Immerwährender Sommer
Ins fahle Herz des SommersAlle Warnungen der Klimaforscher haben sich bewahrheitet. Innerhalb nur weniger Jahre verändert sich das Wetter massiv. Die herrschende Hitzewelle endet nicht mehr und vernichtet die Ernten. Der Kampf ...
Alle Warnungen der Klimaforscher haben sich bewahrheitet. Innerhalb nur weniger Jahre verändert sich das Wetter massiv. Die herrschende Hitzewelle endet nicht mehr und vernichtet die Ernten. Der Kampf um die Ressourcen, um Wasser und Lebensmittel, beginnt. Dann bricht eine Pandemie aus, die „neue Pest“ und tötet einen großen Teil der Menschheit.
In diesem Setting spielt Andreas Eschbachs neues Buch „Ins fahle Herz des Sommers“. Eine Dystopie, die es in sich hat und den Leser in ihren Bann zieht.
Fausto Tardillon wollte gemeinsam mit seinem Bruder Giuseppe in den Norden fliehen, nach Grönland oder Sibirien, wo die Temperaturen angeblich noch erträglich sind. Damals war das noch möglich. Doch dann starb Giuseppe, erstochen von einem Wahnsinnigen, dem er helfen wollte. Fausto gab seine Flucht nach Norden auf und landete im kleinen Dorf Saint-Aumarec, wo nur noch wenige leben, die alte Madame Mareveaux, Pfarrer Ducreux und die Bauernfamilie Braque, die sich abschottet. Jeder kämpft ums Überleben und Fausto zieht in Vollmondnächten los, um die Umgebung zu erkunden und nach Nutzbarem zu suchen.
Eines Tages taucht eine geheimnisvolle junge Frau, Valérie, auf. Sie scheint die Hitze sehr gut zu vertragen und ernährt sich bevorzugt vom Fruchtfleisch der allgegenwärtigen Kakteen, einer invasiven Art, die überall wächst. Fausto verliebt sich und die beiden jungen Leute ziehen zusammen. Es stellt sich heraus, dass Valérie unter einer partiellen Amnesie leidet. Sie weiß nur wenig über ihre Herkunft und das frühere Leben. Fausto ist glücklich und bereit, seine Freundin zu beschützen. Gegen die Begierde der drei Braque-Söhne und vor den Fremden, die ins Dorf kommen und bleiben. Sie ähneln Valérie frappierend, was Fausto sehr beunruhigt. Doch dann wird die junge Frau schwanger und das Paar freut sich auf das Baby. Sie ahnen nicht, was auf sie zukommt.
Fausto ist ein sympathischer junger Mann, der sich trotz aller Widrigkeiten, seine Menschlichkeit bewahrt hat. Er unterstützt die alte Madame Mareveaux und den betagten Pfarrer so gut er kann. Unermüdlich versorgt er seine Pflanzen und arbeitet ständig, um das Überleben zu sichern. Die anderen Charaktere bleiben dagegen flach, was ich im Fall von Valérie schade finde. Gern hätte ich mehr über sie erfahren.
Andreas Eschbach beschreibt anschaulich, wie sich die zuerst als besonders schön empfundenen Sommer innerhalb weniger Jahre zu einer fortwährenden Hitzekatastrophe entwickeln. Danach tötet eine weltweite Seuche eine große Zahl an Menschen. Der Autor schildert überzeugend die bedrückende Atmosphäre, die den Überlebenden keine Perspektive bietet. Es wird immer heißer und der Norden ist unerreichbar abgeschottet und zudem überbevölkert. Am Beispiel von Fausto, der als Erzähler fungiert, wird der beschwerliche Alltag, die Ausweglosigkeit des Daseins geschildert. Dieser Teil der Dystopie hat mich gefesselt.
Allerdings finde ich, dass der Liebesgeschichte zu viel Raum gegeben wird. Was die Beziehung und ihre Folgen mit Fausto macht, ist nachvollziehbar. Warum aber erfährt der Leser so wenig über Valéries Empfinden, ihre Vergangenheit und die Ursache ihrer Amnesie? Und was ist mit den Fremden? Woher kommen sie? Warum jetzt und in wessen Auftrag? Worin besteht die Rolle von BioGen? Am Buchende waren noch einige meiner Fragen unbeantwortet, obwohl andere Wendungen wenig überraschten.
„Ins fahle Herz des Sommers“ ist ein spannendes Buch über ein Thema, das uns alle angeht. Zum Stichwort „Gedankenexperiment“ mit dem der Roman beworben wird: Ich als Eschbach-Fan finde, da wurde Potenzial verschenkt.