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Veröffentlicht am 12.04.2026

Drei Frauen, drei Wege, eine Kraft, die bleibt

Die Riesinnen
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Die Riesinnen hat mich von der ersten Seite an gepackt – und ehrlich gesagt kaum mehr losgelassen. Es ist eines dieser Bücher, die man nicht einfach liest, sondern erlebt. Schnell, intensiv, fast atemlos ...

Die Riesinnen hat mich von der ersten Seite an gepackt – und ehrlich gesagt kaum mehr losgelassen. Es ist eines dieser Bücher, die man nicht einfach liest, sondern erlebt. Schnell, intensiv, fast atemlos – und gleichzeitig mit einer Tiefe, die lange nachwirkt.
Was mich besonders begeistert hat, ist die klare Dreiteilung des Romans. Jede Generation bekommt ihren eigenen Raum, ihre eigene Stimme – und doch sind alle miteinander verbunden. Das gibt der Geschichte Struktur, ohne sie einzuengen, und lässt jede Figur wirklich wirken.
Mit Liese war ich sofort verbunden. Diese leise, zweifelnde, aber unglaublich starke Frau, die so viel trägt, ohne es selbst wirklich zu sehen. Man leidet mit ihr, hofft mit ihr und fragt sich immer wieder, woher sie diese Kraft nimmt. Gerade diese Mischung aus Beklemmung und gleichzeitig so viel innerer Stärke und Hoffnung hat mich tief berührt.
Cora hingegen hat es mir zunächst nicht leicht gemacht. Ihre Sehnsucht nach Freiheit ist spürbar, aber sie lebt sie auf eine ganz andere, oft impulsive und rastlose Weise aus. Ihr Trotz, ihre Waghalsigkeit – das hat mich manchmal auf Abstand gehalten. Gerade im Vergleich zu Liese wirkte ihr Verhalten stellenweise fast wie ein Aufbegehren gegen all das, was ihr gegeben wurde. Vielleicht auch, weil man mit zunehmender Lebenserfahrung manches anders bewertet.
Und doch: Je weiter ihre Geschichte voranschreitet, desto mehr verändert sich der Blick. Nach ihrer Rückkehr gewinnt Cora an Tiefe, an Reife, an innerer Klarheit. Plötzlich entsteht eine Nähe, die vorher gefehlt hat. Am Ende stand sie mir genauso nah wie Liese – nur auf eine ganz andere Weise.
Der dritte Teil bringt noch einmal eine neue Perspektive hinein. Die Enkelin, die sich bewusst entscheidet zurückzukehren, ihren eigenen Weg zu gehen und als Försterin eine Verbindung zur Vergangenheit und zur Natur schafft. Auch hier zeigt sich wieder diese leise, aber kraftvolle Entwicklung, die sich durch das ganze Buch zieht: Frauen, die ihren Platz suchen – und ihn irgendwann auch finden.
Was das Buch für mich so besonders macht, ist neben den Figuren vor allem die Sprache. Sie trägt die gesamte Geschichte. Unaufgeregt, eindringlich, atmosphärisch – sie zieht einen hinein, ohne laut zu werden, und hält einen dort fest.
Fazit:
Ein intensiver, vielschichtiger Roman über Generationen, über Herkunft, Freiheit und die unterschiedlichen Wege, mit dem Leben umzugehen.
Drei Frauen, drei Perspektiven – und eine gemeinsame Kraft, die alles miteinander verbindet.
Ein Buch, das ich wirklich geliebt habe.

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Wenn plötzlich alles anders ist – und genau darin etwas entsteht

Pina fällt aus
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Mit Pina fällt aus erzählt von einem Moment, der alles ins Wanken bringt: Eine Mutter fällt aus – und ihr Sohn, der die Welt auf seine ganz eigene Weise wahrnimmt, bleibt zurück. Was folgt, ist kein klassisches ...

Mit Pina fällt aus erzählt von einem Moment, der alles ins Wanken bringt: Eine Mutter fällt aus – und ihr Sohn, der die Welt auf seine ganz eigene Weise wahrnimmt, bleibt zurück. Was folgt, ist kein klassisches Drama, sondern eine Geschichte darüber, was passiert, wenn Menschen gezwungen sind, hinzusehen und Verantwortung zu übernehmen.
Dieses Buch ist wirklich eine Wucht. Es bringt einen zum Lachen – und im nächsten Moment zum Innehalten oder sogar zum Weinen. Die Emotionen liegen hier unglaublich nah beieinander, ohne je übertrieben zu wirken. Vieles fühlt sich roh und ehrlich an.

Im Zentrum steht Leo, der die Welt nach seinen eigenen Regeln erlebt. Seine Routinen, seine Wahrnehmung, seine Art zu sein – all das ist so fein und respektvoll gezeichnet, dass man ihm sehr nahekommt. Gleichzeitig wird deutlich, wie herausfordernd diese Welt für ihn ist, besonders dann, wenn plötzlich alles Vertraute wegbricht.

Rund um ihn versammelt sich eine Hausgemeinschaft, die selbst genug mit sich zu tun hat. Menschen mit Ecken, Brüchen und ganz eigenen Geschichten. Und genau das macht diese Konstellation so stark: Niemand ist „perfekt“, niemand fühlt sich zuständig – und doch entsteht etwas wie Zusammenhalt.

Ein Satz bringt für mich den Kern des Buches auf den Punkt:

„Den Scheiß mache ich nicht mit, denkt Inge. Dieser Scheiß ist nun mal das Leben. Das fragt nicht, was man mitmachen will. Das schmeißt einem etwas vor die Füße und damit muss man klarkommen.“
Genau darum geht es. Um das Ungeplante. Um Überforderung. Und darum, dass man manchmal einfach weitermachen muss – gemeinsam.
Was das Buch darüber hinaus so besonders macht, ist der Blick auf Grenzen. Die einer alleinerziehenden Mutter, die täglich über sich hinausgeht. Die einer Gesellschaft, die Menschen wie Leo oft nicht als „normal“ einordnen kann. Aber auch Leos eigene Grenzen – wie schnell gut gemeinte Hilfe in Überforderung umschlagen kann.

Gerade das hat mich persönlich sehr beschäftigt. Beim Lesen musste ich oft an meine Arbeit denken, an Kinder mit besonderen Bedürfnissen und daran, wie sehr unser System sie fordert – manchmal überfordert. Dieses Buch öffnet genau dafür nochmal einen neuen Blick. Einen, der bleibt.

Fazit:
Eine warmherzige, kluge und gleichzeitig schonungslose Geschichte über Gemeinschaft, Anderssein und die Frage, wie wir miteinander leben wollen.
Ein Buch, das bewegt – und noch lange nachwirkt.

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Wenn Kindheit nie wirklich endet

Vergiss mich
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Vergiss mich von Alex Schulman ist kein Buch, das man einfach liest oder hört – es ist eines, das unter die Haut geht. Im Zentrum steht die Beziehung eines Sohnes zu seiner alkoholkranken Mutter und der ...

Vergiss mich von Alex Schulman ist kein Buch, das man einfach liest oder hört – es ist eines, das unter die Haut geht. Im Zentrum steht die Beziehung eines Sohnes zu seiner alkoholkranken Mutter und der verzweifelte Versuch, sie – und vielleicht auch sich selbst – zu retten.
Schon beim Hören wird schnell klar: Hier geht es nicht um Unterhaltung. Es geht um das Hinsehen. Um das Aushalten. Um diese leise, aber dauerhafte Anspannung, die entsteht, wenn ein Kind nie wirklich Kind sein darf. Das Thema Parentifizierung zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte – diese unsichtbare Last, die Kinder tragen, wenn sie plötzlich Verantwortung übernehmen müssen, die ihnen nicht zusteht.
Besonders eindringlich ist die Atmosphäre. Diese Unberechenbarkeit der Mutter, dieses ständige Auf-der-Hut-Sein – man spürt es fast körperlich. Es ist diese Art von Anspannung, die sich nicht abschütteln lässt, weil sie sich tief eingeprägt hat. Genau das macht das Buch so stark.
Auch die Rolle des Vaters hat mich beschäftigt. Seine Überforderung, sein Rückzug – und die Tatsache, dass er die Kinder letztlich mit dieser Situation allein lässt. Das löst Wut aus, aber auch eine große Traurigkeit. Weil man merkt, wie sehr hier alle an ihre Grenzen kommen – und wie wenig Halt es für die gibt, die ihn am dringendsten brauchen.
Dass dieses Buch autobiografisch geprägt ist, macht es noch eindringlicher. Es wirkt wie ein Versuch der Verarbeitung, vielleicht auch der Annäherung an etwas, das sich nie ganz auflösen lässt. Gleichzeitig weiß man, dass nicht jede Geschichte so einen Weg findet – gerade wenn man, wie ich, beruflich mit Kindern aus schwierigen Lebensverhältnissen zu tun hat. Das verleiht dem Ganzen noch einmal eine zusätzliche Schwere.
Das Hörbuch selbst ist sehr gelungen. Der Sprecher trägt die Geschichte ruhig und klar, ohne sie zu überladen – und gerade dadurch kommen die Emotionen umso stärker zur Geltung.
Was bleibt, ist die Erkenntnis:
Eine Kindheit ohne Sicherheit endet nicht einfach mit dem Erwachsenwerden.
Sie bleibt. In Gedanken, in Mustern, im ganzen Leben.
Fazit:
Ein schonungslos ehrliches, tief berührendes Buch über Co-Abhängigkeit, Verlust und die lebenslangen Spuren einer unsicheren Kindheit.
Kein leichtes Lesen – aber ein wichtiges.

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Wie leise alles kippen kann

Solange ein Streichholz brennt
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Solange ein Streichholz brennt ist ein Buch, das einen still zurücklässt – fassungslos, nachdenklich und mit dem Gefühl, etwas sehr Wahres gelesen zu haben.
Es erzählt keine laute Katastrophe. Keine eine ...

Solange ein Streichholz brennt ist ein Buch, das einen still zurücklässt – fassungslos, nachdenklich und mit dem Gefühl, etwas sehr Wahres gelesen zu haben.
Es erzählt keine laute Katastrophe. Keine eine große, alles erklärende Tragödie. Stattdessen zeigt es etwas viel Unheimlicheres: Dass es oft die kleinen, alltäglichen Dinge sind, die sich über Jahre aufstauen. Verletzungen aus der Kindheit, unerfüllte Erwartungen, der Druck, ein bestimmtes Leben führen zu müssen. Dieses leise Auslaugen, bis irgendwann nichts mehr trägt. Und dann kippt alles.
Genau das hat mich so berührt. Diese Erkenntnis, dass es nicht immer den einen Moment braucht, der alles zerstört – sondern dass ein Leben auch ganz langsam aus den Fugen geraten kann. Dass man sich selbst verliert, Stück für Stück. Und irgendwann nur noch einen Ausweg sieht: Flucht.
Gleichzeitig entwickelt sich in dieser Geschichte etwas ganz Zartes. Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, die ohne große Worte auskommt und gerade deshalb so stark ist. Sie zeigt, dass Liebe nichts mit Äußerlichkeiten, Status oder Besitz zu tun hat. Sondern mit Nähe, mit Sehen, mit echtem Interesse am anderen Menschen.
Was für mich besonders bleibt, ist die Botschaft des Buches:
Hör auf dein Herz. Und nimm es ernst.
Nicht irgendwann. Sondern jetzt.
Der Schreibstil ist ruhig, unaufgeregt und dabei sehr eindringlich. Kein Pathos, keine Übertreibung – und gerade dadurch trifft es umso mehr.
Fazit:
Ein stilles, tiefgehendes Buch über das Scheitern, das Weitergehen und die leisen Kräfte, die uns retten können.
Eines, das nachhallt – und vielleicht den Blick auf das eigene Leben ein kleines bisschen verändert.

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Zwischen Unschuld und den Spuren, die bleiben

Der Sommer, der uns blieb
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Der Sommer der uns blieb ist eine leise, zugleich eindringliche Geschichte über Freundschaft, Kindheit und die unsichtbaren Prägungen, die uns oft ein Leben lang begleiten.
Schon äußerlich ist dieses Buch ...

Der Sommer der uns blieb ist eine leise, zugleich eindringliche Geschichte über Freundschaft, Kindheit und die unsichtbaren Prägungen, die uns oft ein Leben lang begleiten.
Schon äußerlich ist dieses Buch etwas Besonderes. Die Gestaltung trägt viel zur Atmosphäre bei: Jeder der drei Freunde wird durch eine eigene, skizzierte Blüte begleitet, ergänzt durch kleine Lebensweisheiten zu Beginn der Kapitel. Das wirkt nicht aufgesetzt, sondern unterstreicht die Stimmung der Geschichte auf eine sehr feine, fast poetische Weise.
Inhaltlich erzählt der Roman von einer Freundschaft und einem Sommer, der prägt – vielleicht mehr, als den Figuren in diesem Moment bewusst ist. Es ist eine Geschichte über Kindheit, über Nähe und über Entscheidungen, die aus einem bestimmten Gefühl heraus getroffen werden, deren Tragweite man aber erst viel später versteht. Gerade dieser Blick auf traumatische Kindheitsprägungen ist sehr sensibel erzählt. Man spürt, wie sehr frühe Erfahrungen Handlungen beeinflussen können – oft ohne dass man sich dessen wirklich bewusst ist.
Die Geschichte ist dabei ruhig, fast zart, und gleichzeitig von einer leisen Schwere durchzogen. Sie wirkt nach – nicht durch große dramatische Wendungen, sondern durch das, was zwischen den Zeilen passiert. Diese Mischung aus Schönheit und Traurigkeit hat mich besonders berührt.
Fazit:
Ein atmosphärisch dichtes, fein gestaltetes Buch über Freundschaft, Kindheit und die Spuren, die wir aus dieser Zeit mitnehmen.
Leise erzählt – und gerade deshalb so wirkungsvoll.

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