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Veröffentlicht am 26.04.2026

Immerwährender Sommer

Ins fahle Herz des Sommers
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Alle Warnungen der Klimaforscher haben sich bewahrheitet. Innerhalb nur weniger Jahre verändert sich das Wetter massiv. Die herrschende Hitzewelle endet nicht mehr und vernichtet die Ernten. Der Kampf ...

Alle Warnungen der Klimaforscher haben sich bewahrheitet. Innerhalb nur weniger Jahre verändert sich das Wetter massiv. Die herrschende Hitzewelle endet nicht mehr und vernichtet die Ernten. Der Kampf um die Ressourcen, um Wasser und Lebensmittel, beginnt. Dann bricht eine Pandemie aus, die „neue Pest“ und tötet einen großen Teil der Menschheit.

In diesem Setting spielt Andreas Eschbachs neues Buch „Ins fahle Herz des Sommers“. Eine Dystopie, die es in sich hat und den Leser in ihren Bann zieht.

Fausto Tardillon wollte gemeinsam mit seinem Bruder Giuseppe in den Norden fliehen, nach Grönland oder Sibirien, wo die Temperaturen angeblich noch erträglich sind. Damals war das noch möglich. Doch dann starb Giuseppe, erstochen von einem Wahnsinnigen, dem er helfen wollte. Fausto gab seine Flucht nach Norden auf und landete im kleinen Dorf Saint-Aumarec, wo nur noch wenige leben, die alte Madame Mareveaux, Pfarrer Ducreux und die Bauernfamilie Braque, die sich abschottet. Jeder kämpft ums Überleben und Fausto zieht in Vollmondnächten los, um die Umgebung zu erkunden und nach Nutzbarem zu suchen.

Eines Tages taucht eine geheimnisvolle junge Frau, Valérie, auf. Sie scheint die Hitze sehr gut zu vertragen und ernährt sich bevorzugt vom Fruchtfleisch der allgegenwärtigen Kakteen, einer invasiven Art, die überall wächst. Fausto verliebt sich und die beiden jungen Leute ziehen zusammen. Es stellt sich heraus, dass Valérie unter einer partiellen Amnesie leidet. Sie weiß nur wenig über ihre Herkunft und das frühere Leben. Fausto ist glücklich und bereit, seine Freundin zu beschützen. Gegen die Begierde der drei Braque-Söhne und vor den Fremden, die ins Dorf kommen und bleiben. Sie ähneln Valérie frappierend, was Fausto sehr beunruhigt. Doch dann wird die junge Frau schwanger und das Paar freut sich auf das Baby. Sie ahnen nicht, was auf sie zukommt.

Fausto ist ein sympathischer junger Mann, der sich trotz aller Widrigkeiten, seine Menschlichkeit bewahrt hat. Er unterstützt die alte Madame Mareveaux und den betagten Pfarrer so gut er kann. Unermüdlich versorgt er seine Pflanzen und arbeitet ständig, um das Überleben zu sichern. Die anderen Charaktere bleiben dagegen flach, was ich im Fall von Valérie schade finde. Gern hätte ich mehr über sie erfahren.

Andreas Eschbach beschreibt anschaulich, wie sich die zuerst als besonders schön empfundenen Sommer innerhalb weniger Jahre zu einer fortwährenden Hitzekatastrophe entwickeln. Danach tötet eine weltweite Seuche eine große Zahl an Menschen. Der Autor schildert überzeugend die bedrückende Atmosphäre, die den Überlebenden keine Perspektive bietet. Es wird immer heißer und der Norden ist unerreichbar abgeschottet und zudem überbevölkert. Am Beispiel von Fausto, der als Erzähler fungiert, wird der beschwerliche Alltag, die Ausweglosigkeit des Daseins geschildert. Dieser Teil der Dystopie hat mich gefesselt.

Allerdings finde ich, dass der Liebesgeschichte zu viel Raum gegeben wird. Was die Beziehung und ihre Folgen mit Fausto macht, ist nachvollziehbar. Warum aber erfährt der Leser so wenig über Valéries Empfinden, ihre Vergangenheit und die Ursache ihrer Amnesie? Und was ist mit den Fremden? Woher kommen sie? Warum jetzt und in wessen Auftrag? Worin besteht die Rolle von BioGen? Am Buchende waren noch einige meiner Fragen unbeantwortet, obwohl andere Wendungen wenig überraschten.

„Ins fahle Herz des Sommers“ ist ein spannendes Buch über ein Thema, das uns alle angeht. Zum Stichwort „Gedankenexperiment“ mit dem der Roman beworben wird: Ich als Eschbach-Fan finde, da wurde Potenzial verschenkt.


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Veröffentlicht am 20.04.2026

Manchmal ähnelt das Leben Kintsugi

Das letzte Buch von Marceau Miller
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Der Bestsellerautor Marceau Miller ist tot. Mit 4o Jahren tödlich verunglückt beim Freeclimbing. Oder war es Mord? Der Leser weiß durch den Prolog schon mehr. Aber was ist tatsächlich wahr? Sarah Miller ...

Der Bestsellerautor Marceau Miller ist tot. Mit 4o Jahren tödlich verunglückt beim Freeclimbing. Oder war es Mord? Der Leser weiß durch den Prolog schon mehr. Aber was ist tatsächlich wahr? Sarah Miller glaubt, dass ihr Mann ermordet wurde. Niemand scheint ihre Überzeugung zu teilen. Schon gar nicht der ermittelnde Polizeibeamte Delmas. Aber Sarah lässt nicht locker.

Zunächst scheint alles klar. Marceau wird vermisst und schließlich zerschmettert am Fuß eines steilen Felsens gefunden. Überspannter Schriftsteller stirbt tragisch durch seinen gefährlichen Sport, so der Tenor von Polizei und Freunden. Doch die verzweifelte Sarah kann und will das nicht glauben. Beharrlich sucht sie nach Indizien und geht ihrer Umgebung, vor allem Delmas auf die Nerven. Angeblich hat Marceau ein letztes geheimnisvolles Buch hinterlassen, aber dieses ist spurlos verschwunden. Akribisch verfolgt Sarah jede Spur. Dabei fühlt sie sich mehr und mehr verfolgt. Seltsame Dinge geschehen. Verliert sie langsam den Verstand oder steckt etwas Anderes dahinter? Wem kann sie noch vertrauen? Im Verlauf der Ereignisse gerät ihre Welt immer mehr aus den Fugen. Wie gut kannte sie Marceau eigentlich?

Die Geschichte wird vorwiegend aus der Sicht von Sarah erzählt. So sind ihre Gedanken, Motive und was sie antreibt gut nachvollziehbar. Gelegentlich kommt ihre Freundin und Kollegin Karen zu Wort. Sie ergänzt Sarahs Beschreibungen. Und dann sind da die Erinnerungen und Überlegungen von Marceau selbst, die vor allem die Vergangenheit betreffen.

Entgegen meinen Erwartungen rückt statt des toten Bestsellerautors die Witwe ins Zentrum der Erzählung. Sie ist eine starke, beinahe unbändige Persönlichkeit, die impulsiv handelt und sich nicht einschüchtern lässt. Grundsätzlich habe ich mir etwas schwergetan mit ihr. Voll verständlicher Wut und Trauer poltert sie los. Dabei nimmt sie keinerlei Rücksicht auf ihre trauernden Kinder, die sie egoistisch vernachlässigt. Es klingt an, dass auch zu seinen Lebzeiten, Marceau für die Kinder „zuständig“ war. Jetzt schiebt sie Benjamin und Hermione zu Karen ab. Sarah konzentriert sich auf die Suche nach dem Manuskript, dem sie eine Schlüsselrolle zumisst.

Die anderen Charaktere bleiben ziemlich flach und erscheinen bis zum Ende undurchsichtig. Liegt das daran, dass Sarah sich nie die Mühe gemacht hat, die anderen richtig kennenzulernen? Eigentlich hatte sie nur zu Jade, Marceaus vor Jahren verschwundener Schwester eine echte Verbindung.

Aus meiner Sicht ist die Erzählung mehr ein Spannungsroman als ein Krimi. Was treibt die Menschen an? Warum handeln sie so, wie sie es tun? Warum werden sie zu Verrätern? Kennt man diejenigen, die einem nahestehen wirklich? Diese Fragen werden gestellt, aber nur teilweise beantwortet. Zwar blieb mein Interesse am Fall Marceau Miller immer wach, doch gab es kleine Längen im Mittelteil. Obwohl die Zahl der Protagonisten klein ist, waren Täter und Motiv für mich überraschend, aber logisch passend. Leider bekam die Auflösung für meinen Geschmack etwas zu wenig Raum.

„Das letzte Buch des Marceau Miller“ hat mich gut unterhalten. Es ist flüssig, teilweise „blumig“ geschrieben („Ein Uhu, einsamer Bariton, stimmt eine Arie an“) und punktet mit einer beeindruckenden Naturkulisse. Ein „psychologisches Meisterwerk“ wie es der Verlag nennt, ist es für mich allerdings nicht.

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Ein mysteriöser Tod in märchenhafter Kulisse

Tod auf Hohenzollern
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In der St. Michael-Kapelle der Hohenzollernburg wird der Wachmann Basti tot aufgefunden. Die herbeigerufene Polizei geht von einem Unfall aus wie auch die Kollegen des Verstorbenen, der ein Alkoholproblem ...

In der St. Michael-Kapelle der Hohenzollernburg wird der Wachmann Basti tot aufgefunden. Die herbeigerufene Polizei geht von einem Unfall aus wie auch die Kollegen des Verstorbenen, der ein Alkoholproblem hatte. Nur Bastis Freund Wolfgang, einer der Schlossmeister, glaubt an ein Verbrechen. Erst vor wenigen Tagen starb Frank, ein weiteres Mitglied ihrer Clique unter mysteriösen Umständen. Wer hat es auf Wolfgang und seine Freunde abgesehen? Der Schlossmeister ermittelt.

Die Faszination Burg und geliebte Kindheitserinnerungen an die Region haben Yvette Eckstein zu „Tod auf Hohenzollern“ inspiriert. Herausgekommen ist ein spannender Krimi mit vielen Fakten zum berühmten Gemäuer.

Wolfgang Kramer ist überzeugt, Basti wurde ermordet! Was wollte ihm der Freund kurz vor seinem Tod so dringend mitteilen? Da ihm weder die Polizei noch sonst jemand glaubt, beginnt er selbst zu ermitteln. Nur seine Tochter Hannah unterstützt ihn bei seinen Recherchen. Diese fördern einige Ungereimtheiten und Verdachtsmomente zutage. Doch erst nach einem weiteren Todesfall und dem Verschwinden von Hannahs bester Freundin Clara, kommt Bewegung in die Ermittlungen des Vater-Tochter-Gespanns.

Da ich im ehemaligen Hohenzollern lebe, war es klar, dass ich diesen Krimi lesen würde. Auch das ansprechende Cover hat diesen Wunsch unterstützt. Das Setting hat mich überzeugt und die vielen Infos über die Burg, die ich schon besucht habe, sind spannend. Mit der Beschreibung von Land und Leuten, wie bspw. Passagen im schwäbischen Dialekt, kommt das Lokalkolorit bei Frau Eckstein nicht zu kurz. Ihre Sprache ist flüssig und bilderreich. Für den Leser wird die Begeisterung der Autorin für die Region spürbar. Trotzdem bin ich nicht so schnell in die Geschichte eingetaucht wie erwartet. Das lag am anfänglich widersprüchlichen Hauptcharakter. Wolfgang hat ein völlig anderes Bild von Basti als dessen gesamtes Umfeld. Den Rest seiner Clique, mit der er ein düsteres Geheimnis teilt, scheint er nicht richtig zu kennen. Auch zeigt er wenig Empathie, wenn er beispielsweise eine trauernde Witwe ausgerechnet beim Leichenschmaus mit Fragen löchert. Gut, dass ihn Tochter Hannah immer wieder bremst. Überhaupt war mir der Rest der Familie Kramer sympathisch. Bemerkenswert fand ich die Beschreibung der liebenswerten Oma und Mutter Marlies, die mit ihrer beginnenden Demenzerkrankung ringt, und die Reaktionen der Familie darauf.

Schlussendlich wird der Fall gelöst und noch einige Aspekte aus der Vergangenheit geklärt. Eine dramatische Wendung gegen Ende kommt überraschend, erweist sich aber als schlüssig. „Tod auf Hohenzollern“ zeigt sich als spannender Krimi in traumhafter Kulisse. Die Geschichte kommt mit vergleichsweise wenig Gewalt aus. Trotzdem handelt es sich für meinen Geschmack nicht um einen typischen Wohlfühlkrimi, da Humor und Gemütlichkeit eine eher kleine Rolle spielen.

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Veröffentlicht am 09.04.2026

Tödliche Trüffel

Tod im Piemont - Weißer Trüffel, schwarzer Tod
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Sophia ist eine sympathische junge Frau, die im Dorf Corazzo oberhalb des Lago Maggiore ihr Café „Valeria“ betreibt. Sehr erfolgreich, denn sie ist eine talentierte Köchin und noch bessere Bäckerin. Daneben ...

Sophia ist eine sympathische junge Frau, die im Dorf Corazzo oberhalb des Lago Maggiore ihr Café „Valeria“ betreibt. Sehr erfolgreich, denn sie ist eine talentierte Köchin und noch bessere Bäckerin. Daneben beherrscht sie die Kunst des Kaffeesatzlesens. Nach einer schrecklichen Erfahrung mit der Wahrsagerei verzichtet sie weitgehend auf die Ausübung dieses Talents. Doch dann bittet die Marktfrau Anna Sophia um eine Lesung „aus dem Mokka“, da sie eine dringende Frage quält. Doch dazu kommt es nicht mehr. Anna wird tot aufgefunden - ermordet!

Anna Merati lässt ihre Privatschnüfflerin Sophia im zweiten Fall ihrer Cosy - Crime - Reihe „Tod im Piemont - Weißer Trüffel, schwarzer Tod“ erneut in einem Mordfall ermitteln. Obwohl es für mich die erste Tätersuche mit Sophia und ihrem Commissario war, wurde ich spannend unterhalten und habe mich mühelos zurechtgefunden,

Nach einem Todesfall vor drei Monaten lässt sich Sophia nur noch selten „zu einem Mokka“ überreden, was besonders Padre Fabrizio freut, der diese Art von „Ketzerei“ entschieden ablehnt. Für Anna war sie zu einer Ausnahme bereit. Deshalb lässt der Mord Sophia nicht ruhen. Hätte sie der Marktfrau helfen und so das Verbrechen verhindern können? Obwohl sie ihrem Freund Commissario Alessandro versprochen hat, sich dieses Mal nicht in Gefahr zu begeben, mischt sie sich in seinen Fall ein. Die Ermittlungen stagnieren zunächst. Weder Sophia noch die Polizei entdeckt ein Motiv für den Mord an der beliebten Marktfrau. Dann findet Alessandro heraus, dass Anna langsam vergiftet wurde. Hat der Mörder die Geduld verloren und sie deshalb erstickt? Sophia besucht inzwischen ihren Onkel in Alba, der ganz in der Nähe von Annas Verwandtschaft lebt. Hängt alles mit den Trüffeln zusammen, die das Mordopfer auf dem Markt verkaufte?

Das gemütliche Café Valeria mit leckerem Gebäck, starkem Espresso und seiner um Prosecco spielenden Kartenrunde, lädt zum sofortigen Besuch ein. So einladend ist die Atmosphäre dort beschrieben. Das Lokalkolorit punktet stark in diesem Krimi. Mit der traumhaften Landschaft, den delikaten Speisen und den Informationen rund um die begehrten Trüffel. Gern hätte ich gleich meinen Koffer gepackt, so anziehend ist alles beschrieben. Bis auf das gemeine Verbrechen. Aber die bodenständigen Charaktere, allen voran die sympathische Sophia, ihre kesse, kekssüchtige Freundin Laura und der clevere Commissario sorgen dafür, dass im Piemont Mörder hinter Gittern landen. Der Fall wird logisch aufgeklärt und alle Fragen beantwortet. Am Ende hat mich die Identität des Täters überrascht.

Anna Meratis Cosy Crime kommt mit wenig Gewalt aus und bietet gute Unterhaltung zum Abschalten.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Geht wieder ein Frauenmörder auf Amrum um?

Einsames Watt
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Ein ungeklärter Todesfall ruft Kommissar John Benthien nach Amrum. Die Leiche einer jungen Frau wurde mit Verletzungen am Hinterkopf aus der Nordsee geborgen. Noch ist offen, ob Paula Lemmer durch einen ...

Ein ungeklärter Todesfall ruft Kommissar John Benthien nach Amrum. Die Leiche einer jungen Frau wurde mit Verletzungen am Hinterkopf aus der Nordsee geborgen. Noch ist offen, ob Paula Lemmer durch einen Unfall oder ein Verbrechen starb. Bei Benthien werden Erinnerungen an einen zwanzig Jahre zurückliegenden Fall wach. Auch damals kam auf Amrum eine junge Frau, Maren Frahm, gewaltsam zu Tode. Und sein Kollege und Mentor Kommissar Cornelis Litmanen verschwand für immer.

In seinem 12. Fall untersucht John Benthien nicht nur, warum Paula Lemmer starb. Neben dem aktuellen Todesfall beschäftigt ihn der Cold Case von 2005 und setzt eine spannende Ermittlung in Gang. Autorin Nina Ohlandt starb 2020. Seither führt ihr damaliger Lektor Jan F. Wielpütz die Krimireihe um Kommissar Benthien weiter.

Seit seinem Wiedereintritt bei der Flensburger Kriminalpolizei hat John keinen einzigen Fall gelöst. Jetzt beauftragt ihn seine neue Chefin Lilly Velasco mit der Ermittlung im Fall Leemer. Seine Rückkehr nach Amrum wühlt lange von ihm verdrängte Erinnerungen auf. Er stellt sich erneut die Frage, ob er damals Cornelis Litmanen im Stich gelassen hat. Sein Mentor bezweifelte seinerzeit, dass der Fall Frahm gelöst war und der wahre Täter eingesperrt wurde. Die aktuellen Ermittlungen gestalten sich zäh. Die Tote war Meeresarchäologin. Mehrere der Verdächtigen beschäftigen sich mit der Geschichte des Wattenmeers, Rungholt und den Uthlande, oder handeln mit Antiken aus jener Zeit. Hängt der aktuelle Todesfall, der möglicherweise Mord war, damit zusammen?

Obwohl ich ein Fan der Reihe bin, waren mir die privaten Belange und Entwicklungen dieses Mal für einen Krimi zu viel. Eine andere Gewichtung der Themen hätte mir auch mehr entsprochen, also weniger Antikenhandel und die daraus resultierenden Verstrickungen. Dafür mehr Platz für den Cold Case und das aktuelle Verbrechen, deren Aufklärung erst im letzten Drittel an Fahrt gewinnt. Die Ereignisse rund um den Serienmörder nehmen für meinen Geschmack viel Raum ein.

Gefallen hat mir der Rückblick in die Anfangsjahre des jungen Benthien als Polizeibeamter. Ebenso der Ausflug in die Geschichte der Uthlande. Der Krimi wird flüssig erzählt und die Hauptcharaktere sind sympathisch. Letztlich werden die Fälle aufgeklärt und alle Fragen beantwortet. Das Buch endet mit einem ungewöhnlichen Cliffhanger, den ich noch nicht einschätzen kann. „Einsames Watt“ hat mich gut unterhalten, aber es wäre mehr drin gewesen.

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