Profilbild von Suedhessin

Suedhessin

Lesejury Star
offline

Suedhessin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Suedhessin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.02.2023

Eiskalte Spannung

Der Riss
8

Antonia ist Vulkanologin und nimmt einen Forschungsauftrag in der Antarktis an um nach ihrem dort verschollenen Bruder Emilio zu suchen. Sie meint zu wissen wohin er sich gerettet haben könnte. Auf der ...

Antonia ist Vulkanologin und nimmt einen Forschungsauftrag in der Antarktis an um nach ihrem dort verschollenen Bruder Emilio zu suchen. Sie meint zu wissen wohin er sich gerettet haben könnte. Auf der Forschungsstation Neumayer III angekommen, stößt sie auf erheblichen Widerstand und einige Ungereimtheiten. Mit ihren Nachforschungen bringt sie sich und den Piloten Arlo, der ihr tatkräftig zur Seite steht, mehr als einmal in Lebensgefahr.
Ich habe diesen rasanten Thriller von der ersten bis zur letzten Seite verschlungen. Sehr detailliert und eindringlich schildert Thilo Winter die Verhältnisse im ewigen Eis, man kann die durchdringende Kälte, die Enge der Station und die Belastung durch das Fehlen von Tages- und Jahreszeiten förmlich am eigenen Leib spüren. Antonia ist eine mir sehr sympathische Protagonistin, ihre starke Bindung an den Bruder ist sehr spürbar. Um zum Ziel zu gelangen, geht sie mit dem Kopf durch die Wand ohne die Folgen zu bedenken. Manchmal kommt sie rüber wie ein weiblicher James Bond, so dass das Kopfkino zum Action-Thriller wird. Da ist an mancher Stelle ein wenig zu dick aufgetragen. Auch Arlo hat mir von Anfang an gefallen. Er hat sich sehr spontan entschlossen, Antonia zu helfen und steht dann loyal an ihrer Seite, egal zu welchem Risiko sie sich wieder hinreißen lässt.
Trotz der kleinen Schwächen hat mir das Buch sehr gut gefallen, denn auch wenn es reine Fiktion ist, weckt es doch ein Bewusstsein für die Gefahr, in der die Erde schwebt. So erfüllt dieses spannende Stück Unterhaltungsliteratur noch eine wichtige zusätzliche Aufgabe. Ich kann nur empfehlen, diesem Buch ein paar unterhaltsame Lesestunden zu widmen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 22.10.2022

Ein richtiges Endzeitszenario

Dark Clouds
0

Deutschland wird innerhalb kürzester Zeit von zahlreichen Extremwetter-Ereignissen heimgesucht. Die Lage ist chaotisch. Wolkenforscherin Fjella, IT-Spezialist Arian und Versicherungsdetektiv ...

Deutschland wird innerhalb kürzester Zeit von zahlreichen Extremwetter-Ereignissen heimgesucht. Die Lage ist chaotisch. Wolkenforscherin Fjella, IT-Spezialist Arian und Versicherungsdetektiv Philip forschen zunächst unabhängig voneinander nach den Ursachen. Die Behörden sind ihnen dabei keine große Hilfe. Erst als sie sich zusammentun, kommen sie in ihren Ermittlungen vorwärts und es ergibt sich ein erschreckendes Bild.

Das Thema ist natürlich brisant, da ja derzeit in aller Munde. Die Story ist ziemlich beängstigend, ich mag mir gar nicht vorstellen, dass so etwas tatsächlich passieren könnte. Der Schreibstil ist unspektakulär, sachlich und informativ. Trotzdem kommt Spannung auf, die aber von den zahlreichen eingestreuten Medienberichten immer wieder gebrochen wird. Darauf hätte ich gut verzichten können, dafür gibt es einen Punktabzug.

Alle drei Hauptprotagonisten haben mir gut gefallen. Im Interesse der Allgemeinheit lassen sie nicht locker, sie folgen den Spuren trotz aller Gefahr und drohender Strafverfolgung. Von behördlicher Seite haben sie keinerlei Unterstützung zu erwarten, im Gegenteil. Erst als die beiden LKA-Beamten Nina Kuhn und Eric Schmitz auf ihre Ergebnisse stoßen, bekommen sie ein bisschen Hilfe. Gemeinsam stoßen Sie auf einen perfiden Plan ungeheuren Ausmaßes. Motiv auch hier: Die grenzenlose Gier Einzelner nach Macht und Geld.

Thilo Falk zeichnet hier in teilweise mitreißender Weise ein erschreckendes Szenario, das in Teilen sicher gar nicht so utopisch ist. Diese Geschichte ist sicher gut geeignet, um die Menschen ein bisschen wachzurütteln, ein Bewusstsein zu wecken dafür, das fünf vor zwölf schon vorbei ist. Es ist sehr wichtig, dieses Thema immer wieder in Erinnerung zu bringen. Das gelingt mit einem so spannenden Thriller sicher besser als mit einem trockenen Sachbuch.

Insgesamt fand ich das Buch spannend und gut recherchiert. Es vermittelt auch einiges Hintergrundwissen. Deshalb kann ich guten Gewissens eine Leseempfehlung aussprechen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.04.2021

Gelungene Fortsetzung

Die Stadt der Tränen
8

Minou und ihre Familie, schon bekannt aus dem ersten Band „ Die brennenden Kammern“, hatten für zehn Jahre ein beschauliches Leben auf der geerbten Burg in Puivert. Zur Hochzeit des Hugenottenkönigs Heinrich ...

Minou und ihre Familie, schon bekannt aus dem ersten Band „ Die brennenden Kammern“, hatten für zehn Jahre ein beschauliches Leben auf der geerbten Burg in Puivert. Zur Hochzeit des Hugenottenkönigs Heinrich von Navarra mit der Katholikin Margarete von Valois reisen sie mit der ganzen Familie nach Paris. Dort treffen sie ihren alten Feind, den Kardinal Vidal wieder und geraten in die Wirren der Bartholomäusnacht. Die Familie wird auseinander gerissen und muss Paris bei Nacht und Nebel verlassen. Sie flüchten nach Amsterdam, wo sie sich ein neues Leben aufbauen.

Minou Joubert-Reydon, ihre Geschwister und ihr Vater, ihr Mann Piet und Erzfeind Vidal waren alte Bekannte, mit denen ich bereits im ersten Band mitfiebern durfte. Neu dazugekommen sind die Kinder von Minou und Piet, die vorwitzige siebenjährige Marta und der zweijährige Jean-Jaques. Zusammen mit Minous Geschwistern Alis und Aimeric und ihrem Vater Bernard bilden sie eine sehr sympathische, für damalige Verhältnisse fortschrittliche Familie, bei der auch Tante Salvadora einen Platz findet. Erzfeind Vidal hat seinerseits seinen illegitimen Sohn Louis zu sich genommen, den er für seine Ziele einspannt und der ihm an Boshaftigkeit und Verschlagenheit durchaus das Wasser reichen kann. Vidal pflegt nach wie vor die alte Feindschaft und setzt alles daran, die Familie von Piet und Minou zu vernichten.

Kate Mosse verknüpft sehr geschickt die Schicksale ihrer Protagonisten mit den historischen Fakten der Hugenottenkriege, die im 16. Jahrhundert tobten. Die geschichtlichen Fakten werden zwar manchmal nur angedeutet, aber wenn das Interesse geweckt ist, kann man sich ja bei anderen Quellen weiter belesen. Die Autorin schildert den religiösen Fanatismus und die Grausamkeit der Kämpfe ebenso bildhaft wie die Ereignisse im Leben der fiktiven Akteure. Mit ihrem mitreißenden Schreibstil macht sie es leicht, in die Geschichte einzutauchen. Sie charakterisiert die Handelnden sehr detailliert, so dass man im Verlauf der Geschichte teilweise schon vorhersehen kann, was sie als nächstes tun werden. So war einerseits manches vielleicht ein bisschen vorhersehbar, auch fand ich es ein wenig zu dick aufgetragen, dass es jetzt auch um Piets Herkunft ein Geheimnis gibt und ein unverhofftes Erbe winkt. Andererseits haben wir ja einen Roman gelesen, da fällt so etwas unter die dichterische Freiheit und bringt zusätzliche Spannung in die Geschichte. Wie beim ersten Band sind wieder einige Fragen offen geblieben, so dass ich einer Fortsetzung entgegenfiebere.

Mein Fazit deckt sich mit dem zum ersten Band: Für Freunde des historischen Romans mit realem Hintergrund ist diese Reihe ein absolutes Muss.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Thema
Veröffentlicht am 15.06.2020

Eine Geschichte von Heimweh, Ignoranz und Rassismus

Die rote Antilope
0

Der Schwede Hans Bengler ist eine gescheiterte Existenz und ein Abenteurer. Im Verlauf einer Expedition in die Kalahari "adoptiert" er den schwarzen Waisenjungen Molo und nimmt ihn mit nach Schweden, um ...

Der Schwede Hans Bengler ist eine gescheiterte Existenz und ein Abenteurer. Im Verlauf einer Expedition in die Kalahari "adoptiert" er den schwarzen Waisenjungen Molo und nimmt ihn mit nach Schweden, um seinen Landsleuten einen echten Mohren präsentieren zu können. Von da an heißt der Junge Daniel und muss Bengler mit "Vater" ansprechen. Dem "Vater" ist leider nicht bewusst, dass er damit dem Jungen nicht nur die Heimat genommen hat, sondern auch seine Identität und vor allem seine Würde. Auch dass der Junge vor lauter Heimweh fast vergeht, nimmt der Egozentriker Bengler gar nicht wahr. Die Reaktionen auf den Jungen sind sehr unterschiedlich, viele Menschen sind nur neugierig, andere lehnen ihn offen ab oder feinden ihn gar an. Molo/Daniel lernt zwar die Sprache, ist aber trotzdem nicht in der Lage, seinem Umfeld zu vermitteln, wie schlecht es ihm geht.

Diese traurige Geschichte schildert Henning Mankell in seinem einzigartigen, detailgenauen Schreibstil sehr einfühlsam. Bengler war mir von Anfang an sehr unsympathisch, ich finde er ist ein Schmarotzer und Faulenzer, der immer den Weg des geringsten Widerstands geht. Er nutzt den Jungen aus und schiebt ihn ab, als er selbst in Schwierigkeiten gerät. Im Grunde genommen ist ihm Molo/Daniel recht herzlich egal.

Der Junge reagiert auf die Herausforderungen seines neuen Lebens so, wie er es in seinem alten Leben gelernt hat und findet sich deshalb in der fremden Kultur nicht zurecht. Das ist ein Problem, das sicher zahlreiche Migranten heutzutage auch haben. Die ganze Geschichte kann man eigentlich auch im 21. Jahrhundert ansiedeln.

Mein Fazit: Dieser gelungene Roman könnte zu mehr Verständnis für die Menschen fremder Kulturen zu verhelfen. Deshalb ist er eigentlich brandaktuell und sehr empfehlenswert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.05.2020

Ein Cold Case neu aufgerollt

Verschlüsselte Wahrheit - Inspector Rebus 5
0

Ein Überfall auf seinen Mitarbeiter Brian Holmes veranlasst Inspector Rebus dazu, die Ermittlungen in einem fünf Jahre alten, ungeklärten Mordfall wieder aufzunehmen. Er ist sicher, dass Morris Gerald ...

Ein Überfall auf seinen Mitarbeiter Brian Holmes veranlasst Inspector Rebus dazu, die Ermittlungen in einem fünf Jahre alten, ungeklärten Mordfall wieder aufzunehmen. Er ist sicher, dass Morris Gerald "Big Ger" Cafferty, der Boss des organisierten Verbrechens in Edinburgh, in die Sache verwickelt ist. Nachdem auch Rebus`Bruder Michael überfallen wurde, verbeisst er sich so richtig in den Fall und riskiert sogar die Suspendierung. Auch die Aussprache mit seiner Lebensgefährtin, die ihn rausgeworfen hat, muss warten. Mit der Hilfe seiner loyalen Kollegen gelingt es ihm trotzdem, den komplizierten Verbindungen in der Unterwelt auf den Grund zu gehen und der überraschenden Wahrheit auf die Spur zu kommen.

Dieser Krimi hat mich sehr gefesselt. Ian Rankin gelingt es, so viele falsche Spuren zu legen, dass ich bis zum Ende nicht die leiseste Ahnung hatte, wer nun wirklich verantwortlich für den Toten im Central Hotel war. Am meisten überrascht hat mich die Aufklärung des Überfalls auf Holmes, darauf wäre ich im Traum nicht gekommen!

Mein Fazit: Sehr zu empfehlen! Es war mein zweites Buch aus dieser Reihe, das Erste ("Mädchengrab") hatte mich nicht ganz so überzeugt. Doch jetzt werde ich sicher weitere lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere