es mich sehr getroffen erfahren zu müssen, dass der Autor schwer erkrankt ist.An dieser Stelle, alles erdenklich Gute für ihn.

Als Fan seiner Bücher ...

Ich bin ein bekennender Adler Olsen Fan und deshalb hat es mich sehr getroffen erfahren zu müssen, dass der Autor schwer erkrankt ist.An dieser Stelle, alles erdenklich Gute für ihn.

Als Fan seiner Bücher war es dann aber sehr schön zu hören, dass diese Reihe trotzdem weitergeführt wird, mit zwei Co-Autoren.Das ist ja immer so eine Sache, denn bei Stieg Larsson hat es meiner Meinung nach nicht so gut geklappt. Hier muss ich aber sagen, dass Stine Bolter und Line Holm dieser Reihe einen neuen Kick gegeben haben.
Die letzten Bücher des Autors fand ich so lala, dieses hat mich wieder mehr überzeugt.

Das Sonderdezernat Q fährt nur auf halbe Flamme. Carl Mork hat nach seinem unverschuldeten Gefängnisaufenthalt nicht ins Sonderdezernat zurück gefunden, sondern schreibt und vermarktet seine Bücher. So ganz kann er das ermitteln aber doch nicht lassen. Übriggebliebene sind Assad und Rose. Gordon hat eine Stelle in Nordjütland angenommen. Doch Unterstützung naht in Person der Französin Helena Henry, die Rose von Anfang an als Konkurrentin ansieht.
Carl ist dann auch derjenige, der dem Sonderdezernat einen neuen Fall beschert. Eine alte Tonbandaufnahme gibt Rätsel auf. Ein Fall, der als begleiteter Suizid eingeordnet wurde,bekommt plötzlich eine andere Bedeutung und die Spur führt in ein Musikinternat.

Erst einmal war es wieder schön das Team des Sonderdezernats Q wieder zu treffen und ihre Ermittlungen, aber auch ihre Querelen untereinander zu erleben. Das hat teilweise schon Slapstickcharakter.Aber auch die Spannung erreicht hier wieder ein annehmbares Niveau.Die Mordserie zu verfolgen war wirklich mehr als spannend. Wer bleibt übrig und ist der Fall zu lösen und wird Carl Mørck zurückkehren?Wir werden es erleben, denn die Reihe geht weiter, wie der Cliffhanger am Ende zeigt.Ich bin gespannt.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

wenn das Leben dazwischenkommt

Eine von uns
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„Eine von uns“ von Amelie Fried, könnte gut unter der Überschrift „Wenn das Leben dazwischenkommt“ betitelt werden. Ein Buch bei dem man häufig denkt, manchmal kann eine Krise auch zur Chance werden, weil ...

„Eine von uns“ von Amelie Fried, könnte gut unter der Überschrift „Wenn das Leben dazwischenkommt“ betitelt werden. Ein Buch bei dem man häufig denkt, manchmal kann eine Krise auch zur Chance werden, weil man Prioritäten setzen muss und man danach Wichtiges von Unwichtigem trennen kann.

Nelly lebt mit ihren beiden Töchtern und ihrem Mann, der als Wirtschaftscoach viel Geld verdient, ein mehr als angenehmes Leben. Ihre beiden Töchter leben ein Prizessinnenleben, die Älteste Cleo konkurriert mit ihren Klassenkameradinnen um den besten Abschluss, natürlich auf einer Privatschule, um einen Platz auf einer Eliteuniversität zu ergattern. Darunter tut man es nicht. Ihre Schwester Emma bezeichnet sich als soziophob , hat arge Kontaktprobleme und entzieht sich durch ihre Malerei der Realität.
Als Tom, der Ernährer der Familie, durch einen schweren Unfall ausfällt,fällt das sorgsam aufgebaute Wolkenkuckucksheim wie ein Kartenhaus zusammen. Nelly, die nie eine Ausbildung gemacht hat und ihre Tage mit Shopping, Kosmetikbesuchen und Mamitreffen mit ihren reichen Freundinnen verbracht hat, steht plötzlich vor einem Scherbenhaufen nachdem sie erfährt, dass ihr „schönes Leben“ eine Luftblase war. Zurück bleiben ein Ehemann im Koma, von dem man nicht weiß, ob er wieder gesund wird und die Erkenntnis, dass er sie belogen hat, was ihre Vermögensverhältnisse angeht.
Sie zieht in eine Sozialwohnung und putzt fortan in den Häusern, in denen sie bisher ein und aus gegangen ist.Ihre beiden Töchter reagieren unterschiedlich. Cleo bringt ihre Wut mehrmals deutlich zum Ausdruck, Emma zieht sich immer mehr in sich selbst zurück.

Als Leser verfolgt man die Geschichte der Familie gespannt und hält teilweise auch mal den Atem an. Sicherlich könnte diese Geschichte auch filmisch umgesetzt als Samstagabendunterhaltung herhalten, doch das würde die Geschichte diskreditieren , denn solche Schicksale gibt es wohl immer wieder und was mir an diesem Buch so gut gefallen hat war, die Entwicklung der einzelnen Personen zu beobachten, die konfrontiert mit der harten Realität doch irgendwie alle die Kurve bekommen haben. Der eine hat etwas länger gebraucht als der andere jeder hatte seine individuelle Art damit umzugehen, die nicht immer einfach war, aber jeder hat für sich etwas Positives aus dieser Situation ziehen können, ist gereift und hat seinen Weg gefunden, den er sich selbst nach eigener Erkenntnis gesucht hat und sich nicht von seinem Umfeld hat aufzwingen lassen.
Die Erkenntnis, dass einen Egoismus und Streben nach Geld nicht immer glücklich macht war für Cleo dann wegweisend und vor allem befriedigend.

Mir hat es sehr viel Spaß gemacht diesem Gesellschaftsroman zu folgen und auch hier noch mal die Erkenntnis zu gewinnen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt und dass „schmucke Fassaden“ auch Probleme nicht abhalten.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

spannender Regionalkrimi

Der Montag, an dem Emil verschwand
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„Der Montag an dem Emil verschwand“ ist ein Regionalkrimi der mir spannende Lesestunden beschert hat. Lisa Mond hat diesen Krimi mit viel Herzblut geschrieben und das merkt man ihm auch an.

Diese Geschichte ...

„Der Montag an dem Emil verschwand“ ist ein Regionalkrimi der mir spannende Lesestunden beschert hat. Lisa Mond hat diesen Krimi mit viel Herzblut geschrieben und das merkt man ihm auch an.

Diese Geschichte beginnt mit dem Albtraum jeder Mutter. Sie ist mit ihrem Kind auf dem Spielplatz, ist einen Moment unaufmerksam und dieser Moment genügt, denn ihr Sohn ist verschwunden. Ich möchte mir diese Situation nicht vorstellen, für den Plot eines Krimis gibt es aber keine bessere Ausgangsposition.Es bleibt auch nicht bei diesem einen Kind, kurz danach wird der achtjährige Matteo vermisst, der nach einem Besuch bei seinem Freund vermisst wird.
Ela Nowak, Mitte dreißig ,ist die zuständige Kommissarin in Mainz und vermutet schnell einen Serientäter hinter der Sache und ermittelt unter Hochdruck, auch im familiären Umfeld der Opfer. Jede Minute zählt und so stehen alle Mitarbeiter der Soko unter Erfolgsdruck.

Lisa Mond startet mit einem überzeugenden Plot und treibt den Leser mit viel Spannung durch den Fall. Auch das Privatleben von Ela spielt eine nicht unerhebliche Rolle, was mir gut gefallen hat und die Handlung auflockert.Sowieso ist Ela eine Sympathieträgerin,weshalb man ihren Ermittlungen gerne folgt. Ob sie den richtigen Täter findet, muss der Leser natürlich selbst herausfinden, es lohnt sich auf jeden Fall diesem Regionalkrimi zu folgen und ich hoffe, dass es noch Nachfolger dieser Reihe gibt.
Das Ende dieses Krimis fand ich mehr als gelungen und es bestärkt mich in der Hoffnung, dass es weitergeht.

Wer aus Mainz und Umgebung kommt wird hier sicherlich mehr als auf seine Kosten kommen,aber auch auf andere Krimiliebhaber, die nicht ortskundig sind, wartet spannende Unterhaltung.

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