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Veröffentlicht am 13.04.2026

Blut, Götter und Vergeltung

Blutnacht
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Mit Blutnacht findet John Gwynnes epische Trilogie ihren Abschluss. Das Buch ist, ebenso wie seine Vorgänger, rau, gewaltig und voller göttlicher Machtspiele. Auch hier kehren die bekannten Figuren Orka, ...

Mit Blutnacht findet John Gwynnes epische Trilogie ihren Abschluss. Das Buch ist, ebenso wie seine Vorgänger, rau, gewaltig und voller göttlicher Machtspiele. Auch hier kehren die bekannten Figuren Orka, Varg und Elvar zurück, doch im Vergleich zu den vorherigen Bänden verliert der Roman für mich etwas an emotionaler Tiefe. Wo zuvor die Charakterentwicklung im Zentrum stand, dominieren nun Rache, Macht und Vergeltung als Antrieb vieler Handlungen. Das lässt die Figuren stellenweise eindimensionaler wirken und mindert die emotionale Wirkung ihrer Entscheidungen.
Besonders schade fand ich, dass Elvar, die in den ersten beiden Teilen eine der interessantesten und komplexesten Figuren war, hier deutlich in den Hintergrund rückt. Der Fokus liegt stärker auf Nebencharakteren, deren Perspektiven zwar Abwechslung bringen, aber nicht immer die gleiche Bindung zum Leser aufbauen. Orka und Varg bleiben kraftvolle Protagonisten, doch auch bei ihnen fehlt nun das feine Gleichgewicht zwischen Stärke und Verletzlichkeit, das Nordnacht und Frostnacht so eindrücklich gemacht hat.

Gwynnes Schreibstil bleibt gewohnt intensiv und bildstark, seine Beschreibungen von Kämpfen, Landschaften und Götterschlachten sind weiterhin eindrucksvoll. Blutnacht ist brutal, voll von Blut und Mythos, manchmal fast erschlagend in seiner Wucht. Trotzdem gelingt es Gwynne, mit der finalen Schlacht einen spannenden und würdigen Abschluss zu schaffen, der thematisch wie atmosphärisch den Kreis der Reihe schließt.

Alles in allem ist Blutnacht der mitreißende, wenn auch emotional schwächere Schlusspunkt einer groß angelegten Wikinger-Fantasy-Saga, gewaltig im Ausmaß, aber weniger berührend in der Tiefe ihrer Figuren.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Götter, Blut und Schicksal

Frostnacht
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Nach dem Auftakt mit "Nordnacht" führt John Gwynne in Frostnacht seine Saga der Blutgeschworenen kompromisslos fort. Die vertrauten Figuren – Orka, Varg und Elvar – stehen erneut im Mittelpunkt, diesmal ...

Nach dem Auftakt mit "Nordnacht" führt John Gwynne in Frostnacht seine Saga der Blutgeschworenen kompromisslos fort. Die vertrauten Figuren – Orka, Varg und Elvar – stehen erneut im Mittelpunkt, diesmal kreuzen sich ihre Wege häufiger. Diese Begegnungen geben der Erzählung eine spürbare Dynamik und machen den Einstieg leichter, da die Handlungsstränge stärker miteinander verwoben sind als im ersten Band. Das Ergänzen weiterer Sichtweisen und erzählenden Figuren verleiht diesem Band eine gewisse Tiefe.

Der Autor bleibt seinem brutalen, atmosphärisch dichten Stil treu. Kämpfe werden mit ungeschönter Härte geschildert, oft blutig und gnadenlos realistisch. Für zarte Gemüter ist das definitiv nichts, doch gerade diese Schonungslosigkeit passt zur rauen Welt, in der Ehre, Götter und Schicksal über Leben und Tod entscheiden. Die Sprache bleibt kraftvoll und bildreich.

Im Vergleich zu Nordnacht empfand ich die Gesamthandlung als etwas ruhiger. Trotz spannender Einzelmomente nahm die Geschichte für mich erst spät richtig Fahrt auf, längere Passagen wirkten mehr vorbereitend als vorantreibend. Dafür entschädigt jedoch der übernatürliche Aspekt: Das Auftreten und die Wiedergeburt mancher Götter bringt frischen Mythos ins Spiel und verstärken das Gefühl, dass sich etwas Größeres und Bedrohlicheres anbahnt.

Dennoch ist Frostnacht ein würdiger, wenn auch etwas gemächlicher zweiter Band. Er überzeugt durch seine starken Figuren, intensive Atmosphäre und mythologische Tiefe und macht natürlich neugierig darauf, wie sich Schicksal und Götterstreit im nächsten Teil weiterentwickeln werden.

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Zwischen Liebe, Glaube und Musik – eine Reise ins Mittelalter

Das Lied der Rose
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Julia Kröhns jüngster Roman „Das Lied der Rose“ entführt seine Leserinnen und Leser auf eindrucksvolle Weise in das späte 11. und frühe 12. Jahrhundert – eine Zeit voller Umbrüche, religiöser Spannungen ...

Julia Kröhns jüngster Roman „Das Lied der Rose“ entführt seine Leserinnen und Leser auf eindrucksvolle Weise in das späte 11. und frühe 12. Jahrhundert – eine Zeit voller Umbrüche, religiöser Spannungen und kultureller Vielfalt. Mit großer erzählerischer Kraft erschafft die Autorin eine farbenprächtige, lebendige Welt, die durch ihren Detailreichtum und ihre atmosphärische Dichte besticht.

Im Zentrum der Handlung steht der junge Novize Marian, ein tiefgläubiger Mönch, dessen Herz bis dato allein für die geistliche Musik schlägt. Sie ist für ihn Ausdruck göttlicher Harmonie und Sinnstiftung zugleich. Als Marian jedoch einen jüdischen Medicus vor der Zwangstaufe bewahrt, stellt er sich gegen die Regeln seiner Welt – mit schwerwiegenden Konsequenzen. Um Buße zu tun muss er sich auf eine abenteuerliche Pilgerreise begeben, deren Verlauf er sich zuvor kaum hätte ausmalen können. Dabei muss er sich ebenso mit sich selbst und seinem Glauben in die Musik auseinandersetzen, die ihm bislang so viel Halt gegeben hat. Er kommt auf seiner Reise nicht nur in Kontakt mit mächtigen Persönlichkeiten, sondern auch mit fremden Kulturen und neuen Menschen. Unter ihnen befindet sich Sahar, eine begabte Sängerin aus einer ihm vollkommen fremden Welt. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte, aber zutiefst emotionale Liebesbeziehung, die jedoch immer wieder von äußeren Umständen, kulturellen Schranken und menschlichen Intrigen überschattet wird. Die gemeinsamen Momente, die ihnen vergönnt sind, sind umso kostbarer – und umso schmerzhafter ist es, wenn sie voneinander getrennt werden.

Neben der Geschichte von Marian und Sahar verwebt Kröhn weitere Handlungsstränge: Herzogin Philippa und ihr Ehemann Guillaume stellen ein Herrscherpaar dar, das gegensätzlicher wohl kaum sein könnte. Philippa giert nach Macht, Einfluss und versucht dies mit ihrer oft sehr gefühllosen und kalten Art zu erreichen, wobei sie keine Rücksicht auf Verluste nimmt. Sie möchte selbst über ihr Leben und ihr Schicksal entscheiden, unabhängig von einem Mann und seinem Wohlwollen. Guillaume hingegen kämpft mit Philippas kaltem Wesen, sucht sich Mätressen und nimmt sogar mehrfache Kirchenbannung auf sich. Einzig und allein das Streben nach Einfluss und Macht kann die beiden zuweilen einen. Guillaume hadert mit seinem Beinamen „le petit“, möchte seine Stärke militärisch unter Beweis stellen und scheitert mehrfach daran. Er entwickelt sich weg von Philippa und widmet sich stattdessen auf seine Weise der Dichtkunst und Musik, in welcher er vollkommen aufgehen kann. Auch Sahars und Marians Schicksal ist immer wieder eng mit dem, der beiden Herrschenden verbunden, wird teilweise regelrecht davon bestimmt.

Mir persönlich hat das Buch gut gefallen, insbesondere der Schreibstil von Julia Kröhn hat mich begeistert. Sie versteht es meisterhaft, mit sprachlicher Eleganz und erzählerischem Feingefühl eine vergangene Epoche lebendig werden zu lassen. Ihre bildhaften Beschreibungen – vor allem der Musik, des mittelalterlichen Alltags und der Machtstrukturen – ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Werk und sorgen für einen angenehm flüssigen Lesefluss. Die Charaktere wirken glaubwürdig und vielschichtig, sodass man insbesondere mit Marian und Sahar mitfühlt und mitfiebert.
Ein kleiner Wermutstropfen für mich war allerdings die Vielzahl an Figuren und Handlungssträngen. An einigen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass der Fokus stärker auf Marian und Sahar liegt, dass ihre Beziehung mehr Raum erhält und die Geschichte sich noch intensiver um die emotionale Entwicklung der beiden dreht. Durch die vielen Wechsel und zusätzlichen Handlungsstränge wirkte der Roman stellenweise etwas überfüllt und in Teilen auch leicht überstürzt, sodass es mir mitunter schwerfiel, mich vollständig auf das Geschehen einzulassen oder mich emotional tiefer in einzelne Entwicklungen hineinzuversetzen. Das ist aber natürlich immer eine Geschmackssache, andere mögen vielleicht ganz genau das besonders an diesem Buch.
Nichtsdestotrotz ist „Das Lied der Rose“ ein vielschichtiger, feinfühlig erzählter historischer Roman, der durch Tiefe, historische Authentizität und emotionale Intensität besticht. Julia Kröhn gelingt es eindrucksvoll, Musik, Liebe, Glaube und Macht zu einem fesselnden literarischen Gesamtwerk zu verweben.

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Veröffentlicht am 23.01.2025

Eine verrückte Ausrede wird zur Weltreise

Der Ratz-Fatz-x-weg 23
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Seitdem sich Familie Pittel einen neuen Staubsauger zugelegt hat, veränderte sich das Leben aller Familienmitglieder drastisch. Frau Pittel ist einem Putzwahn verfallen und saugt alles weg, was ihr vor ...

Seitdem sich Familie Pittel einen neuen Staubsauger zugelegt hat, veränderte sich das Leben aller Familienmitglieder drastisch. Frau Pittel ist einem Putzwahn verfallen und saugt alles weg, was ihr vor die Nase kommt, Staub, Dreck und Laub, bis hin zu Läusen und Blumen. Ihr Mann und ihre Kinder Laura und Robert erkennen sie einfach nicht wieder. Doch liegt das nur an ihrem neuen “Ratz-Fatz-x-weg 23"? Und welche Rolle spielen die Tropfen in dem mysteriösen Goldfläschchen? Die beiden Geschwister treten gemeinsam mit Lauras Freundin Gerti eine abenteuerliche und heikle Reise in die Wüste an, um den Machenschaften der Firma “GRÜNDLICH” auf die Schliche zu kommen und damit gleichzeitig ihren Eltern zu helfen.

Die Geschichte begeistert durch eine mitunter komisch anmutende und amüsante Schreibweise (z.B. Nervennotfallteam, Haifischmauldüse, …) und entwickelt dabei eine zunehmende Spannung. Wahrheit und Fiktion der Schilderungen werden geschickt gemischt und werfen immer wieder neue, begründete Fragen auf. Die Illustrationen unterstreichen den Inhalt des Buches an einigen Stellen auf eine äußerst lustige und gelungene Weise.

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Veröffentlicht am 23.01.2025

Zwischen Freundschaft und "Spinnern"

Helsin Apelsin und der Spinner
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Das Kinderbuch erzählt von der 8-jährigen Helsin, welche ihren Platz im zwischenmenschlichen Miteinander sucht und vor allem lernen muss, ihre Impulse und und oft affektgeladenen Reaktionen und Wutausbrüche ...

Das Kinderbuch erzählt von der 8-jährigen Helsin, welche ihren Platz im zwischenmenschlichen Miteinander sucht und vor allem lernen muss, ihre Impulse und und oft affektgeladenen Reaktionen und Wutausbrüche zu kontrollieren. Während ihre Klassenkameraden, Lehrerin und Adoptiveltern bereits Strategien zum Umgang mit ihren Gefühlsachterbahnen entwickelt haben, gestaltet sich die Situation noch einmal deutlich komplizierter, als ein neuer Junge in ihre Klasse kommt und Helsin am ersten Tag wegen ihres Namens sichtlich ärgert. Zudem plagen Helsin ihre “Spinner”.
In einem Moment innerer Erregung verletzt Helsin den Jungen und stiehlt ihm versehentlich seinen Leguan. Als sie jedoch mit dem neuen Jungen namens Louis ein Referat halten muss, erfährt sie, dass auch er aus Skandinavien stammt, genau wie sie. Im Verlauf ihrer Zusammenarbeit an dem Projekt lernen sie sich besser kennen, verbringen Zeit miteinander und treffen sogar Louis' Großvater, der selbst mit “Spinnern” zu kämpfen hatte. Das einzige Problem, das bleibt, ist, dass Helsin immer noch den Leguan bei sich zu Hause behält, was für einige unangenehme Überraschungen sorgt.

Es ist der Schreibstil des Buches, der mich wahrhaft ansprach, er wirkte angemessenen einfühlsam, altersadäquat und gut verständlich. Die nachvollziehbaren Beschreibungen der Gefühle und Gedanken Helsins in ihrer Detailvielfalt begeistern dabei in nachhaltiger Weise. Besonders, weil Höfler für ihren Roman Helsin einen personalen Erzähler gewählt hat, erlangt der Leser den Eindruck, in Helsins Inneres eindringen zu können. Es zeigt zudem auf, wie aus Rivalen letzten Endes doch noch Freunde werden können und greift die Thematik „Adoption“ mit all ihren Facetten auf. Erfrischend präsentierte sich der etwas „andere“ Hauptcharakter, mit welchem gearbeitet wurde, eine Art kleiner ”Systemsprenger”, der sich die Sympathie des Lesers erst erkämpfen muss, sofern es der Leser zulässt. Mir fiel es mir an manchen Stellen schwer, Helsin wirklich ins Herz zu schließen, was vielleicht an ihren teilweise wenig nachvollziehbaren Reaktionsmustern lag, verbunden mit einer Hilflosigkeit der Personen in ihrer nächsten Nähe diesem Auftreten gegenüber. Man muss dem Mädchen jedoch eine angenehme Charakterentwicklung zugute kommen lassen. Am Anfang der Geschichte akzeptiert sie ihre Gefühle wie sie sind, lässt ihnen freien Lauf und widmet sich und ihnen auch keinerlei Selbstreflexion, wohingegen sie zum Ende hin eine Chance sieht, ihre Spinner zu besiegen. Darüber hinaus haben die Kapitelüberschriften, wenn auch passend gewählt, meist ein wenig zu viel vom Inhalt vorweggenommen, sodass keine wirkliche Spannung aufkam.

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