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Veröffentlicht am 19.04.2026

Mehr Familie

Yasemins Kiosk - Eine bunte Tüte voller Lügen
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Yasemins Tochter Ela ist inzwischen acht Monate alt. Dorothea und Nina sind der Meinung, dass Yasemin so langsam mal wieder in ihrem Kiosk arbeiten sollte, wenigstens stundenweise. Zu dritt werden sie ...

Yasemins Tochter Ela ist inzwischen acht Monate alt. Dorothea und Nina sind der Meinung, dass Yasemin so langsam mal wieder in ihrem Kiosk arbeiten sollte, wenigstens stundenweise. Zu dritt werden sie es schon schaffen, sich um die Kleine zu kümmern. Es dauert nicht lange, da bittet die Kundin Erika um Hilfe. Ihr Sohn führ ein erfolgreiches Cateringunternehmen und hat mit einer Rufmordkampagne. Zu kämpfen. Seit Wochen bekommt er schlechte Bewertungen und Kommentare. Und nun fängt es auch noch mit Anrufen an. Nina und ihre Freundinnen versprechen, dass sie helfen werden. Und sie richten die Kommandozentrale wieder ein.

Dies ist der zweite Band der Kriminalromane um Yasemin und ihre Freundinnen. Dorothea, Vermieterin und Freundin, kann zwar das Haus nicht verlassen, ist aber richtig gut, Informationen aus dem world wide web zu holen. Nina, die nicht weiß, ob es mit ihrer Karriere bei der Polizei weitergehen wird, und Yasemin mit Kind und Kiosk. Gemeinsam haben sie zwar keine Detektei, aber wenn sie von Bekannten gefragt werden, helfen sie natürlich. Und so auch hier. Was erst aussieht als wollte ein Konkurrent dem Caterer Pascal schaden, entwickelt noch ganz andere Dimensionen. Gefährlich wird es sicherlich nicht werden, schließlich spielt sich das Meiste bisher im Internet ab.

Es hat eine Weile gedauert bis man den zweiten Fall um Yasemins Kiosk gelesen hat. Doch der erste Band ist in guter Erinnerung geblieben, deshalb nimmt man diese Gelegenheit gerne wahr. Und wieder hat man einen Cozy-Crime mit liebenswerten handelnden Personen. Was die drei Damen herausfinden, ist dabei überhaupt nicht so Cozy. Es kann richtig fies und mitunter auch gefährlich werden. Nina, Yasemin und Dorothea stehen zusammen. Sie zeigen, was Familie bedeuten kann, auch wenn keine Verwandtschaft da ist. Freunde kann man sich aussuchen. Und in Ninas Leben ändert sich so einiges. Leider ist die Reihe wohl nicht weitergeführt worden, obwohl durchaus Ansätze da gewesen wären. Aber immerhin kann man die Lektüre der beiden Kriminalromane um Yasemin und ihren Kiosk gerne empfehlen.

Veröffentlicht am 18.04.2026

Das Kind

Alle unsere Gestern
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Anna lebt mit ihren Geschwistern, dem Vater und Signora Maria in Italien. Die Faschisten sind an der Macht. Der Vater schreibt in seinen Memoiren auf, was ihm alles nicht gefällt. So schlecht gelaunt wie ...

Anna lebt mit ihren Geschwistern, dem Vater und Signora Maria in Italien. Die Faschisten sind an der Macht. Der Vater schreibt in seinen Memoiren auf, was ihm alles nicht gefällt. So schlecht gelaunt wie der Vater meist ist, versucht die Signora Maria das ein wenig auszugleichen. Die Kinder wachsen langsam auf, beginnen mit der Ausbildung und finden Partner. Nur Anna kommt sich etwas verloren vor. Ein Lichtblick für sie ist der Kontakt mit einem Nachbarsohn, was zu einer unerwarteten Schwangerschaft führt. Ein Bekannter der Familie, Cenco Rena heiratet das junge Mädchen kurzerhand, um ihr Leid zu ersparen. Mit ihm zieht sie in ein Bergdorf in Süditalien.

Eine etwas chaotische Familie scheinen sie zu sein. Die Mutter ist schon vor Jahren verstorben, der Vater ein knorriger Typ, der sich am ehesten durch schlechte Laune auszeichnet, der Sohn, der sich tyrannisieren lässt. Anna, die Jüngste, scheint ein wenig nebenher zu laufen. Ihre Unauffälligkeit macht sie aber auch nicht glücklich. Zu allem müssen sie sich durch die Zeit des faschistischen Regimes bringen. Je länger diese Zeit andauert, desto schwieriger wird es. Man kann sagen, für Anna ist es eine Art Glück, dass sie bei Cenco Rena lebt. Je weiter der Krieg dann voranschreitet, desto gefährlicher wird es für die Menschen im Dorf. Cenco hat dafür gesorgt, dass dort jeder Zuflucht fand, der sich vor dem Regime verstecken musste.

So sehr wird der Faschismus im Alltag der Familie nicht thematisiert. Sie sind sich einig, wie sie dazu stehen, hängen es aber nicht an die große Glocke. Zwar versuchen einige Familienmitglieder Widerstand zu leisten, aber wenn sie mit Menschen klarkommen müssen, die andere Überzeugungen haben, geht das auch auf eine Art. In ihren jüngeren Jahren sind die Kinder noch nicht wirklich in der Lage die Situation zu erfassen. Später ist klar, dass sie durch den Vater geprägt wurden. Und dennoch leben sie durch die Zeit, gehen zur Schule, verlieben sich, verloben sich, heiraten. Wie war es, in dieser Zeit zu leben? Hatte jeder eine Meinung? Und wenn sie nicht der staatlichen Vorgabe entspracht, wer hatte den Mut, sie auszusprechen? Der Vater war da wohl eindeutig, er schimpfe auf die Halunken. Vermutlich wollte er seine Familie später schützen. Nach seinem Tod, wird der Umgang normaler. Und doch leiden einige Familienmitglieder unter dem Regime oder der Zeit, die vorgibt, wie sie zu sein haben. Aus Cenco Rena wird man nicht so richtig schlau, aber er hilft selbstlos, wann immer er kann. Ein nachdenklich stimmender Roman.

Veröffentlicht am 17.04.2026

Und Berlin?

Seven Days
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Normalerweise arbeitet der Anwalt Eddie Flynn vor New Yorker Gerichten. Doch nun wird er von einem Bekannten gebeten, einen Fall in den Südstaaten zu übernehmen, bei dem dem Angeklagten die Todesstrafe ...

Normalerweise arbeitet der Anwalt Eddie Flynn vor New Yorker Gerichten. Doch nun wird er von einem Bekannten gebeten, einen Fall in den Südstaaten zu übernehmen, bei dem dem Angeklagten die Todesstrafe droht. Der junge Afroamerikaner soll eine weiße junge Frau umgebracht haben. Die Stadt kocht und der Staatsanwalt will kurzen Prozess machen. Innerhalb nur einer Woche soll der junge Mann zum Tode verurteilt werden. Staatsanwalt Korn ist bekannt dafür, dass er ein Todesurteil nach dem anderen erwirkt. Schon als Eddie und Harry Ford anreisen, gibt es Schwierigkeiten, denn auch Harry ist schwarz. Wie sollen sie es schaffen, den jungen Andy Dubois zu retten.

In diesem sechsten Band um den Anwalt Eddie Flynn zeichnet der Autor ein Bild von einem amerikanischen Rechtssystem, dem man nicht gerne ausgesetzt sein möchte. Da wird gemordet, Beweise werden so hingebogen, dass sie zur Anklage passen, und man hat auch keine Hemmungen zu erpressen. Können Eddie und seine Mitstreiter da überhaupt eine Chance haben? Ihre erste Aufgabe ist es, Andy aus der Untersuchungshaft herauszuholen. Schließlich wäre es gut, wenn der junge Mann bis zum Prozess am Leben bleibt und natürlich auch darüberhinaus. Doch alle Bediensteten der Behörden scheinen sich gegen Andy verschworen zu haben. Und sein vorheriger Verteidiger ist verschwunden.

Es schüttelt einen, wenn man liest, wie Andy Dubios in die Mühlen des Systems gerät. Man muss befürchten, dass es auch Eddie in Schwierigkeiten kommen wird, wenn er sich mit seinen Gegnern anlegt. Diesbezüglich neigt der Autor machmal dazu den Lesenden einiges zuzumuten. Und in dieser Stadt wirkt es so, als wären die meisten normal und moralisch denkenden Menschen in Gefahr. Was sich da zusammenbraut, wird erst nach und nach klar. Nach einem extrem spannenden Showdown wirkt das eigentliche Finale fast schon entspannt. Dennoch ein packender Thriller, über den sich gut diskutieren lässt.

Veröffentlicht am 17.04.2026

Angesehene Menschen

Wer Zwietracht sät
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In dem kleinen Küstenort Trevellas wird der Unternehmer Michael Lobb ermordet aufgefunden. Er hat vor Jahren seine Familie für die erst neunzehnjährige Kayla verlassen. Natürlich waren Frau und Kinder ...

In dem kleinen Küstenort Trevellas wird der Unternehmer Michael Lobb ermordet aufgefunden. Er hat vor Jahren seine Familie für die erst neunzehnjährige Kayla verlassen. Natürlich waren Frau und Kinder alles andere als glücklich. Doch schienen sich die Wogen geglättet haben. Warum also jetzt dieser Mord? Lobb wollte seine Anteile an dem Unternehmen nicht verkaufen, obwohl es ein lukratives Angebot gab. Andererseits ist der Täter vielleicht doch im persönlichen Umfeld zu suchen. Die örtliche Polizei hat schnell einen Verdächtigen. Was zu einem Anruf bei Barbara Havers führt, die wegen des Todes ihrer Mutter für jede Ablenkung dankbar ist. Dass sie ihre Aktivitäten nicht vor Inspector Lynley geheimhalten kann, war eher nicht der Plan.

In ihren 22. Fall geraten Barbara Havers und Thomas Lynley mal wieder durch Zufall. Eigentlich ermitteln sie in London und Trevellas liegt nicht in ihrem Zuständigkeitsbereich. Havers ist schockiert vom Tod ihrer Mutter. Dieser war zwar zu erwarten, da die unter Demenz leidende alte Dame schon eine Weile im Pflegeheim lebte. Aber wenn ein naher Angehöriger stirbt, fühlt es sich immer plötzlich und zu früh an. Die verordnete Auszeit auf Lynleys heimatlichem Herrenhaus kommt ihr nach einigem Zögern ganz recht. Sie muss nur zusehen, dass der Inspector von der anderen Sache nichts mitbekommt.

Wie gewohnt entwickelt sich ein Kriminalroman von der Autorin zwar langsam, aber gründlich. Es wird erklärt, wie sowas zu sowas führt. Wenn man beim Lesen langsam merkt, wie die Intention war und sich dadurch die Einstellung zu einzelnen Personen ändert, sieht man wieder, was für eine tolle Schriftstellerin Elizabeth George ist. Geschickt ist auch, wie die privaten Belange von Havers und Lynley mit leichter Hand in die Handlung gewoben werden. Lediglich einer der Handlungsstränge wird entweder etwas aufgepfropft oder nicht richtig auserzählt. Doch insgesamt bietet die Autorin wieder ein fesselndes Drama, in dem einiges ganz anders ist als man zu Beginn denken würde.

Veröffentlicht am 14.04.2026

Schlaflied

Buddenbrooks
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Die Buddenbrooks sind eine angesehene Kaufmannsfamilie aus Lübeck. Der alte Konsul und seine Gattin halten die Familie zusammen. Die Kinder Thomas, Christian und Tony sind quasi auf dem Weg in die Welt. ...

Die Buddenbrooks sind eine angesehene Kaufmannsfamilie aus Lübeck. Der alte Konsul und seine Gattin halten die Familie zusammen. Die Kinder Thomas, Christian und Tony sind quasi auf dem Weg in die Welt. Thomas soll einmal die Firma übernehmen, Christian wird schon etwas finden und Tony verbringt einen Urlaub an der See, wo ihr eine zarte Liebe begegnet. Sie blicken zuversichtlich in die Zukunft. Wann beginnt es schiefzugehen? Als Tony sich in eine Ehe mit einem Geschäftsmann dränen lässt, der als Ehemann genauso wenig taugt wie als Unternehmer. Eine Scheidung in dieser angesehenen Familie. Wann gab es das schon mal?

Eigentlich meint man, es könne gar nichts passieren. Alles müsste immer so weitergehen. Doch die Fassade bekommt Risse. Letztlich verliert die Familie mit jeder schlechten Entscheidung, jeder schlechten Ehe, jedem Streit auch Geld. Thomas als Erbe führt die Firma schon mit Erfolg weiter, doch mehren kann er das Kapital nicht. Und Christian, der selbst nichts rechtes wird, drängt auf seinen Anteil. Und die Erben? Tony hat nur eine Tochter und bei Thomas lässt ein Stammhalter lange auf sich warten. Und als er endlich da ist, fehlt es ihm an Energie und Einsatzwillen. Lieber beschäftigt er sich mit Musik.

In der ARD Audiothek ist dieses Hörbuch zu finden. Ganz hervorragend neu eingelesen von Thomas Sarbacher. Es sind schon etliche Stunden, die zu bewältigen sind. Möglicherweise auch gedacht als letzte halbe Stunde vorm Schlafen gehen. Vielleicht erinnert man sich, dass man das Buch vor ewigen Zeiten mal gelesen hat und es doch eher als dröge empfand. Und doch schleicht es sich langsam in die Gedanken und regt an, doch genauer zuzuhören. So uninteressant ist es ja doch nicht. Zwar hat das mit dem Niedergang schon seine Begründung und die epischen Beschreibungen des Leidens sind na ja eben episch. Doch wenn verschiedenste Sprachfärbungen zu Anwendung kommen, wenn die Äußerungen manchmal etwas krude erscheinen, dann schmunzelt man doch und denkt, habe ich das alles überlesen. Wahrscheinlich reißt es die gesprochene Interpretation einfach raus. Es sind zwar ganz schön viele knappe halbe Stunden, aber letztlich vergehen sie schneller als gedacht.