Wenn Literatur einfach ausgelöscht wird
Ausradiert?Man sitzt da, liest ein paar Seiten und merkt schnell, das ist kein gemütlicher Literaturplausch, sondern eher so ein gedanklicher Wachrüttler mit Ansage. Carsten Gansel nimmt sich ein Thema vor, das gern ...
Man sitzt da, liest ein paar Seiten und merkt schnell, das ist kein gemütlicher Literaturplausch, sondern eher so ein gedanklicher Wachrüttler mit Ansage. Carsten Gansel nimmt sich ein Thema vor, das gern mal unter den Teppich gekehrt wird, und zieht es einfach gnadenlos wieder hervor. Fand ich erst ein bisschen anstrengend, dann aber ziemlich notwendig.
Spannend ist vor allem dieser Blick darauf, wie schnell ein ganzer literarischer Kosmos nach der Wende quasi aussortiert wurde. Da geht es nicht nur um Bücher, sondern um Biografien, um Stimmen, die plötzlich keiner mehr hören wollte. Beim Lesen kam öfter der Gedanke hoch, wie bequem es eigentlich ist, Dinge einfach in eine Schublade zu stecken und abzuhaken.
Natürlich ist das Ganze nicht immer leicht verdaulich. An manchen Stellen wirkt es ein bisschen wie ein wiederholtes Nachhaken, so nach dem Motto, hast du das jetzt wirklich verstanden. Aber genau das sorgt auch dafür, dass die Argumente hängen bleiben und nicht einfach vorbeirauschen.
Was richtig gut funktioniert, ist dieser Mix aus Analyse und persönlicher Betroffenheit. Das fühlt sich nicht trocken akademisch an, sondern eher wie jemand, der wirklich was loswerden muss. Und genau das macht das Buch am Ende stärker, als ich gedacht hätte.
Unterm Strich kein Wohlfühlbuch, aber eins, das im Kopf bleibt und genau deswegen gelesen werden sollte.