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Veröffentlicht am 12.08.2024

Hexenflug mit Hindernissen

Spellbound - Höllenritt auf dem Hexenbesen
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Emma Hart lebt nun seit einigen Wochen unfreiwillig in der magischen Gemeinschaft von Spellbound. Inzwischen hat sie sich schon fast daran gewöhnt, dass ihre Nachbarn Harpyien sind und der Stadtrat aus ...

Emma Hart lebt nun seit einigen Wochen unfreiwillig in der magischen Gemeinschaft von Spellbound. Inzwischen hat sie sich schon fast daran gewöhnt, dass ihre Nachbarn Harpyien sind und der Stadtrat aus einer Fee, einer Hexe, einem Werwolf, einem Vampir und einem Troll besteht. Sie hat hier einen neuen Job als Pflichtverteidigerin, da sie auch in der Menschenwelt Anwältin war und wohnt in einer Villa, deren Wohnzimmer größer ist als ihre frühere Behausung. Da sie sich als Hexe entpuppt hat, muss sie die Hexenakademie absolvieren. Und hier fängt der aktuelle Ärger an.

Speziell der Unterricht auf Hexenbesen bereitet ihr größtes Unbehagen, nahe an Panikattacken. Mit einem Magietrank versucht sie, wenig erfolgreich, ihre Flugangst in den Griff zu bekommen. In der Folge bringt sie ihre Mitschülerin Millie so in Rage, dass die einen fiesen Zauber wirkt, der beinah Emmas Date gefährdet.

Mit der Männerwelt läuft es auch nicht wie erhofft. Ihr Favorit Daniel will der Damenwelt abschwören und sieht Emma als seine beste Freundin. Dagegen kassiert der höllisch attraktive Vampir Demetrius ungläubig den ersten Korb seines Daseins von Miss Hart.

Das Zusammenleben mit Geistervampir Gareth gestaltet sich zunächst nicht einfach, wird aber besser. Er unterstützt Emma bei ihrem aktuellen Verteidigungsfall. So gelingt es, den Berserkerteenie Linsey vor der Haft zu bewahren und ihr sogar eine Perspektive für die Zukunft zu eröffnen.

Wieder geschieht ein Mord und wieder sieht sich Emma gezwungen, den Fall selbst aufzuklären. Denn Sheriff Hugo verdächtigt ausgerechnet Engel Daniel. Also löst Emma den Fall, unterstützt von Walküre Astrid. Im Zuge der Ermittlung spielt das Thema Depressionen eine größere Rolle und wird dabei genial in die Geschichte eingefügt, ganz ohne Verharmlosung.

Der Poker-Mädelsabend bei Emma setzt neue Maßstäbe für Spellbound – bei der offiziellen Pokernacht sind nur Jungs zugelassen - und gefällt sogar Gareth.

Teil zwei schließt nahtlos an den ersten an. Emma überwindet ihre größte Angst und erkundet zusammen mit dem Leser die magische Welt und ihre Bewohner. Der lockere Schreibstil macht Spaß. Ich freue mich schon auf meine nächste Reise nach Spellbound!

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Veröffentlicht am 07.12.2024

Reihen-Auftakt mit Magie

Spellbound - Tod eines aufrechten Vampirs
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Wie wäre es, an einem magischen Ort zu leben? Zusammen mit Vampiren, Feen und Hexen? Für die junge Anwältin Emma Hart wird diese Vorstellung Realität. Auf der Fahrt zu ihrem nächsten Mandanten gerät sie ...

Wie wäre es, an einem magischen Ort zu leben? Zusammen mit Vampiren, Feen und Hexen? Für die junge Anwältin Emma Hart wird diese Vorstellung Realität. Auf der Fahrt zu ihrem nächsten Mandanten gerät sie an einen abgelegenen See, will einen Selbstmörder retten und findet sich plötzlich in einem Städtchen namens Spellbound wieder. Das Besondere an diesem pittoresken Ort? Hier leben nur übernatürliche Wesen. Doch damit nicht genug, auf der Stadt liegt seit Jahrhunderten ein Fluch, der es scheinbar unmöglich macht, Spellbound wieder zu verlassen.

„Tod eines aufrechten Vampirs“ ist der Auftakt einer Fantasy-Reihe von Annabel Chase.

Der Start ins Buch verläuft zügig. Es macht sehr viel Spaß zu beobachten, wie die ziemlich taffe Emma in Spellbound, der magischen Version einer typischen Kleinstadt, zurechtkommt. Wenig überraschend stellt sich bald heraus, dass Emma kein Mensch, sondern eine Hexe ist. Das erweist sich als weitere Komplikation. Denn jede Junghexe in Spellbound muss die Hexenakademie absolvieren und Emma erinnert sich nur ungern an ihre Highschool-Zeit. Mit der Ausbildung und der unterrichtenden Oberhexe hat sie so ihre Probleme. Aber in der Hexen-Förderklasse findet sie erste Freundinnen.

Emma ist eine intelligente Frau mit starkem Charakter, die versucht, mit allen Schwierigkeiten fertig zu werden. Und das sind nicht wenige. Sie befindet sich plötzlich an einem völlig fremden Ort, mit teilweise bizarren Mitbewohnern von A wie Amazone bis Z wie Zentaur. Daneben hat sie einen neuen Job als Pflichtverteidigerin von Spellbound mit aktuellem Fall und da ist ja noch die Hexenakademie. Emma verfügt über einen trockenen Humor und ein großes Maß an Unerschrockenheit. Ihre kleinen Schwächen, beispielsweise ihre ausgeprägte Flugangst und eine gewisse Verpeiltheit, machen sie sympathisch und verhindern, dass sie zu Superwoman mutiert. Dass sie keine lebenden Verwandten und keine engeren Freunde in der Menschenwelt hat, erleichtert ihr den Umzug nach Spellbound. Der Ort verfügt zudem über ein gewisses Maß an Technik und führt uns nicht zurück ins Mittelalter, wie andere Mystery-Serien. Bei der Beschreibung des magischen Städtchens beweist die Autorin großen Einfallsreichtum und viel Phantasie. Wie gern würde ich mal im „Ready-To-Were“ oder im „Wünschemarkt“ einkaufen. Oder eine Latte mit einer Walküre im „Brew-Ha-Ha“ trinken. Mit Harpyien dagegen eher nicht.

Die Spannung kommt auch nicht zu kurz. Emmas Vorgänger im Amt, Gareth, der namengebende Vampir, wurde ermordet und der örtliche Sheriff-Zentaur Hugo erweist sich als total unfähiger Ermittler. Also beschließt unsere Heldin, den Mord selbst aufzuklären. In ihrem aktuellen Fall des Kobolds Mumford, der verdächtigt wird, ein Dieb zu sein, beginnt sie ebenfalls mit Nachforschungen.

Weitere Protagonisten sind der Hexenzirkel, eine zauberhafte Fee, eine freundliche Gorgone, ein muffiger Eulen-Vertrauter, ein ziemlich widerwärtiges Haustier, Werrudel und ein paar heiße Kerle. Überhaupt interessieren sich Spellbounds Einwohner, speziell der männliche Teil, sehr für die neue Mitbewohnerin. Immerhin ist der letzte Zuzug schon ein paar Jahrhunderte her.

Die anderen Charaktere bleiben noch etwas blass, aber entwicklungsfähig. Auch manche Frage bleibt zunächst offen, z. B. Daniels Geschichte. Der Leser spürt, dass es da noch einiges zu entdecken gibt. Für den ersten Band einer Serie finde ich das nachvollziehbar.

Wenn ich einen kleinen Kritikpunkt habe, dann den eher schwachen Kriminalfall. Der unerwartete Knaller am Schluss macht das aber mehr als wett.

„Tod eines aufrechten Vampirs“ sehe ich als „Urban Fantasy“ kombiniert mit „Cosy Crime“. Ich habe die liebevoll geschriebene Geschichte beinahe in einem Zug gelesen und jede Seite genossen. Der locker-leichte Schreibstil mit Humor und Originalität hat mich überzeugt. Mit Emma hat die Geschichte eine sympathische Hauptfigur, die wir dabei beobachten, wie sie in einer magischen Umgebung klarkommt und dabei noch einen Mordfall löst.

Von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, die dieses Genre lieben. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Geht wieder ein Frauenmörder auf Amrum um?

Einsames Watt
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Ein ungeklärter Todesfall ruft Kommissar John Benthien nach Amrum. Die Leiche einer jungen Frau wurde mit Verletzungen am Hinterkopf aus der Nordsee geborgen. Noch ist offen, ob Paula Lemmer durch einen ...

Ein ungeklärter Todesfall ruft Kommissar John Benthien nach Amrum. Die Leiche einer jungen Frau wurde mit Verletzungen am Hinterkopf aus der Nordsee geborgen. Noch ist offen, ob Paula Lemmer durch einen Unfall oder ein Verbrechen starb. Bei Benthien werden Erinnerungen an einen zwanzig Jahre zurückliegenden Fall wach. Auch damals kam auf Amrum eine junge Frau, Maren Frahm, gewaltsam zu Tode. Und sein Kollege und Mentor Kommissar Cornelis Litmanen verschwand für immer.

In seinem 12. Fall untersucht John Benthien nicht nur, warum Paula Lemmer starb. Neben dem aktuellen Todesfall beschäftigt ihn der Cold Case von 2005 und setzt eine spannende Ermittlung in Gang. Autorin Nina Ohlandt starb 2020. Seither führt ihr damaliger Lektor Jan F. Wielpütz die Krimireihe um Kommissar Benthien weiter.

Seit seinem Wiedereintritt bei der Flensburger Kriminalpolizei hat John keinen einzigen Fall gelöst. Jetzt beauftragt ihn seine neue Chefin Lilly Velasco mit der Ermittlung im Fall Leemer. Seine Rückkehr nach Amrum wühlt lange von ihm verdrängte Erinnerungen auf. Er stellt sich erneut die Frage, ob er damals Cornelis Litmanen im Stich gelassen hat. Sein Mentor bezweifelte seinerzeit, dass der Fall Frahm gelöst war und der wahre Täter eingesperrt wurde. Die aktuellen Ermittlungen gestalten sich zäh. Die Tote war Meeresarchäologin. Mehrere der Verdächtigen beschäftigen sich mit der Geschichte des Wattenmeers, Rungholt und den Uthlande, oder handeln mit Antiken aus jener Zeit. Hängt der aktuelle Todesfall, der möglicherweise Mord war, damit zusammen?

Obwohl ich ein Fan der Reihe bin, waren mir die privaten Belange und Entwicklungen dieses Mal für einen Krimi zu viel. Eine andere Gewichtung der Themen hätte mir auch mehr entsprochen, also weniger Antikenhandel und die daraus resultierenden Verstrickungen. Dafür mehr Platz für den Cold Case und das aktuelle Verbrechen, deren Aufklärung erst im letzten Drittel an Fahrt gewinnt. Die Ereignisse rund um den Serienmörder nehmen für meinen Geschmack viel Raum ein.

Gefallen hat mir der Rückblick in die Anfangsjahre des jungen Benthien als Polizeibeamter. Ebenso der Ausflug in die Geschichte der Uthlande. Der Krimi wird flüssig erzählt und die Hauptcharaktere sind sympathisch. Letztlich werden die Fälle aufgeklärt und alle Fragen beantwortet. Das Buch endet mit einem ungewöhnlichen Cliffhanger, den ich noch nicht einschätzen kann. „Einsames Watt“ hat mich gut unterhalten, aber es wäre mehr drin gewesen.

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Veröffentlicht am 06.03.2026

Wer hat Vetter Paul auf dem Gewissen?

Tote Vettern erben nicht
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Sabine "Biene" Hagen hat sich von der Steuerfachangestellten zur Mitinhaberin einer erfolgreichen Detektei gemausert und ist sehr stolz darauf. Leider sieht nur Oma Trudi das genauso, der Rest der Verwandtschaft ...

Sabine "Biene" Hagen hat sich von der Steuerfachangestellten zur Mitinhaberin einer erfolgreichen Detektei gemausert und ist sehr stolz darauf. Leider sieht nur Oma Trudi das genauso, der Rest der Verwandtschaft bleibt skeptisch. Umso erstaunter ist die Privatermittlerin als sie von ihrer Cousine um professionelle Hilfe gebeten wird. Vetter Paul ist spurlos verschwunden und Biene soll für Franziska den Bruder aufspüren. Noch weiß die Detektivin nicht, worauf sie sich da einlässt. Der Cosy Crime erweist sich als spannende Unterhaltung.

„Tote Vettern erben nicht“ ist der 9. Fall für Biene Hagen. Obwohl es für mich der erste Fall von Vera Nentwichs Privatdetektivin war, habe ich mich gut zurechtgefunden.

Biene erledigt Franziskas Auftrag in rekordverdächtig kurzer Zeit, denn sie findet den vermissten Vetter tot im Müllcontainer seines Wohnhauses. Ermordet wie sich bald herausstellt. Motiv und Identität des Täters erschließen sich der Detektivin zunächst nicht. Allerdings erfährt sie Erstaunliches über den stets korrekten Paul. Er war ein echter Messie mit autistischen Zügen. Seine vollgestopfte und vermüllte Wohnung schlägt nicht nur Bienes smarten Geschäftspartner Jago Diaz Fernandez in die Flucht. Franziska beauftragt die Detektei Pauls Mörder zu finden. Bald fördern die Ermittlungen ein paar Spuren zutage. War der Finanzbeamte einem sogenannten „Umsatzsteuerkarussell“ auf der Spur? Oder hat er seine Mitstreiter vom Puzzle-Club verärgert? Sonst wären da nur noch eine Anzeige wegen Falschparkens und häusliche Streitigkeiten mit einem anderen Mieter wegen der versifften Wohnung. Biene stürzt sich in die Ermittlungen und übernimmt sogar notgedrungen auf Trudis Bitte hin einen weiteren Fall.

Vera Nentwichs Figuren haben mich überzeugt. Biene Hagen ist sympathisch, unerschrocken und spontan. Manchmal schießt sie über das Ziel hinaus, wenn sie ohne Rücksicht oder Nachdenken mit ihrer direkten Art vorprescht. Oma Trudi ist der Ruhepol im Leben ihrer Enkelin. Mit leckerer Hausfrauenkost hält sie Biene und oft auch deren Freunde bei Kräften. Jago Diaz Fernandez, der attraktive Miteigentümer der Detektei sorgt dafür, dass die Finanzen stimmen. Und da ist noch der korrekte Polizist Jochen, mit dem die bindungsscheue Biene eine On-off-Beziehung führt.

Der Cosy Crime liest sich flüssig und hat zeitweise mein Kopfkino aktiviert. Besonders bei den Szenen mit Bienes aktuellem Leihwagen, der über ein Radio mit nahezu prophetischer Gabe und dazu passenden Songs verfügt. Leider ereilt ihn dasselbe Schicksal wie Bienes vorherige Fahrzeuge. Auch sonst blitzt immer mal Humor auf, bspw. wenn Sahneschnitte Jago überzeugend den kolumbianischen Drogenhändler gibt. Die Geschichte ist durchgehend aus Bienes Perspektive geschrieben, sodass der Leser einen guten Einblick in ihre Gedankenwelt bekommt.

Nach mehr als einer brenzligen Situation, in die sie sich mit ihrer unreflektierten Spontaneität bringt, gelingt es Biene, den Schuldigen an Pauls Tod zu entlarven. Vorher klärt sie noch ein anderes Verbrechen auf und beendet einen weiteren Fall. Kein Wunder, dass Trudi und auch Franziska stolz auf die Detektivin sind. Der Cosy Crime kommt mit angemessen wenig Gewalt aus und lädt zum Mitraten ein. Die einzig offenen Fragen bleiben am Schluss, die nach Bienes künftigem Firmenwagen und wie es mit Jochen, der sich dieses Mal kooperativer zeigt, weitergeht. Denn ohne ihn ist die Detektivin auf Dauer auch nicht glücklich.

Die Geschichte liest sich flüssig und der Lokalkolorit kommt nicht zu kurz. Wer einen unterhaltsamen Cosy Crime mit Humor und einer sympathischen Ermittlerin schätzt, ist hier richtig.

P. S. Mit Erben hat der Krimi trotz des Titels nur sehr wenig zu tun.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

„Die beste Detektivgeschichte des Jahres“ – The Times Literary Supplement, 1. November 1941

Miss Betony in Gefahr
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Miss Emma Betony steht vor einer schweren Entscheidung. Trotz ihrer drohenden Altersarmut schreckt sie davor zurück, das angebotene Zimmer in der Toplady-Seniorenresidenz zu akzeptieren. Zwei eingehende ...

Miss Emma Betony steht vor einer schweren Entscheidung. Trotz ihrer drohenden Altersarmut schreckt sie davor zurück, das angebotene Zimmer in der Toplady-Seniorenresidenz zu akzeptieren. Zwei eingehende Briefe erleichtern ihre Wahl. Einmal das erneute Schreiben einer Partnerschaftsvermittlung im durchsichtigen Umschlag, die sie niemals kontaktiert hat und das ihr peinlich ist. Zum anderen der Hilferuf einer ehemaligen Schülerin, Grace Aram, die dringend den Beistand der älteren Freundin in ihrem Mädchenpensionat benötigt. Also eilt Miss Betony nach Dorset um zu helfen. Dort findet sie eine Situation vor, mit der sie nicht gerechnet hat.

Dorothy Bowers hat in Oxford Geschichte studiert und nach dem Abschluss als Lehrerin und Reporterin gearbeitet. Sie schrieb Gedichte und fünf Kriminalromane, von denen der 1941 erschienene Band „Miss Betony in Gefahr“ der erfolgreichste ist. Er brachte ihr die Aufnahme in den renommierten Detection Club ein, zu dessen Mitglieder Dorothy L. Sayers, G. K. Chesterton und Agatha Christie zählten. Leider starb die Autorin bereits 1948 im Alter von 46 Jahren.

Miss Betony muss feststellen, dass die Dinge in der Privatschule von Grace Aram anders liegen als gedacht. Die Freundin benötigt nicht nur eine zusätzliche Lehrkraft, sondern vor allem eine Vertraute. Das Anwesen, das sie für ihr Mädcheninternat Makeways angemietet hat, um den Bomben in London zu entkommen, bringt eine schwerwiegende Verpflichtung mit sich. Zwei hochbetagte Damen, die sich weigern, das ehemalige, jetzt aufgelöste Pflegeheim zu verlassen, müssen von Miss Aram übernommen werden bzw. diese muss für ihre Betreuung vor Ort sorgen. Das gestaltet sich neben dem Schulbetrieb als schwierig. Seit kurzem wurden zudem auf eine der alten Ladys mehrere Giftanschläge verübt. Miss Betony soll Grace bei der Suche nach dem potenziellen Mörder helfen. Bald stellt sich Emma die Frage: Wer ist der große Ambrosio? Anscheinend kontaktieren alle Damen des Anwesens diesen ominösen Hellseher - von der Schülerin bis zur alten Dame.

Miss Betony ist eine gebildete Frau, Anfang der Sechzig, die in ihrem Beruf als Gouvernante und Lehrerin schon einiges erlebt hat. Sie pflegt das Image der unscheinbaren, alten Frau, dabei ist sie intelligent, fähig und hat schon etwas von der Welt gesehen. Die Autorin hat mit ihrer Heldin einiges gemeinsam. Beide stammen aus ähnlichen Verhältnissen, Betonys Vater war Gemüsehändler, der von Bowers Bäcker. Beide haben als Lehrerinnen gearbeitet und im Krieg materielle Not kennengelernt. Auch die anderen Charaktere sind gut getroffen. Grace, die verbitterte Waise, die sich als vom Leben benachteiligt sieht, die geschwätzige Krankenschwester Swain, die erfahrene Hausmutter Deakin oder der eingebildete, schroffe Dr.Bold.

Da die Geschichte vor mehr als 60 Jahren geschrieben wurde, unterscheidet sich die Sprache deutlich von modernen Erzählungen. Doch die Neubearbeitung erfolgte geschickt und macht die Lektüre des Buches, das jetzt erstmalig in deutscher Übersetzung vorliegt, lesenswert. Die Einblicke in längst vergangene Zeiten empfinde ich als aufschlussreich und spannend. Fans solcher alter Schätzchen, die bereit sind, sich auf Vintage-Krimis einzulassen, werden hier gut bedient.

Dorothy Bowers war eine Verfechterin von Kriminalromanen, in denen alle Hinweise unauffällig in die Geschichte einfließen. Diesem Anspruch wird sie in „Miss Betony in Gefahr“ gerecht. Die Atmosphäre in Makeways wird immer düsterer und angespannter. Ein unerwarteter Todesfall öffnet Miss Betony die Augen über das wahre Geschehen. Der Krimi endet in einem spannenden Showdown und der mysteriöse Fall wird restlos aufgeklärt.

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