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Veröffentlicht am 12.04.2026

Marketing lässt mehr Liebesgeschichte vermuten, dabei ist es stellenweise fast Horror - Triggerwarnung!

Guardian 1. Seelenwächter
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Das Autorinnen-Pseudonym Priest ist mir schon häufiger begegnet, mindestens eine Serienadaption ihrer Bücher habe ich sogar angesehen. Guardian – Seelenwächter ist jedoch das erste Buch, das ich von ihr ...

Das Autorinnen-Pseudonym Priest ist mir schon häufiger begegnet, mindestens eine Serienadaption ihrer Bücher habe ich sogar angesehen. Guardian – Seelenwächter ist jedoch das erste Buch, das ich von ihr gelesen habe. Ich erwartete fantastische Wesen, spannende Polizeiarbeit und vor allem starke Gefühle zwischen den beiden Hauptfiguren.

Sprachlich abwechslungsreich

Bevor ich diese Elemente, die Seelenwächter auch tatsächlich bietet, aber genießen konnte, musste ich mich erst einmal an den Schreib- und Erzählstil gewöhnen. Da es sich um eine Übersetzung handelt, kann ich schwer beurteilen, ob es an der Autorin, der Übersetzung oder dem Lektorat liegt, dass ein paar Stellen extrem holprig wirken: „So, wie er dastand, wirkte er wie ein Model aus der Parfümwerbung […], wie er so schweigend eine Weile dastand.“ (eBook, Position 1223)

Während ich mir manche Sätze und Formulierungen markiert habe, weil sie einfach SO GUT sind („[Der Mann] war auf die Nase gefallen. Und der Stein, über den er gestolpert war, hieß „einseitige Liebe“.“ Position 2374), habe ich andere mehrfach lesen müssen, um mir der Bedeutung sicher zu sein oder, wie in dem ersten Beispiel oben, weil mich merkwürdige Wiederholungen aus dem Lesefluss rissen.

Die Beschreibungen sind sehr bildhaft und besonders die Monster ließen regelrecht kleine Filmsequenzen in meinem Kopf ablaufen. Ich habe mich durch das Design der Geister an Studio Ghiblis Chihiros Reise ins Zauberland erinnert gefühlt oder auch an A Magic Steeped in Poison und Das Mädchen, das in den Wellen verschwand. Aber auf diese bildhafte Sprache folgten immer wieder ganze Abschnitte, in denen irgendwie der Funke nicht überspringen wollte – weder zwischen der Geschichte und mir, noch zwischen Zhao Yunlan und Shen Wei.

Erst im zweiten Teil des Buches konnte ich die Beziehungen zwischen den einzelnen Figuren mit Freude verfolgen. Beide Männer sind deutlich aneinander interessiert, halten sich aber lange zurück, während sie (naja, einer von ihnen) hemmungslos flirten. Die Nebencharaktere sind mal sehr unterhaltsam, dann wieder etwas befremdlich – das passt perfekt zur Geschichte.

Kulturelle Einflüsse

In Seelenwächter verflochten finden sich einige offensichtliche kulturelle Unterschiede zu der westlichen Literatur, die ich eher gewohnt bin – beispielsweise die Art der Geister, die Rituale oder die Selbstverständlichkeit, mit der die Existenz übernatürlicher Wesen von der breiten Bevölkerung akzeptiert wird. Dieses über-den-Tellerrand-Schauen mag ich sehr gern.

Triggerwarnung?

Aber Seelenwächter enthält auch etwas subtilere Details, die ich an kulturellen Hintergründen festmachen würde. (Keine Sorge, die hier genannten Beispiele sind spoilerfrei!)

Zum Beispiel der Umgang mit (oder eher: die Bewertung von) Suizid im akademischen Kontext oder der Verpflichtung den älteren Familienmitgliedern gegenüber. Einige kurze Szenen fand ich schwer zu verdauen, nachdem mir diese Details auffielen: In einem Satz wird beinahe nebensächlich der Geist eines abgetriebenen Fötus mit aufgebrochenem Schädel und zerfetztem Gehirn beschrieben – eine grausame Vorstellung, die für die Handlung keinen anderen Zweck hatte als zu schockieren, sowohl eine bestimmte Figur als auch uns Lesende. Diese Szenen beschränken sich überwiegend auf den ersten Teil, wenn auch der zweite nicht weniger grausam ist – nur auf andere, für mich angenehmere Weise.

Vielleicht wäre für Seelenwächter eine Triggerwarnung angemessen, da der Klappentext sich mehr auf Romantik und Geheimnisse konzentriert und weniger auf herausgerissene Eingeweide oder Massenmord und Sklaverei innerhalb eines inzwischen ausgestorbenen Volksstammes: Es ist nur die Rede von einer „übernatürlichen Mordserie“ oder einem „furchtbaren Todesfall“.

Sowohl ein Glossar, als auch Hilfen zur Aussprache der wahrscheinlich chinesischen Namen (Dicker Pluspunkt!) und Übersichten der Figuren sind am Ende des Buches enthalten. Eine Seite mehr mit einer Auflistung potenziell schwieriger Themen wäre daher meiner Meinung nach auch noch drin gewesen.

Zum Ende hin immer besser

Der zweite Abschnitt von Seelenwächter war nicht nur sprachlich, sondern auch inhaltlich mehr nach meinem Geschmack: weniger Horrorelemente und klassische Mordermittlung (mit übernatürlichem i-Tüpfelchen), dafür mehr Humor, Mythologie und Historie. Hier wurde auch eine Identität enthüllt, die ich schon in den ersten Kapiteln erahnt hatte und die mich sehr neugierig macht, wie sich manche Dinge nun entwickeln werden.

Diese Zweiteilung des Buches liest sich übrigens ein bisschen wie zwei Episoden einer Serienverfilmung. Vielleicht hätte die Geschichte für mich besser funktioniert, wenn ich sie als Serie verfolgt hätte? Womöglich ist sie auch bewusst so angelegt, damit sie sich leicht adaptieren lässt, wenn man die bisherigen Erfolge der Autorin betrachtet. Das ist nur meine Vermutung, aber dieser Eindruck drängte sich mir mehr als einmal auf.

Ich bin zwiegespalten, ob ich die Fortsetzung lesen möchte. Einerseits wird es gegen Ende erst so richtig spannend, was Zhao Yunlan und Shen Wei betrifft. Ich möchte wirklich verfolgen, wie sich ihre Beziehung entwickelt. Gleichzeitig reizt es mich überhaupt nicht, den Rest der Geschichte zu lesen. Die Welt ist zwar gut gebaut und die Handlung nicht langweilig, aber mich interessierte eben am meisten die Beziehung und die kam auf diesen 400 Seiten echt zu kurz, obwohl Yunlan oft nichts anderes im Kopf hatte. Ja, es ist der erste Band, da müssen sie sich erst einmal aneinander herantasten. Ja, das Ende deutet an, dass es im zweiten Band anders laufen könnte. Und doch lassen mich Schreibstil und Erzähltempo zögern.

Fazit

Guardian – Seelenwächter erzählt eine von Mysterien und Monstern durchzogene Geschichte mit einer kleinen Prise Romantik. Leider lassen Cover, Klappentext und Werbung fälschlicherweise einen Fokus auf die Liebesgeschichte erwarten, die in diesem ersten Band eher nebensächlich erscheint. Auch an den Schreibstil musste ich mich erst einmal gewöhnen, sodass die Freude an der bildlich beschriebenen Welt und ihren Eigenarten erst ab etwa der Hälfte des Buches einsetzte und mich zwar insgesamt positiv auf Seelenwächter zurückblicken lässt und wirklich neugierig auf die Fortsetzung macht, aber so richtig Lust weiterzulesen habe ich trotzdem nicht.

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Erinnert stilistisch an "Chihiros Reise ins Zauberland"

Immerland – Die Stadt der Ewigkeit
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Zuerst war ich sehr fasziniert von dieser sonderbaren Reise, von der Stadt Immerland, in die Mika mit seiner Oma hineinstolpert. Aber je länger die Geschichte ging, desto weniger Freude hatte ich am Lesen.

Ich ...

Zuerst war ich sehr fasziniert von dieser sonderbaren Reise, von der Stadt Immerland, in die Mika mit seiner Oma hineinstolpert. Aber je länger die Geschichte ging, desto weniger Freude hatte ich am Lesen.

Ich wurde stellenweise an Studio Ghiblis Chihiros Reise ins Zauberland und auch an Alice im Wunderland erinnert (mit beiden Geschichten verbinde ich nicht unbedingt positive Erinnerungen …): aus kleinen Merkwürdigkeiten, die man mit einem Schulterzucken abtun kann, werden gefährliche Situationen und bedrohliche Charaktere. Anfangs ist es witzig und spannend, dass es überall Affen mit menschlichen Eigenschaften gibt, dass alle Personen jung zu sein scheinen und dass Mika endlich die Anerkennung erfährt, nach der er sich so sehr sehnt. Dann kommen zu viele Zufälle zusammen, zu viele Dinge, die zu schön sind, um wahr zu sein. Und irgendwann legt sich ein Schalter um, wonach alles irgendwie beängstigend wird und Mika schleunigst die Flucht antreten sollte.

Gesellschafts- und Konsumkritik werden in Immerland groß geschrieben. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass weniger deutlich mit dem belehrend erhobenen Zeigefinger gewunken würde. Man hätte die Moral auch subtiler einbinden können, oder Mika selbst auf den Gedanken kommen lassen, dass in der Stadt Immerland irgendetwas nicht in Ordnung ist, anstatt andere Figuren dazu einzusetzen, es ihm unter die Nase zu reiben. Ja, Mika ist erst 12, fast 13 Jahre alt. Aber wäre es nicht viel effektiver für das Lesepublikum, wenn die Hauptfigur selbst nach und nach die Störfaktoren in Immerland entdeckt?

Die Charaktere, Mika eingeschlossen, fand ich nicht so gut gelungen. Dass sich der Roman Immerland an ein „nur“ zwölfjähriges Publikum richtet, ist für mich kein Grund für so eindimensionale Figuren. Mit sehr wenigen Ausnahmen waren alle Figuren auf einzelne Eigenschaften beschränkt, als seien sie nur Repräsentationen von Gier, von Experimentierfreude oder von Muskelkraft. Die „guten“ Figuren waren schön, die „bösen“ Figuren haben knorrige Nasen oder andere Schönheitsmakel.

Sehr gut gefallen hat mir der Roboter-Wettbewerb, in dem Mika seine Fähigkeiten einsetzen konnte und endlich einmal die Erfahrung machen durfte was es heißt, Freunde und Verbündete zu haben und für seine Hobbys wertgeschätzt zu werden. Ich mochte auch die Szenen, in denen Mika mit seiner Oma zusammen ist und langsam lernt, ihre Eigenheiten zu akzeptieren, anstatt nur genervt zu sein.

Die Architektur der Stadt fand ich super interessant; mit den Gebäuden, die unten an die Steinzeit erinnern und im Lauf der Epochen zu immer größeren Hochhäusern wurden, deren einzelne Etagen nach oben hin immer moderner wurden; mit den sich verändernden Straßen und Dekorationen, je nachdem, ob man einen Armreif trägt oder nicht.

Auch der Schreibstil sagt mir zu. Auf eine erfrischende Weise wird authentisch aus der Perspektive eines Jugendlichen erzählt, ohne dabei in zu betonte Jugendsprache abzurutschen. Durch Mikas Augen sehen wir diese neue, merkwürdige Welt und die Figuren um ihn herum. Die Illustrationen waren nicht unbedingt nach meinem Geschmack, aber sie lockern das Buch auf eine angenehme Weise auf.

Kurz gesagt:
Die Welt, die FLIX mit Immerland entwirft, finde ich spannend und gut gezeichnet. Was mir etwas die Freude am Lesen vermiest hat waren die Figuren und die zu offensichtlichen Lehren, die diese Geschichte mit ihnen vermitteln soll. Leider macht das für mich den Großteil der Handlung aus, weshalb ich zwar neugierig bin, wie die Geschichte von Mika ausgeht – insbesondere nach dem für mich überraschenden Cliffhanger, da ich eine in sich abgeschlossene Geschichte erwartet habe – aber ich glaube nicht, dass ich die Fortsetzung lesen werde.

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Veröffentlicht am 19.09.2025

Viel Heimatgefühl und berechtigte Gesellschaftskritik - aber dann wollte der Autor wohl zu viel?

Von Norden rollt ein Donner
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Von Norden rollt ein Donner: Ein Buch, das mir irgendwie schwer im Magen liegt. Ich habe die Leseprobe zur Zeit der Frankfurter Buchmesse 2024 gelesen und ich fand sie nicht schlecht. Aber das Buch hat ...

Von Norden rollt ein Donner: Ein Buch, das mir irgendwie schwer im Magen liegt. Ich habe die Leseprobe zur Zeit der Frankfurter Buchmesse 2024 gelesen und ich fand sie nicht schlecht. Aber das Buch hat sich nach einigen Kapiteln in eine Richtung entwickelt, die mir nicht recht gefallen will.

Einerseits hat es mir großen Spaß gemacht, die detailreichen Beschreibungen der Heidegegend zu lesen, in der ich selbst groß geworden bin. Namen von Orten, von Geschäften, Sitten und Gebräuche und die Wortwahl der Erzählstimme haben viele Erinnerungen geweckt - nicht nur gute, aber Erinnerungen. Es werden viele Probleme mal mehr, mal weniger deutlich angesprochen - dazu später mehr -, die mich an meine Zeit in der Heimat zurückdenken lassen. Andererseits gibt es Elemente in der Erzählweise und auch in der Handlung selbst, aus denen ich irgendwie nicht schlau werde. Je weiter ich las, desto weniger verstand ich, was das Buch mir sagen möchte, und nach dem Epilog war ich einfach nur noch verwirrt. Vielleicht will das Buch zu viel?

Es geht gut los, mit dem jungen Schäfer Jannes, der zunehmend das Gefühl bekommt, mit seiner Berufswahl eine falsche Entscheidung getroffen zu haben und festzustecken, obwohl ihm sein Alltag in der Natur und mit den Tieren eigentlich ganz gut gefällt. Der sich um seine alternden Eltern und deren Gesundheitsprobleme sorgt, während er seine in die Stadt gezogenen Freunde und das gemeinsame Besäufnis vermisst. Der in Politikverdrossenheit abzurutschen droht und als Vermittler zwischen seinem im Eigensinn festgefahrenen Großvater und seinem optimistischeren, aber etwas zu verbissenen und gesundheitlich angeschlagenen Vater dient, während er nur spät realisiert, wie sehr seine Mutter doch den Laden am laufen hält - sowohl den Schäferhof, als auch die Familie.

Es geht um Landflucht der "jungen Leute", um Unsichtbarkeit der eigenen Probleme gegenüber der Politik und das starke Gefühl von Machtlosigkeit auch Krankheiten gegenüber, es geht um die Rückkehr des Wolfes und um Anzeichen von Radikalisierung und Extremen im Zusammenhang mit Tradition und Rückschrittlichkeit. Es geht um die Kriegsgeschichte der Region. So weit, so verständlich und gut.

Aber dann gibt es zunehmend Elemente, die mir das Lesen phasenweise vermiest haben. Ich störe mich nicht an der Erwähnung von regionaler Geschichte im Zusammenhang mit den Schrecken des Nationalsozialismus, mit dem nahegelegenen Konzentrationslager Bergen-Belsen oder den Fragen nach Verantwortung und Schuld, die junge Menschen gern ihren Großeltern stellen würden, die aber gern ignoriert, totgeschwiegen oder unwahr beantwortet werden. Es ist wichtig, solche Themen aufzuarbeiten, und das nicht nur in Sachbüchern. Auch die Schwierigkeiten innerhalb der Familie, mit mentaler Gesundheit, mit dem Abnehmen der körperlichen Fähigkeiten und dem schleichenden Verschieben von Verantwortlichkeiten - das sind wichtige Dinge, über die man sprechen sollte. Was mich stört ist ein einzelnes Kernelement, das grundlegend beeinflusst, WIE Thielemann diese Themen erzählt.

Der nächste Abschnitt beinhaltet kleinere Spoiler. Danach geht es wieder spoilerfrei weiter.

:spoiler:










Die Krankheit der Großmutter (ich lese ihre Symptome als Demenz, weil mich viele Beschreibungen an die Erkrankung eines eigenen Familienmitglieds erinnern, ich kann allerdings auch falsch liegen) wird als Wahnsinn beschrieben. Jannes, die Hauptfigur, beginnt selbst aus dem Nichts zu halluzinieren. Er scheint sich an etwas zu erinnern, woran er sich nicht erinnern dürfte; an etwas, das lange vor seiner Geburt passiert ist. Er stückelt sich die Vergangenheit aus diesen Halluzinationen zusammen, die übrigens nie erklärt werden. Am Ende gibt es eine große Offenbarung, mit der scheinbar alles abgeschlossen werden soll, aber für mich bleibt viel zu viel offen. Woher kommen Jannes Aussetzer? Hat er einmal etwas gehört oder gesehen, sodass er quasi sein Langzeitgedächtnis anzapft und Informationen ausgräbt, die einfach nur lange vergessen waren? Anders ergibt es für mich keinen Sinn, aber es wird nicht aufgelöst.










:spoiler:

Ab hier ist meine Rezension wieder spoilerfrei!

Manche Szenen lesen sich wie ein Horrorfilm. Es hat mir nicht gefallen, diese Momente zu verfolgen, aber ich ziehe meinen Hut vor dem Autor und seinem Handwerk, denn die Übergänge sind fließend und mit den kurzen Sätzen, in denen der ganze Roman geschrieben ist, ist da durchgehend eine gewisse Spannung und Hektik trotz der Langsamkeit und Einfachheit des Großteils des Buches. Der Schnack, den die Figuren sprechen und denken und leben, war ziemlich nah an dem, was ich als Alltag und Lebensrealität daheim kenne. Der Ton ist also ziemlich gut getroffen und nicht so aufgetragen, wie es leider oft der Fall ist, wenn jemand über die Heide und ihre Menschen schreibt.

Das Gesamtbild ist wirklich sehr stimmig und ich glaube, wenn der Autor dabei geblieben wäre, dann hätte mir Von Norden rollt ein Donner sehr viel besser gefallen: Einfache Menschen mit einem einfachen Leben, einem harten Beruf und vielen Hindernissen, die sie nicht selten der Raffgier von Politikern zu verdanken haben; Radikalisierung und Gewaltbereitschaft aus Machtlosigkeit und Nostalgie; Vergangenheitsbewältigung durch Schweigen, während man gleichzeitig auf andere Aspekte der Vergangenheit das Scheinwerferlicht richtet; Kontrollverlust durch Krankheit und Alter und die Machtlosigkeit, der eigenen Familie dabei zuschauen zu müssen; Selbstzweifel und Sorge vor dem Urteil anderer; die Gratwanderung zwischen Tradition und Moderne; und schließlich die Rückkehr des Wolfes und der Probleme, die er für diese einfachen Menschen und ihre Viehbetriebe mit sich bringt - es gibt so vieles, was hier gut erzählt oder zumindest angekratzt wird. Warum nun dieses eine Element, das oben im Spoilerabsatz konkret benannt wird, unbedingt nötig war: Ich weiß es wirklich nicht.

Jannes hätte die Informationen, die er auf die oben beschriebene Weise erhält, auch anderweitig finden können. Es gibt sogar eine Szene, in der er eine alte Zeitung in einem Fotoalbum findet. Warum diese Art von Entdeckung der Vergangenheit nicht ausbauen? Warum musste der Autor Jannes Suche nach Erklärungen auf diese Weise darstellen? Es ergibt für mich keinen Sinn. Ja, natürlich macht dieses Element die Handlung spannend. Wie ich schon sagte, ich hatte stellenweise wirklich Horror-Vibes. Aber war das wirklich nötig, um diese Geschichte zu erzählen? Ich habe ständig versucht herauszufinden, ob es nun rational erklärbar ist oder ob wir es mit etwas Übernatürlichem zu tun haben. Und die fehlende Auflösung, woher das alles kam, ärgert mich wirklich. Genauso, dass es wieder verschwindet, so schnell wie es aufgetaucht ist - wieder ohne Erklärung.

Ihr merkt, diese eine Sache, die ich nicht ohne Spoiler benennen kann, hat mich enorm gestört. Sie ist auch eigentlich das einzige, was mich richtig ärgert. Ja, der knappe und sprunghafte Schreibstil, der trotzdem voller Details und genauer Beschreibungen steckt, ist nicht unbedingt das, was ich gern und viel lese. Aber es passt zur Geschichte und zur Region. Beispielsweise die Beschreibungen der Schützenvereinsscheiben an der Hausfassade der ehemaligen Schützenkönige; die Fahrtroute über Kreuzungen und Landstraßen durch kahle Kiefernwälder; die gegenseitige Abneigung zwischen Forstwirten und Jägern; ein selbst gemaltes Plakat für die gemeinschaftliche Erniedrigung eines unverheirateten Dreißigjährigen durch Fegen; das Gefühl von undichten Regenstiefeln im Matsch - ich habe so viele eigene Eindrücke allein in der Sprache und den Beschreibungen des Autors wiedererkannt, und diese Szenen habe ich sehr gern gelesen. Wenn es nur dabei geblieben wäre ...

Es gefällt mir, dass in Von Norden rollt ein Donner die karge Heidelandschaft und ihre ebenso direkten Menschen nicht romantisiert werden. Der Verlag nennt das Buch bewusst einen Anti-Heimatroman (obwohl ich das gar nicht unbedingt so unterschreiben würde). Hermann Löns wird zusammen mit seinem Mythos kritisiert, Traditionen infrage gestellt, das immer gleiche Gerede und Prahlerei werden als solche bezeichnet und ja, auch die Beteiligung der Menschen aus der Heimat an Kriegsgräueln wird nicht schöngeredet, ganz im Gegenteil.

Und doch fühlte es sich an wie nach Hause kommen, Von Norden rollt ein Donner zu lesen.

Fazit

Ich bin froh, dass ich über meinen Schatten gesprungen bin und nach langer Zeit mal wieder einen Roman gelesen habe, der im deutschen Feuilleton gut ankam (normalerweise ist das ein Signal dafür, dass es mir unmöglich gefallen kann). Ich hatte Freude daran, literarisch in meiner Heimat und Kindheit unterwegs zu sein. Es hat mir gefallen, wie viele verschiedene Probleme, die gern unter einer dicken Schicht Idylle verborgen werden, hier zutage traten. Aber dann wollte der Autor ein bisschen zu viel, und dieses "zu viel" hat für mich viele der positiven Bestandteile so negativ beeinflusst, dass ich insgesamt mit einem mulmigen Gefühl auf Von Norden rollt ein Donner zurückblicke.
Vielleicht muss ich es noch einmal lesen um zu verstehen, was der Autor sagen möchte; jetzt, da ich weiß, wie die Geschichte ausgeht. Ein gutes Buch muss für mich jedoch auch nach einem einzigen Lese-Durchgang bestehen können, und das sehe ich hier leider nicht.

Veröffentlicht am 19.09.2025

Gute Unterhaltung, etwas zu lang gestreckt

You Are My Hurricane
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Ich wollte dieses Buch so sehr mögen! Leider trifft es nicht ganz meinen Geschmack. Es gibt ein paar Szenen, die mir richtig, richtig gut gefallen haben und mir auch die Tränen in die Augen treiben konnten, ...

Ich wollte dieses Buch so sehr mögen! Leider trifft es nicht ganz meinen Geschmack. Es gibt ein paar Szenen, die mir richtig, richtig gut gefallen haben und mir auch die Tränen in die Augen treiben konnten, aber als Ganzes betrachtet ist You are my Hurricane leider nur guter Durchschnitt für mich.

Das liegt einerseits an der Schreibweise, dazu später mehr. Wichtiger und in diesem Zusammenhang noch störender war für mich jedoch die fehlende Nachvollziehbarkeit der Chemie zwischen den beiden Hauptcharakteren. Es war, als wäre von jetzt auf gleich ein Schalter umgelegt worden und für "sie geht mir nicht mehr aus dem Kopf" oder "ich liebe dich" gab es aus meiner Perspektive kaum eine Grundlage. Mir hat gefehlt, die sich langsam aufbauende Zuneigung zu sehen oder zumindest nach dem ersten Zusammenstoß einen allmählichen Wechsel von Feindschaft über Waffenstillstand zu Freundschaft. Nein, stattdessen fing Maeve schon beim ersten richtigen Treffen, bei dem sie eigentlich noch panisch und sauer ist, ohne erkenntlichen Grund bei jeder Kleinigkeit an zu kichern und fängt an zu verstehen, warum alle Frauen des Colleges auf Carter stehen, obwohl vorher ihr temperamentvolles und aufgebrachtes Verhalten Carter gegenüber beschrieben wurde.

Maeve hätte eigentlich eine meiner Lieblingsfiguren werden können, da ich mich oft auf die Seite der unterschätzten stillen Mädchen schlage, die in eine ungewohnte Situation stolpern und über sich hinauswachsen (müssen). Aber trotz des Traumas, das sie auf der High School erlitten und bis heute mit sich getragen hat, das ihren gesamten Alltag bestimmt und ihr besondere Verhaltensweisen antrainiert hat - trotz alledem findet sie sich enorm schnell in ihrer neuen Realität mit Carter an ihrer Seite und im Rampenlicht der Uni zurecht. Ich meine, schön, dass es ihr nach ein, zwei Panikattacken so leicht fällt, aber realitätsnah ist das meiner Meinung nach nicht unbedingt.

Gefühlt von einem Kapitel aufs nächste switcht Maeves Grundeinstellung von "oh Gott, es darf von mir keine Spur im Internet geben und niemand am College soll auch nur wissen, dass ich existiere, sonst breche ich panisch in Tränen aus" hin zu "ja, ich lasse mich auf einer Footballmannschaft-Verbindungsparty volllaufen, tanze mit dem begehrtesten Typen der Uni vor aller Augen und lasse mich für große Ansprachen auf einen Beerpong-Tisch ziehen, bevor ich einer Social-Media-Kampagne zustimme, die mich ins Rampenlicht befördern wird".

Carter dagegen hat es mir sehr viel mehr angetan - und das ist eine Seltenheit, denn die männlichen Hauptfiguren in Sport-Romances sind selten so richtig mein Fall. Am liebsten mag ich jedoch Isaac und Oliver, was mich dagegen wenig überrascht. Das Beste-Freunde-Paar, sozusagen die zweite Reihe hinter dem Hauptpaar, ist oft eines meiner Favoriten.

Aber zurück zum Schreibstil, mit dem ich mich bis zum Ende nicht recht anfreunden konnte. Besonders gestört haben mich die vielen Wiederholungen (du bist mein Hurricane hier, er hat mich umgeworfen wie ein Hurricane da, zur Abwechslung gab es auch mal ein "wie ein Wirbelsturm", sie war mein Hurricane (ausnahmsweise in der Vergangenheitsform), die Football-Mannschaft heißt Hurricanes, und zum Ende hin gibt es dann tatsächlich auch einen echten Sturm, den unser Hauptpaar - natürlich - im Station der Hurricanes verbringen, - ich könnte diese Liste noch eine ganze Weile weiter fortsetzen). Irgendwann haben es auch die unaufmerksamsten Leser:innen verstanden, dass der Titel des Buches aufgegriffen wird...

Schwach fand ich auch einige Momente, die scheinbar als überraschende Wendungen geplant, aber sehr vorhersehbar umgesetzt waren. Zum Beispiel ist die Person, die die Klatschseite der Uni betreibt, wie in der Serie Gossip Girl ein Geheimnis - aber als dieses endlich gelüftet wird, wird es total unspektakulär in zwei Sätzen abgehandelt, weil man es schon früh erahnen konnte. Oder es gibt plot holes, wie zum Beispiel die Sache mit Carters Vater: obwohl sein Vater eine solche Legende in dem Sport war, in dem Carter jetzt selbst aktiv ist, erkennt niemand seiner Teamkameraden den älteren Mann auf ihrem Sofa als einen der eigenen Kindheitshelden?

Insgesamt habe ich mich von You are my Hurricane nicht schlecht unterhalten gefühlt, allerdings gab es so einige Durchhänger sowohl auf inhaltlicher als auch auf stilistischer Ebene, die mir die Freude am Lesen etwas vermiest haben. Ich glaube, 100 Seiten weniger hätten dieser College-Romance gut getan.

Ein letzter Satz zum Cover: Das passt ziemlich gut, denn Carter schleppt Maeve tatsächlich öfter mal über seine Schulter geworfen herum. Meistens übrigens gegen ihren Willen.

Veröffentlicht am 19.09.2025

Interessante Fortsetzung, aber viel zu zäh und langsam erzählt

Das Reich der Verdammten
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Genau wie in Band 1 ist die Welt von Gabriel de Leon und seinen Verbündeten von Gewalt, Schmerz und Verzweiflung geprägt. Es gibt ab und zu kleine, zarte Hoffnungsmomente, die uns nur wenige Kapitel später ...

Genau wie in Band 1 ist die Welt von Gabriel de Leon und seinen Verbündeten von Gewalt, Schmerz und Verzweiflung geprägt. Es gibt ab und zu kleine, zarte Hoffnungsmomente, die uns nur wenige Kapitel später wieder schmerzlich entrissen werden. Der Untertitel "A Tale of Pain and Hope" passt also wie die Faust aufs Auge. Auch der Titel selbst, Das Reich der Verdammten, findet seine Berechtigung, denn Gabriel muss anscheinend immer wieder aufs Neue lernen, dass die Herrschaft eben nicht mehr bei den Menschen liegt, sondern dass die Verdammten und Vampire das Sagen und damit einen gewaltigen Machtvorteil haben.

Diors Entwicklung hat mir gut gefallen. Sie wächst oft über sich selbst hinaus, übernimmt Verantwortung und hilft, wo sie nur kann. Gabriel wird mir dagegen immer unsympathischer, und ich bin fast überzeugt, dass der Autor genau das erreichen wollte. Phoebe mausert sich zu einer Favoritin und überraschend steigt auch die Person, die im Klappentext Liathe genannt wird, in meiner Achtung. Und sogar der Chronist, der diese ganze Geschichte in Form einer Rahmenerzählung niederschreibt und einhakt, wenn sein Interviewpartner zu sehr abschweift oder Details auslässt, wird in diesem zweiten Band der Trilogie zu einer interessanten Figur, dessen Rolle mich mehr und mehr interessiert.

Jay Kristoff ist gut darin, Sympathien zu Personen aufzubauen, die dann kurz darauf niedergemetzelt werden, oder Hoffnung zu erzeugen, damit der niederschmetternde Verlust nur noch furchtbarer erscheint. Verrat wird in dieser Geschichte spärlich, aber umso herzzerreißender eingesetzt. Vor diesem Autor und seinem handwerklichen Geschick muss man daher wirklich den Hut ziehen.

Aber wie auch schon im ersten Teil hat es meine Lesefreude enorm beeinträchtigt, wie lang Das Reich der Verdammten wurde (und dass, obwohl ich eigentlich sehr gern sehr lange Bücher lese). Ich habe nicht nur das Buch gelesen, sondern zwischenzeitlich sogar das Hörbuch (mit erhöhter Geschwindigkeit) gehört, um möglichst viel Zeit auch unterwegs oder bei Tätigkeiten, die nur meine Hände, nicht aber meinen Kopf erforderten, mit dieser Geschichte zu verbringen und endlich in der Handlung voranzukommen. Ich kann, ebenfalls wie in meiner Rezension zum ersten Band, nicht einmal über Leerlauf klagen, der durch die schiere Länge des Buches entstanden wäre, denn es passiert ja immer etwas. Bis auf einige Szenen voller Begehren und Körperlichkeit, die man sich auch hätte sparen oder deren Anzahl man zumindest hätte reduzieren können, gab es nichts, was ich wirklich überflüssig fand.

Und trotzdem ist diese Geschichte viel zu oft zäh und langsam, weshalb ich selten mehr als nur ein paar Kapitel am Stück lesen konnte, ohne die Lust zu verlieren.

Rückblickend habe ich vor dem Schreiben dieses Beitrags versucht aufzuzählen, welche wichtigen Etappen Gabriel, Dior und ihre wechselnden Gefährten in diesem Band geschafft haben - und es fiel mir schwer, mich an alle zu erinnern, so sehr gingen sie unter in dem immer gleichen Gemetzel, in Schlachten, vulgären Ausschweifungen und alkoholisierten Gewaltfantasien des arroganten Erzählers. Ja, das entspricht dem Charakter des Antihelden, unserer Hauptfigur. Ja, es gehört auch generell irgendwie zu Kristoffs Büchern. Aber es hat mich noch nie so sehr genervt wie hier.

Die Szenen, die mir am besten gefallen haben, die mir am lebendigsten in Erinnerungen geblieben sind, waren diejenigen, in denen die Handlung überraschte, zum Beispiel durch die Offenbarung eines furchtbaren Verrats oder die Erkenntnis, einen grauenhaften Fehler begangen zu haben. Viel häufiger kam diese angenehme Überraschung aber durch kurzweilige Unterbrechungen des altbekannten Musters: Momente des Vertrauens, das Entdecken fremder Kulturen, die Erkenntnis von unerwarteten Verbündeten, das Aufdecken eines neuen Geheimnisses.

Natürlich gibt es auch hier wieder einen fiesen Cliffhanger, weshalb ich neugierig bin, was nun wirklich die Wahrheit ist, wer auf wessen Seite steht, welche Geheimnisse und Intrigen noch unaufgedeckt geblieben sind. Aber ich fürchte, mit dieser Fortsetzung hat Kristoff meinen persönlichen Geduldsfaden etwas überspannt. Vielleicht wird es mir reichen, eine Zusammenfassung von Band 3 oder die Rezensionen anderer Lesenden zu verfolgen, um mit dieser Trilogie abzuschließen. Ob ich zum Erscheinen des finalen Bandes noch einmal 1000 Seiten voller Gewalt und Düsternis lesen möchte, nur um mich an immer weniger Lichtblick-Momenten entlang zum Ende zu hangeln, bezweifle ich.