Nervenaufreibende Charakterstudie
Emily Brontë, SturmhöheZum Inhalt:
Wuthering Heights ist ein bekanntes Anwesen inmitten der rauen Moorlandschaft des englischen Yorkshire. Der junge Gentleman Lockwood pachtet das nahegelegene Herrenhaus Thrushcross Grange und ...
Zum Inhalt:
Wuthering Heights ist ein bekanntes Anwesen inmitten der rauen Moorlandschaft des englischen Yorkshire. Der junge Gentleman Lockwood pachtet das nahegelegene Herrenhaus Thrushcross Grange und macht die Bekanntschaft mit dem unangenehmen Verpächter Mr. Heathcliff. Diesen Mann umgibt eine düstere Atmosphäre, die sich seit Generationen aufgebaut hat. Zurück in seinem Herrenhaus lässt Lockwood sich von seiner Haushälterin Mrs. Dean die Geschichte von Wuthering Heights erzählen. Es ist eine Geschichte über eine unglückliche Liebe, toxische Beziehungen und die hässlichen Seiten der menschlichen Natur...
Meine Leseerfahrung:
"Sturmhöhe" von Emily Brontë hatte ich in jungen Jahren bereits gelesen, vielmehr versucht zu lesen und bin kläglich dabei gescheitert. Das Buch gehört zu den anspruchsvolleren Klassikern und sollte mit voller Aufmerksamkeit gelesen werde, die ich früher anscheinend nicht gänzlich aufbringen konnte.
Anreiz für den nächsten Leseversuch war für mich diese wunderschöne Ausgabe aus dem Anaconda Verlag und in gewisser Weise auch die Neuverfilmung, wobei letztere sich gerade mal dem Anfang der Geschichte widmet. Dabei ist diese viel weiter und komplexer zu betrachten, umfasst sie doch mehrere Generationen. Und trotz weitgefasster Zeitlinie und mehrerer Charaktere konnte ich mich mit keiner einzigen Figur aus dem Buch anfreunden. Sie alle sind durch und durch unsympathisch, insbesondere die ersten Hauptfiguren, um die sich die Liebesgeschichte anbahnt. Ich konnte weder mitfühlen noch Hoffnungen hegen, dass sich ein Happy End einstellt, gerade weil sie keine angenehmen Menschen sind.
Je weiter man liest, wünscht man sich, dass diese abstruse Liebesbeziehung ein welch auch immer geartetes Ende nimmt und uns Leserschaft endlich davon erlöst. Andererseits war es interessant, die einzelnen unvollkommenen Charaktere zu studieren und ihre Entwicklung mitzuverfolgen. Besonders die Entwicklung des Tyrannen Heathcliff ist kaum greifbar oder vorhersehbar. Er überrascht oft mit untypischen Handlungen und bleibt dennoch durchweg unsympathisch. Unerträglich ist übrigens dabei, dass der generationenübergreifende Fortgang der Geschichte von Sadismus und Grausamkeit geprägt ist.
Ich sehe "Sturmhöhe" daher nicht als eine Liebesgeschichte an, sondern eine Erzählung über die Unarten der menschlichen Natur. Und damit ist das Buch in vielerlei Hinsicht ungenießbar, aber auch faszinierend zugleich.
Fazit:
"Sturmhöhe" von Emily Brontë ist eine von Rache und Hass geprägte Geschichte, die an Dramatik nicht zu überbieten ist. Keine leichte Kost, aber eine faszinierende Charakterstudie über die gesellschaftlichen Abgründe der damaligen Zeit!