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Veröffentlicht am 09.04.2026

Tödliche Trüffel

Tod im Piemont - Weißer Trüffel, schwarzer Tod
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Sophia ist eine sympathische junge Frau, die im Dorf Corazzo oberhalb des Lago Maggiore ihr Café „Valeria“ betreibt. Sehr erfolgreich, denn sie ist eine talentierte Köchin und noch bessere Bäckerin. Daneben ...

Sophia ist eine sympathische junge Frau, die im Dorf Corazzo oberhalb des Lago Maggiore ihr Café „Valeria“ betreibt. Sehr erfolgreich, denn sie ist eine talentierte Köchin und noch bessere Bäckerin. Daneben beherrscht sie die Kunst des Kaffeesatzlesens. Nach einer schrecklichen Erfahrung mit der Wahrsagerei verzichtet sie weitgehend auf die Ausübung dieses Talents. Doch dann bittet die Marktfrau Anna Sophia um eine Lesung „aus dem Mokka“, da sie eine dringende Frage quält. Doch dazu kommt es nicht mehr. Anna wird tot aufgefunden - ermordet!

Anna Merati lässt ihre Privatschnüfflerin Sophia im zweiten Fall ihrer Cosy - Crime - Reihe „Tod im Piemont - Weißer Trüffel, schwarzer Tod“ erneut in einem Mordfall ermitteln. Obwohl es für mich die erste Tätersuche mit Sophia und ihrem Commissario war, wurde ich spannend unterhalten und habe mich mühelos zurechtgefunden,

Nach einem Todesfall vor drei Monaten lässt sich Sophia nur noch selten „zu einem Mokka“ überreden, was besonders Padre Fabrizio freut, der diese Art von „Ketzerei“ entschieden ablehnt. Für Anna war sie zu einer Ausnahme bereit. Deshalb lässt der Mord Sophia nicht ruhen. Hätte sie der Marktfrau helfen und so das Verbrechen verhindern können? Obwohl sie ihrem Freund Commissario Alessandro versprochen hat, sich dieses Mal nicht in Gefahr zu begeben, mischt sie sich in seinen Fall ein. Die Ermittlungen stagnieren zunächst. Weder Sophia noch die Polizei entdeckt ein Motiv für den Mord an der beliebten Marktfrau. Dann findet Alessandro heraus, dass Anna langsam vergiftet wurde. Hat der Mörder die Geduld verloren und sie deshalb erstickt? Sophia besucht inzwischen ihren Onkel in Alba, der ganz in der Nähe von Annas Verwandtschaft lebt. Hängt alles mit den Trüffeln zusammen, die das Mordopfer auf dem Markt verkaufte?

Das gemütliche Café Valeria mit leckerem Gebäck, starkem Espresso und seiner um Prosecco spielenden Kartenrunde, lädt zum sofortigen Besuch ein. So einladend ist die Atmosphäre dort beschrieben. Das Lokalkolorit punktet stark in diesem Krimi. Mit der traumhaften Landschaft, den delikaten Speisen und den Informationen rund um die begehrten Trüffel. Gern hätte ich gleich meinen Koffer gepackt, so anziehend ist alles beschrieben. Bis auf das gemeine Verbrechen. Aber die bodenständigen Charaktere, allen voran die sympathische Sophia, ihre kesse, kekssüchtige Freundin Laura und der clevere Commissario sorgen dafür, dass im Piemont Mörder hinter Gittern landen. Der Fall wird logisch aufgeklärt und alle Fragen beantwortet. Am Ende hat mich die Identität des Täters überrascht.

Anna Meratis Cosy Crime kommt mit wenig Gewalt aus und bietet gute Unterhaltung zum Abschalten.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Geht wieder ein Frauenmörder auf Amrum um?

Einsames Watt
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Ein ungeklärter Todesfall ruft Kommissar John Benthien nach Amrum. Die Leiche einer jungen Frau wurde mit Verletzungen am Hinterkopf aus der Nordsee geborgen. Noch ist offen, ob Paula Lemmer durch einen ...

Ein ungeklärter Todesfall ruft Kommissar John Benthien nach Amrum. Die Leiche einer jungen Frau wurde mit Verletzungen am Hinterkopf aus der Nordsee geborgen. Noch ist offen, ob Paula Lemmer durch einen Unfall oder ein Verbrechen starb. Bei Benthien werden Erinnerungen an einen zwanzig Jahre zurückliegenden Fall wach. Auch damals kam auf Amrum eine junge Frau, Maren Frahm, gewaltsam zu Tode. Und sein Kollege und Mentor Kommissar Cornelis Litmanen verschwand für immer.

In seinem 12. Fall untersucht John Benthien nicht nur, warum Paula Lemmer starb. Neben dem aktuellen Todesfall beschäftigt ihn der Cold Case von 2005 und setzt eine spannende Ermittlung in Gang. Autorin Nina Ohlandt starb 2020. Seither führt ihr damaliger Lektor Jan F. Wielpütz die Krimireihe um Kommissar Benthien weiter.

Seit seinem Wiedereintritt bei der Flensburger Kriminalpolizei hat John keinen einzigen Fall gelöst. Jetzt beauftragt ihn seine neue Chefin Lilly Velasco mit der Ermittlung im Fall Leemer. Seine Rückkehr nach Amrum wühlt lange von ihm verdrängte Erinnerungen auf. Er stellt sich erneut die Frage, ob er damals Cornelis Litmanen im Stich gelassen hat. Sein Mentor bezweifelte seinerzeit, dass der Fall Frahm gelöst war und der wahre Täter eingesperrt wurde. Die aktuellen Ermittlungen gestalten sich zäh. Die Tote war Meeresarchäologin. Mehrere der Verdächtigen beschäftigen sich mit der Geschichte des Wattenmeers, Rungholt und den Uthlande, oder handeln mit Antiken aus jener Zeit. Hängt der aktuelle Todesfall, der möglicherweise Mord war, damit zusammen?

Obwohl ich ein Fan der Reihe bin, waren mir die privaten Belange und Entwicklungen dieses Mal für einen Krimi zu viel. Eine andere Gewichtung der Themen hätte mir auch mehr entsprochen, also weniger Antikenhandel und die daraus resultierenden Verstrickungen. Dafür mehr Platz für den Cold Case und das aktuelle Verbrechen, deren Aufklärung erst im letzten Drittel an Fahrt gewinnt. Die Ereignisse rund um den Serienmörder nehmen für meinen Geschmack viel Raum ein.

Gefallen hat mir der Rückblick in die Anfangsjahre des jungen Benthien als Polizeibeamter. Ebenso der Ausflug in die Geschichte der Uthlande. Der Krimi wird flüssig erzählt und die Hauptcharaktere sind sympathisch. Letztlich werden die Fälle aufgeklärt und alle Fragen beantwortet. Das Buch endet mit einem ungewöhnlichen Cliffhanger, den ich noch nicht einschätzen kann. „Einsames Watt“ hat mich gut unterhalten, aber es wäre mehr drin gewesen.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 06.03.2026

Wer hat Vetter Paul auf dem Gewissen?

Tote Vettern erben nicht
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Sabine "Biene" Hagen hat sich von der Steuerfachangestellten zur Mitinhaberin einer erfolgreichen Detektei gemausert und ist sehr stolz darauf. Leider sieht nur Oma Trudi das genauso, der Rest der Verwandtschaft ...

Sabine "Biene" Hagen hat sich von der Steuerfachangestellten zur Mitinhaberin einer erfolgreichen Detektei gemausert und ist sehr stolz darauf. Leider sieht nur Oma Trudi das genauso, der Rest der Verwandtschaft bleibt skeptisch. Umso erstaunter ist die Privatermittlerin als sie von ihrer Cousine um professionelle Hilfe gebeten wird. Vetter Paul ist spurlos verschwunden und Biene soll für Franziska den Bruder aufspüren. Noch weiß die Detektivin nicht, worauf sie sich da einlässt. Der Cosy Crime erweist sich als spannende Unterhaltung.

„Tote Vettern erben nicht“ ist der 9. Fall für Biene Hagen. Obwohl es für mich der erste Fall von Vera Nentwichs Privatdetektivin war, habe ich mich gut zurechtgefunden.

Biene erledigt Franziskas Auftrag in rekordverdächtig kurzer Zeit, denn sie findet den vermissten Vetter tot im Müllcontainer seines Wohnhauses. Ermordet wie sich bald herausstellt. Motiv und Identität des Täters erschließen sich der Detektivin zunächst nicht. Allerdings erfährt sie Erstaunliches über den stets korrekten Paul. Er war ein echter Messie mit autistischen Zügen. Seine vollgestopfte und vermüllte Wohnung schlägt nicht nur Bienes smarten Geschäftspartner Jago Diaz Fernandez in die Flucht. Franziska beauftragt die Detektei Pauls Mörder zu finden. Bald fördern die Ermittlungen ein paar Spuren zutage. War der Finanzbeamte einem sogenannten „Umsatzsteuerkarussell“ auf der Spur? Oder hat er seine Mitstreiter vom Puzzle-Club verärgert? Sonst wären da nur noch eine Anzeige wegen Falschparkens und häusliche Streitigkeiten mit einem anderen Mieter wegen der versifften Wohnung. Biene stürzt sich in die Ermittlungen und übernimmt sogar notgedrungen auf Trudis Bitte hin einen weiteren Fall.

Vera Nentwichs Figuren haben mich überzeugt. Biene Hagen ist sympathisch, unerschrocken und spontan. Manchmal schießt sie über das Ziel hinaus, wenn sie ohne Rücksicht oder Nachdenken mit ihrer direkten Art vorprescht. Oma Trudi ist der Ruhepol im Leben ihrer Enkelin. Mit leckerer Hausfrauenkost hält sie Biene und oft auch deren Freunde bei Kräften. Jago Diaz Fernandez, der attraktive Miteigentümer der Detektei sorgt dafür, dass die Finanzen stimmen. Und da ist noch der korrekte Polizist Jochen, mit dem die bindungsscheue Biene eine On-off-Beziehung führt.

Der Cosy Crime liest sich flüssig und hat zeitweise mein Kopfkino aktiviert. Besonders bei den Szenen mit Bienes aktuellem Leihwagen, der über ein Radio mit nahezu prophetischer Gabe und dazu passenden Songs verfügt. Leider ereilt ihn dasselbe Schicksal wie Bienes vorherige Fahrzeuge. Auch sonst blitzt immer mal Humor auf, bspw. wenn Sahneschnitte Jago überzeugend den kolumbianischen Drogenhändler gibt. Die Geschichte ist durchgehend aus Bienes Perspektive geschrieben, sodass der Leser einen guten Einblick in ihre Gedankenwelt bekommt.

Nach mehr als einer brenzligen Situation, in die sie sich mit ihrer unreflektierten Spontaneität bringt, gelingt es Biene, den Schuldigen an Pauls Tod zu entlarven. Vorher klärt sie noch ein anderes Verbrechen auf und beendet einen weiteren Fall. Kein Wunder, dass Trudi und auch Franziska stolz auf die Detektivin sind. Der Cosy Crime kommt mit angemessen wenig Gewalt aus und lädt zum Mitraten ein. Die einzig offenen Fragen bleiben am Schluss, die nach Bienes künftigem Firmenwagen und wie es mit Jochen, der sich dieses Mal kooperativer zeigt, weitergeht. Denn ohne ihn ist die Detektivin auf Dauer auch nicht glücklich.

Die Geschichte liest sich flüssig und der Lokalkolorit kommt nicht zu kurz. Wer einen unterhaltsamen Cosy Crime mit Humor und einer sympathischen Ermittlerin schätzt, ist hier richtig.

P. S. Mit Erben hat der Krimi trotz des Titels nur sehr wenig zu tun.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

„Die beste Detektivgeschichte des Jahres“ – The Times Literary Supplement, 1. November 1941

Miss Betony in Gefahr
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Miss Emma Betony steht vor einer schweren Entscheidung. Trotz ihrer drohenden Altersarmut schreckt sie davor zurück, das angebotene Zimmer in der Toplady-Seniorenresidenz zu akzeptieren. Zwei eingehende ...

Miss Emma Betony steht vor einer schweren Entscheidung. Trotz ihrer drohenden Altersarmut schreckt sie davor zurück, das angebotene Zimmer in der Toplady-Seniorenresidenz zu akzeptieren. Zwei eingehende Briefe erleichtern ihre Wahl. Einmal das erneute Schreiben einer Partnerschaftsvermittlung im durchsichtigen Umschlag, die sie niemals kontaktiert hat und das ihr peinlich ist. Zum anderen der Hilferuf einer ehemaligen Schülerin, Grace Aram, die dringend den Beistand der älteren Freundin in ihrem Mädchenpensionat benötigt. Also eilt Miss Betony nach Dorset um zu helfen. Dort findet sie eine Situation vor, mit der sie nicht gerechnet hat.

Dorothy Bowers hat in Oxford Geschichte studiert und nach dem Abschluss als Lehrerin und Reporterin gearbeitet. Sie schrieb Gedichte und fünf Kriminalromane, von denen der 1941 erschienene Band „Miss Betony in Gefahr“ der erfolgreichste ist. Er brachte ihr die Aufnahme in den renommierten Detection Club ein, zu dessen Mitglieder Dorothy L. Sayers, G. K. Chesterton und Agatha Christie zählten. Leider starb die Autorin bereits 1948 im Alter von 46 Jahren.

Miss Betony muss feststellen, dass die Dinge in der Privatschule von Grace Aram anders liegen als gedacht. Die Freundin benötigt nicht nur eine zusätzliche Lehrkraft, sondern vor allem eine Vertraute. Das Anwesen, das sie für ihr Mädcheninternat Makeways angemietet hat, um den Bomben in London zu entkommen, bringt eine schwerwiegende Verpflichtung mit sich. Zwei hochbetagte Damen, die sich weigern, das ehemalige, jetzt aufgelöste Pflegeheim zu verlassen, müssen von Miss Aram übernommen werden bzw. diese muss für ihre Betreuung vor Ort sorgen. Das gestaltet sich neben dem Schulbetrieb als schwierig. Seit kurzem wurden zudem auf eine der alten Ladys mehrere Giftanschläge verübt. Miss Betony soll Grace bei der Suche nach dem potenziellen Mörder helfen. Bald stellt sich Emma die Frage: Wer ist der große Ambrosio? Anscheinend kontaktieren alle Damen des Anwesens diesen ominösen Hellseher - von der Schülerin bis zur alten Dame.

Miss Betony ist eine gebildete Frau, Anfang der Sechzig, die in ihrem Beruf als Gouvernante und Lehrerin schon einiges erlebt hat. Sie pflegt das Image der unscheinbaren, alten Frau, dabei ist sie intelligent, fähig und hat schon etwas von der Welt gesehen. Die Autorin hat mit ihrer Heldin einiges gemeinsam. Beide stammen aus ähnlichen Verhältnissen, Betonys Vater war Gemüsehändler, der von Bowers Bäcker. Beide haben als Lehrerinnen gearbeitet und im Krieg materielle Not kennengelernt. Auch die anderen Charaktere sind gut getroffen. Grace, die verbitterte Waise, die sich als vom Leben benachteiligt sieht, die geschwätzige Krankenschwester Swain, die erfahrene Hausmutter Deakin oder der eingebildete, schroffe Dr.Bold.

Da die Geschichte vor mehr als 60 Jahren geschrieben wurde, unterscheidet sich die Sprache deutlich von modernen Erzählungen. Doch die Neubearbeitung erfolgte geschickt und macht die Lektüre des Buches, das jetzt erstmalig in deutscher Übersetzung vorliegt, lesenswert. Die Einblicke in längst vergangene Zeiten empfinde ich als aufschlussreich und spannend. Fans solcher alter Schätzchen, die bereit sind, sich auf Vintage-Krimis einzulassen, werden hier gut bedient.

Dorothy Bowers war eine Verfechterin von Kriminalromanen, in denen alle Hinweise unauffällig in die Geschichte einfließen. Diesem Anspruch wird sie in „Miss Betony in Gefahr“ gerecht. Die Atmosphäre in Makeways wird immer düsterer und angespannter. Ein unerwarteter Todesfall öffnet Miss Betony die Augen über das wahre Geschehen. Der Krimi endet in einem spannenden Showdown und der mysteriöse Fall wird restlos aufgeklärt.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

I love Cheddar

Mord & Breakfast
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Melody arbeitet als Journalistin in London. Sie glaubt fest daran, dass sie mit ihrem aktuellen Artikel den ersehnten Karrieresprung schaffen wird. Doch es kommt anders als erwartet, sie wird unter einem ...

Melody arbeitet als Journalistin in London. Sie glaubt fest daran, dass sie mit ihrem aktuellen Artikel den ersehnten Karrieresprung schaffen wird. Doch es kommt anders als erwartet, sie wird unter einem fadenscheinigen Vorwand gefeuert. Jetzt steht sie vor dem Nichts und weiß nicht, wovon sie ihre Miete zahlen soll. Da kommt ihr das Erbe einer Verwandten, die sie kaum kannte, wie gerufen. Also reist sie nach Schottland. Die Hinterlassenschaft von Tante Mabel entpuppt sich als luxuriöse Bed & Breakfast-Pension samt einer stattlichen Geldsumme und der Bulldogge Cheddar. Melody beschließt, ein paar Wochen in Seagull Bay zu bleiben. Um sich das Erbe zu sichern, aber auch um Antworten auf einige Fragen zu finden. Ihre unstillbare Neugier bringt sie bald in verzwickte Situationen.

Anne Gordon nimmt uns in „Mord & Breakfast“ mit nach Schottland in das charmante kleine Hotel „Coastal Inn“ in traumhafter Umgebung. Die Heldin Melody hat Glück im Unglück als ihr ein stattliches Erbe zufällt, gerade als sie durch eine üble Aktion arbeitslos wird. Doch ganz so unkompliziert wie gedacht, erweist sich die Hinterlassenschaft von Tante Mabel nicht. Schnell findet Melody heraus, dass ihre Verwandte über die Einwohner von Seagull Bay Dossiers angelegt und ihren Wohlstand zumindest teilweise durch Erpressung erworben hat. Noch schwerer wiegt Melodys Erkenntnis, dass Mabel nicht nur unbeliebt war, sondern offensichtlich ermordet wurde. Davon will der behäbige DS Johnson allerdings nichts wissen. Um dem Killer auf die Spur zu kommen, sieht Melody sich daher gezwungen, Mabels Kartei zu studieren.

Von der legendären Miss Marple wissen wir, dass ein scharfsinniger Beobachter allerhand Verbrechen in scheinbar idyllischen Dörfern entdeckt. Seagull Bay scheint in dieser Hinsicht St. Mary Mead noch in den Schatten zu stellen. Wie Melody nach und nach Antworten auf ihre Fragen bekommt und mehr Informationen findet als sie möchte, ist vergnüglich zu lesen. Anne Gordon schreibt flüssig und bildhaft. Ihre Charaktere verfügen teilweise über ein erstaunliches kriminelles Talent. Melody selbst wurde mir im Lauf der Geschichte immer sympathischer und einige ihrer Handlungen fand ich kreativ und erfrischend, vor allem ihr „Geschenk“ für Jonathan. Für das Problem mit Mabels Kartei findet sie kreative, aber passende Lösungen. Den anderen Charakteren fehlt es (noch?) an Tiefe, was sich in den nächsten Bänden vermutlich ändern wird.

Mich hat „Mord & Breakfast“ gut unterhalten. Das Lokalkolorit, von Haggis bis Highland Games, wird anschaulich vermittelt. Ganz zu schweigen von der atemberaubenden Landschaft. Melody findet hier unerwartet ein Zuhause und verliebt sich. Nicht alle ihre Fragen werden beantwortet, so die nach ihrem Vater. Allerdings finde ich, dass es dem vergnüglichen Wohlfühl-Krimi leider etwas an Spannung fehlt. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass ein Cosy Crime mit wenig Gewalt auskommen sollte. Das ist hier gut umgesetzt. Aber es mangelt der Geschichte an gefährlichen Situationen, die letztlich die Würze jeden Krimis ausmachen. Trotzdem werde ich dem angekündigten zweiten Band eine Chance geben. Schon wegen Cheddar, der liebenswerten kleinen Bulldogge, die nicht nur Melody, demente, alte Ladys und trotzige Teenager bezaubert hat, sondern auch mich.

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