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Veröffentlicht am 14.04.2026

Nervenaufreibende Charakterstudie

Emily Brontë, Sturmhöhe
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Zum Inhalt:
Wuthering Heights ist ein bekanntes Anwesen inmitten der rauen Moorlandschaft des englischen Yorkshire. Der junge Gentleman Lockwood pachtet das nahegelegene Herrenhaus Thrushcross Grange und ...

Zum Inhalt:
Wuthering Heights ist ein bekanntes Anwesen inmitten der rauen Moorlandschaft des englischen Yorkshire. Der junge Gentleman Lockwood pachtet das nahegelegene Herrenhaus Thrushcross Grange und macht die Bekanntschaft mit dem unangenehmen Verpächter Mr. Heathcliff. Diesen Mann umgibt eine düstere Atmosphäre, die sich seit Generationen aufgebaut hat. Zurück in seinem Herrenhaus lässt Lockwood sich von seiner Haushälterin Mrs. Dean die Geschichte von Wuthering Heights erzählen. Es ist eine Geschichte über eine unglückliche Liebe, toxische Beziehungen und die hässlichen Seiten der menschlichen Natur...

Meine Leseerfahrung:
"Sturmhöhe" von Emily Brontë hatte ich in jungen Jahren bereits gelesen, vielmehr versucht zu lesen und bin kläglich dabei gescheitert. Das Buch gehört zu den anspruchsvolleren Klassikern und sollte mit voller Aufmerksamkeit gelesen werde, die ich früher anscheinend nicht gänzlich aufbringen konnte.

Anreiz für den nächsten Leseversuch war für mich diese wunderschöne Ausgabe aus dem Anaconda Verlag und in gewisser Weise auch die Neuverfilmung, wobei letztere sich gerade mal dem Anfang der Geschichte widmet. Dabei ist diese viel weiter und komplexer zu betrachten, umfasst sie doch mehrere Generationen. Und trotz weitgefasster Zeitlinie und mehrerer Charaktere konnte ich mich mit keiner einzigen Figur aus dem Buch anfreunden. Sie alle sind durch und durch unsympathisch, insbesondere die ersten Hauptfiguren, um die sich die Liebesgeschichte anbahnt. Ich konnte weder mitfühlen noch Hoffnungen hegen, dass sich ein Happy End einstellt, gerade weil sie keine angenehmen Menschen sind.

Je weiter man liest, wünscht man sich, dass diese abstruse Liebesbeziehung ein welch auch immer geartetes Ende nimmt und uns Leserschaft endlich davon erlöst. Andererseits war es interessant, die einzelnen unvollkommenen Charaktere zu studieren und ihre Entwicklung mitzuverfolgen. Besonders die Entwicklung des Tyrannen Heathcliff ist kaum greifbar oder vorhersehbar. Er überrascht oft mit untypischen Handlungen und bleibt dennoch durchweg unsympathisch. Unerträglich ist übrigens dabei, dass der generationenübergreifende Fortgang der Geschichte von Sadismus und Grausamkeit geprägt ist.

Ich sehe "Sturmhöhe" daher nicht als eine Liebesgeschichte an, sondern eine Erzählung über die Unarten der menschlichen Natur. Und damit ist das Buch in vielerlei Hinsicht ungenießbar, aber auch faszinierend zugleich.

Fazit:
"Sturmhöhe" von Emily Brontë ist eine von Rache und Hass geprägte Geschichte, die an Dramatik nicht zu überbieten ist. Keine leichte Kost, aber eine faszinierende Charakterstudie über die gesellschaftlichen Abgründe der damaligen Zeit!

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Historischer Roman mit feministischem Touch

Queen Macbeth
1

Zum Inhalt:
Im mittelalterlichen Schottland ist Queen Macbeth mit ihren drei Gefährtinnen auf der Flucht und versteckt sich in einem abgelegenen Kloster. Während sie um ihr Überleben kämpft, erinnert sie ...

Zum Inhalt:
Im mittelalterlichen Schottland ist Queen Macbeth mit ihren drei Gefährtinnen auf der Flucht und versteckt sich in einem abgelegenen Kloster. Während sie um ihr Überleben kämpft, erinnert sie sich an die Zeit, als sie Macbeth kennenlernte. Sie war die Frau des damaligen Herrschers des Nordens, Gille Coemgain, und konnte ihm keinen Nachwuchs schenken, weswegen sie ihre Existenz bedroht sah. Durch einen ausgeklügelten Plan lockte sie dessen Cousin Macbeth in ihr Bett und ließ sich von ihm schwängern. Doch da wusste sie noch nicht, dass sie sich unsterblich verlieben würde...

Meine Leseerfahrung:
Macbeth aus Shakespeares Sicht dürfte für viele Leser ein Begriff sein. Für mich war das Werk früher bloß Pflichtlektüre im Englischunterricht, bis ich Shakespeare literarisch für mich entdeckt habe. Aber selbst dann hat mich Macbeth nicht dazu bewogen, in der schottischen Geschichte nachzuforschen.

Val McDermid dagegen bietet mit "Queen Macbeth" einen überaus interessanten Blickwinkel zu dieser Geschichte und gibt uns einen noch nie dagewesenes Bild von Lady Macbeth.
Das Buch hat nur 192 Seiten und eignet sich daher sehr gut fürs kurzweilige Lesen. McDermid wechselt bei der Erzählung zwischen Gegenwart und Vergangenheit. In der Gegenwart befindet sich Queen Macbeth auf der Flucht, was zwar spannend ist, sich aber doch eher in die Länge zieht. Viel interessanter sind die Rückblicke in die Vergangenheit, als sie noch Gruoch heißt und mit dem ungehobelten Gille, dem damaligen Herrscher des Nordens, verheiratet ist. Sie ist nicht verliebt in ihn, vielmehr wurde sie ihm als Tauschgut angeboten. Da sie ihm immer noch keinen Nachwuchs schenken konnte, wird es allmählich heikel um ihre Position an der Seite des Königs. In dieser Zeit lernt sie Macbeth kennen, und ab hier werden wir Zeugen einer schnell entflammenden Liebe.

Reine Liebesgeschichten sind absolut nicht meins. Aber McDermid platziert die Romanze inmitten einer historischen Begebenheit und gibt der Frau in dieser Geschichte eine Stimme. Wie wichtig das ist, zeigt sich an der Geschichte selbst. Ich habe das Buch sehr genossen und dabei kenne ich die Thriller von der Autorin noch gar nicht. Der einzige Punkt, der mich hier etwas gestört hat, war das nicht so überzeugende Ende, das womöglich einem Wunschdenken der Autorin entsprungen zu sein scheint.

Fazit:
Val McDermid zeigt mit "Queen Macbeth", dass sie durchaus auch historische Romane mit romantischen Zügen schreiben kann. Ein überaus neuartiger Blickwinkel auf das mittelalterliche Schottland aus der Sicht einer Frau zwischen Gefahren, Pflichten und Verlusten!

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Veröffentlicht am 21.12.2025

Spannender Thriller mit unbehaglicher Atmosphäre

Knochenkälte
1

Zum Inhalt:
Der Forensiker Dr. David Hunter ist auf dem Weg zu einem Auftrag, als er sich verfährt und in einem abgeschiedenen kleinen Dorf namens Edendale in den Cumbrian Mountains landet. Hier sind alle ...

Zum Inhalt:
Der Forensiker Dr. David Hunter ist auf dem Weg zu einem Auftrag, als er sich verfährt und in einem abgeschiedenen kleinen Dorf namens Edendale in den Cumbrian Mountains landet. Hier sind alle sehr unfreundlich zu ihm und lassen es ihn deutlich spüren, dass er unerwünscht ist. Er kommt für eine Nacht in einem unheimlichen, heruntergekommenen Hotel unter. Als er auf der Suche nach einem Handysignal zufällig ein freigelegtes Skelett im Wald findet, möchte er die Polizei verständigen. Doch ein Unwetter hat das Dorf von der Außenwelt abgeschnitten und Hunter muss derweil die Knochenreste so gut es geht absichern. Doch es bleibt nicht nur bei diesem einzigen grausigen Knochenfund...

Meine Leseerfahrung:
Nach "Die Verlorenen" habe ich mich sehr über ein Wiedersehen mit Dr. David Hunter gefreut. Er ist ein einzigartiger Charakter in der Thrillerwelt, hervorragend gezeichnet und hat interessante Ecken und Kanten. In diesem Band wirkt er etwas hilflos, was auch daran liegen mag, dass er ohne Equipment und ohne Strom und Internet in einen undurchsichtigen Fall hineinstolpert und auch sonst kaum Hilfspersonen oder Freunde an seiner Seite hat.

Der Einstieg in die Story ist bereits sehr spannend, doch dann läuft es etwas schleppend. Vor allem ist nach dem ersten Knochenfund erst einmal viel Herumirren im Schnee an der Tagesordnung, das sich ziemlich in die Länge zieht und stellenweise eher langatmig wird. Beckett schafft es durch die atmosphärische Erzählweise, dass man sich unmittelbar in die Situation hineinversetzt fühlt. Da ich aber kein Schnee-Fan bin, wurde es für mich persönlich etwas ermüdend und unangenehm.

Zudem sind einige Erklärungen zu den Todesfällen in der Vergangenheit bei der Auflösung des Falles nicht sehr überzeugend. Vielmehr wirkt die Geschichte eher stark konstruiert und nicht wirklich realitätsnah. Lediglich die spannenden Cliffhanger haben die Spannung des Buches mit viel Mühe aufrechterhalten. Und auch Wendungen am Ende des Buches haben die Story letztendlich gerettet.

Fazit:
Ein etwas ungewöhnlicher Dr. Hunter in einem Dorf voller Geheimnisse, dennoch ein guter solider Thriller für die Wintermonate und für all diejenigen, die den atmosphärischen Erzählstil bevorzugen.

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Veröffentlicht am 02.12.2025

Nette ruhige Geschichte

Ins hohe Gras
1

Zum Inhalt:
Ein kleiner Junge wagt sich mit seinem Teddy Walter hinaus ins hohe Gras weit jenseits des heimischen Gartens. Er trifft auf seltsame Gestalten, erlebt kleine Abenteuer und lernt Einiges über ...

Zum Inhalt:
Ein kleiner Junge wagt sich mit seinem Teddy Walter hinaus ins hohe Gras weit jenseits des heimischen Gartens. Er trifft auf seltsame Gestalten, erlebt kleine Abenteuer und lernt Einiges über Fantasie, Freundschaft und Entscheidungsfreiheit. Während Walter die Vernunft in ihm anspricht, möchte der Junge sich nur von den Regeln der Erwachsenen befreien.

Meine Leseerfahrung:
Trevor Noah ist für mich schon seit der Daily Show ein Begriff. Dass er Stand-Up macht, wusste ich, aber dass er auch Bücher schreibt, ist irgendwie an mir vorbeigezogen. Umso erstaunter war ich über dieses Kinderbuch von ihm.

Die Geschichte wird als eine Fabel für Groß und Klein angepriesen und eignet sich bestens zum Vorlesen.. Ein kleiner Junge, der mit seinem besten Freund, einem Teddybären, von zu Hause wegläuft, um die Welt draußen zu erkunden. Eigentlich lehnt er sich aber gegen seine Mutter auf und möchte sich von den Regeln, die sie tagtäglich aufstellt, befreien. Auf seiner kleinen Abenteuerreise begleitet ihn seine überaus lebhafte Fantasie. Er trifft auf einen Zwerg, auf sprechende Schnecken und Münzen und kämpft gegen ein "Laub-Ungeheuer".

Zu Beginn dachte ich noch, was für eine wundervoll verpackte Geschichte über Mut, Freundschaft und Abenteuerlust. Ich fand die einzelnen Erlebnisse des Jungen dann allerdings recht unspektakulär und wenig einfallsreich, auch wenn sie einzelne Messages beinhalten, die wichtig sind. Meine Erwartungen waren vielleicht viel zu hoch, aber ich hätte mir zumindest eine stärker ausgeprägte und tiefgehende Moral gewünscht, die auch noch nach Beenden des Buches nachhallt.
Ob Kinder den Sinn der Story hier begreifen können, finde ich persönlich eher fraglich. Vielleicht müsste man das Buch oft genug lesen bzw. vorlesen. Meine Jungs (7 und 10) waren jedenfalls nur semi-begeistert, die Illustrationen haben sie dagegen sehr angesprochen.

Fazit:
Eine nette unspektakuläre Geschichte zum Vorlesen, stets bemüht tiefgehende Weisheiten zu säen, aber beschränkt in der Einfachheit.

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Veröffentlicht am 14.11.2025

Cosy Fantasy

Miss Swans zauberhafte Pension für magische Gäste
1

Zum Inhalt:
Sera Swan gehörte mal zu den mächtigsten Hexen des Landes, bis sie einen gefährlichen Auferstehungszauber für ihre Großtante ausführt und zur Strafe ihre Magie verliert. Ohne magische Fähigkeiten ...

Zum Inhalt:
Sera Swan gehörte mal zu den mächtigsten Hexen des Landes, bis sie einen gefährlichen Auferstehungszauber für ihre Großtante ausführt und zur Strafe ihre Magie verliert. Ohne magische Fähigkeiten leitet sie nun eine kleine Pension für Gäste, die speziell sind. Die Pension wird nämlich nur von verwirrten Personen angezogen, die dort eine Zuflucht suchen. Für Andere bleibt sie verborgen. So strandet irgendwann auch der abweisende Historiker Luke mit seiner Schwester dort, immer dazu bereit, wieder abzureisen. Doch zu seiner Überraschung bleibt er in der Pension hängen, schließt mit Sera Freundschaft und hilft ihr sogar, einen Plan zur Wiedererlangung ihrer magischen Kräfte durchzuziehen. Ein gefährliches Unterfangen, bei der die beiden mürrischen Freunde sich näher kommen...


Meine Leseerfahrung:
Den ersten Roman der Autorin mit der Figur Miss Moon fand ich bereits sehr cosy, romantisch und gefühlvoll. Lediglich die zu detaillierten spicy Szenen fand ich deplatziert, weil es einen Umbruch im Erzählstil gab. Das hat Sangu Mandanna diesmal viel eleganter gelöst. Die Geschichte um Sera Swan ist genauso romantisch und emotional, die Lovestory jedoch ist um einiges abgemildert. Der Fokus liegt hier vorrangig bei den Machenschaften in der Hexengilde, aus der Sera wegen des unverzeihlichen Zaubers ausgeschlossen wurde.

Fünfzehn Jahre vergehen, ohne dass Sera ihre Kräfte wiedererlangt. Minimale Zauber kann sie noch wirken, um Pflanzen gedeihen zu lassen beispielsweise. Aber die große Magie bleibt weiterhin verborgen.

Die Geschichte kommt so gut ohne Extreme aus, ein richtiges Wohlfühlbuch, das ein grandioses Bild über Freundschaft, Familie und Loyalität vermittelt. Mir haben ganz besonders die verschiedenen Charaktere, die sich in der Pension eingefunden haben, gefallen. Jeder trägt sein eigenes Päckchen, doch gemeinsam meistern sie alle Umstände. Luke fand ich zunächst ein wenig unscheinbar, doch die Art, wie er sich um seine autistische Schwester kümmert, ist so herzerwärmend, dass man über seine Macken hinweg sieht.

Die zarte Liebesgeschichte, die sich allmählich entwickelt, drängt sich zu keiner Zeit in den Vordergrund, so dass man nicht "nur" einen Liebesroman zu lesen glaubt. Es ist in erster Linie ein märchenhaft erzählter Hexenroman, der perfekt zu der herbstlichen Jahreszeit passt. Für alle, die sich mit einem heißen Kakao und Kuscheldecke auf dem Sofa gemütlich machen und die beginnende herbstliche Stimmung einläuten wollen.

Fazit:
"Miss Swans zauberhafte Pension für magische Gäste" von Sangu Mandanna ist eine supercosy Fantasygeschichte über Hexen, Magie, Freundschaft und Liebe. Perfekt für die kuschelige Herbstzeit!

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