Profilbild von odile

odile

Lesejury Star
offline

odile ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit odile über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.12.2024

Reihen-Auftakt mit Magie

Spellbound - Tod eines aufrechten Vampirs
0

Wie wäre es, an einem magischen Ort zu leben? Zusammen mit Vampiren, Feen und Hexen? Für die junge Anwältin Emma Hart wird diese Vorstellung Realität. Auf der Fahrt zu ihrem nächsten Mandanten gerät sie ...

Wie wäre es, an einem magischen Ort zu leben? Zusammen mit Vampiren, Feen und Hexen? Für die junge Anwältin Emma Hart wird diese Vorstellung Realität. Auf der Fahrt zu ihrem nächsten Mandanten gerät sie an einen abgelegenen See, will einen Selbstmörder retten und findet sich plötzlich in einem Städtchen namens Spellbound wieder. Das Besondere an diesem pittoresken Ort? Hier leben nur übernatürliche Wesen. Doch damit nicht genug, auf der Stadt liegt seit Jahrhunderten ein Fluch, der es scheinbar unmöglich macht, Spellbound wieder zu verlassen.

„Tod eines aufrechten Vampirs“ ist der Auftakt einer Fantasy-Reihe von Annabel Chase.

Der Start ins Buch verläuft zügig. Es macht sehr viel Spaß zu beobachten, wie die ziemlich taffe Emma in Spellbound, der magischen Version einer typischen Kleinstadt, zurechtkommt. Wenig überraschend stellt sich bald heraus, dass Emma kein Mensch, sondern eine Hexe ist. Das erweist sich als weitere Komplikation. Denn jede Junghexe in Spellbound muss die Hexenakademie absolvieren und Emma erinnert sich nur ungern an ihre Highschool-Zeit. Mit der Ausbildung und der unterrichtenden Oberhexe hat sie so ihre Probleme. Aber in der Hexen-Förderklasse findet sie erste Freundinnen.

Emma ist eine intelligente Frau mit starkem Charakter, die versucht, mit allen Schwierigkeiten fertig zu werden. Und das sind nicht wenige. Sie befindet sich plötzlich an einem völlig fremden Ort, mit teilweise bizarren Mitbewohnern von A wie Amazone bis Z wie Zentaur. Daneben hat sie einen neuen Job als Pflichtverteidigerin von Spellbound mit aktuellem Fall und da ist ja noch die Hexenakademie. Emma verfügt über einen trockenen Humor und ein großes Maß an Unerschrockenheit. Ihre kleinen Schwächen, beispielsweise ihre ausgeprägte Flugangst und eine gewisse Verpeiltheit, machen sie sympathisch und verhindern, dass sie zu Superwoman mutiert. Dass sie keine lebenden Verwandten und keine engeren Freunde in der Menschenwelt hat, erleichtert ihr den Umzug nach Spellbound. Der Ort verfügt zudem über ein gewisses Maß an Technik und führt uns nicht zurück ins Mittelalter, wie andere Mystery-Serien. Bei der Beschreibung des magischen Städtchens beweist die Autorin großen Einfallsreichtum und viel Phantasie. Wie gern würde ich mal im „Ready-To-Were“ oder im „Wünschemarkt“ einkaufen. Oder eine Latte mit einer Walküre im „Brew-Ha-Ha“ trinken. Mit Harpyien dagegen eher nicht.

Die Spannung kommt auch nicht zu kurz. Emmas Vorgänger im Amt, Gareth, der namengebende Vampir, wurde ermordet und der örtliche Sheriff-Zentaur Hugo erweist sich als total unfähiger Ermittler. Also beschließt unsere Heldin, den Mord selbst aufzuklären. In ihrem aktuellen Fall des Kobolds Mumford, der verdächtigt wird, ein Dieb zu sein, beginnt sie ebenfalls mit Nachforschungen.

Weitere Protagonisten sind der Hexenzirkel, eine zauberhafte Fee, eine freundliche Gorgone, ein muffiger Eulen-Vertrauter, ein ziemlich widerwärtiges Haustier, Werrudel und ein paar heiße Kerle. Überhaupt interessieren sich Spellbounds Einwohner, speziell der männliche Teil, sehr für die neue Mitbewohnerin. Immerhin ist der letzte Zuzug schon ein paar Jahrhunderte her.

Die anderen Charaktere bleiben noch etwas blass, aber entwicklungsfähig. Auch manche Frage bleibt zunächst offen, z. B. Daniels Geschichte. Der Leser spürt, dass es da noch einiges zu entdecken gibt. Für den ersten Band einer Serie finde ich das nachvollziehbar.

Wenn ich einen kleinen Kritikpunkt habe, dann den eher schwachen Kriminalfall. Der unerwartete Knaller am Schluss macht das aber mehr als wett.

„Tod eines aufrechten Vampirs“ sehe ich als „Urban Fantasy“ kombiniert mit „Cosy Crime“. Ich habe die liebevoll geschriebene Geschichte beinahe in einem Zug gelesen und jede Seite genossen. Der locker-leichte Schreibstil mit Humor und Originalität hat mich überzeugt. Mit Emma hat die Geschichte eine sympathische Hauptfigur, die wir dabei beobachten, wie sie in einer magischen Umgebung klarkommt und dabei noch einen Mordfall löst.

Von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, die dieses Genre lieben. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 27.04.2026

Ist Ispettrice Marias Ex ein Mörder?

Tödliche Begegnung
1

Samstagabend. Commissaria Giovanna Ruggieri freut sich auf ein Essen mit ihrem alten Nachbarn Ludovico. Doch die Idylle wird jäh gestört durch einen Anruf der Carabinieri. An der Uferpromenade von Varenna ...

Samstagabend. Commissaria Giovanna Ruggieri freut sich auf ein Essen mit ihrem alten Nachbarn Ludovico. Doch die Idylle wird jäh gestört durch einen Anruf der Carabinieri. An der Uferpromenade von Varenna wurde eine erstochene Frau gefunden. Immerhin scheint der Fall klar zu sein, denn der mutmaßliche Täter ist bereits verhaftet. Der Verdächtige, Stefano Bianchi, hatte noch die Tatwaffe in der Hand. Er verweigert jede Aussage und will nur mit einer Person sprechen - Ispettrice Maria di Bartolomeo, seiner Ex-Frau.

Elisa Corti lässt in „Tödliche Begegnung“ ihr Dreamteam Giovanna und Maria erneut zusammen ermitteln. Besondere Brisanz erhält der aktuelle Fall durch die Identität des Hauptverdächtigen. Ist Marias Ex-Mann tatsächlich ein brutaler Mörder? Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Bis zur Lösung des Falls hat mich der Lombardei-Krimi spannend unterhalten.

Alles spricht gegen Stefano. Das Opfer, Liliana Gatti, und er hatten eine Beziehung, die sie erst kürzlich beendeten. Danach folgte noch ein heftiger Streit. Nur Stefanos Fingerabdrücke sind auf der Tatwaffe, er wurde als letzter vom Handy der Toten angerufen und der Mord sieht wie ein Verbrechen aus Leidenschaft aus. Questore, Staatsanwalt und Giovannas Kollege Fini sind überzeugt, dass sie den Täter bereits in Haft haben. Nur Giovanna zögert. Nicht nur, weil Maria felsenfest von der Unschuld ihres Ex-Manns überzeugt ist, sondern weil sie ihr Instinkt zögern lässt. Gemeinsam mit der Gemeindepolizistin hat Giovanna vor einem Jahr einen komplizierten Mordfall gelöst. Seither gehört die quirlige Maria zum näheren Freundeskreis der Commissaria.

Prolog und Rückblicke ins Jahr 2002 lassen uns Szenen aus Lilianas Vergangenheit miterleben. Der Schluss liegt nahe, dass hier der Schlüssel zur Lösung des Falls liegt. Warum ist damals Lilianas beste Freundin Alice verschwunden?

Die sympathische Giovanna ist eine kompetente und sehr gründliche Ermittlerin, die sich auf ihren Instinkt verlassen kann. Sie scheut keine Mühen noch vermeidet sie Diskussionen mit dem Questore, solange das Ermittlungsergebnis sie nicht überzeugt. Eher introvertiert, taut sie allmählich auf, knüpft Freundschaften und scheint ihren Platz in Bellagio gefunden zu haben. Ich finde es sehr sympathisch, dass sie ihren Ermittlungsstand mit Schildkröte Bruno „diskutiert“. Maria ist wesentlich extrovertierter und fest in ihren Clan integriert, sie ergänzt sich hervorragend mit der Commissaria, ist intelligent und sympathisch. Auch die Nebencharaktere überzeugen. Eine wichtige Rolle spielen natürlich der Comer See, seine anrainenden Gemeinden und „La Dolce Vita“. Das Lokalkolorit lässt stellenweise Urlaubsfeeling aufkommen.

Letztendlich knacken Giovanna und Maria den Fall und sogar noch einen zweiten. Obwohl ich dieses Mal nicht auf den Täter gekommen bin, fand ich die Lösung überzeugend. Allerdings gibt es auch kritische Anmerkungen von mir. Ich fand, dass der Auflösung des Falles zu wenig Raum gegeben wurde und das Ende deshalb überhastet wirkt. Auch die besonders brutale Ausführung des Mordes, quasi eine „Übertötung“, passt nicht zum Profil des Täters.

Der Lombardei-Krimi hat mich auch dieses Mal gut unterhalten und ich hoffe auf eine Fortsetzung der Reihe.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 26.04.2026

Immerwährender Sommer

Ins fahle Herz des Sommers
0

Alle Warnungen der Klimaforscher haben sich bewahrheitet. Innerhalb nur weniger Jahre verändert sich das Wetter massiv. Die herrschende Hitzewelle endet nicht mehr und vernichtet die Ernten. Der Kampf ...

Alle Warnungen der Klimaforscher haben sich bewahrheitet. Innerhalb nur weniger Jahre verändert sich das Wetter massiv. Die herrschende Hitzewelle endet nicht mehr und vernichtet die Ernten. Der Kampf um die Ressourcen, um Wasser und Lebensmittel, beginnt. Dann bricht eine Pandemie aus, die „neue Pest“ und tötet einen großen Teil der Menschheit.

In diesem Setting spielt Andreas Eschbachs neues Buch „Ins fahle Herz des Sommers“. Eine Dystopie, die es in sich hat und den Leser in ihren Bann zieht.

Fausto Tardillon wollte gemeinsam mit seinem Bruder Giuseppe in den Norden fliehen, nach Grönland oder Sibirien, wo die Temperaturen angeblich noch erträglich sind. Damals war das noch möglich. Doch dann starb Giuseppe, erstochen von einem Wahnsinnigen, dem er helfen wollte. Fausto gab seine Flucht nach Norden auf und landete im kleinen Dorf Saint-Aumarec, wo nur noch wenige leben, die alte Madame Mareveaux, Pfarrer Ducreux und die Bauernfamilie Braque, die sich abschottet. Jeder kämpft ums Überleben und Fausto zieht in Vollmondnächten los, um die Umgebung zu erkunden und nach Nutzbarem zu suchen.

Eines Tages taucht eine geheimnisvolle junge Frau, Valérie, auf. Sie scheint die Hitze sehr gut zu vertragen und ernährt sich bevorzugt vom Fruchtfleisch der allgegenwärtigen Kakteen, einer invasiven Art, die überall wächst. Fausto verliebt sich und die beiden jungen Leute ziehen zusammen. Es stellt sich heraus, dass Valérie unter einer partiellen Amnesie leidet. Sie weiß nur wenig über ihre Herkunft und das frühere Leben. Fausto ist glücklich und bereit, seine Freundin zu beschützen. Gegen die Begierde der drei Braque-Söhne und vor den Fremden, die ins Dorf kommen und bleiben. Sie ähneln Valérie frappierend, was Fausto sehr beunruhigt. Doch dann wird die junge Frau schwanger und das Paar freut sich auf das Baby. Sie ahnen nicht, was auf sie zukommt.

Fausto ist ein sympathischer junger Mann, der sich trotz aller Widrigkeiten, seine Menschlichkeit bewahrt hat. Er unterstützt die alte Madame Mareveaux und den betagten Pfarrer so gut er kann. Unermüdlich versorgt er seine Pflanzen und arbeitet ständig, um das Überleben zu sichern. Die anderen Charaktere bleiben dagegen flach, was ich im Fall von Valérie schade finde. Gern hätte ich mehr über sie erfahren.

Andreas Eschbach beschreibt anschaulich, wie sich die zuerst als besonders schön empfundenen Sommer innerhalb weniger Jahre zu einer fortwährenden Hitzekatastrophe entwickeln. Danach tötet eine weltweite Seuche eine große Zahl an Menschen. Der Autor schildert überzeugend die bedrückende Atmosphäre, die den Überlebenden keine Perspektive bietet. Es wird immer heißer und der Norden ist unerreichbar abgeschottet und zudem überbevölkert. Am Beispiel von Fausto, der als Erzähler fungiert, wird der beschwerliche Alltag, die Ausweglosigkeit des Daseins geschildert. Dieser Teil der Dystopie hat mich gefesselt.

Allerdings finde ich, dass der Liebesgeschichte zu viel Raum gegeben wird. Was die Beziehung und ihre Folgen mit Fausto macht, ist nachvollziehbar. Warum aber erfährt der Leser so wenig über Valéries Empfinden, ihre Vergangenheit und die Ursache ihrer Amnesie? Und was ist mit den Fremden? Woher kommen sie? Warum jetzt und in wessen Auftrag? Worin besteht die Rolle von BioGen? Am Buchende waren noch einige meiner Fragen unbeantwortet, obwohl andere Wendungen wenig überraschten.

„Ins fahle Herz des Sommers“ ist ein spannendes Buch über ein Thema, das uns alle angeht. Zum Stichwort „Gedankenexperiment“ mit dem der Roman beworben wird: Ich als Eschbach-Fan finde, da wurde Potenzial verschenkt.


  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.04.2026

Manchmal ähnelt das Leben Kintsugi

Das letzte Buch von Marceau Miller
0

Der Bestsellerautor Marceau Miller ist tot. Mit 4o Jahren tödlich verunglückt beim Freeclimbing. Oder war es Mord? Der Leser weiß durch den Prolog schon mehr. Aber was ist tatsächlich wahr? Sarah Miller ...

Der Bestsellerautor Marceau Miller ist tot. Mit 4o Jahren tödlich verunglückt beim Freeclimbing. Oder war es Mord? Der Leser weiß durch den Prolog schon mehr. Aber was ist tatsächlich wahr? Sarah Miller glaubt, dass ihr Mann ermordet wurde. Niemand scheint ihre Überzeugung zu teilen. Schon gar nicht der ermittelnde Polizeibeamte Delmas. Aber Sarah lässt nicht locker.

Zunächst scheint alles klar. Marceau wird vermisst und schließlich zerschmettert am Fuß eines steilen Felsens gefunden. Überspannter Schriftsteller stirbt tragisch durch seinen gefährlichen Sport, so der Tenor von Polizei und Freunden. Doch die verzweifelte Sarah kann und will das nicht glauben. Beharrlich sucht sie nach Indizien und geht ihrer Umgebung, vor allem Delmas auf die Nerven. Angeblich hat Marceau ein letztes geheimnisvolles Buch hinterlassen, aber dieses ist spurlos verschwunden. Akribisch verfolgt Sarah jede Spur. Dabei fühlt sie sich mehr und mehr verfolgt. Seltsame Dinge geschehen. Verliert sie langsam den Verstand oder steckt etwas Anderes dahinter? Wem kann sie noch vertrauen? Im Verlauf der Ereignisse gerät ihre Welt immer mehr aus den Fugen. Wie gut kannte sie Marceau eigentlich?

Die Geschichte wird vorwiegend aus der Sicht von Sarah erzählt. So sind ihre Gedanken, Motive und was sie antreibt gut nachvollziehbar. Gelegentlich kommt ihre Freundin und Kollegin Karen zu Wort. Sie ergänzt Sarahs Beschreibungen. Und dann sind da die Erinnerungen und Überlegungen von Marceau selbst, die vor allem die Vergangenheit betreffen.

Entgegen meinen Erwartungen rückt statt des toten Bestsellerautors die Witwe ins Zentrum der Erzählung. Sie ist eine starke, beinahe unbändige Persönlichkeit, die impulsiv handelt und sich nicht einschüchtern lässt. Grundsätzlich habe ich mir etwas schwergetan mit ihr. Voll verständlicher Wut und Trauer poltert sie los. Dabei nimmt sie keinerlei Rücksicht auf ihre trauernden Kinder, die sie egoistisch vernachlässigt. Es klingt an, dass auch zu seinen Lebzeiten, Marceau für die Kinder „zuständig“ war. Jetzt schiebt sie Benjamin und Hermione zu Karen ab. Sarah konzentriert sich auf die Suche nach dem Manuskript, dem sie eine Schlüsselrolle zumisst.

Die anderen Charaktere bleiben ziemlich flach und erscheinen bis zum Ende undurchsichtig. Liegt das daran, dass Sarah sich nie die Mühe gemacht hat, die anderen richtig kennenzulernen? Eigentlich hatte sie nur zu Jade, Marceaus vor Jahren verschwundener Schwester eine echte Verbindung.

Aus meiner Sicht ist die Erzählung mehr ein Spannungsroman als ein Krimi. Was treibt die Menschen an? Warum handeln sie so, wie sie es tun? Warum werden sie zu Verrätern? Kennt man diejenigen, die einem nahestehen wirklich? Diese Fragen werden gestellt, aber nur teilweise beantwortet. Zwar blieb mein Interesse am Fall Marceau Miller immer wach, doch gab es kleine Längen im Mittelteil. Obwohl die Zahl der Protagonisten klein ist, waren Täter und Motiv für mich überraschend, aber logisch passend. Leider bekam die Auflösung für meinen Geschmack etwas zu wenig Raum.

„Das letzte Buch des Marceau Miller“ hat mich gut unterhalten. Es ist flüssig, teilweise „blumig“ geschrieben („Ein Uhu, einsamer Bariton, stimmt eine Arie an“) und punktet mit einer beeindruckenden Naturkulisse. Ein „psychologisches Meisterwerk“ wie es der Verlag nennt, ist es für mich allerdings nicht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.04.2026

Ein mysteriöser Tod in märchenhafter Kulisse

Tod auf Hohenzollern
0

In der St. Michael-Kapelle der Hohenzollernburg wird der Wachmann Basti tot aufgefunden. Die herbeigerufene Polizei geht von einem Unfall aus wie auch die Kollegen des Verstorbenen, der ein Alkoholproblem ...

In der St. Michael-Kapelle der Hohenzollernburg wird der Wachmann Basti tot aufgefunden. Die herbeigerufene Polizei geht von einem Unfall aus wie auch die Kollegen des Verstorbenen, der ein Alkoholproblem hatte. Nur Bastis Freund Wolfgang, einer der Schlossmeister, glaubt an ein Verbrechen. Erst vor wenigen Tagen starb Frank, ein weiteres Mitglied ihrer Clique unter mysteriösen Umständen. Wer hat es auf Wolfgang und seine Freunde abgesehen? Der Schlossmeister ermittelt.

Die Faszination Burg und geliebte Kindheitserinnerungen an die Region haben Yvette Eckstein zu „Tod auf Hohenzollern“ inspiriert. Herausgekommen ist ein spannender Krimi mit vielen Fakten zum berühmten Gemäuer.

Wolfgang Kramer ist überzeugt, Basti wurde ermordet! Was wollte ihm der Freund kurz vor seinem Tod so dringend mitteilen? Da ihm weder die Polizei noch sonst jemand glaubt, beginnt er selbst zu ermitteln. Nur seine Tochter Hannah unterstützt ihn bei seinen Recherchen. Diese fördern einige Ungereimtheiten und Verdachtsmomente zutage. Doch erst nach einem weiteren Todesfall und dem Verschwinden von Hannahs bester Freundin Clara, kommt Bewegung in die Ermittlungen des Vater-Tochter-Gespanns.

Da ich im ehemaligen Hohenzollern lebe, war es klar, dass ich diesen Krimi lesen würde. Auch das ansprechende Cover hat diesen Wunsch unterstützt. Das Setting hat mich überzeugt und die vielen Infos über die Burg, die ich schon besucht habe, sind spannend. Mit der Beschreibung von Land und Leuten, wie bspw. Passagen im schwäbischen Dialekt, kommt das Lokalkolorit bei Frau Eckstein nicht zu kurz. Ihre Sprache ist flüssig und bilderreich. Für den Leser wird die Begeisterung der Autorin für die Region spürbar. Trotzdem bin ich nicht so schnell in die Geschichte eingetaucht wie erwartet. Das lag am anfänglich widersprüchlichen Hauptcharakter. Wolfgang hat ein völlig anderes Bild von Basti als dessen gesamtes Umfeld. Den Rest seiner Clique, mit der er ein düsteres Geheimnis teilt, scheint er nicht richtig zu kennen. Auch zeigt er wenig Empathie, wenn er beispielsweise eine trauernde Witwe ausgerechnet beim Leichenschmaus mit Fragen löchert. Gut, dass ihn Tochter Hannah immer wieder bremst. Überhaupt war mir der Rest der Familie Kramer sympathisch. Bemerkenswert fand ich die Beschreibung der liebenswerten Oma und Mutter Marlies, die mit ihrer beginnenden Demenzerkrankung ringt, und die Reaktionen der Familie darauf.

Schlussendlich wird der Fall gelöst und noch einige Aspekte aus der Vergangenheit geklärt. Eine dramatische Wendung gegen Ende kommt überraschend, erweist sich aber als schlüssig. „Tod auf Hohenzollern“ zeigt sich als spannender Krimi in traumhafter Kulisse. Die Geschichte kommt mit vergleichsweise wenig Gewalt aus. Trotzdem handelt es sich für meinen Geschmack nicht um einen typischen Wohlfühlkrimi, da Humor und Gemütlichkeit eine eher kleine Rolle spielen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere