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Veröffentlicht am 18.04.2026

Private Eye in Belfast

Die Bestien von Belfast
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Schon die Vita des Autors würde genügend Stoff für einen Thriller liefern: IRA-Terrorist mit zig Gefängnisaufenthalten und verantwortlich für einen der größten Raubüberfälle der amerikanischen Geschichte, ...

Schon die Vita des Autors würde genügend Stoff für einen Thriller liefern: IRA-Terrorist mit zig Gefängnisaufenthalten und verantwortlich für einen der größten Raubüberfälle der amerikanischen Geschichte, den Überfall bei Brinks, bei dem er und sein Komplize über 7 Millionen Dollar erbeuten. Es folgt wieder Gefängnis, und nach der Entlassung beginnt Millar zu schreiben.

"Die Bestien von Belfast" ist der erste Band der Reihe um den irischen Privatdetektiv Karl Kane. Handlungsort ist, wie bereits der Titel vermuten lässt, die nordirische Hauptstadt Belfast. Und zukünftige Leser seien vorgewarnt: hier sind starke Nerven gefragt!

Bereits der Prolog verlangt dem Leser einiges ab, schildert der Autor doch in direkter und unmissverständlicher Ausdrucksweise die Vergewaltigung einer jungen Frau durch eine Gruppe Jugendlicher. Und der Leser ahnt bereits, dass dieses Verbrechen im weiteren Verlauf der Dreh- und Angelpunkt für einen Rachefeldzug sein wird. Nach zwanzig Jahren taucht im Stadtpark eine männliche Leiche auf und PI Karl Kane soll herausfinden, warum der Mann ermordet wurde. Der Fall wird immer undurchsichtiger, als weitere Männer tot aufgefunden werden und Kane nicht mehr weiß, wem er überhaupt noch trauen kann.

Millars Thriller ist ein klassischer Hardboiler mit einem Protagonisten, der im Laufe seines Lebens schon sehr viel Gewalt gesehen und erlebt hat. Natürlich wird dadurch sein Verhalten beeinflusst, aber er ist trotz allem ein umgänglicher Mensch geblieben, der Gewalt ablehnt. Ganz anders die Kreise, in denen er sich im Zuge seiner Ermittlungen bewegt.

Der Autor beschreibt das Milieu ungeschönt, seine Wortwahl ist drastisch und teilweise recht derb, aber absolut passend und stimmig für diese rabenschwarze Rachegeschichte, in der Gewalt immer Gewalt nach sich zieht. Die Geschichte ist gut geplottet, das Erzähltempo von Anfang an hoch und zieht sich auf diesem Niveau auch bis zum Ende durch. Atmosphärisch dicht, sehr spannend und mit einer sympathischen Hauptfigur – ich freue mich schon auf den zweiten Teil der Serie, die im Oktober unter dem Titel „Die satten Toten“ im Atrium Verlag erscheinen wird.

Veröffentlicht am 18.04.2026

Erinnerungen eines Überlebenden

True Crime
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Auf Sam Millar wurde ich durch die Karl Kane-Reihe aufmerksam und musste feststellen, dass die Lebensgeschichte des nordirischen Autors wesentlich spannender als so mancher Thriller ist. Niedergeschrieben ...

Auf Sam Millar wurde ich durch die Karl Kane-Reihe aufmerksam und musste feststellen, dass die Lebensgeschichte des nordirischen Autors wesentlich spannender als so mancher Thriller ist. Niedergeschrieben hat er diese in seiner Autobiographie „On the brinks“, die unter dem Titel „True Crime“ in deutscher Übersetzung vorliegt.

Geboren 1955 in Belfast, Mutter katholisch, Vater protestantisch. Die Religion an sich spielt keine große Rolle in seinem Leben, aber deren politische Auswirkungen (Nordirland-Konflikt) auf das tägliche Leben in seiner Heimatstadt schon. Die Schule verlässt er zum frühestmöglichen Zeitpunkt und jobbt fortan im Schlachthof. Seine Freizeit verbringt er mit seinen Kumpels in einer Jugendgruppe der IRA. Am 30. Januar 1972 nimmt der Siebzehnjährige an einer Demonstration für Bürgerrechte in Derry teil, die völlig aus dem Ruder läuft, als britische Soldaten in einem katholischen Stadtteil in die Menge schießen und 13 Menschen töten. Die Erlebnisse am „Bloody Sunday“ prägen Sam Millar nachhaltig und radikalisieren ihn.

Seine Beteiligung an Aktionen der IRA bringt ihm 1973 den ersten Gefängnisaufenthalt ein, 1976 folgt der zweite, den er in „Her Majesty’s Prison Maze“, auch Long Kesh genannt, mit einer Vielzahl politischer Gefangener absitzen muss. Er schließt sich den „Blanket Men“ an und überlebt den Hungerstreik von 1981, der zehn Freunde das Leben kostet. Demütigungen, Misshandlungen und Folter sind an der Tagesordnung, Long Kesh ist die Hölle, hier herrschen Zustände wie in Guantanamo – die Gefangenen sind aller Rechte beraubt und werden wie Tiere behandelt.

1983 werden die Proteste eingestellt und ein Ausbruch vorbereitet, bei dem schlussendlich 38 Mithäftlingen die Flucht gelingt. Im gleichen Jahr wird Sam Millar entlassen und reist 1984 mit der Hilfe seines Freundes Tom über Kanada in die USA ein. Er verschafft sich eine falsche Identität und fängt an, sich ein neues Leben aufzubauen. Es sind die verschiedensten Jobs, legal und illegal, die er ausübt, und die ihm den Lebensunterhalt sichern.

Bis er eines Tages seinen Kumpel Tom auf der Arbeit besucht – und dieser arbeitet bei Brinks, dem Unternehmen, das Geldbeträge in unglaublicher Höhe befördert. Die Sicherheitsvorkehrungen der Firma sind mangelhaft, was Millar sofort registriert. Und so reift der Plan, der im Januar 1993 mit dem Raub mehrerer Millionen Dollar endet. Aber lange können sich Sam und seine Komplizen nicht an dem Geld freuen, denn das FBI ermittelt fix und verhaftet ihn im November des gleichen Jahres. Allerdings kann man ihm den Raub nicht zweifelsfrei nachweisen, und so geht er „nur“ für den Besitz des Geldes ins Gefängnis, wobei er einen Teil der fünfjährigen Haftstrafe in den USA, und den Rest in Belfast verbüßt. 1997 wird er entlassen, baut sich dann eine Existenz als Schriftsteller auf und wurde mittlerweile mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Im Innersten berührt haben mich vor allem die Beschreibungen seiner Jahre in Long Kesh. Ich bin gleichaltrig und erinnere mich noch gut an die Berichterstattung in den Medien, die Mitglieder und Sympathisanten der IRA als skrupellose Kriminelle bezeichneten, aber kein Wort über das Verhalten der britischen Truppen in Nordirland verlauten ließen. Und über die Haftbedingungen in „Her Majesty’s Prison“ wurde schon überhaupt nicht berichtet.

Ich habe große Hochachtung vor Sam Millar, den das Ausgeliefertsein, die bitteren Erfahrungen, die er damals machen musste, nicht gebrochen haben. Er hat überlebt und ist Mensch geblieben, sensibel, wenn Unrecht geschieht, aber auch zornig gegenüber jenen, die ihre Ideale für einen politischen Posten verkauft haben. Militant ist er nur noch im übertragenen Sinn, denn mittlerweile sind Worte seine stärksten Waffen, auch wenn er dafür regelmäßig in den Facebook-Knast verbannt wird.

Veröffentlicht am 09.02.2026

Aktuelle politische Themen, spannend aufbereitet

Repair Club – Der Countdown läuft
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Mit Spionagethrillern ist das so eine Sache. Wenn Könner wie John le Carré und oder Mick Herron am Werk sind, lese ich sie am liebsten in einem Rutsch, wirken sie realitätsfern und simpel konstruiert, ...

Mit Spionagethrillern ist das so eine Sache. Wenn Könner wie John le Carré und oder Mick Herron am Werk sind, lese ich sie am liebsten in einem Rutsch, wirken sie realitätsfern und simpel konstruiert, fehlt mir meist der lange Atem, um bis zum Ende durchzuhalten. Glücklicherweise vereinen die Repair Club Bände des niederländischen Autors Charles den Tex das Beste aus den beiden Welten der obengenannten Autoren, nämlich den komplexen und kenntnisreichen Plot eines le Carré, garniert mit der beißenden Ironie Herrons, ohne dabei das politische Tagesgeschehen außen vor zu lassen.

Wie bereits im Vorgänger muss sich John Antink, Geheimagent im Ruhestand, auch in „Der Countdown läuft“, Band 2 der Repair Club Reihe, mit einem Ereignis aus seiner Vergangenheit auseinandersetzen. Bei einem Reparatureinsatz des Clubs kommt ein ihm unbekannter Mann auf ihn zu, zeigt ihm das Foto einer Frauenleiche in einer Wüstenlandschaft und startet gleichzeitig einen Timer mit der Aufforderung, er möge das, was er sieht, reparieren, nämlich den Todesschützen ausfindig machen. Antink war damals dabei, kann sich aber beim besten Willen nur noch undeutlich an die Situation erinnern, hat diese ihn doch damals schwer traumatisiert. Aber wer ist der Unbekannten, der diese Forderung an ihn stellt? Und was ist sein Motiv? Aber die Uhr läuft, und so aktiviert Antink alte Kontakte, um dieses Rätsel innerhalb der ihm zugestandenen Zwei-Wochen-Frist zu lösen.

Ja, natürlich sind die Ereignisse in diesem Thriller fiktional, aber so oder so ähnlich sind mit Sicherheit zahlreiche afghanische Ortskräfte, die die internationalen ISAF Truppen unterstützten, nach Abzug der Truppen zu Tode gekommen oder müssen auch aktuell noch um ihr Leben fürchten, da der Westen, in diesem Fall die Niederlande, sich nicht für deren Schutz verantwortlich fühlten und fühlen.

Ein komplexer, spannender Agententhriller, der tief in der politischen Realität verankert ist, mit einem glaubhaften Plot und einem sympathischen Protagonisten, für den Moral kein Fremdwort ist. Lesen!

Band 3 der Reihe mit dem Titel “Der vergessene Spion“ erscheint Ende 05/2026.

Veröffentlicht am 05.02.2026

Ein Kochbuch, das die Zeit überdauern wird

Ich lieb's
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Seit vielen Jahren haben die Kochbücher von Alexander Herrmann ihren festen Platz in unseren Regalen (von ihm haben wir u.a. gelernt, wie man ein Steak auf den Punkt zubereitet).Ob es nun um „Geschmacksgeheimnisse“ ...

Seit vielen Jahren haben die Kochbücher von Alexander Herrmann ihren festen Platz in unseren Regalen (von ihm haben wir u.a. gelernt, wie man ein Steak auf den Punkt zubereitet).Ob es nun um „Geschmacksgeheimnisse“ oder „Weil’s einfach gesünder ist“, schlussendlich zählt auf dem Teller doch nur, und hier wird mir jede/r Hobbyköchin/Hobbykoch zustimmen, das Ergebnis bei der Frage nach dem Warum: „Weil’s einfach besser ist“. Die Rezepte des fränkischen Sterne- und Fernsehkochs haben die Zeit überdauert, weil er seinem Credo treu geblieben ist, sich unsinnigen Trends verweigert und uns über die Jahre mit Rezepten versorgt hat, die Emotion, Perfektion und Persönlichkeit in sich vereinen.

„Ich lieb’s“ ist, fast könnte man schon plakativ sagen, die Quintessenz eines Kochlebens, findet man darin doch auch viele seiner „Heimatklassiker“ wieder (teilweise bereits in einem seiner anderen Kochbücher zu finden, was allerdings keinen Makel darstellt), deren Rezepte meist nur noch in Schulkochbüchern zu finden sind: Frikadellen und Frikassee in verschiedenen Variationen, Böfflamot und Oma Hertas Rindsrouladen. Jedes Rezept mit dem Herrmann‘schen Twist ganz gleich ob Zutaten oder Zubereitung, der das Endergebnis auf dem Teller zu etwas Besonderem macht.

Die 120 Lieblingsrezepte und Geschmacksgeheimnisse sind auf 251 Seiten in 7 Kapiteln verteilt und werden durch das alphabetisch geordnete, vierseitige Zutatenregister ergänzt, in dem gleichzeitig auch die dazugehörigen Rezepte zu finden sind: Salate & Tatar, Gemüse-Life-Hacks, Pasta & Risotto, Fisch & Ceviche, Geflügel & Fleisch, Fleischpflanzerl, Klopse & Schnitzel sowie Schokoladig & Süß. Dazu kommen jede Menge Tipps für Geschmacksgeheimnisse und Kitchenhacks, die für die Geling-Garantie sorgen. Bebildert sind die Rezepte mit ansprechenden Fotos, die einem schon allein beim Anschauen das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.

Die Zutaten sind, mit Ausnahme der Fische, in jedem gut sortierten Supermarkt erhältlich, der Zeitaufwand ist bei den meisten Rezepten überschaubar, setzt aber bei einigen ein gewisses Maß an Küchen-/Kocherfahrung voraus.

Ein Kochbuch, das die Zeit überdauern wird. Nachdrücklich sowohl Anfängern als auch Fortgeschrittenen empfohlen

Veröffentlicht am 05.02.2026

Von der Eierspeis‘ bis zum Ribiselschaumkuchen

Wiener Küche
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Kräftige Rindssuppe mit Frittaten, danach zarter Tafelspitz mit Kren und zum Abschluss Palatschinken mit Marillenmarmelade. Ein klassisches Sonntagsessen, wie es gerne in Wien auf den Tisch kommt.

Ihr ...

Kräftige Rindssuppe mit Frittaten, danach zarter Tafelspitz mit Kren und zum Abschluss Palatschinken mit Marillenmarmelade. Ein klassisches Sonntagsessen, wie es gerne in Wien auf den Tisch kommt.

Ihr liebt Österreich und seine Hauptstadt? Mögt ehrliche, bodenständige Gerichte, gerne auch mit einem unerwarteten Twist? Dann ist die Neuauflage von Susanne Zimmels „Wiener Küche“, genau das, was ihr sucht, denn hier findet ihr Hintergrund-Informationen zur kulinarischen Tradition und Wiener Lebensart und natürlich - wie es sich für ein Kochbuch gehört – auch die Rezepte für die Gerichte, die wir mit der Stadt der Fiaker und des Praters in Verbindung bringen und die die meisten von uns kennen. Viele davon klassisch, aber auch das eine oder andere in der Rezeptur behutsam und stimmig angepasst.

Bei der Rezeptauswahl folgt die Autorin der klassischen Menü-Einteilung: Frühstück und Jause (knapp gehalten, mit Schwerpunkt Eierspeisen), Suppen (von der Rindssuppe bis zu den verschiedenen Einlagen), Hauptspeisen (vom Kalbstafelspitz bis zum Paprikahendl), Beilagen und Salate (alles über Knödel, Nockerl, Erdäpfel und Fisiolen, aber auch Zwetschken und Marillen) sowie Mehlspeisen und Süßes (Buchteln, Striezel und Strudel). Ergänzt wird dies mit höchst interessanten Informationen zu den kulturhistorischen Hintergründen der Zutaten, detaillierter Warenkunde sowie wunderschön illustrierten Impressionen der Donaumetropole.

Eine kulinarische Reise nach Wien und eine umfangreiche Rezeptsammlung, die keine Wünsche offenlässt. Präsentiert in hochwertiger Ausstattung, die alle Sinne anspricht und in keinem Kochbuch-Regal fehlen sollte.