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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.05.2022

Ein neues Bild von Sisi

Sisi – Kaiserin wider Willen
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Die meisten, die den Namen Sisi hören, denken vermutlich direkt an den TV-Vierteiler und haben Romy Schneider als schöne bayerische Prinzessin und spätere Kaiserin von Österreich vor Augen. Allison Pataki ...

Die meisten, die den Namen Sisi hören, denken vermutlich direkt an den TV-Vierteiler und haben Romy Schneider als schöne bayerische Prinzessin und spätere Kaiserin von Österreich vor Augen. Allison Pataki gelingt es in ihrem Roman in kürzester Zeit, diese Bilder verblassen zu lassen und eine neue Sisi zu erschaffen, die nicht minder schön ist, aber doch charaktervoller und sicher mehr mit der tatsächlichen Person zu tun hat. Die Autorin hat sorgfältig und sehr gut recherchiert und das Leben der Kaiserin in einen Roman mit einer mitreißenden Geschichte verpackt.
Die Sprache und der Stil sind stimmig. Das Buch liest sich flüssig und leicht, ohne trivial zu sein. Wer sich für historische Romane mit realem Hintergrund oder gar Sisi interessiert, kann sich auf ein paar Stunden Lesevergnügen freuen!

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Veröffentlicht am 24.08.2021

Inhaltsstark!

Die Einsamkeit der Seevögel
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Mitten im Winter reist eine Wissenschaftlerin allein nach Finnmark, dem äußersten Zipfel Norwegens, um die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die Zugvögel zu beobachten – und vor ihrem bisherigen ...

Mitten im Winter reist eine Wissenschaftlerin allein nach Finnmark, dem äußersten Zipfel Norwegens, um die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die Zugvögel zu beobachten – und vor ihrem bisherigen Leben zu fliehen.
Die Autorin wuchs selbst in Finnmark auf. Sehr genau und anschaulich lässt sie die Ich-Erzählerin die Umstände dort beschreiben. Fast hat der Leser das Gefühl, die vorherrschende Kälte, Ruhe und Einsamkeit zu spüren; eine Einsamkeit die die Protagonistin mit meteorologischen Beobachtungen und ihren Gedanken füllt. Da sie ihre gescheiterte Ehe mit S. und ihre Tochter Lina, die sie bei ihm, dem Vater, zurückgelassen hat; Jo, ihr Geliebter, der sich um seine Tochter kümmert, anstatt ihr am Ende der Welt zur Seite zu stehen. Da sind aber auch Olaf, Borghild und ihre sechs Kinder, die im 19. Jahrhundert in der Gegend gelebt haben, wie sie aus einer heimatgeschichtlichen Broschüre weiß.
Die harten Bedingungen und die Einsamkeit fordern ihren Tribut. Immer mehr zeigen sich die Auswirkungen des Alleinseins. Bilder aus der Vergangenheit werden lebendig und verschwimmen mit der Gegenwart. Was ist Traum oder Einbildung? Was ist Wirklichkeit? Der Schluss ist überraschend und lässt den Leser zunächst ratlos, vielleicht auch enttäuscht, zurück. Letztendlich erscheint er logisch und einzig passend.
Das Buch ist mit 174 Seiten eher dünn, dafür aber sehr inhaltsstark – auch und besonders zwischen den Zeilen. Wenn man sich darauf einlässt, kann man sich über viel Raum und Anregung für die eigene Phantasie und Interpretation freuen.

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Veröffentlicht am 18.04.2026

Zwischen Familienküche und Konzeptfrage

Mamma Culinaria
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In „Mamma Culinaria“ präsentiert Claudia Bastone eine Sammlung italienischer Rezepte aus Napoli, die von klassischen Antipasti über Alltagsgerichte bis hin zu festlichen Speisen und Dolci reichen. Dabei ...

In „Mamma Culinaria“ präsentiert Claudia Bastone eine Sammlung italienischer Rezepte aus Napoli, die von klassischen Antipasti über Alltagsgerichte bis hin zu festlichen Speisen und Dolci reichen. Dabei wird deutlich, dass die Rezepte stark von gemeinsamen Genussmomenten mit Familie und Freunden geprägt sind und genau dieses Gefühl von Zusammenkommen und Teilen vermitteln sollen.

Die Rezepte sind übersichtlich gestaltet und gut nachvollziehbar beschrieben. Die einzelnen Schritte sind verständlich erklärt, sodass sich die Gerichte gut nachkochen lassen. Zudem ist bei jedem Rezept Platz für persönliche Notizen vorgesehen, was das Buch auch im Gebrauch besonders praktisch macht. Inhaltlich deckt das Buch eine große Bandbreite ab – von einfachen Gerichten für den Alltag bis hin zu aufwendigeren Rezepten für besondere Anlässe.

Die Gliederung wirkt dabei nicht immer ganz intuitiv. Besonders die Einteilung in Kategorien wie Familienrezepte, Alltagsküche oder Gerichte für besondere Tage erschwert die Orientierung etwas, da sich diese Bereiche inhaltlich überschneiden. Für mich wäre eine Sortierung nach Hauptzutaten wie Fleisch, Fisch oder Gemüse hilfreicher gewesen, um gezielt nach passenden Rezepten suchen zu können.

Auffällig ist die sehr präsente Inszenierung der Autorin in den Bildern. Dass sie selbst auf Fotos zu sehen ist, ist dabei nicht ungewöhnlich, allerdings nimmt ihre Darstellung einen sehr großen Raum ein. Der Fokus liegt dadurch nicht immer ausschließlich auf den Gerichten, was für mich nicht ganz zum Inhalt eines Kochbuchs passt und teilweise vom Wesentlichen – den Rezepten – ablenkt.

Insgesamt bietet „Mamma Culinaria“ eine vielfältige Auswahl italienischer Gerichte, auch wenn Struktur und Bildgestaltung nicht in allen Punkten vollständig überzeugen.

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Sonne auf dem Kaffeetisch

Eine Handvoll Sonnenschein
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In „Eine Handvoll Sonnenschein“ präsentiert Tilly Pamment eine Vielzahl kleiner süßer Köstlichkeiten – von fruchtigen Schnitten über Kekse, Törtchen mit (Crème-)Füllung, Scones und süße Brötchen bis hin ...

In „Eine Handvoll Sonnenschein“ präsentiert Tilly Pamment eine Vielzahl kleiner süßer Köstlichkeiten – von fruchtigen Schnitten über Kekse, Törtchen mit (Crème-)Füllung, Scones und süße Brötchen bis hin zu Konfitüren und Kompott.

Das Buch besticht bereits auf den ersten Blick durch seine hellen, sonnigen und frischen Fotos, die Lust aufs Nachbacken machen und dazu einladen, einfach durch die Seiten zu blättern.

Die Rezepte sind übersichtlich gestaltet: Nach einer kurzen Einleitung folgt auf der linken Seite die Zutatenliste, rechts daneben die Zubereitung. Die einzelnen Schritte sind gut verständlich beschrieben. Ergänzt werden die Rezepte durch praktische Hinweise zur Aufbewahrung, Haltbarkeit und zum Transport – besonders hilfreich, wenn man das Gebäck verschenken möchte.

Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass Angaben zur Vorbereitungs- und Backzeit nicht gesondert aufgeführt sind. Die Backdauer ist zwar in der Beschreibung enthalten, zur Vorbereitung gibt es jedoch keine konkreten Hinweise, was die Planung etwas weniger übersichtlich macht.

Die Auswahl der Rezepte ist abwechslungsreich und deckt ein breites Spektrum ab. Besonders hilfreich ist der Hinweis, einen süßen Mürbeteig auf Vorrat im Gefrierschrank zu haben, der die Grundlage einiger Rezepte bildet. Das ist eine große Erleichterung, da man den Teig nicht jedes Mal neu herstellen muss, und ermöglicht es zudem, relativ spontan eine der Köstlichkeiten zu zaubern.

Insgesamt ist „Eine Handvoll Sonnenschein“ ein liebevoll gestaltetes Backbuch, das nicht nur durch seine Rezepte, sondern auch durch seine frische, einladende Gestaltung überzeugt und immer wieder zum Durchblättern und Ausprobieren einlädt.

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Veröffentlicht am 08.04.2026

Suche nach Ruhe – dicht erzählt

Mai Juni Juli
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In „Mai Juni Juli“ erzählt Hiltrud Baier von Linn, einer Sterneköchin mit eigener erfolgreicher Kochshow im schwedischen Fernsehen. Eines Tages beschließt sie, dass sie eine Pause braucht, überlässt ihr ...

In „Mai Juni Juli“ erzählt Hiltrud Baier von Linn, einer Sterneköchin mit eigener erfolgreicher Kochshow im schwedischen Fernsehen. Eines Tages beschließt sie, dass sie eine Pause braucht, überlässt ihr Restaurant ihren Mitarbeitern und reist nach Lappland. Dort hat sie vor 25 Jahren den letzten Urlaub mit ihren Eltern verbracht. Während ihr Vater arbeitete, war sie mit ihrer Mutter auf einer kleinen Insel in einem See – wenige Monate später war ihre Mutter tot. Nun hofft Linn, diese Insel wiederzufinden.

Zunächst mietet sie sich eine Wohnung in Arjeplog – ein Ort, an dem sie niemand kennt und sie einfach nur eine 38-Jährige ist, die sich Zeit für sich nimmt. Um unerkannt zu bleiben, gibt sie sich als Lehrerin aus Malmö aus und stellt sich unter dem Namen Linda, kurz Li, vor.

Der Roman lebt vor allem von seiner Atmosphäre. Neben der eindrücklich beschriebenen Landschaft Lapplands sind es insbesondere die Menschen, die die Geschichte prägen. Sie begegnen Linn unvoreingenommen und freundlich, nehmen sie selbstverständlich in ihren Kreis auf, interessieren sich für sie, ohne sie zu bedrängen.

Die Geschichte ist vergleichsweise dicht erzählt, und auf den wenigen Seiten geschieht viel. An manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass einzelne Ereignisse oder Wendungen mehr Raum bekommen.

Die Suche nach der Insel bleibt im Hintergrund und bildet den Rahmen für Linns Aufenthalt.

Zugleich wird deutlich, dass Linn nicht ohne Grund Abstand sucht. Ein einschneidendes Erlebnis in ihrer Vergangenheit wirkt nach und prägt ihr Verhalten bis in die Gegenwart. Besonders interessant ist, wie sie ausgerechnet in dieser Auszeit mit Situationen konfrontiert wird, die sie eigentlich vermeiden möchte.

Auffällig ist dabei der Kontrast zwischen Thema und Erzählweise: Während Linn nach Ruhe sucht, ist die Geschichte recht dicht erzählt und entwickelt sich stellenweise schneller, als man es erwarten würde.

Mich hat das Buch von der ersten Seite an gefesselt – eigentlich wollte ich nur kurz hineinlesen und habe es dann in einem Zug beendet. Vielleicht ist es gerade dieser Kontrast, der den Reiz ausmacht und dafür sorgt, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte.

Insgesamt ein sehr lesenswerter Roman, der gerade durch seine Eigenheiten überzeugt.