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Veröffentlicht am 17.04.2026

Angesehene Menschen

Wer Zwietracht sät
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In dem kleinen Küstenort Trevellas wird der Unternehmer Michael Lobb ermordet aufgefunden. Er hat vor Jahren seine Familie für die erst neunzehnjährige Kayla verlassen. Natürlich waren Frau und Kinder ...

In dem kleinen Küstenort Trevellas wird der Unternehmer Michael Lobb ermordet aufgefunden. Er hat vor Jahren seine Familie für die erst neunzehnjährige Kayla verlassen. Natürlich waren Frau und Kinder alles andere als glücklich. Doch schienen sich die Wogen geglättet haben. Warum also jetzt dieser Mord? Lobb wollte seine Anteile an dem Unternehmen nicht verkaufen, obwohl es ein lukratives Angebot gab. Andererseits ist der Täter vielleicht doch im persönlichen Umfeld zu suchen. Die örtliche Polizei hat schnell einen Verdächtigen. Was zu einem Anruf bei Barbara Havers führt, die wegen des Todes ihrer Mutter für jede Ablenkung dankbar ist. Dass sie ihre Aktivitäten nicht vor Inspector Lynley geheimhalten kann, war eher nicht der Plan.

In ihren 22. Fall geraten Barbara Havers und Thomas Lynley mal wieder durch Zufall. Eigentlich ermitteln sie in London und Trevellas liegt nicht in ihrem Zuständigkeitsbereich. Havers ist schockiert vom Tod ihrer Mutter. Dieser war zwar zu erwarten, da die unter Demenz leidende alte Dame schon eine Weile im Pflegeheim lebte. Aber wenn ein naher Angehöriger stirbt, fühlt es sich immer plötzlich und zu früh an. Die verordnete Auszeit auf Lynleys heimatlichem Herrenhaus kommt ihr nach einigem Zögern ganz recht. Sie muss nur zusehen, dass der Inspector von der anderen Sache nichts mitbekommt.

Wie gewohnt entwickelt sich ein Kriminalroman von der Autorin zwar langsam, aber gründlich. Es wird erklärt, wie sowas zu sowas führt. Wenn man beim Lesen langsam merkt, wie die Intention war und sich dadurch die Einstellung zu einzelnen Personen ändert, sieht man wieder, was für eine tolle Schriftstellerin Elizabeth George ist. Geschickt ist auch, wie die privaten Belange von Havers und Lynley mit leichter Hand in die Handlung gewoben werden. Lediglich einer der Handlungsstränge wird entweder etwas aufgepfropft oder nicht richtig auserzählt. Doch insgesamt bietet die Autorin wieder ein fesselndes Drama, in dem einiges ganz anders ist als man zu Beginn denken würde.

Veröffentlicht am 14.04.2026

Schlaflied

Buddenbrooks
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Die Buddenbrooks sind eine angesehene Kaufmannsfamilie aus Lübeck. Der alte Konsul und seine Gattin halten die Familie zusammen. Die Kinder Thomas, Christian und Tony sind quasi auf dem Weg in die Welt. ...

Die Buddenbrooks sind eine angesehene Kaufmannsfamilie aus Lübeck. Der alte Konsul und seine Gattin halten die Familie zusammen. Die Kinder Thomas, Christian und Tony sind quasi auf dem Weg in die Welt. Thomas soll einmal die Firma übernehmen, Christian wird schon etwas finden und Tony verbringt einen Urlaub an der See, wo ihr eine zarte Liebe begegnet. Sie blicken zuversichtlich in die Zukunft. Wann beginnt es schiefzugehen? Als Tony sich in eine Ehe mit einem Geschäftsmann dränen lässt, der als Ehemann genauso wenig taugt wie als Unternehmer. Eine Scheidung in dieser angesehenen Familie. Wann gab es das schon mal?

Eigentlich meint man, es könne gar nichts passieren. Alles müsste immer so weitergehen. Doch die Fassade bekommt Risse. Letztlich verliert die Familie mit jeder schlechten Entscheidung, jeder schlechten Ehe, jedem Streit auch Geld. Thomas als Erbe führt die Firma schon mit Erfolg weiter, doch mehren kann er das Kapital nicht. Und Christian, der selbst nichts rechtes wird, drängt auf seinen Anteil. Und die Erben? Tony hat nur eine Tochter und bei Thomas lässt ein Stammhalter lange auf sich warten. Und als er endlich da ist, fehlt es ihm an Energie und Einsatzwillen. Lieber beschäftigt er sich mit Musik.

In der ARD Audiothek ist dieses Hörbuch zu finden. Ganz hervorragend neu eingelesen von Thomas Sarbacher. Es sind schon etliche Stunden, die zu bewältigen sind. Möglicherweise auch gedacht als letzte halbe Stunde vorm Schlafen gehen. Vielleicht erinnert man sich, dass man das Buch vor ewigen Zeiten mal gelesen hat und es doch eher als dröge empfand. Und doch schleicht es sich langsam in die Gedanken und regt an, doch genauer zuzuhören. So uninteressant ist es ja doch nicht. Zwar hat das mit dem Niedergang schon seine Begründung und die epischen Beschreibungen des Leidens sind na ja eben episch. Doch wenn verschiedenste Sprachfärbungen zu Anwendung kommen, wenn die Äußerungen manchmal etwas krude erscheinen, dann schmunzelt man doch und denkt, habe ich das alles überlesen. Wahrscheinlich reißt es die gesprochene Interpretation einfach raus. Es sind zwar ganz schön viele knappe halbe Stunden, aber letztlich vergehen sie schneller als gedacht.

Veröffentlicht am 09.04.2026

Schuld beglichen?

Vorboten
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Nach dem ersten Weltkrieg im Jahr 1920 kehrt Wieland Göth in sein Heimatdorf zurück. Der Ort liegt in der von Frankreich besetzten Zone links des Rheins. Die Menschen sind gegen die Besatzung, auch weil ...

Nach dem ersten Weltkrieg im Jahr 1920 kehrt Wieland Göth in sein Heimatdorf zurück. Der Ort liegt in der von Frankreich besetzten Zone links des Rheins. Die Menschen sind gegen die Besatzung, auch weil durch diese ihr Leben stark eingeschränkt wird. Göth ist auf der Suche nach seiner Schwester, diese soll angeblich von einem Russen getötet worden sein, der nach dem Krieg dageblieben war. Etwas Ähnliches ist schon einmal passiert. Doch Wieland glaubt diese Geschichte nicht. Die Menschen im Dorf können keine Freude mehr empfinden. Sie sind nicht sicher, wie sie Wieland Göth begegnen sollen.

Die Heimkehr von Wieland Göth scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Sein Vater, der ehemalige Dorflehrer, ist dabei, sich totzutrinken. Sein Bruder ist kriegsversehrt. Er erwartet von Wieland, dass er die Versorgung des Vaters übernimmt. Die Mutter ist schon vor Längerem verstorben. Das Dorf hat Wieland schon vor dem Krieg verlassen. Und nun kommt er so spät zurück. Die Menschen im Dorf setzen gewisse Erwartungen in Wieland, allerdings scheint er bald zum Außenseiter zu werden, weil er sich den neuen politischen Strömungen gegenüber eher skeptisch zeigt. Und der Graf, der viel Einfluss im Ort hat, weist einige sehr unschöne Charakterzüge auf.

Gleich mit den ersten Sätzen wirkt dieser historische Kriminalroman sehr düster und beklemmend. Auch mehr als ein Jahr nach dem Krieg wirkt der Krieg noch nach. Es herrscht Verbitterung und eine destruktive Stimmung. Zwar wird den Menschen durch die Besatzung das Leben schwer gemacht, weil sie sich nicht uneingeschränkt bewegen und auch keinen Handel treiben dürfen. Allerdings sieht man auch nicht, dass sie die Kriegsschuld begreifen und sich für die neue Republik engagieren. Es passiert genau das Gegenteil, die anderen sind Schuld und es wird jede Gelegenheit wahrgenommen, gegen die Besatzungssoldaten zu hetzen. Mit Wieland hat man einen Protagonisten, der wenigstens des Denkens mächtig ist. Als Einziger kann er sich allerdings auch nicht gegen die Dorfgemeinschaft stemmen. Beim Lesen zieht sich alles zusammen, beklemmend, man kann es nur wiederholen. Zum Ende hin gibt mehr Tote als der Leserin guttun. Für die Handlung erscheint es folgerichtig, auch wenn die Auflösung anders ist als zu vermuten gewesen wäre.

Veröffentlicht am 04.04.2026

Streitbar

Ein guter Blick fürs Böse
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Beverly, Margot und Elsie sind sehr unterschiedlich, aber eines haben sie gemeinsam: Die Männer, die sie einmal geheiratet haben, wurden des mehrfachen Mordes überführt. Alle drei fragen sich, ob sie früher ...

Beverly, Margot und Elsie sind sehr unterschiedlich, aber eines haben sie gemeinsam: Die Männer, die sie einmal geheiratet haben, wurden des mehrfachen Mordes überführt. Alle drei fragen sich, ob sie früher hätten etwas merken müssen. Und wieder werden im Kalifornien des Jahres 1966 junge Frauen ermordet aufgefunden. Die drei Frauen haben nicht den Eindruck, dass die Polizei fieberhaft ermittelt. Obwohl sie durch ihre Vergangenheit oder auch ihren Beruf Kontakte zur Polizei haben, werden ihre Gedanken nicht ernst genommen. Was also tun? Elsie, Beverly und Margot wollen unbedingt verhindern, dass es weitere Opfer gibt. Was liegt also nahe? Sie stellen selbst Nachforschungen an.

Die drei Frauen, die sich durch die ungewöhnlichen Gemeinsamkeiten ihrer Vergangenheit gefunden haben, bilden ein besonderes Team. Sie leiden unter den Erinnerungen und auch unter Schuldgefühlen. Aber sie hoffen auch, von ihren Erfahrungen zehren zu können. So müssen sie doch einfach eine Spur finden. Die Zeit ist noch nicht reif für weibliche Detektive. Das merken die drei Frauen recht schnell. Sie werden klein gemacht und keiner will ihren Hinweisen Bedeutung beimessen. Natürlich sind Elsie, Beverly und Margot auch unsicher, aber das hält sie nicht davon ab weiterzumachen. Wenn sie die Gefahr für die Frauen verringern können, dann ist das was.

In den 1960ern wurden weder auf Frauen gehört, noch wurden sie überhaupt gehört. Sie hatten hübsch zu sein, die Kinder groß zu ziehen oder eine Zierde für den Mann. Nur hin und wieder konnte es schon mal einige geben, die sich auch im Beruf durchsetzten. Da kann man froh sein, dass man in der Gegenwart lebt. Auch wenn man den Eindruck gewinnt, dass zu Beginn des Romans eine gewisse kalifornische Leichtigkeit herrscht, gewinnt man später die Gewissheit, dass die Spannung steigt. Die Frauen finden tatsächlich Hinweise, die sich nach und nach zu einem Bild zusammenfügen. Mitunter brauchen Margot, Beverly und Elsie ihren ganzen Mut und sie setzen ihn gut ein. Dabei gibt es überraschende Wendungen. Allerdings fragt man sich, wem man überhaupt vertrauen kann, was leider auch noch für die heutige Zeit gilt. Immerhin können die drei Frauen sich aufeinander verlassen und diese Solidarität macht den Roman in großen Teilen aus. Dieser Roman fesselt bis zum Schluss.

Veröffentlicht am 03.04.2026

Alte Freunde

Sörensen geht aufs Haus
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Am liebsten wäre es Sörensen, wenn alle Tage immer gleich verliefen, vielleicht hin und wieder etwas zu tun auf der Wache, aber sonst keine Veränderung. Aber bei wem haut so etwas schon hin? Bei Sörensen ...

Am liebsten wäre es Sörensen, wenn alle Tage immer gleich verliefen, vielleicht hin und wieder etwas zu tun auf der Wache, aber sonst keine Veränderung. Aber bei wem haut so etwas schon hin? Bei Sörensen jedenfalls nicht. Nach dessen Erkrankung hat er seinen Vater aufgenommen. Seine Kollegin Jenni Holstenbeck spricht von Veränderungen, eine neue Polizeianwärterin hat angefangen und nun wurden auch noch Knochen im Garten der Familie Göttlich gefunden. Das an sich ist schon schlimm genug. Es stellt sich jedoch heraus, dass es sich bei dem Herrn Göttlich um Sörensens alten Schulfreund Schiefel handelt. Einfach zu viele Veränderungen.

Morde in Katenbüll - seit seinem Umzug von Hamburg nach Katenbüll ermittelt KHK Sörensen nun zum sechsten Mal. Obwohl es erstmal nicht direkt um Mord geht. Aber anscheinend wurden menschliche Knochen auf einem Grundstück gefunden. Die Nachbarn meldeten den Fund und tischen eine wahrlich abenteuerliche Geschichte auf. Das muss Sörensen erstmal sortieren. Aber die Tatsache mit den Knochen bleibt. Tja, und der Garten gehört seinem alten und einzigen Freund Schiefel. Sörensen wusste nicht einmal, dass der in Katenbüll wohnt. Der Kontakt war auch abgerissen. Noch ahnt Sörensen nicht, dass auch die Eltern einer Sechzehnjährigen, die seit über zwei Jahren verschwunden ist, auf dem Weg nach Katenbüll sind.

Wenn am Anfang die Lachmuskeln einmal ordentlich durchgerüttelt wurden, kann man sich so langsam auf den Fall konzentrieren. Ein Cold Case, der nicht so kalt ist wie man vielleicht gemeint hat. Sörensen, der Veränderungen tatsächlich überhaupt nicht mag, muss hier mit etlichen Neuerungen klarkommen. Das fängt schon mit Schiefel an, der eigentlich aus seinem Leben verschwunden war. Dabei werden in Sörensen Erinnerungen wach, so dass man beim Lesen mehr von seiner Vergangenheit erfährt. Vergangenheit und Gegenwart, Cold Case, und die verhassten Veränderungen, auf Sörensen stürzt einiges ein. Zusammengefügt ergibt sich ein fesselnder Kriminalroman mit einem Sörensen, der einen Schritt weiterkommt. Vielleicht sind Veränderungen nicht immer schlecht, vielleicht ist es manchmal gut, wenn sie ausbleiben. Dieser Sörensen macht Vorfreude auf den nächsten.