Reihen-Auftakt mit Magie
Spellbound - Tod eines aufrechten VampirsWie wäre es, an einem magischen Ort zu leben? Zusammen mit Vampiren, Feen und Hexen? Für die junge Anwältin Emma Hart wird diese Vorstellung Realität. Auf der Fahrt zu ihrem nächsten Mandanten gerät sie ...
Wie wäre es, an einem magischen Ort zu leben? Zusammen mit Vampiren, Feen und Hexen? Für die junge Anwältin Emma Hart wird diese Vorstellung Realität. Auf der Fahrt zu ihrem nächsten Mandanten gerät sie an einen abgelegenen See, will einen Selbstmörder retten und findet sich plötzlich in einem Städtchen namens Spellbound wieder. Das Besondere an diesem pittoresken Ort? Hier leben nur übernatürliche Wesen. Doch damit nicht genug, auf der Stadt liegt seit Jahrhunderten ein Fluch, der es scheinbar unmöglich macht, Spellbound wieder zu verlassen.
„Tod eines aufrechten Vampirs“ ist der Auftakt einer Fantasy-Reihe von Annabel Chase.
Der Start ins Buch verläuft zügig. Es macht sehr viel Spaß zu beobachten, wie die ziemlich taffe Emma in Spellbound, der magischen Version einer typischen Kleinstadt, zurechtkommt. Wenig überraschend stellt sich bald heraus, dass Emma kein Mensch, sondern eine Hexe ist. Das erweist sich als weitere Komplikation. Denn jede Junghexe in Spellbound muss die Hexenakademie absolvieren und Emma erinnert sich nur ungern an ihre Highschool-Zeit. Mit der Ausbildung und der unterrichtenden Oberhexe hat sie so ihre Probleme. Aber in der Hexen-Förderklasse findet sie erste Freundinnen.
Emma ist eine intelligente Frau mit starkem Charakter, die versucht, mit allen Schwierigkeiten fertig zu werden. Und das sind nicht wenige. Sie befindet sich plötzlich an einem völlig fremden Ort, mit teilweise bizarren Mitbewohnern von A wie Amazone bis Z wie Zentaur. Daneben hat sie einen neuen Job als Pflichtverteidigerin von Spellbound mit aktuellem Fall und da ist ja noch die Hexenakademie. Emma verfügt über einen trockenen Humor und ein großes Maß an Unerschrockenheit. Ihre kleinen Schwächen, beispielsweise ihre ausgeprägte Flugangst und eine gewisse Verpeiltheit, machen sie sympathisch und verhindern, dass sie zu Superwoman mutiert. Dass sie keine lebenden Verwandten und keine engeren Freunde in der Menschenwelt hat, erleichtert ihr den Umzug nach Spellbound. Der Ort verfügt zudem über ein gewisses Maß an Technik und führt uns nicht zurück ins Mittelalter, wie andere Mystery-Serien. Bei der Beschreibung des magischen Städtchens beweist die Autorin großen Einfallsreichtum und viel Phantasie. Wie gern würde ich mal im „Ready-To-Were“ oder im „Wünschemarkt“ einkaufen. Oder eine Latte mit einer Walküre im „Brew-Ha-Ha“ trinken. Mit Harpyien dagegen eher nicht.
Die Spannung kommt auch nicht zu kurz. Emmas Vorgänger im Amt, Gareth, der namengebende Vampir, wurde ermordet und der örtliche Sheriff-Zentaur Hugo erweist sich als total unfähiger Ermittler. Also beschließt unsere Heldin, den Mord selbst aufzuklären. In ihrem aktuellen Fall des Kobolds Mumford, der verdächtigt wird, ein Dieb zu sein, beginnt sie ebenfalls mit Nachforschungen.
Weitere Protagonisten sind der Hexenzirkel, eine zauberhafte Fee, eine freundliche Gorgone, ein muffiger Eulen-Vertrauter, ein ziemlich widerwärtiges Haustier, Werrudel und ein paar heiße Kerle. Überhaupt interessieren sich Spellbounds Einwohner, speziell der männliche Teil, sehr für die neue Mitbewohnerin. Immerhin ist der letzte Zuzug schon ein paar Jahrhunderte her.
Die anderen Charaktere bleiben noch etwas blass, aber entwicklungsfähig. Auch manche Frage bleibt zunächst offen, z. B. Daniels Geschichte. Der Leser spürt, dass es da noch einiges zu entdecken gibt. Für den ersten Band einer Serie finde ich das nachvollziehbar.
Wenn ich einen kleinen Kritikpunkt habe, dann den eher schwachen Kriminalfall. Der unerwartete Knaller am Schluss macht das aber mehr als wett.
„Tod eines aufrechten Vampirs“ sehe ich als „Urban Fantasy“ kombiniert mit „Cosy Crime“. Ich habe die liebevoll geschriebene Geschichte beinahe in einem Zug gelesen und jede Seite genossen. Der locker-leichte Schreibstil mit Humor und Originalität hat mich überzeugt. Mit Emma hat die Geschichte eine sympathische Hauptfigur, die wir dabei beobachten, wie sie in einer magischen Umgebung klarkommt und dabei noch einen Mordfall löst.
Von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, die dieses Genre lieben. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.