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Veröffentlicht am 03.12.2020

Gelungene Fortsetzung der Saga um Gut Greifenau

Gut Greifenau - Silberstreif
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Für mich ist es bereits der fünfte Teil der Geschichte um die Grafenfamilie und das Gut Greifenau in Hinterpommern, und ich wurde wieder hervorragend unterhalten! Dazu gesagt sei, dass es ratsam ist, die ...

Für mich ist es bereits der fünfte Teil der Geschichte um die Grafenfamilie und das Gut Greifenau in Hinterpommern, und ich wurde wieder hervorragend unterhalten! Dazu gesagt sei, dass es ratsam ist, die Bände 1-4 im Vorfeld zu lesen, um die Handlung tatsächlich vollumfänglich genießen zu können. Nach dem heißersehnten Erscheinen des aktuellen Bandes von Hanna Caspian war es ein bisschen wie nach Hause kommen oder wieder Treffen mit alten Freunden, denn die Figuren dieser Saga sind mir mittlerweile so sehr ans Herz gewachsen. Dies liegt wohl am wunderbaren Schreibstil der Autorin, die jeden einzelnen Charakter, vom Gutsherrn bis zum Küchenmädchen , so detailliert schildert und ausgestaltet hat, dass man meint, alle real zu kennen. Wir befinden uns in diesem fünften Teil in den Jahren 1923-1928, zwar hat man sich ein bisschen von den Kriegsjahren erholt, trotzdem ist der Alltag an manchen Stellen noch immer beschwerlich, viele leiden Hunger und haben unter den Nachwehen der Inflation sehr zu leiden. Wir erfahren dank der hervorragenden Recherche von Hanna Caspian vieles über alltägliche Schwierigkeiten der Protagonisten, sei es, über die Repressalien, denen sich Katharina als studierende Frau auch in dieser Zeit noch immer durch ihre männlichen Kommilitonen und Professoren ausgesetzt sieht, oder Alexander, der mit aller Kraft versucht, seine Homosexualität vor Familie, Freunden und Gesellschaft zu verheimlichen, da er zu recht eine Ächtung befürchtet, stellten doch dementsprechende Neigungen zu dieser Zeit und noch lange danach eine Straftat dar. Wir lesen über die sogenannten Ringvereine, dieser Begriff sagte mir bis dato nichts, eine Art Mafia Vereinigung in Deutschland, ganz nebenbei erfährt man viele Details über deutsche Geschichte, verwoben mit der spannenden Handlung, so geht gute, ja großartige Leseunterhaltung! Ein riesiges Dankeschön an die Autorin! Verziehen sei ihr auch der Cliffhanger, mit dem das Buch endet, so freue ich mich noch mehr auf den finalen Band, der im nächsten Sommer erscheint.

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Veröffentlicht am 06.05.2026

Mal etwas ganz Anderes

Pause
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Mit dem Buch „Pause“ hat Lena Kupke einen Roman verfasst, der irgendwie ganz anders ist als vieles, was ich sonst so lese. Im Mittelpunkt steht Hanna, Mitte 30, eine junge Frau, die irgendwann in der Vergangenheit ...

Mit dem Buch „Pause“ hat Lena Kupke einen Roman verfasst, der irgendwie ganz anders ist als vieles, was ich sonst so lese. Im Mittelpunkt steht Hanna, Mitte 30, eine junge Frau, die irgendwann in der Vergangenheit ihr Elternhaus verlassen und zum Arbeiten nach Berlin gezogen war, wo sie seit vier Jahren mit Paul in einer Beziehung zusammenlebt. Als Hanna bei einer Panikattacke zusammenbricht und in die Notaufnahme kommt, ist es nicht wie zu erwarten wäre, ihr Freund Paul, der sich um sie kümmert, sondern ihre Eltern holen sie ab. Was anfangs als kurzfristige Lösung gedacht war, wird zu einem längeren Abschnitt: Hanna wohnt wieder in ihrem Elternhaus, ganz als wäre sie noch ein Teenager! Sie selbst ist mehrmals täglich hin und her gerissen, ob sie sich dabei wohl fühlt oder nicht, ja von ihren Eltern geradezu genervt ist. Einerseits merkt sie und mit ihr auch der Leser, dass der Alternsunterschied zwischen Hanna und ihren Eltern vieles naturgemäß erschwert, andererseits möchte Hanna sich in die Geborgenheit der Kinderrolle fallen lassen, weil es so einfach erscheint, und ihr derzeit offenbar die Kraft für eine selbstständige Lebensführung zu fehlen scheint. Worunter Hanna eigentlich tatsächlich leidet, hat sich mir als Leser nicht wirklich in Gänze erschlossen, sind es Depressionen, ist es ein Burnout? Zumindest ist sie krank an der Seele, das steht fest. In ihren Eltern und ihrer ebenfalls erwachsenen Schwester Sara findet sie nicht die hilfreichen Gesprächspartner, die sie bräuchte. Die Beziehung zu Paul geht während der räumlichen Trennung in die Brüche, man gewinnt den Eindruck, dass dies längst überfällig war! Was die letztendliche Einordnung und Beurteilung der Thematik psychische Erkrankung angeht, bin ich etwas hin und hergerissen! Zwar habe ich dieses Buch wirklich gerne und schnell gelesen, weil Lena Kupke einen sehr flüssigen und angenehmen Schreibstil hat, aber die Herangehensweise erschien mir manchmal auch etwas auf die Comedy Schiene abgerutscht, u. ich sehe es skeptisch, ob das der Ernsthaftigkeit des Themas gerecht wird, auch wenn es abwechslungsreiche Unterhaltung bietet. Das Ende ist sehr offen gestaltet, aber das passt gut zur Geschichte! Möge jeder sich seine eigene Meinung bilden. Ich werde die Autorin auf jeden Fall im Hinterkopf behalten und würde gerne weitere Bücher von ihr lesen.

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Ein Pfarrer und seine Haushälterin

Mirabellentage
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In ihrem neuesten Roman "Mirabellentage" von Martina Bogdahn steht Anna im Mittelpunkt der Handlung. Die etwa 60jährige Frau war nahezu Zeit ihres Lebens die Haushälterin des Pfarrers Josef in einem kleinen ...

In ihrem neuesten Roman "Mirabellentage" von Martina Bogdahn steht Anna im Mittelpunkt der Handlung. Die etwa 60jährige Frau war nahezu Zeit ihres Lebens die Haushälterin des Pfarrers Josef in einem kleinen bayerischen Dorf. Josef ist nun verstorben, und sein letzter Wunsch, einmal ans Meer zu reisen und dort auch begraben bzw als Asche verstreut zu werden soll offenbar von Anna umgesetzt werden, auch wenn dies eigentlich den katholischen Gepflogenheiten widerspricht, die eine Beerdigung auf dem örtlichen Friedhof vorsähe. In vielen Rückblenden erfahren wir so einiges über Josef und Anna, die sich bereits seit ihrer Kindheit kannten. Ebenfalls eine tragende Rolle spielt der sympathische junge und vor allem neue Pfarrer Fridtjof, der sein Amt schon wenige Tage nach Josefs Tod antritt. Die Autorin beschreibt in flüssigem leichten Schreibstil das Dorfleben, dessen Teil der Pastor und seine Haushälterin sind und waren. Hierbei gibt es viele kleine Anekdoten, die humorvoll erzählt werden, leider übertreibt Martina Bogdahn es hiermit etwas. Sowohl was die Anzahl angeht, der Teil, der in der Vergangenheit spielt, nimmt zu großen Raum ein, als auch die Skurrilität, die stellenweise zu überzogen wirkt. Ich als Leser hätte gerne mehr über die Gegenwart der Protagonistin gelesen und habe eigentlich fast das gesamte Buch über auf die Auflösung am Ende und eine eventuelle Reise Annas ans Meer gewartet. Die Geschichte vermittelt trotz der aufgezeigten Schwächen aber trotzdem ein wunderbares Bild der Geborgenheit, die das Leben in einem Dorf bietet und zeigt, was es bedeutet zu wissen, wo die eigene Heimat ist!

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Humorvolle Story mit Tiefgang

Einatmen. Ausatmen.
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In seinem neuen Roman "Einatmen. Ausatmen" erzählt Maxim Leo eine sehr kurzweilige Geschichte, die viele eingestreute humorvolle Stellen aufweist und damit den Leser gut unterhält! Im Mittelpunkt steht ...

In seinem neuen Roman "Einatmen. Ausatmen" erzählt Maxim Leo eine sehr kurzweilige Geschichte, die viele eingestreute humorvolle Stellen aufweist und damit den Leser gut unterhält! Im Mittelpunkt steht Marlene Buchholz, eine erfolgreiche Managerin, die leider trotz großer Erfolge in ihrem Unternehmen menschliche Defizite in der Mitarbeiterführung aufweist und deshalb von der Führung zu einem sogenannten "Achtsamkeitsseminar" in die brandenburgische Provinz geschickt wird. Dass der Chef der Coaching-Agentur, wo Marlene landet, selbst psychische Probleme hat und unter Panikattacken leidet, macht die Sache nicht gerade besser. Während des Lehrgangs stößt die Protagonistin auf spannende und interessante, kauzige, aber liebenswerte Charaktere, die Maxim Leo alle authentisch skizziert. Die Handlung entwickelt sich anders als man anfangs denken mag: Anstatt an ihrem Managerprofil zu feilen, kommt die Erfolgsfrau nach und nach ins Grübeln, ob das "höher, schneller, weiter" ihres bisherigen Lebens tatsächlich erstrebenswert war und ist! Maxim Leo hat mit sehr viel Humor eine Geschichte mit Tiefgang verfasst, die bei mir noch lange nachhallen wird. Er zeigt uns damit, dass Karriere machen und viel Geld verdienen nicht unbedingt immer die erhoffte Erfüllung im Leben bringt. Die durchaus humorvollen Szenen, in denen der Autor manches extrem überspitzt, wirkt stellenweise etwas überdreht. Außerdem hätte ich mir gewünscht, dass das Buch deutlich länger gewesen wäre, das hätte vielleicht noch mehr Tiefgang in einiges gebracht. Trotzdem haben mich der sehr flüssige Schreibstil und die liebenswerten Charaktere sehr gut unterhalten und kurzweilige Leseunterhaltung beschert!

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Veröffentlicht am 17.03.2026

Vielschichtige Familiengeschichte mit Tiefgang

Real Americans
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Real Americans“ von Rachel Khong ist eine vielschichtige Familiensaga über drei Generationen, die sich für mein Empfinden nicht ganz einfach rezensieren lässt! Der Roman besteht aus drei Abschnitten, in ...

Real Americans“ von Rachel Khong ist eine vielschichtige Familiensaga über drei Generationen, die sich für mein Empfinden nicht ganz einfach rezensieren lässt! Der Roman besteht aus drei Abschnitten, in jedem kommt ein anderes Mitglied zu Wort und erzählt ein Stück der Geschichte aus seiner Perspektive. Zuerst lernen wir Lily kennen, die Tochter chinesischer Einwanderer, beide als Wissenschaftler tätig. Lily lernt Matthew kennen und lieben, Spross eines Pharmaimperiums. Die beiden bekommen einen Sohn, Nick. Die Beziehung der beiden scheitert schnell, u.a. und vor allem aufgrund von ihrer unterschiedlichen sozialen Herkunft. Der zweite Abschnitt wird von Nick erzählt, der lange über die Identität seines Vaters im Unklaren ist, die Mutter Lily ihm verheimlicht. Letztendlich findet er diese über einen Gentest selbst heraus. Im letzten Abschnitt kommt May, Lilys Mutter und Nicks Großmutter zu Wort. Sie wuchs in alles andere als einfachen Umständen im China der Mao-Ära auf, ließ ihre große Liebe zurück, und floh mit einem anderen Mann in die USA, um frei zu leben und wissenschaftlich zu arbeiten. Nach und nach erfahren wir häppchenweise von genetischen Experimenten, Erbgutveränderung und müssen uns auch als Leser mit der Frage auseinandersetzen, was ethisch vertretbar ist, um beispielsweise schwere Krankheiten auszumerzen! Das Buch greift große Themen wie Einwanderung, Rassismus, Assimilation und vieles mehr auf, für mich hätte es durchaus noch länger sein können, weil für meinen Geschmack nicht alle Gedankengänge ausreichend erläutert werden. Die Figuren fand ich zwar authentisch skizziert, doch fehlte es ihnen stellenweise an Tiefe, ich konnte nicht zu allen unbedingte Nähe entwickeln, und sie blieben merkwürdig fremd. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm, und man kommt schnell in die Handlung rein, den starken Sog vom Anfang hält die Autorin leider nicht komplett durch, so dass der Roman durchaus einige Längen aufweist. Trotz dieser Schwächen habe ich das Buch gerne gelesen, und es wird definitiv noch lange nachklingen!

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