Profilbild von Archer

Archer

Lesejury Star
offline

Archer ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Archer über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.04.2026

Wandle, wo die Hexe ruht

Darkly
0

Dia ist ein Nerd. Sie kleidet sich am liebsten in Klamotten aus den 20iger Jahren, führt fast im Alleingang das Antiquitätengeschäft ihrer Familie und vor allem liebt sie Darkly - die besonderen Spiele ...

Dia ist ein Nerd. Sie kleidet sich am liebsten in Klamotten aus den 20iger Jahren, führt fast im Alleingang das Antiquitätengeschäft ihrer Familie und vor allem liebt sie Darkly - die besonderen Spiele von Louisiana Veda, die vor Jahrzehnten unter mysteriösen Umständen gestorben ist. Als jetzt die Veda-Stiftung nach Praktikanten sucht, bewirbt sie sich. Und wird tatsächlich angenommen, genauso wie sechs andere in ihrem Alter. Sie werden auf eine Insel in der Nordsee gebracht, wo die geniale Spielemacherin einst gearbeitet hat und man gibt ihnen eine beinahe unmögliche Aufgabe zu erfüllen - oder befinden sie sich plötzlich in einem Darkly-Spiel?

Das Buch hat mich von Anfang an gut mitgenommen. Dia ist hochsympathisch und die anderen sind eine gute Mischung, wenn auch abgesehen von Poe recht blass. Aber die Rätsel und das, was die sieben tun (oder lassen) sollen, entwickelt sich recht spannend und in einem schönen, gefälligen Schreibstil. Es hat mir jedenfalls Spaß gemacht, ihnen auf die geheimnisvolle Insel, in die Fabrik und das Gruselhaus zu folgen. Ein paar der Dinge, die Dia - die wohlgemerkt ein totaler unsportlicher Nerd ist - vollbracht hat, waren ein bisschen James-Bond-mäßig und damit ganz schön übertrieben; auch dass sich gleich zwei unglaublich gut aussehende und reiche Jungs um sie reißen, kommt unglaubwürdig rüber. Ich mochte das Buch dennoch und habe es gern gelesen.

Veröffentlicht am 26.04.2026

Gore-on-Sea

Mord in der Pension Möwennest
0

1954. Dreißig Jahre lang hat Nora Breen hinter Klostermauern gelebt und jetzt ihr Dasein als Nonne aufgegeben, um in das Touristenstädtchen Gore-on-Sea zu kommen. Ihre einstige Novizin Frieda ist verschwunden ...

1954. Dreißig Jahre lang hat Nora Breen hinter Klostermauern gelebt und jetzt ihr Dasein als Nonne aufgegeben, um in das Touristenstädtchen Gore-on-Sea zu kommen. Ihre einstige Novizin Frieda ist verschwunden und sie ist fest entschlossen, nach ihr zu suchen. Sie quartiert sich in der Pension "Möwennest" ein, in der auch Frieda gewohnt hat und lernt die anderen Gäste kennen. Kurz darauf ist einer von ihnen tot. Obwohl die Polizei, besonders Inspector Hideout, der Meinung ist, es handle sich um eine natürliche Todesursache, ist Nora anderer Meinung und sie beginnt zu ermitteln. Dann stirbt ein weiterer Pensionsgast und als dann auch noch die Leiche von Frieda auftaucht, weiß Nora, dass sie die nächste sein könnte ...

Man darf nicht den Fehler machen zu denken, dass es sich hierbei um einen Cosy Crime handelt. Kidd entführt uns in eine Zeit nur wenige Jahre nach Ende des Krieges und statt eines fröhlich-heimeligen Cosy Crimes erhält man einen mehrschichtigen, melancholisch angehauchten Krimi in E-Moll. Der ist nicht ohne Witz - wie sich Nora ganz in Marlowe-Manier als Privatdetektivin sieht oder dem Stadtrüpel Prügel anbietet, ist mehr als amüsant, wenn man bedenkt, dass sie als Nonne gelebt hat. Aber ich finde den Cast ihrer anderen Bücher fast noch skurriler und die Geschichte hier ähnelt doch zu sehr einem klassischen Krimi, sodass ich dieses Buch nicht für Kidds stärkstes Werk halte. Unterhaltsam ist er jedoch allemal und wäre Kidd nicht Kidd, gäbe es bestimmt eine Fortsetzung.

Veröffentlicht am 12.04.2026

Bramble Estate

Catch Your Death
0

Devi ist auf dem Weg zu ihrer Großmutter, als sie nicht nur vom Schneesturm überrascht wird, sondern ihr Auto auch noch den Geist aufgibt. Auf den letzten Metern rollt sie auf einem großen Anwesen aus ...

Devi ist auf dem Weg zu ihrer Großmutter, als sie nicht nur vom Schneesturm überrascht wird, sondern ihr Auto auch noch den Geist aufgibt. Auf den letzten Metern rollt sie auf einem großen Anwesen aus und bittet um Hilfe. Die reiche Hausbesitzerin Emily Vanforte bietet ihr an, aufgrund des Sturms hier zu übernachten. Genau wie Devi sind auch die jungen Frauen Lizzi und Janey hier gestrandet. Schnell merken sie, dass die Atmosphäre in dem Haus unter den Bewohnern vergiftet ist - bis es dann Emily Vanforte auch tatsächlich ist und beim Familienessen, bei dem sie düstere Geheimnisse offenbaren wollte, stirbt. Eingeschneit und von möglichen Mördern bedroht, versuchen die Mädchen, den Fall zu lösen.

Anfangs hatte ich ein paar Probleme, die Erzählstimmen von Devi, Lizzi und Janey auseinanderzuhalten. Das hat sich nach einiger Zeit gegeben, auch wenn mir manche Sachen ein wenig übertrieben vorkamen. Im Laufe des Buches stellt sich heraus, warum das so wirkt. Auf ein paar Sachen bin ich vor der Lösung gekommen, von denen mir ein Teil zu zeitig präsentiert wurde. Anderes hat mich überraschen können, auch wenn ich mir ein paar Geheimgänge weniger gewünscht hätte. Immerhin konnte damit eine recht schaurige Atmosphäre geschaffen werden, als die drei auf Spurensuche gehen. Alles in allem hat mich das Buch nicht vom Hocker gerissen, aber es war doch ein recht solider Jugendthriller.

Veröffentlicht am 09.04.2026

Der Gand und die Samin

RAVNA - Arktische Rache
0

Nach dem katastrophalen Ende des letzten Falles hatte sich Ravna eine Weile zurückgezogen. Jetzt ist sie zurück in Oslo an der Polizeihochschule, als sich plötzlich ihr Vater meldet, der die Familie vor ...

Nach dem katastrophalen Ende des letzten Falles hatte sich Ravna eine Weile zurückgezogen. Jetzt ist sie zurück in Oslo an der Polizeihochschule, als sich plötzlich ihr Vater meldet, der die Familie vor vielen Jahren verlassen hat. Er möchte sich mit ihr treffen und eher widerwillig stimmt Ravna zu. Als er in das Restaurant stolpert, hat er ein Messer im Rücken und kann gerade noch einen Namen flüstern - den ihrer Mutter. Und das Messer ist samisch. Hat ihre Mutter sich nach so langer Zeit an ihm gerächt? Doch dann werden auch Ravna und ihre Mutter angegriffen und zum Nationalfeiertag von Norwegen kommt es zu einem großen Showdown, bei dem auch der Gand Rune Thor nichts zaubern kann ...

Auch im dritten Teil nimmt uns die Autorin wieder in das Leben der jungen Samin Ravna mit, die irgendwie den Spagat zwischen den traditionellen samischen Einflüssen ihrer Herkunft und ihrer modernen Lebensweise in Oslo finden muss. Dazu kommt die Familie ihres Vaters, der Hass gegen die indigene Bevölkerung, rechtsextreme Einflüsse und das alles wird zu einem rundum gelungenen Buch verpackt. Es ist kein Highligth und das meine ich auf die bestmögliche Art und Weise. Während Highlights hell brennen und schnell zu Asche werden, brennt die Ravna-Trilogie als stetiges Feuer, das lange wärmt. Ich hätte gern noch mehr aus der Welt von Ravna und Thor gelesen.

Veröffentlicht am 06.04.2026

Rendrifters

RAVNA – Die Tote in den Nachtbergen
0

Ravna, die samische Polizeischülerin, hat Sonderurlaub. Es ist Mittsommer und hoch oben in den Nachtbergen, in ihrer Heimat, ist Kälbermarkieren angesagt. Dazu kommen sämtliche Rentierzüchterclans zusammen, ...

Ravna, die samische Polizeischülerin, hat Sonderurlaub. Es ist Mittsommer und hoch oben in den Nachtbergen, in ihrer Heimat, ist Kälbermarkieren angesagt. Dazu kommen sämtliche Rentierzüchterclans zusammen, auch um sich gegenseitig zu unterstützen. Doch das Leben als Rentierzüchter ist hart und es gibt Streitereien zwischen den Familien. Ravna sitzt als zukünftige Polizistin zwischen allen Stühlen. Und dann findet sie bei einem Absturz in einer Höhle eine Tote. Es handelt sich um Linneá, eine junge norwegische Frau, die vor zehn Jahren verschwunden ist und an sie sie sich noch gut erinnert, denn sie hat sie als Kind auf der Sommerweide getroffen. Befindet sich unter den Rendriftern ein Mörder? Wieder ist es Rune Thor, mit dem Ravna zusammenarbeiten muss ...

Auch im zweiten Fall gelingt es der Autorin wieder, tief in das harte Leben der Samen einzuführen. Sie schafft dabei einen guten Spagat zwischen dem Alltag auf der Hochweide, dem Stress, den Umweltbedingungen und der Geschichte zu finden und einen interessanten Fall zu kreieren, bei dem man bis zum Schluss nicht sicher ist, wie er ausgehen wird. Was mir auch gut gefällt, ist ihre Sprache. Nicht zu leicht, nicht zu plump, sehr intensiv in den Beschreibungen. Ravna ist für mich kein absolutes Highlight, aber die Geschichte ist wie eine warme Decke, in die man sich gern einkuschelt, ein bisschen wie nach Hause kommen.