Profilbild von bstbsalat

bstbsalat

Lesejury Star
offline

bstbsalat ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit bstbsalat über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.04.2026

Schöne Geschichte, die etwas zu viel gehypt wird - und furchtbare Grammatik

Fourth Wing – Flammengeküsst
0

Ich hinke dem Trend mit dieser Buchreihe wieder einmal etwas hinterher, weil mich extreme Hypes erst einmal abschrecken (zu große Erwartungen wurden leider oft schnell enttäuscht), aber nun habe ich Fourth ...

Ich hinke dem Trend mit dieser Buchreihe wieder einmal etwas hinterher, weil mich extreme Hypes erst einmal abschrecken (zu große Erwartungen wurden leider oft schnell enttäuscht), aber nun habe ich Fourth Wing endlich einmal selbst gelesen. Inzwischen ist es auch in der Onleihe meiner Bibliothek verfügbar, sodass ich den Wälzer nicht kaufen musste – nachdem ich etwa zwei Monate lang auf der Warteliste stand, denn die Nachfrage ist weiter enorm: 35 eBook-Exemplare hat meine Bibliothek und darauf laufen Stand heute 141 Vormerkungen … Also schauen wir doch mal, was es mit Fourth Wing und seinem Hype auf sich hat.

Spoiler: Ich habe Band 2 schon vorgemerkt!

Mein erster Eindruck von Fourth Wing war gut – und das blieb bis zum Ende überwiegend so. Das erste Kapitel wirft uns Lesende direkt ins kalte Wasser und erst mit der Zeit beginnen wir, die Zusammenhänge und Weltstrukturen zu begreifen. Es stört jedoch nicht das Verständnis der Konflikte unserer Hauptfigur Violet. Im Gegenteil hätten mich ein langer Prolog und viel Erklärung am Anfang wahrscheinlich eher gestört.

Die zwanzigjährige Violet hat sich ihr Leben lang auf ein Leben als Schriftgelehrte vorbereitet und es stand für sie gar nicht zur Debatte, dass sie irgendwann den Drachenreitern beitreten könnte, der elitären Kriegerklasse am Basgiath War College. Ihr Körper ist aufgrund angeborener Eigenschaften schwach und in dem Zustand nicht für den Kampf geeignet, Töten widerstrebt ihr und überhaupt hatte sie eigentlich nicht vor, den gefährlichen Wettkampf um die wenigen Drachen anzutreten. Ihre mächtige Mutter entscheidet wie immer über Violets Kopf hinweg und auf einmal sieht ihr Leben ganz anders aus. Es ist wenig überraschend, dass sie bis dahin einen Drang zur Selbstbehauptung und den starken Willen, ihre eigenen Entscheidungen nicht von anderen Menschen treffen zu lassen, entwickelt hat.

Violet eckt also in ihrer neuen Umgebung schon durch ihre eigenen Merkmale überall an. Dazu kommt die jüngere Geschichte des Landes und die Beteiligung ihrer Mutter an bestimmten einschneidenden Momenten. Kurzgefasst hatte Violet schon Feinde, bevor sie das War College betreten hat und danach wurden es eher mehr statt weniger. Sie knüpft ein paar wenige Freundschaften, wird aber auch schnell mit ihrem Erzfeind konfrontiert: während Xadens Vater Violets Bruder getötet hat, wurden Xadens Eltern wiederum von Violets Mutter hingerichtet und beide können es kaum erwarten, sich dafür aneinander zu rächen. Zu dumm, dass Xaden äußerst attraktiv ist und auch Violet ihn nicht kaltzulassen scheint.

Auch, wenn es nicht die komplexeste Welt ist (jedenfalls in Fourth Wing – es sieht so aus, als ob da noch wesentlich mehr in den Fortsetzungen käme) und auch, wenn die Liebesgeschichte dem beliebten Enemies-to-Lovers-Trope folgt, ohne dass die Autorin den damit vorgegebenen Weg der Beziehung ihrer Hauptfiguren besonders kreativ gestaltet hätte, hat es mir Spaß gemacht der Entwicklung zu folgen, mit Violet zu wachsen und die Spannungen zwischen die einzelnen Charakteren mitzuerleben. Es wird genau die richtige Prise Geheimnis und Mysterium über die einzelnen Story-Elemente gestreut, während nach und nach andere Details aufgedeckt oder Zusammenhänge erklärt werden, sodass es durchgehend interessant bleibt.

Der Klappentext hat mich befürchten lassen, dass wir es bei Fourth Wing mit einer neuen Harry-Potter-Variante zu tun hätten, nachdem der Aspekt des Internatslebens so betont wurde – so ähnlich, wie es bei dem Kinderbuch Smaragour war, nur vielleicht nicht so extrem. Doch obwohl einzelne Lehrinhalte beschrieben werden und die Handlung durchaus irgendwie der Struktur eines Schuljahres inklusive Prüfungen folgt, fühlt es sich nicht danach an. Vielmehr ist Violets Entwicklung entscheidend für den Fortgang der Geschichte.

Es wird an mehreren Stellen eine Redensart erwähnt, sinngemäß etwa: Wenn man nach Basgiath kommt, werden alle Schichten von einem abgetragen und das, was man im Kern wirklich ist, tritt zum Vorschein. Genauso verändert sich auch Violet und es hat mir wirklich gut gefallen das zu beobachten. Sie ist keine starre Figur, in eine Genre-Schablone gepresst, sondern eine junge Frau, die mit ihren Aufgaben wächst. Genauso sind auch ihre Freunde und Feinde. Sie verändern sich mit der Zeit und wer am Anfang Freund ist, bleibt das vielleicht nicht bis zum Ende – und umgekehrt. Diese Vielschichtigkeit und die Flexibilität von Beziehungsformen ist meiner Meinung nach gut umgesetzt und macht – neben den Drachen natürlich – den größten Reiz von Fourth Wing aus.

Fourth Wing ist mit seiner Selbstverständlichkeit von Gewalt, Tod und fantastischen Elementen für mich auf den ersten Blick eine Mischung aus Veronica Roths Die Bestimmung (besonders die anfängliche Szene mit dem Viadukt brachte Erinnerungen an Tris‘ Einführung in ihre neue Gruppe zurück), Richelle Meads Vampire Academy oder Jennifer Esteps Mythos Academy mit ihrem Internats-Feeling und Licia Troisis Die Drachenkämpferin.

Ein wichtiger Unterschied zwischen Fourth Wing und vielen anderen Romantasy-Büchern, die momentan im Trend sind, ist für mich das Alter der Hauptfiguren: Violet und Xaden und auch all ihre Freunde sind volljährig. Sie dürfen und können (mit wenigen Ausnahmen) ihre eigenen Entscheidungen treffen; die Gewalt, die ein Buch über Drachenreiter und Grenzkriege mit sich bringt, ist in dieser Altersgruppe passend und auch körperliche und sexuelle Erfahrungen und Beschreibungen sind stimmig.

Es geht bei Violet und Xaden nicht um erste Liebe oder den ersten Sex, sondern um das erste Mal zusammen. Beide sind nicht unerfahren und beide wissen, was sie wollen. Consent ist vorhanden. Es ist schade, das so sagen zu müssen, aber das ist in aktuellen Hype-Büchern wirklich nicht die Norm und es deshalb wert, das hervorzuheben.

Und obwohl es zwischen den beiden so heiß her geht, dass buchstäblich die Funken fliegen (bei diesem Hype um Fourth Wing, insbesondere auf TikTok, wenig überraschend), obwohl viele Faktoren gegen eine Beziehung sprechen – allem voran ihr Status als Erzfeinde und ungelöste Rachefantasien auf beiden Seiten – wirkte es auf mich sehr natürlich, wie sie zusammenkamen. Der erste Eindruck kann täuschen, und mit diesem Element wird hier viel gespielt.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, Autorin und Übersetzerin haben einen guten Job gemacht. An weniger Stellen als erwartet wirkte es aber ein bisschen wie nicht überarbeitete Wattpad-Texte: sich wiederholende Phrasen und Beschreibungen und ein, zwei Logikfehler sind mir aufgefallen. Das Ergebnis des Lektorats hat mir auch nicht so gut gefallen. Ja, wenn ein Buch fast 800 Seiten hat, dann kann da schon einmal etwas durchrutschen, aber wenn ich in jedem dritten Kapitel über zwei Grammatikfehler stolpere oder wenn es tatsächlich passiert, dass zwei Namen wichtiger Personen vertauscht werden, dann sieht das nicht nach sorgfältiger Überarbeitung aus. Ich hoffe, dass diese Fehler in späteren Auflagen der Print-Ausgaben korrigiert wurden und dass sie irgendwann Eingang in die eBook-Version finden werden.

Fazit
Insgesamt war Fourth Wing für mich eine gute Unterhaltung, die mich zwar nicht in einen solchen Hype versetzt, wie der Trend erwarten ließ, aber das Buch habe ich trotzdem innerhalb weniger Tage beendet und mir direkt den zweiten Band Iron Flame bei der Bibliothek vorgemerkt. Ich mag den Weltenbau, die Gestaltung der Beziehung von Drache und Mensch und die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren. Auch die Nebenfiguren, die Freundeskreise haben es mir angetan.

Besonders gut gefällt mir das kleine aber unfassbar wichtige Detail, dass die Hauptfiguren erwachsen sind – es hätte genauso gut wieder einmal eine Siebzehnjährige sein können, die in eine erotisch aufgeladene Fantasy-Situation stolpert, nur dass dann viele Szenen einfach nicht okay gewesen wären. Fourth Wing löst dieses Genredilemma gut und hat damit meine Erlaubnis, so spicy zu sein wie es will. Dass das Buch trotzdem noch in einem gewissen Rahmen bleibt und nicht in diverse kinks ausartet, finde ich für eine Geschichte, die eigentlich Fantasy sein möchte, super.

Negativ aufgefallen ist mir eigentlich ausschließlich das lückenhafte Lektorat bzw. das Ergebnis der Textüberarbeitung. Fehler in Grammatik, Schrift oder sogar inhaltliche Verwechslungen sollten nicht vorkommen. Das legt für mich die Vermutung nahe, dass man die Übersetzung des Buches, das schon im englischen Original auf Social Media Hypes ausgelöst hat, rasch über die Bühne und Fourth Wing auf den Markt bringen wollte und dabei die Priorität auf Schnelligkeit statt Qualität verschoben hat.

Wie gesagt, das ist nur eine Vermutung und es ist absolut möglich, dass es im Print inzwischen ganz anders aussieht (es ist schon die 10. Auflage). Dass das eBook, das am einfachsten zu korrigieren wäre, aber immer noch diese Mängel hat, macht mich etwas unzufrieden, zumal mir solche Fehler beim Lesen auffallen und ich mich dann schon sehr daran störe. (Aktuell lese ich Five Broken Blades, wo es leider auch oft vorkommt, aber das gehört in die Rezension zu dem Buch, nicht zu Fourth Wing.)

Veröffentlicht am 12.04.2026

Es fehlen einfach die Fotos

Fühl dich wohl in deinem Zuhause
0

Fühl dich wohl in deinem Zuhause wartet seit 6 (!) Jahren auf mich. Ich hatte es über NetGalley bezogen und schnell gemerkt, dass ich schlicht eine falsche Vorstellung davon hatte, wie dieser Ratgeber ...

Fühl dich wohl in deinem Zuhause wartet seit 6 (!) Jahren auf mich. Ich hatte es über NetGalley bezogen und schnell gemerkt, dass ich schlicht eine falsche Vorstellung davon hatte, wie dieser Ratgeber aufgebaut sein würde. Deshalb gab ich dem Verlag die Rückmeldung, dass ich dieses Buch nicht rezensieren würde – auch, weil ich es einfach nicht zu Ende lesen wollte, wo mir doch der Anfang nicht gefiel.

Trotzdem blieb es immer in meinem Hinterkopf, und nun habe ich diesen Einrichtungsratgeber endlich beendet. Besser spät als nie, wie es so schön heißt … Ich wollte jetzt endlich wissen, ob das Buch wirklich so schlecht ist, wie ich den Anfang in Erinnerung hatte, oder ob ich es einfach im falschen Moment erwischt habe. Und der Verlag bekommt endlich seine Rezension.

Frida Ramstedt erklärt in Fühl dich wohl in deinem Zuhause ausführlich die Grundlagen verschiedener Konzepte: Farben, Formen, Licht und Größenverhältnisse sind nur einige Beispiele. Dazu gibt es stellenweise sehr hilfreiche Abbildungen in Form von Skizzen und einfachen Illustrationen und zusätzlich an passenden Punkten persönliche Tipps oder Begriffserklärungen. Was mir aber damals beim ersten An-Lesen und auch heute beim weiteren Lesen wieder als negativ auffiel, sind die fehlenden Fotos.

Klar, es geht um Grundlagenkenntnisse. Ja, viele Dinge kommen allein mit der Beschreibung aus und brauchen nicht unbedingt eine Bebilderung. Ja, die Autorin sagt in der Einleitung, dass sie Fühl dich wohl in deinem Zuhause geschrieben hat, weil sie selbst beim Recherchieren immer nur Bücher mit Fotos gefunden hat, aber ohne den Text, den sie hiermit nun bietet. Ich verstehe den Gedanken, dass sie einen ganz eigenen Ansatz verfolgt.

Dennoch erwarte ich beim Thema Einrichtung Beispielfotos, die auf verschiedene Weise das umsetzen, was mir als Regel erklärt wird. Das müssen keine Hochglanz-Magazinfotos von Luxuswohnungen sein – einfache Beispiele aus Möbelhäusern oder aus der Berufslaufbahn der Autorin hätten es auch getan. Einfach gar keine Fotos abzubilden – kein einziges! – ist meiner Meinung nach eine schlechte Entscheidung gewesen.

Denn es ist zwar nett, die Anordnung von Farben im Farbkreis mit einer Schwarz-Weiß-Skizze darzustellen, aber warum nicht einfach die entsprechenden Farben nehmen (besonders im eBook, bei dem die Druckkosten keine Rolle spielen), wenn doch sogar die Tipps und Überschriften farbig abgesetzt sind? Wenn es darum geht, Farbakzente oder besondere Texturen in verschiedenen Räumen zu wiederholen um ein stimmiges Gesamtbild zu erzielen, warum nicht einfach Fotos von Beispielwohnungen zeigen? Oder wenn es um positive vs. negative Effekte von Beleuchtung geht, ist es doch gerade für Anfänger*innen einfacher zu verstehen, wenn diese Effekte visuell dargestellt werden.

Ich weiß, wie sich warmweißes von kaltweißem Licht unterscheidet, aber die Zahlen und Werte, die hier aufgelistet werden, helfen wenig. Das sind Informationen, die beim Einkaufen und Aussuchen spezifischer Objekte hilfreich sind. Nicht beim Vorstellen und Planen, beim Konzipieren des von der Autorin vorgeschlagenen Moodboards. Dafür brauche ich Bilder – in Farbe.

Glücklicherweise darf ich von mir behaupten, bereits vorab ein gewisses Grundverständnis der Elemente zu besitzen, die in Fühl dich wohl in deinem Zuhause dargestellt werden. Kunstunterricht und ein gut trainiertes Bauchgefühl sorgen dafür, dass mir viele der hier beschriebenen Methoden und Prinzipien schon bekannt waren. Die Details kannte ich vielleicht im Zusammenhang mit Einrichtung noch nicht so gut, aber es war einfach nicht viel Neues dabei, sodass ich an keinem Punkt das Gefühl hatte, wirklich etwas dazuzulernen. Ich habe mehr exklusives Expertenwissen und eben bildlich dargestellte Beispiele erwartet, die als Inspiration dienen können und das veranschaulichen, was die Autorin so ausführlich zu erklären versucht.

Beispielsweise hätte ich Vorher-Nachher-Fotos interessant gefunden: A zeigt, wie es nicht funktioniert und B zeigt, wie es mit den im Text beschriebenen Tipps verbessert wurde. Das hätte für mich auch einen viel größeren Anreiz geboten, in meiner eigenen Wohnung nach Verbesserungsmöglichkeiten zu schauen. So ist es einfach viel Text über die Grundlagen des Kunstunterrichts, dem der Praxisbezug irgendwie fehlt.

Für absolute Laien, die sich noch nie genauer Gedanken darüber gemacht haben, warum bestimmte Einrichtung und Dekoration funktioniert und was dafür sorgt, dass anderes nicht so harmonisch wirkt, kann Fühl dich wohl in deinem Zuhause trotz all meiner Kritik ein hervorragendes Grundlagenwerk sein. Wo ich keine Erklärung brauchte, warum Tapeten mit großen Mustern Räume kleiner wirken lassen, warum man Gegenstände in kleinen Grüppchen arrangiert anstatt sie einzeln aufzustellen, oder dass das Austauschen von Griffen an Küchenschränken eine einfache, mieterfreundliche Möglichkeit zur Verschönerung der Küche sein kann, können andere vielleicht viel lernen.

Anders herum fand ich die Erklärungen über Sichtlinien zwischen mehreren Räumen spannend oder die genaueren Erläuterungen, welche Art von Blume welche Vase benötigt. Diese Dinge habe ich zwar schon ab und zu bemerkt, aber bisher fehlten mir die richtigen Vokabeln dazu.

Wo Frida Ramstedt richtig ins Detail geht, ist die Dekoration. Mich persönlich interessiert es wenig, auf wie viele verschiedene Arten man Deko-Kissen auf dem Sofa oder dem Bett anordnen kann – und wie diese Varianten genannt werden – oder welche Sortiermöglichkeiten es für Bücher im Bücherregal gibt: alphabetisch, nach Größe, nach Farbe, … Diese Details haben nach meinem Empfinden sehr viel Raum eingenommen.

Und doch kann ich das nicht wirklich kritisieren, denn, wie die Autorin wohl sehr richtig sagt, ist das der letzte Schliff, der dem gesamten Raum das gewisse Etwas gibt. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen Effekt zu erzielen, und sie nennt viele davon. Welche Option die richtige für jede Person individuell ist, muss ebenso individuell entschieden werden – und dafür muss man die Optionen erst einmal kennen.

Dass sie derart kleinteilig und ausführlich Details beschreibt, finde ich also gar nicht unbedingt schlecht. Ich hätte mir nur, ich kann es nicht oft genug sagen, Fotos gewünscht, die die beschriebenen Effekte belegen und veranschaulichen.

Wenn ich zur Bewertung dieses Buches also ausschließlich von meinem eigenen Standpunkt ausgehe, dann bietet Fühl dich wohl in deinem Zuhause einige Tipps, die durchaus zum Nachdenken anregen und hilfreiche Begriffstabellen und -definitionen, obwohl ich mir noch tieferes Fachwissen erhofft hatte und über den Mangel an fotografischen Belegen für die vielen beschriebenen Grundlagen und Strategien enttäuscht bin.

Wenn ich es aber so betrachte, dass dieser Ratgeber schlicht für Menschen geschrieben wurde, die keinen Kunstunterricht hatten, denen mein (Laien-) Vorwissen fehlt und für die Fühl dich wohl in deinem Zuhause der erste Kontakt mit dem Thema Einrichtung und Innenraumdesign ist, dann ist es ein gutes Buch, das trotzdem mehr (oder überhaupt) Farbabbildungen und Fotos vertragen könnte.

Veröffentlicht am 12.04.2026

Nett, aber unspektakulär

Darkthorn Archives 1: Bite the Bride
0

Nachdem mich Bite the Bride in der Buchhandlung mit einem toll gestalteten Farbschnitt anlockte und die Sprecherin Yeşim Meisheit mich kürzlich in Annette Maries Dunkle Künste und ein Daiquiri von sich ...

Nachdem mich Bite the Bride in der Buchhandlung mit einem toll gestalteten Farbschnitt anlockte und die Sprecherin Yeşim Meisheit mich kürzlich in Annette Maries Dunkle Künste und ein Daiquiri von sich überzeugen konnte, wurde ich neugierig auf dieses Hörbuch. Ich wusste, dass eine Zweckehe zwischen einem Vampir und einem Menschen im Zentrum der Geschichte steht und dass das trope haters to lovers vorkommt – sign me up!

Was mich überraschte – auch, weil ich mir die Kleidung auf dem Cover nicht genauer angeschaut hatte, das gefällt mir nämlich nicht halb so gut wie der tolle Farbschnitt – war das Setting in den 1920er Jahren. Das war eine angenehme Abwechslung!

Das ganze Setting und schließlich auch die Beziehung zwischen Katherine und Ethan erinnerten mich stark an Deborah Harkness‘ Reihe um Diana und Matthew, die als Serie mit dem Titel A Discovery of Witches verfilmt wurde. Sogar eine Nebenfigur mit dem Namen Diana gibt es, deshalb halte ich das nicht für Zufall. Es gibt auch eine Piper, aber das ist der einzige Hinweis auf die Serie Charmed, die mir auffiel.

Inhaltlich unterscheidet sich die Handlung aber stark, sodass ich Bite the Bride als ganz eigenes Werk sehe. Ähnlichkeiten gibt es durch das Setting im akademischen Umfeld, durch die Partnerschaften zwischen verschiedenen Spezies (Vampir, Mensch; Mensch, Werwolf) und die Verstrickungen der Vampire in der Historie der Menschheit, besonders im Zusammenhang mit Frankreich.

Weil die Geschichte im frühen 20. Jahrhundert spielt, unterscheidet sie sich stark von den Fantasyromanen, die ich normalerweise lese. Und dann auch wieder überhaupt nicht. Was ich damit meine:

Die Themen sind dieselben, aber die Art der Erzählung und der gesamte Umgangston sind anders. Es geht hier wie in so vielen anderen Romanen darum, dass ein „einfacher, schwacher, unbedeutsamer Mensch“ (meist die Frau) durch bestimmte Umstände an Relevanz gewinnt und sich durchzusetzen lernt, wodurch sich der übernatürliche arrogante love interest (meist der Mann) in seiner Faszination für sie bestätigt sieht. Aber im Gegensatz zu modernen Romanen wird das nicht durch chatten, anbaggern oder auch nur flirten ausgedrückt, sondern – und in den Momenten fühlte es sich schon fast wie Jane Austens Stolz und Vorurteil an – durch kühle Distanz und verzweifelte Versuche, die Kontrolle über die eigenen Gefühle zu behalten.

Ab und zu vergaß ich die Zeit, in der die Geschichte spielt und ertappte mich mehr als einmal bei dem Gedanken, warum Katherine so viele Kleider und Röcke trägt oder warum sie bestimmte Verhaltensweisen der Männer durchgehen lässt – um dann durch Worte wie Grammofon oder Soiree wieder eingefangen zu werden. Es war ein anderes Lesen/Hören, als ich gewohnt bin, aber noch nah genug an den Geschichten, die ich normalerweise verfolge. Wie gesagt, eine nette Abwechslung, wenn auch etwas außerhalb meiner comfort zone.

Die Handlung von Bite the Bride selbst war gar nicht schlecht, hätte für meinen Geschmack aber einen ordentlichen Zahn zulegen können. Katherine und Ethans Beziehung wurde mir stellenweise zu eintönig, was reichlich Tempo aus der Erzählung nahm: Nach langem Herauszögern springen sie für meinen Geschmack zu häufig zusammen ins Bett, ohne, dass es der Handlung irgendwie einen Mehrwert geboten hätte. Hier gewann ich den Eindruck, dass nachträglich „mehr spice“ eingefügt wurde um den aktuellen Booktok-Trends zu folgen, ohne, dass es wirklich zur Story gepasst hätte. Ansonsten war das Geheimnis um gestohlene Buchseiten und mysteriöse magische Flüche spannend geschrieben. Ein paar Details habe ich vorausgeahnt, sodass mich das Ende nicht sehr überraschte, aber es waren auch einige unerwartete Wendungen dabei.

Wie vermutet konnte mich Yeşim Meisheit auch diesmal wieder überzeugen. Sie liest unaufgeregt in angenehmer Stimmlage und trifft die Emotionen der Figuren sehr gut. Auch Vincent Fallow, der die Kapitel aus Ethans Perspektive liest, wurde gut gewählt. Ich musste mich, wie immer bei neuen Hörbuchsprecherinnen, erst kurz an seine tiefe Stimme gewöhnen. Er wurde aber sehr schnell zur Verkörperung von Ethans innerer Stimme für mich, passte also super zur Geschichte.

Fazit
Insgesamt ist Bite the Bride für mich kein besonderes oder großartiges Buch. Es hat mich ein bisschen über meinen Tellerrand blicken lassen und mich einige Tage auf meinem Weg zur Arbeit gut unterhalten, aber ich glaube kaum, dass ich mich in einem Jahr noch an diese Geschichte erinnere – nicht negativ, aber eben auch nicht außergewöhnlich positiv. Sprachlich finde ich Bite the Bride sehr angenehm, die Sprecher
innen des Hörbuchs passen hervorragend, aber inhaltlich fehlten mir Spannung und das gewisse Etwas.

Veröffentlicht am 12.04.2026

Nicht mein Stil, aber gute Story-Idee

Death Note 01
0

Ab und zu ist mir nicht nach Romanen, sondern mein Gehirn verlangt nach schnell gelesenen und optisch leicht zu verarbeitenden Stoffen – da fällt meine Wahl gern mal auf Mangas oder Comics. Was genau ich ...

Ab und zu ist mir nicht nach Romanen, sondern mein Gehirn verlangt nach schnell gelesenen und optisch leicht zu verarbeitenden Stoffen – da fällt meine Wahl gern mal auf Mangas oder Comics. Was genau ich eigentlich von Death Note 01 erwartet hatte, kann ich gar nicht konkret benennen – bekommen habe ich es jedenfalls nicht. Ich war neugierig, weil der Name der Reihe schon so bekannt ist und besonders mit der Netflix-Realverfilmung auch ein Publikum erschlossen wurde, das sonst mit Mangas oder Anime nichts am Hut hat. Man kam im Internet quasi nicht mehr daran vorbei.

Schnell wurde offensichtlich, dass der grafische Stil des Mangas nicht wirklich meinen Geschmack trifft, was leider dazu führt, dass es mir schwer fällt, die Geschichte wirklich zu mögen. Bei Mangas ist mir einfach wichtig, dass beide Ebenen – Text und Bild – passen. Besonders diese feinkörnige Folierung, die intensiv für Schatten, dunklere Farben, das Erzeugen von Räumlichkeit etc. genutzt wurde und durch diese ständige Wiederholung alles zu einem Einheitsbrei machte, oder die ausdruckslosen Gesichter, die irgendwie trotz aufgerissener Augen oder kleinem Lächeln immer gleich aussehen, machten es mir schwer, irgendwie eine Bindung zu den Figuren aufzubauen.

Das ist keine Besonderheit für Death Note 01 gegenüber anderen Mangas: Leider merke ich das oft bei Action oder Crime Themen, die mit Schnelligkeit und eben auch hektischen, scharfkantigen Bildern arbeiten. Ich hatte die Hoffnung, dass es hierbei mein Lesen nicht so sehr beeinflussen würde, weil der Fokus so sehr auf dem Innenleben des jugendlichen Protagonisten liegt.

Die Geschichte an sich ist in diesem ersten Band, der natürlich auch die Einleitung zur Reihe ist, nicht außerordentlich spannend, aber einzigartig. Tatsächlich würde ich gern wissen, wie es weiter geht. Da mir die Optik des Mangas aber nicht gefällt, versuche ich mein Glück vielleicht mit einem anderen Medium; der Realverfilmung oder dem Anime (in der Hoffnung, dass letzterer sich im Zeichenstil genug von der Vorlage unterscheidet).

Veröffentlicht am 12.04.2026

Marketing lässt mehr Liebesgeschichte vermuten, dabei ist es stellenweise fast Horror - Triggerwarnung!

Guardian 1. Seelenwächter
0

Das Autorinnen-Pseudonym Priest ist mir schon häufiger begegnet, mindestens eine Serienadaption ihrer Bücher habe ich sogar angesehen. Guardian – Seelenwächter ist jedoch das erste Buch, das ich von ihr ...

Das Autorinnen-Pseudonym Priest ist mir schon häufiger begegnet, mindestens eine Serienadaption ihrer Bücher habe ich sogar angesehen. Guardian – Seelenwächter ist jedoch das erste Buch, das ich von ihr gelesen habe. Ich erwartete fantastische Wesen, spannende Polizeiarbeit und vor allem starke Gefühle zwischen den beiden Hauptfiguren.

Sprachlich abwechslungsreich

Bevor ich diese Elemente, die Seelenwächter auch tatsächlich bietet, aber genießen konnte, musste ich mich erst einmal an den Schreib- und Erzählstil gewöhnen. Da es sich um eine Übersetzung handelt, kann ich schwer beurteilen, ob es an der Autorin, der Übersetzung oder dem Lektorat liegt, dass ein paar Stellen extrem holprig wirken: „So, wie er dastand, wirkte er wie ein Model aus der Parfümwerbung […], wie er so schweigend eine Weile dastand.“ (eBook, Position 1223)

Während ich mir manche Sätze und Formulierungen markiert habe, weil sie einfach SO GUT sind („[Der Mann] war auf die Nase gefallen. Und der Stein, über den er gestolpert war, hieß „einseitige Liebe“.“ Position 2374), habe ich andere mehrfach lesen müssen, um mir der Bedeutung sicher zu sein oder, wie in dem ersten Beispiel oben, weil mich merkwürdige Wiederholungen aus dem Lesefluss rissen.

Die Beschreibungen sind sehr bildhaft und besonders die Monster ließen regelrecht kleine Filmsequenzen in meinem Kopf ablaufen. Ich habe mich durch das Design der Geister an Studio Ghiblis Chihiros Reise ins Zauberland erinnert gefühlt oder auch an A Magic Steeped in Poison und Das Mädchen, das in den Wellen verschwand. Aber auf diese bildhafte Sprache folgten immer wieder ganze Abschnitte, in denen irgendwie der Funke nicht überspringen wollte – weder zwischen der Geschichte und mir, noch zwischen Zhao Yunlan und Shen Wei.

Erst im zweiten Teil des Buches konnte ich die Beziehungen zwischen den einzelnen Figuren mit Freude verfolgen. Beide Männer sind deutlich aneinander interessiert, halten sich aber lange zurück, während sie (naja, einer von ihnen) hemmungslos flirten. Die Nebencharaktere sind mal sehr unterhaltsam, dann wieder etwas befremdlich – das passt perfekt zur Geschichte.

Kulturelle Einflüsse

In Seelenwächter verflochten finden sich einige offensichtliche kulturelle Unterschiede zu der westlichen Literatur, die ich eher gewohnt bin – beispielsweise die Art der Geister, die Rituale oder die Selbstverständlichkeit, mit der die Existenz übernatürlicher Wesen von der breiten Bevölkerung akzeptiert wird. Dieses über-den-Tellerrand-Schauen mag ich sehr gern.

Triggerwarnung?

Aber Seelenwächter enthält auch etwas subtilere Details, die ich an kulturellen Hintergründen festmachen würde. (Keine Sorge, die hier genannten Beispiele sind spoilerfrei!)

Zum Beispiel der Umgang mit (oder eher: die Bewertung von) Suizid im akademischen Kontext oder der Verpflichtung den älteren Familienmitgliedern gegenüber. Einige kurze Szenen fand ich schwer zu verdauen, nachdem mir diese Details auffielen: In einem Satz wird beinahe nebensächlich der Geist eines abgetriebenen Fötus mit aufgebrochenem Schädel und zerfetztem Gehirn beschrieben – eine grausame Vorstellung, die für die Handlung keinen anderen Zweck hatte als zu schockieren, sowohl eine bestimmte Figur als auch uns Lesende. Diese Szenen beschränken sich überwiegend auf den ersten Teil, wenn auch der zweite nicht weniger grausam ist – nur auf andere, für mich angenehmere Weise.

Vielleicht wäre für Seelenwächter eine Triggerwarnung angemessen, da der Klappentext sich mehr auf Romantik und Geheimnisse konzentriert und weniger auf herausgerissene Eingeweide oder Massenmord und Sklaverei innerhalb eines inzwischen ausgestorbenen Volksstammes: Es ist nur die Rede von einer „übernatürlichen Mordserie“ oder einem „furchtbaren Todesfall“.

Sowohl ein Glossar, als auch Hilfen zur Aussprache der wahrscheinlich chinesischen Namen (Dicker Pluspunkt!) und Übersichten der Figuren sind am Ende des Buches enthalten. Eine Seite mehr mit einer Auflistung potenziell schwieriger Themen wäre daher meiner Meinung nach auch noch drin gewesen.

Zum Ende hin immer besser

Der zweite Abschnitt von Seelenwächter war nicht nur sprachlich, sondern auch inhaltlich mehr nach meinem Geschmack: weniger Horrorelemente und klassische Mordermittlung (mit übernatürlichem i-Tüpfelchen), dafür mehr Humor, Mythologie und Historie. Hier wurde auch eine Identität enthüllt, die ich schon in den ersten Kapiteln erahnt hatte und die mich sehr neugierig macht, wie sich manche Dinge nun entwickeln werden.

Diese Zweiteilung des Buches liest sich übrigens ein bisschen wie zwei Episoden einer Serienverfilmung. Vielleicht hätte die Geschichte für mich besser funktioniert, wenn ich sie als Serie verfolgt hätte? Womöglich ist sie auch bewusst so angelegt, damit sie sich leicht adaptieren lässt, wenn man die bisherigen Erfolge der Autorin betrachtet. Das ist nur meine Vermutung, aber dieser Eindruck drängte sich mir mehr als einmal auf.

Ich bin zwiegespalten, ob ich die Fortsetzung lesen möchte. Einerseits wird es gegen Ende erst so richtig spannend, was Zhao Yunlan und Shen Wei betrifft. Ich möchte wirklich verfolgen, wie sich ihre Beziehung entwickelt. Gleichzeitig reizt es mich überhaupt nicht, den Rest der Geschichte zu lesen. Die Welt ist zwar gut gebaut und die Handlung nicht langweilig, aber mich interessierte eben am meisten die Beziehung und die kam auf diesen 400 Seiten echt zu kurz, obwohl Yunlan oft nichts anderes im Kopf hatte. Ja, es ist der erste Band, da müssen sie sich erst einmal aneinander herantasten. Ja, das Ende deutet an, dass es im zweiten Band anders laufen könnte. Und doch lassen mich Schreibstil und Erzähltempo zögern.

Fazit

Guardian – Seelenwächter erzählt eine von Mysterien und Monstern durchzogene Geschichte mit einer kleinen Prise Romantik. Leider lassen Cover, Klappentext und Werbung fälschlicherweise einen Fokus auf die Liebesgeschichte erwarten, die in diesem ersten Band eher nebensächlich erscheint. Auch an den Schreibstil musste ich mich erst einmal gewöhnen, sodass die Freude an der bildlich beschriebenen Welt und ihren Eigenarten erst ab etwa der Hälfte des Buches einsetzte und mich zwar insgesamt positiv auf Seelenwächter zurückblicken lässt und wirklich neugierig auf die Fortsetzung macht, aber so richtig Lust weiterzulesen habe ich trotzdem nicht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere