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Veröffentlicht am 16.04.2026

Sehr spannend und äußerst faktenreich

Die Erbin
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Es ist ein wichtiger Tag für Cosima Liefenstein. Heute tritt sie aufs Podium. Vor hunderten Gästen, dem Kanzler und auch dem Bürgermeister von Bonn. Sie verkündet, dass sie eine Stiftung gründen möchte. ...

Es ist ein wichtiger Tag für Cosima Liefenstein. Heute tritt sie aufs Podium. Vor hunderten Gästen, dem Kanzler und auch dem Bürgermeister von Bonn. Sie verkündet, dass sie eine Stiftung gründen möchte. Der Name: Wilhelm Liefenstein. Ihr Zweck? Sie soll Frauen und deren Kindern zur Seite stehen. Frauen, die verwitwet und alleinerziehend sind. Alle weiblichen Opfer des Krieges gehören zu den Betroffenen. Nach ihrer bewegenden Rede merkt sie, dass viele Gäste sich für ihr Projekt interessieren. Doch, was ist das? Ein ihr durchaus bekannter Mann greift ihren Lieblingsonkel an. Nur wenige Tage später wird dieser Mann aufgefunden. Ermordet. Und nicht nur Cosima ist sich sicher, dass sein Tod mit seinem Zusammentreffen mit ihrem Onkel zu tun hat.

„Die Erbin“ ist nicht nur ein überaus spannendes Buch. Es greift Fakten auf, die nach dem Ende des Krieges leider von vielen Menschen verdrängt wurden. So viele Anhänger der NSDAP wollten nichts gewusst haben. Sie bekamen viel zu schnell ihren „Persilschein“ und konnten so weiterleben wie vor dem Krieg. Selbst Aktive waren wieder in verantwortlichen Positionen tätig. Sei es in der Politik oder als Firmeninhaber. Dabei wurden etliche dieser Fabriken von ihnen arisiert. Also für einen unverschämt niedrigen Betrag gekauft. Auch Zwangsarbeiter mussten für sie bis zur Erschöpfung arbeiten und bekamen keinerlei Entschädigungen.

Die hier genannten Fakten sind nur ein kleiner Teil der Themen um die es in dem Buch geht. Cosima Liefenstein weiß gar nichts von den Anfängen der Fabrik ihrer Familie. Sie wuchs weitab von Krieg und Entbehrungen auf und wurde trotzdem keine verwöhnte Erbin. Der Roman ist spannend und aufschlussreich zugleich. Die Autorin hat wieder einmal umfangreich recherchiert. Aus dem Grund mag ich ihre Bücher sehr. Immerhin lerne ich sehr viel über die Vergangenheit. Sie vermittelt mir immer wieder Tatsachen, die ich trotz vieler gelesener Bücher über diese Zeit, nicht kenne.

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Veröffentlicht am 14.04.2026

So spannend kann ein Sachbuch sein

Die letzten Tage der Diktatur
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Sie ist gebürtige Flensburgerin und als sie sich näher mit der Geschichte ihrer Heimatstadt beschäftigte, war sie dann doch erstaunt. Denn es gab etliche Ereignisse, die wohl nur wenigen Menschen bekannt ...

Sie ist gebürtige Flensburgerin und als sie sich näher mit der Geschichte ihrer Heimatstadt beschäftigte, war sie dann doch erstaunt. Denn es gab etliche Ereignisse, die wohl nur wenigen Menschen bekannt sein dürften. Flensburg war nämlich für wenige Tage Regierungssitz Deutschlands. Hitler schrieb vor seinem Selbstmord eine Anordnung, dass Großadmiral Karl Dönitz sein Nachfolger wird. Der nahm seine Aufgabe sehr ernst und agierte so, als sei die Kapitulation nie eingetreten. Er wollte, dass die Pläne Hitlers in die Tat umgesetzt werden. Also der utopische Wunsch eines großdeutschen Reiches stand auch für Dönitz an erster Stelle.

Flensburg war nicht nur Sitz der Interimsregierung Deutschlands. Es war gleichzeitig Sammelbecken von geflüchteten Nazigrößen und Wehrmachtssoldaten. Aber auch Menschen kamen hier an, die aus den Konzentrationslagern gerettet wurden. Fast verhungert und nur noch Haut und Knochen, so wankten sie durch die Straßen Flensburgs. Gleichzeitig suchten die vielen Vertriebenen aus den Ostgebieten hier Unterschlupf. Dass es nie genug Nahrung für alle gab und die Flensburger nicht jedem Ankömmling wohl gesonnen waren, ist verständlich.

"Die letzten Tage der Diktatur" zählt zwar zu den Sachbüchern, ist aber so unterhaltsam geschrieben, dass ich es kaum aus der Hand legen wollte. So vielen bekannten Persönlichkeiten begegnete ich, zum Beispiel Beate Uhse oder Siegfried Unseld, deren Aktivitäten während des Zweiten Weltkriegs ich bisher noch nicht kannte. Die Autorin muss unglaublich viele Archive durchforstet haben, um dieses Werk schreiben zu können. Das Buch wird mit Biographien der Hauptfiguren sowie einer lange Liste an weiterführender Literatur beendet.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Das Buch hat mich bestens unterhalten

Der Tote vom Klünderhof
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Amalia von Platen ist nervös. Ihr Großneffe kommt heute und sollte bereits seit über einer Stunde bei ihr sein. Sie hofft, dass er keinen Unfall hatte. Aber da, es schellt. Schnell eilt sie zur Haustüre ...

Amalia von Platen ist nervös. Ihr Großneffe kommt heute und sollte bereits seit über einer Stunde bei ihr sein. Sie hofft, dass er keinen Unfall hatte. Aber da, es schellt. Schnell eilt sie zur Haustüre und hat ein strahlendes Lächeln im Gesicht. Doch vor ihr steht ein Ehepaar. Die Frau ist sehr aufdringlich und glaubt nicht, dass ihr Gegenüber nicht diejenige ist, zu der sie wollten. Nach einem kurzen und recht aufgeregten Disput rauschen die beiden ab und Amalia wartet weiter. Dass sie schon sehr bald den unsympathischen Leuten wieder begegnet, das hätte sie nicht gedacht.

In "Der Tote vom Klünderhof" ist der junge Tierarzt Constantin von Platen eine der Hauptfiguren. Kaum im Amt, muss er schon mit Vorurteilen klar kommen. Das gilt nicht nur für die Einwohner des Ortes. Auch die Oberkommissarin vertraut ihm nicht. Was also tun? Tante Amalia lässt nicht zu, dass ihr Neffe verdächtigt wird. Und sie wäre nicht eine von Platen, wenn sie keinen Ausweg aus dem Dilemma wüsste.

Das Buch wurde sehr humorvoll und abwechslungsreich geschrieben. Was aber zur besten Unterhaltung beiträgt, das ist der hervorragende Sprecher. Oliver Dupont versteht es, die Figuren lebendig werden zu lassen. Das Hörbuch empfehle ich daher sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 08.04.2026

Das Buch sollte jeder Lesen

Pina fällt aus
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Immer, also wirklich immer, wenn Pina an den Tod denkt, sieht sie Leo vor sich. Wie er mutterseelenallein auf einer Lichtung im Wald steht. Völlig einsam und verlassen. Sie ist überzeugt, dass Leo nicht ...

Immer, also wirklich immer, wenn Pina an den Tod denkt, sieht sie Leo vor sich. Wie er mutterseelenallein auf einer Lichtung im Wald steht. Völlig einsam und verlassen. Sie ist überzeugt, dass Leo nicht ohne sie zurechtkommt. Leo, das ist ihr 20jähriger Sohn. Er ist nicht so wie andere Söhne in dem Alter. Fährt täglich in eine Werkstatt für Behinderte und lebt in seiner eigenen Welt. Nur Pia, so denkt sie, weiß wirklich, was ihm Freude macht. Wie er den Alltag bewältigen kann. Bis sie völlig unerwartet mitten auf einem Zebrastreifen zusammenbricht. Der Einkauf kullert auf die Straße und aufmerksame Zeitgenossen alarmieren den Rettungsdienst. Pina hat einen Magendurchbruch und liegt im Koma. Ob sie wieder gesund wird? Keiner weiß es.

Sie hätte so gerne gesehen, wie Leo an seinem ersten Schultag zur Schule rennt, von einer Party spät nach Hause kommt oder seine Freunde mitbringt. Was für die meisten Eltern selbstverständlich ist, für Pia bleibt es ein Traum. Als Leo klar wird, dass seine „Mutsch“ ihn nicht vom Bus abholt und auch später nicht da ist, begreift er es nicht. Er macht seinem Ärger und seiner Verzweiflung Luft. Die Nachbarn wissen nicht, wie sie ihn beruhigen können. Es sind vier Wohnungen in dem Haus und die Mieter könnten unterschiedlicher nicht sein. Aber alle Parteien sehen die Not Leos und sind sich einig, sie werden den jungen Mann in seinem Elend nicht alleine lassen.

Das Buch behandelt ein wichtiges Thema, das in der Bevölkerung kaum Beachtung findet. Es geht um eine Mutter, die restlos überfordert ist. Völlig alleine bewältigt sie ihren Alltag mit einem Kind, das bis an sein Lebensende unselbstständig sein wird. Ihr geht es dabei so, wie vielen Eltern in ähnlichen Situationen. Sie opfern sich auf und denken dabei nie an sich selbst. Bei Pina kam der Zusammenbruch plötzlich und glücklicherweise kümmerten sich die Nachbarn um Leo. Das ist leider nicht immer so.

Obwohl es ein ernstes Thema ist, musste ich beim Lesen immer wieder herzhaft lachen. Die Autorin verstand es einwandfrei, die Problematik von Eltern behinderter Kinder zu verdeutlichen. Auch wenn der Humor dabei nicht zu kurz kam. Die Schwierigkeiten können nicht verleugnet oder wegdiskutiert werden. Klare Leseempfehlung gibt es von mir.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

Sehr spannender historischer Kriminalroman

Die weiße Nacht
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Lou Faber streift ziellos durch die Gegend. Sie möchte festhalten, wie ihre Heimatstadt Berlin ausschaut. Direkt nach dem Krieg. Mit so vielen zerstörten Häusern. Dieses Leid, was ihr bei jedem Schritt ...

Lou Faber streift ziellos durch die Gegend. Sie möchte festhalten, wie ihre Heimatstadt Berlin ausschaut. Direkt nach dem Krieg. Mit so vielen zerstörten Häusern. Dieses Leid, was ihr bei jedem Schritt vor Augen steht. Gibt es vielleicht sogar noch Vermisste, hier unter den Trümmern? Aber, was ist das? Dort liegt ein langer Gegenstand im Schnee. Als sie sich hinunterbeugt, sieht sie eine Frauenleiche. Die Hände gefaltet. Ihr kommt es vor, als hätte sie jemand aufgebahrt. Wer ist diese Frau und warum liegt sie hier?

"Die weiße Nacht" ist ein Kriminalroman, der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs spielt. Nachdem Lou sich von dem Schrecken erholte, eilt sie sofort zur nächsten Polizeidienststelle. Hier ist alles noch sehr provisorisch. Auch die Polizisten müssen frieren. Kriminalkommissar Alfred König empfängt die junge Fotografin zunächst recht unwirsch. Als er aber sieht, dass sie ihm bei den Ermittlungen tatsächlich helfen kann, wird er freundlicher.

Es bleibt nicht bei einer Leiche und erst mit der Zeit kristallisiert sich ein Motiv für die Morde heraus. Die Spannung bleibt gleichbleibend hoch und erst kurz vor dem Finale ahnte ich die Lösung. Die Sprecherin machte ihre Arbeit ganz hervorragend. Das war mein erster Roman von Anne Stern und ich freue mich auf die nächsten Bücher um Kommissar König und Fotografin Lou.

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