Mörderquote
Blind Date im HeuRevierinspektorin Marie Unterholzer freut sich auf den Jakobsweg. Morgen soll die Pilgerreise beginnen und ihr Rucksack ist gepackt. Doch daraus wird nichts, denn in Marienschlag ruht das Verbrechen nie. ...
Revierinspektorin Marie Unterholzer freut sich auf den Jakobsweg. Morgen soll die Pilgerreise beginnen und ihr Rucksack ist gepackt. Doch daraus wird nichts, denn in Marienschlag ruht das Verbrechen nie. Zum Auftakt der neuen trashigen Kuppelshow „Blind Date im Heu“, die ausgerechnet in Maries Heimatdorf stattfindet, gibt, es einen Toten. Einer der „Stadl-Prinzen“, wie die liebeshungrigen Mitspieler genannt werden, bricht vor laufender Kamera tot zusammen. Ermitteln statt pilgern ist für Marie angesagt.
Herbert Hirschler nimmt den Leser in "Blind Date im Heu" zum zweiten Mal ins malerische Alpenvorland mit. Herausgekommen ist eine originelle Krimi-Komödie für alle, die schwarzen Humor und österreichisches Flair schätzen.
Obwohl der Marienschlager Arzt Dr. Speckhammer einen Herzinfarkt diagnostiziert, wird der Tod von Ewald Schachinger, dem zweifachen Landesmeister im Bodybuilding, als verdächtig eingestuft. Marie ermittelt im Dorf und bei den Fernsehleuten. Doch anscheinend hatte niemand ein Motiv, den Ewald zu ermorden. Während die Ermittlungen noch andauern, wird die alte Bäuerin Dorothea Flonner tot in ihrem Kuhstall gefunden. Auch sie starb durch eine Gewalttat. Als noch ein weiteres Mordopfer im Umfeld der Kuppelshow auftaucht, schlägt die Stunde des LKA.
Die sympathische Marie ist eine engagierte Polizistin, die geradlinig und durchsetzungsfähig ermittelt. Sie kann sich auf ihr Bauchgefühl verlassen und ruht nicht, bevor ein Verbrechen aufgeklärt ist. Als eine gute Freundin unter Verdacht gerät, lässt sie sich nicht beirren. Computer-Nerd Tobi und die gelangweilte Künstlergattin Janine unterstützen Marie tatkräftig. Auch die anderen Charaktere sind bodenständig und überzeugen.
Mit seinem neuen Fall nimmt der Autor das Reality-TV-Genre ins Visier. In kurzen Kapiteln erfahren wir, wie mit jedem weiteren Toten die Quoten durch die Decke schießen. Die Fernsehleute verhalten sich nur vermeintlich pietätvoll. Sie geben alles für höhere Einschaltzahlen. Da fließt der Alkohol in Strömen, Schnulzen und Flachwitze sorgen für Stimmung und selbst die privateste Szene wird vor die Kamera gezerrt und live dem voyeuristischen Zuschauer präsentiert. Alles bestürzend nah an der Realität.
Herbert Hirschler schildert das Geschehen so bildhaft und glaubwürdig, da steckt garantiert Insiderwissen dahinter. So kommt es zu teilweise entlarvenden aber auch witzigen Szenen, ohne dass die Geschichte in Klamauk ausartet. Der Kriminalfall wird dabei nicht vernachlässigt und der Spannungsbogen hält bis zuletzt. Nicht nur Maries Chef Hans Schlurf sieht sich mit mehr als einem Tatverdächtigen konfrontiert. Schließlich wird der Fall aufgeklärt, ohne dass ich dem Täter auf die Spur gekommen bin. Die Einteilung nach Wochentagen und die kurzen Kapitel passen gut, allerdings fand ich manche Info zu knapp. So blieben ein, zwei Fragen am Ende offen. Insgesamt ist der Krimi unterhaltsam und witzig. Für Liebhaber von Cosy Crime mit österreichischem Alpenflair und Trash-TV kritischen Untertönen unbedingt empfehlenswert.
Das Glossar am Buchende hilft allen, die mit dem Dialekt Probleme haben. Ein Hinweis darauf wäre am Krimistart sinnvoll.