für mich ein Highlight
Frag nicht nach Agnes„Frag nicht nach Agnes“ von Valerie Jacob, erschienen im @rowohltverlag, ist eine kluge einfühlsame Schilderung dreier Frauen in Zeiten historischer Umbrüche. Die Autorin taucht tief in die Kriegs,- und ...
„Frag nicht nach Agnes“ von Valerie Jacob, erschienen im @rowohltverlag, ist eine kluge einfühlsame Schilderung dreier Frauen in Zeiten historischer Umbrüche. Die Autorin taucht tief in die Kriegs,- und Nachkriegsgeschichte ein und konnte mich mit ihrem Buch absolut begeistern.
In der Gegenwart lernt der Leser Lilo kennen, die als Goldschmiedin arbeitet und sich für nachhaltige Schmuckverarbeitung einsetzen möchte. Zu ihrer Mutter hat sie ein angespanntes Verhältnis. Ein Geheimnis steht zwischen ihnen, dass eng mit der Geschichte ihrer Großmutter zusammenhängt, über das ihre Mutter aber nicht reden möchte. Der einzige Ausspruch ihrer Mutter ist „deine Großmutter hat mein Leben zerstört“.
In Rückblicken erfährt man nun was es mit dieser Geschichte auf sich hat, die zum einen mit der Situation in der Familie in die Lilos Großmutter eingeheiratet hat zu tun hat, aber auch mit Ereignissen in einem Dorf in Frankreich „Oradour“ in dem es durch die Waffen SS zu einem Massaker an der französischen Bevölkerung gekommen ist.
In dem Buch wird klar, wie wenig Interesse die deutsche Justiz, aber auch die deutsche Bevölkerung an einer Aufarbeitung der deutschen Kriegsverbrechen hatte,aber auch,wie dieses fehlende Interesse zu fatalen Fehlentscheidungen führte und Auswirkungen auf individuelle Schicksale hatte. Die Stellung der Frau in der Nachkriegszeit spielt auch eine große Rolle und in mir kam häufig Wut hoch ob der ausweglosen Situation mancher Frauen in dieser Zeit, die sich mit dieser Situation nicht abfinden wollten oder konnten.
Auch die Sprachlosigkeit der Kriegsgeneration und deren Konsequenzen für nachfolgende Generationen, die Traumata, die das Leben dieser Generationen prägte bis in die heutige Zeit hinein.
Die beiden Geschichten, die hier auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt werden, haben mir beide gut gefallen. Die Gegenwartsgeschichte orientiert sich ein wenig an aktuellen Themen wie der Nachhaltigkeit in der Schmuckherstellung, zeigt aber eben auch, dass Familientramata bis in die Gegenwart reichen.
Die Vergangenheitsgeschichte hat mich sehr stark berührt, mich lange nicht losgelassen. Sowohl die Kriegsereignisse, aber vor allem das Schicksal von Lilos Mutter, aber vor allem das von Agnes, Lilos Großmutter, waren mehr als berührend.
Ein vielschichtiges, emphatisch verfasstes Porträt zwischen gesellschaftlichen Zwängen und individuellen Sehnsüchten, die in einem fatalen Ende münden und Jahrzehnte nachhallt.
Mich wird diese Geschichte sicherlich noch lange beschäftigen und ich spreche diesem Buch eine dicke Leseempfehlung aus.