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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.06.2020

Eine Geschichte von Heimweh, Ignoranz und Rassismus

Die rote Antilope
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Der Schwede Hans Bengler ist eine gescheiterte Existenz und ein Abenteurer. Im Verlauf einer Expedition in die Kalahari "adoptiert" er den schwarzen Waisenjungen Molo und nimmt ihn mit nach Schweden, um ...

Der Schwede Hans Bengler ist eine gescheiterte Existenz und ein Abenteurer. Im Verlauf einer Expedition in die Kalahari "adoptiert" er den schwarzen Waisenjungen Molo und nimmt ihn mit nach Schweden, um seinen Landsleuten einen echten Mohren präsentieren zu können. Von da an heißt der Junge Daniel und muss Bengler mit "Vater" ansprechen. Dem "Vater" ist leider nicht bewusst, dass er damit dem Jungen nicht nur die Heimat genommen hat, sondern auch seine Identität und vor allem seine Würde. Auch dass der Junge vor lauter Heimweh fast vergeht, nimmt der Egozentriker Bengler gar nicht wahr. Die Reaktionen auf den Jungen sind sehr unterschiedlich, viele Menschen sind nur neugierig, andere lehnen ihn offen ab oder feinden ihn gar an. Molo/Daniel lernt zwar die Sprache, ist aber trotzdem nicht in der Lage, seinem Umfeld zu vermitteln, wie schlecht es ihm geht.

Diese traurige Geschichte schildert Henning Mankell in seinem einzigartigen, detailgenauen Schreibstil sehr einfühlsam. Bengler war mir von Anfang an sehr unsympathisch, ich finde er ist ein Schmarotzer und Faulenzer, der immer den Weg des geringsten Widerstands geht. Er nutzt den Jungen aus und schiebt ihn ab, als er selbst in Schwierigkeiten gerät. Im Grunde genommen ist ihm Molo/Daniel recht herzlich egal.

Der Junge reagiert auf die Herausforderungen seines neuen Lebens so, wie er es in seinem alten Leben gelernt hat und findet sich deshalb in der fremden Kultur nicht zurecht. Das ist ein Problem, das sicher zahlreiche Migranten heutzutage auch haben. Die ganze Geschichte kann man eigentlich auch im 21. Jahrhundert ansiedeln.

Mein Fazit: Dieser gelungene Roman könnte zu mehr Verständnis für die Menschen fremder Kulturen zu verhelfen. Deshalb ist er eigentlich brandaktuell und sehr empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 29.05.2020

Ein Cold Case neu aufgerollt

Verschlüsselte Wahrheit - Inspector Rebus 5
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Ein Überfall auf seinen Mitarbeiter Brian Holmes veranlasst Inspector Rebus dazu, die Ermittlungen in einem fünf Jahre alten, ungeklärten Mordfall wieder aufzunehmen. Er ist sicher, dass Morris Gerald ...

Ein Überfall auf seinen Mitarbeiter Brian Holmes veranlasst Inspector Rebus dazu, die Ermittlungen in einem fünf Jahre alten, ungeklärten Mordfall wieder aufzunehmen. Er ist sicher, dass Morris Gerald "Big Ger" Cafferty, der Boss des organisierten Verbrechens in Edinburgh, in die Sache verwickelt ist. Nachdem auch Rebus`Bruder Michael überfallen wurde, verbeisst er sich so richtig in den Fall und riskiert sogar die Suspendierung. Auch die Aussprache mit seiner Lebensgefährtin, die ihn rausgeworfen hat, muss warten. Mit der Hilfe seiner loyalen Kollegen gelingt es ihm trotzdem, den komplizierten Verbindungen in der Unterwelt auf den Grund zu gehen und der überraschenden Wahrheit auf die Spur zu kommen.

Dieser Krimi hat mich sehr gefesselt. Ian Rankin gelingt es, so viele falsche Spuren zu legen, dass ich bis zum Ende nicht die leiseste Ahnung hatte, wer nun wirklich verantwortlich für den Toten im Central Hotel war. Am meisten überrascht hat mich die Aufklärung des Überfalls auf Holmes, darauf wäre ich im Traum nicht gekommen!

Mein Fazit: Sehr zu empfehlen! Es war mein zweites Buch aus dieser Reihe, das Erste ("Mädchengrab") hatte mich nicht ganz so überzeugt. Doch jetzt werde ich sicher weitere lesen.

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Veröffentlicht am 27.01.2020

Die spannende Enthüllung eines Familiengeheimnisses

Die verlorenen Spuren
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Das Buch erzählt die Geschichte von Laurel, die als Teenager auf der elterlichen Farm Greenacres ein verstörendes Ereignis beobachtet, in das ihre Mutter verwickelt ist.

Viele Jahre später kehrt sie ...

Das Buch erzählt die Geschichte von Laurel, die als Teenager auf der elterlichen Farm Greenacres ein verstörendes Ereignis beobachtet, in das ihre Mutter verwickelt ist.

Viele Jahre später kehrt sie zum 90. Geburtstag der Mutter als erfolgreiche Schauspielerin in ihr Elternhaus zurück, Das Geheimnis aus ihrer Vergangenheit beschäftigt sie immer noch, ebenso wie ihren kleinen Bruder, der das Ganze aus nächster Nähe mit ansehen musste. So macht sie sich auf den Weg herauszufinden was zu der Tragödie führte. Dabei erfährt sie sehr viele neue Dinge aus der Lebensgeschichte ihrer Mutter, besonders über das Leben in London während des 2. Weltkrieges.

Die Aufklärung des Familiengeheimnisses birgt viele Überraschungen und am Ende die Erkenntnis, dass die Mutter nicht die Person ist, die sie zu sein scheint.

Trotz einiger Längen gelingt es Kate Morton sehr gut, die Spannung hoch zu halten. In drei Abschnitten aus der Sicht von drei verschiedenen Personen erzählt, entwickelt sich die Geschichte langsam bis zur überraschenden Lösung des Rätsels. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, in die Handlung hinein zu finden, konnte ich dann das Buch fast nicht mehr aus der Hand legen. Deshalb mein Fazit: Sehr empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 23.12.2019

Heimkehr auf Zeit – oder erstens kommt es anders zweitens als man denkt

Echo Lake - Zweimal heißt für immer
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Weil ihr Vater schwer erkrankt ist, fährt Josie für ein Wochenende in Ihren Heimatort zurück, den sie vor 10 Jahren fluchtartig verlassen hat. Sie hatte ihren Verlobten Ethan kurz vor der Hochzeit sitzen ...

Weil ihr Vater schwer erkrankt ist, fährt Josie für ein Wochenende in Ihren Heimatort zurück, den sie vor 10 Jahren fluchtartig verlassen hat. Sie hatte ihren Verlobten Ethan kurz vor der Hochzeit sitzen lassen und den Kontakt zu Eltern und bester Freundin abgebrochen. Nun ist sie fest entschlossen, nach dem Wochenende wieder in ihr neues Leben nach Boston zurückzukehren. Doch sie wird in Echo Lake und im Freizeitpark der Eltern „Snowflake Village“ (hier ist ganzjährig Weihnachten, kitschig und so typisch amerikanisch eben) dringend gebraucht und entschließt sich, doch länger zu bleiben. Sie stellt fest, dass sich ebenso vieles verändert hat, wie gleich geblieben ist. Die Mutter zum Beispiel ist ein ganz neuer Mensch. Sie scheint ihre Alkoholsucht vollkommen überwunden zu haben. Nun ist es unvermeidlich, dass Josie mit Ethan zusammen arbeitet und es wieder mit ihrer alten Freundin Molly und vielen anderen Menschen aus der Vergangenheit zu tun bekommt. Alte Wunden reißen wieder auf und viele Erinnerungen werden wieder aufgefrischt. Josie muss sich von früheren Weggefährten einige unangenehme Wahrheiten sagen lassen um ihre Vergangenheit bewältigen zu können. Erst dann kann sie eine Entscheidung treffen, die ihr Leben radikal verändert. Wird sie in Echo Lake und bei Ethan bleiben?

In dieser Geschichte ist einiges vorhersehbar, vor Allem das Ende. Maggie McGinnis gelingt es aber mit ihrem flüssigen und humorvollen Schreibstil trotzdem die Spannung bis zum Schluss zu erhalten. Der Weg bis zu Josies endgültiger Entscheidung ist mit so vielen lustigen, romantischen und auch tragischen Begebenheiten gespickt, dass man den Spaß am Lesen nicht verliert. Zudem ist Josie mit ihrer hilfsbereiten, manchmal etwas tollpatschigen Art eine sehr sympathische Hauptakteurin. Ethan ist ebenfalls ein netter Kerl, aber fast zu perfekt um wahr zu sein. Mit Molly kann ich mich so gar nicht anfreunden, sie versucht auf sehr hinterlistige Art, ihre ehemalige Freundin zu vertreiben. Die gute Seele der Geschichte ist Ben, das „Mädchen für Alles“ im Vergnügungspark, der immer ein offenes Ohr für Josie und Ethan hat und beiden mit seiner Lebenserfahrung und Einfühlsamkeit immer wieder ein Stück weiter hilft.

Mein Fazit: Eine kurzweilige Geschichte mit sympathischen Protagonisten, durchaus mit Tiefgang, die wunderbar geeignet ist für ein verregnetes Adventswochenende.


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Veröffentlicht am 13.04.2026

Mord im Schären-Idyll

Bachelorette Party
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Eigentlich möchte Tessa nach ihrem spektakulären beruflichen Scheitern den Junggesellinnenabschied ihrer Freundin Annelise im nagelneuen Wellness-Retreat auf der Schäreninsel lieber schwänzen. ...

Eigentlich möchte Tessa nach ihrem spektakulären beruflichen Scheitern den Junggesellinnenabschied ihrer Freundin Annelise im nagelneuen Wellness-Retreat auf der Schäreninsel lieber schwänzen. Doch es gibt einen Cold Case vierer von eben dieser Schäreninsel verschwundenen Frauen vor 10 Jahren, den sie für ihren True-Crime Podcast gerne aufklären würde. So fährt sie mit und erlebt ein mörderisches Wochenende.

Der Schreibstil ist packend und detailreich, die Charaktere der an der Party teilnehmenden Frauen werden sehr gut herausgearbeitet. Gleich im Prolog schnellt die Spannungskurve hoch, flacht dann aber zunächst deutlich ab, als "nur" die Aktivitäten der Damen auf der Insel geschildert werden. Erst in der zweiten Hälfte des Buches wird es wieder hoch spannend, bis es zu einem atemlosen Showdown kommt. Geschickt lotst Camilla Sten ihre Leser auf einen falschen Weg, so dass die endgültige Auflösung dann sehr überraschend ist. Mit diesem Täter habe zumindest ich nicht gerechnet.
Alles in allem ist dieser Thriller ausgesprochen gelungen und ich empfehle ihn interessierten Leser/innen gerne weiter.

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