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Veröffentlicht am 21.03.2018

Tennessee 1871

Wer sein Herz riskiert
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Von der amerikanischen Autorin Tamara Alexander habe ich bereits den Roman "Rebekkas Melodie", der ebenfalls im Francke Verlag erschienen ist, gelesen. Dieses Buch war eines meiner Jahres-Highlights im ...

Von der amerikanischen Autorin Tamara Alexander habe ich bereits den Roman "Rebekkas Melodie", der ebenfalls im Francke Verlag erschienen ist, gelesen. Dieses Buch war eines meiner Jahres-Highlights im letzten Jahr. Umso gespannter war ich auf den neuen Roman der Autorin.

In "Wer sein Herz riskiert" hat Tamara Alexander neben den gewohnten christlichen und musischen Themen, auch den Ausbau der Eisenbahn in den Süden der USA thematisiert.
Wir sind im Jahr 1871 und ein Jahr zuvor gab es in Nashville, Tennessee, ein furchtbares Zugunglück. Die 25-jährige Alexandra Jamison hat dabei ihren Verlobten David verloren. Nach dem Trauerjahr setzt Alexandras Vater seine Tochter unter Druck sich endlich zu verheiraten. Doch Alexandra möchte den gemeinsamen Traum von David und ihr erfüllen und unterrichten. Sie will Lehrerin werden und nicht heiraten. Deswegen bewirbt sie sich an der Fisk University, die freien Schwarzen die Möglichkeit bietet lesen und schreiben zu lernen oder sich weiter fortzubilden. Als sie ihrem Vater davon erzählt, stellt er ihr ein Ultimatum: Entweder die Heirat mit einem älteren Herrn, den ihr Vater bereits ausgesucht hat oder das Elternhaus ohne ihre Besitztümer zu verlassen. Alexandra weigert sich und geht. Doch wohin soll sie nun?
Da begegnet sie Sylas Rutledge, der vor ein paar Tagen bei ihrem Vater im Büro war. Dem Mann gehört die Northeast Line Railroad, eine Eisenbahnlinie, die er gerne erweitern möchte. Sie soll bis zur Belle Meade Plantage ausgebaut werden. Für seine Bewerbung hat er den weiten Weg von Colorado nach Nashville auf sich genommen. Doch Sylas hat nicht nur den Wunsch seine Eisenbahnlinie zu vergrößern, sondern er hat ein Geheimnis, das mit dem Unglück vor einem Jahr zusammenhängt....

Der Einstieg ist mir wunderbar gelungen und ich war sofort von der Geschichte gefesselt. Ich konnte Alexandras Trauer spüren und ihr Entsetzen, als ihr Vater von ihr verlangt das Haus zu verlassen und er jeden Kontakt zu ihr abbricht. Seine Abneigung gegen Schwarze und seine Stellung scheinen ihm wichtiger zu sein, als die Zukunft seiner Tochter.
Mit dem geheimnisvollen und ungehobelten Sylas Ruthledge lernt Alexandra einen Mann kennen, der auf der einen Seite sehr hilfsbereit ist, aber auch ein größeres Geheimnis zu haben scheint.
Beide Figuren haben Ecken und Kanten, sind sympathisch und wurden sehr authentisch beschrieben. Ich konnte mir sowohl Alexandra, als auch Sylas wunderbar vorstellen. Aber auch alle Nebenfiguren wurden sehr lebendig beschrieben, besonders Mr. White, der Direktor der Fisk University, und Ella, Alexandras Zimmergenossin.

Es war sehr interessant zu erfahren, wie zu dieser Zeit das Land erkundet und wie die Eisenbahnlinien ausgebaut wurden. Diese wurden nicht, wie heute bei uns üblich vom Staat gebaut, sondern von Privatmenschen/Unternehmern. Um jeden Abschnitt wurde verhandelt und gefeilscht....nicht immer mit rechten Mitteln. Auch die Sicherheit steckt hier noch in den Kinderschuhen.
Aber auch der Rassismus wird hier sehr direkt angesprochen. Auch nach der Freilassung der Sklaven haben sie in vielen Regionen und Städten keinerlei Rechte. Besonders in den Südstaaten ist die Diskriminerung noch sehr groß.

Die perfekte historische Rechereche der Autorin von Geschichten und Personen, verbunden mit einer eigenen fiktiven Geschichte, machen die Romane von Tamara Alexander zu etwas ganz Besonderem. Von der Fisk-Universität und ihrem international bekannten Chor, den Jubilee Singers, über den Hymnenschreiber Philip Bliss bis zu den vorherrschenden Vorurteilen dieser Zeit, ist dieser Roman reich an historischen Details. Besonders gut gefällt mir die musische Komponente, die ich schon bei "Rebekkas Melodie" so grandios fand.

Ich fand es allerdings schade, dass die Liebesgeschichte so sehr im Vordergrund stand und interessante Themen, die die Autorin aufgegriffen hatte, mit wenigen Sätzen abgehandelt wurden. Hier hätte ich mir mehr Hintergrund und Spannung gewünscht. Besonders als es um die Vergabe des Auftrages betreffend der Eisenbahnlinie und um die Hintergründe des Unglücksfalles ging. Aber auch zu den Jubilee Singers hätte ich gerne noch mehr Einzelheiten erfahren.

Leider habe ich erst zu spät bemerkt, dass "Wer sein Herz riskiert" der dritte Band der Belle Meade Plantagen Reihe ist. Ich hatte allerdings keine Probleme, da jedes Buch der Reihe vollkommen eigenständig ist.

Schreibstil:
Tamara Alexander hat einen wunderbaren einfühlsamen und warmherzigen Schreibstil. Sie schreibt sehr lebendig, recherchiert ganz hervorragend zu ihren Themen und bringt diese dem Leser sehr authentisch näher. Die Dialoge zwischen Alexandra und Sylas sind mit viel Humor gespickt. Die Autorin hat ihre Botschaften und christlichen Werte in die Geschichte miteingebracht.


Fazit :
Auch dieser Roman der Autorin hat mir wieder sehr gut gefallen, auch wenn mir die Liebesgeschichte zu viel Platz eingenommen hat. Gerne hätte ich noch ein paar mehr Hintergründe zum Eisenbahnunglück oder den Jubilee Singers gelesen. Deshalb diesmal "nur" 4 Sterne.

Veröffentlicht am 10.03.2018

Die Geschichte Hoseas

Die Liebe ist stark
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Die ersten Seiten sind nicht wirklich leicht zu lesen, da sie ziemlich zu Herzen gehen. Die kleine Sarah erfährt bereits in ihren jungen Jahren nur Ablehnung. Ihre Mutter ist eine sehr schwache Frau, die ...

Die ersten Seiten sind nicht wirklich leicht zu lesen, da sie ziemlich zu Herzen gehen. Die kleine Sarah erfährt bereits in ihren jungen Jahren nur Ablehnung. Ihre Mutter ist eine sehr schwache Frau, die sich in einem verheirateten Mann verliebte und mit Sarah schwanger wurde. Ihr Vater lehnt das Mädchen allerdings ab und verlässt später auch seine Geliebte, die nicht über die Trennung hinwegkommt. Als Sarahs Mutter stirbt, verkauft sie ihr Lebensgefährte an einem Bordellbesitzer. Das kleine Mädchen ist erst 8 Jahre alt, als dieser sie misshandelt und missbraucht. Dieser Prolog hat mich wirklich ziemlich mitgenommen....
Danach blendet die Autorin ins Jahr 1850. Zehn Jahre sind vergangen und aus Sarah wurde "Angel". Sie ist die schönste und begehrteste Prostituierte weit und breit. Der Goldrausch führt viele abenteuerlustige Männer nach Kalifornien, so auch Michael Hosea. Der gottesfürchtige Farmer hat seine Schwester auf dem Weg in den Westen verloren und versucht auf seiner kleiner Farm Lebensmittel anzubauen, die er in der nächsten größeren Stadt verkauft. Dort begegnet er Angel, die mit ihrem Leibwächter spazieren geht. Michael will sie auf der Stelle heiraten, auch als er erfährt, dass diese wunderschöne Frau die begehrteste Prostituierte der Stadt ist. Er sucht sie im Bodell auf, rührt sie aber nicht an und kauft sie frei. Angel lehnt zuerst ab, doch Michael bleibt hartnäckig und holt sie zu sich auf die Farm. Doch Angel hat zu keinem Mann Vertrauen und glaubt nicht an die Liebe. Mit viel Geduld und Gottvertrauen versucht Michael Zugang zu Angel zu finden. Doch erst durch die Bekanntschaft zur Familie Altmann, erfährt Angel langsam, was echte Zuneigung bedeutet und wie ein normales Familienleben aussehen kann.

Angels innere Leere und Hoffnungslosigkeit, ihre Abgestumpftheit, die sie sich zwangsläufig zulegen musste, um überhaupt überleben zu können, wird sehr gefühlvoll erzählt. Die Kapitel rund um die Prostitution und das erbarmungswürdige Leben der Frauen, die sich in der Spirale von Gewalt und Abhängigkeit befinden, wird sehr gut beschrieben. Hier wird nichts beschönigt. Das Leben rund um den Goldrausch und die Ansiedlung im Westen der USA wird spannend erzählt und ergibt einen interessanten Konsens.
Die christliche Komponente nimmt einen großen Teil ein. Michael führt immer wieder Zwiesprache mit Gott und versucht Angel seinen Glauben näher zu bringen. Man leidet mit Angel mit. Die Dämonen der Vergangenheit lassen sich nicht so schnell vertreiben, wie Michael sich das wünscht. Angel vetraut niemanden und kommt ihrer Meinung gut damit zurecht. Immer wieder bricht sie aus und verlässt Michael. Bis sie sich eines besseren besinnt, dauert es sehr lange. Diese Wandlung hat die Autorin gekonnt vermittelt. Trotzdem war mir der Roman an manchen Stellen zu kitschig - vorallem zum Ende hin.

"Pretty Woman" zur Zeit des Goldrausches mit vielen christlichen Weisheiten, die die Autorin geschickt in die mitreißende Geschichte gepackt hat. Wie das geht? Lest selbst!

Schreibstil:
Francines Rivers Roman "Die Liebe ist stark" ist ihr erster christlicher Roman, dem weitere folgten. Der Schreibstil ist eher einfach, aber flüssig und emotional. Die Autorin schreibt sehr dialoglastig. Die Geschichte lässt sich wunderbar lesen und man fiebert mit Angel und Michael mit. Einige Passagen waren mir zu klischeehaft, die Figuren oft zu sehr schwarz-weiß gemalt.

Fazit:
Ein intensiver historischer Roman über den Goldrausch, Prostition und den Glauben an Gott. Sehr emotional (vorallem zu Beginn sehr berührend), spannend, aber auch etwas zu schwarz-weiß gemalt.

Veröffentlicht am 10.03.2018

Leider noch immer Realität

Samy
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Zdenka Becker hat einen wahren, sehr ähnlichen Fall, als Grundgerüst für ihr neues Buch "Samy" angewendet. Diese Aussage hat mich umso betroffener gemacht, denn in diesem Roman geht es um Rassismus in ...

Zdenka Becker hat einen wahren, sehr ähnlichen Fall, als Grundgerüst für ihr neues Buch "Samy" angewendet. Diese Aussage hat mich umso betroffener gemacht, denn in diesem Roman geht es um Rassismus in vielen Formen. Der Inhalt macht bestürzt und nachdenklich und hält uns allen einen Spiegel vor.

Die Geschichte beginnt vor der Wende in der kommunistischen Tschechoslowakei, genauer in Bratislava, der heutigen Hauptstadt der Slowakei. Dort wurde auch die Autorin geboren und gibt uns deshalb einen sehr authentischen Blick in die Zeit von 1970 bis heute.

Samy Slowak ist der uneheliche Sohn einer tschechischen und linientreuen Studentin und einem indischen Medizinstudenten, der in Wien lebt und studiert. Die beiden lernen sich in Ostberlin kennen, doch der Kontakt bricht nach einer kurzen Romanze ab. Olga stellt fest, dass sie schwanger ist und zieht ihren Sohn alleine auf.
Als Mischlingskind mit dunkler Hautfarbe wird er von klein auf abgelehnt. Sogar seine Großeltern wollen anfangs nichts mit dem Kind zu tun haben. Die immer wiederkehrende Feindseligkeit gegen "Zigeuner", wie Samy oft beschimpft wird, erfährt er bereits als Kleinkind und versteht sie nicht. Egal ob im Kindergarten, wo die Kindergärtnerin die Ausgrenzung bewusst herbeiführt, als auch in der Schule, bleibt Samy ein Außenseiter. Olga, seine Mutter, die nach der Wende als Sozialarbeiterin mit sozial schwachen Kindern, die auf die schiefe Bahn geraten zu tun hat, erkennt die Nöte und Hilflosigkeit ihres eigenes Sohnes nicht. Sie verharmlost das Verhalten der anderen Kinder ebenso, wie die der Erwachsenen. Dies macht den Leser sprachlos! Samy hat eigentlich von Anfang an keine Chance, obwohl er ein aufgeweckter und intelligenter Junge ist. Alleine durch sein andersartiges Aussehen ist er immer derjenige, der Schwierigkeiten macht und sofort als Täter abgestempelt wird.
Einzig die kurze Zeit mit seiner Freundin verschafft ihm etwas Glück und sein Selbstvertrauen wird gestärkt. Aber auch dieser Liebe stehen andere Menschen negativ gegenüber...

Samys Suche nach seiner Identität, nach Liebe und Freundschaft, wird ihm immer wieder unmöglich gemacht. Diese erschütternde Geschichte macht sprachlos und traurig.
Immer wieder findet man Parallelen zur heutigen Zeit - die Verhaltensweisen vieler Menschen hat sich seit der 1970er nicht wirklich verändert.

Einzig der zu schnelle Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, der oft übergangslos mitten im Geschehen passierte, hat mich öfters verwirrt zurückgelassen. So wurde man hin und wieder unsanft aus der Geschichte gerissen. Auch zum Ende hin konnte ich Samys Verhalten nicht mehr ganz verstehen, der sich der Wirklichkeit immer mehr entfernte. Trotzdem lässt dieser Roman von Zdenka Becker den Leser erschütternd und sprachlos zurück. Ich wünsche der Autorin viele Leser für ihre eindringliche Geschichte!

Fazit:
Erschütternd, verstörend und leider noch immer brandaktuell. Kein einfacher Roman, der einem wütend, traurig und sprachlos zurücklässt.

Veröffentlicht am 27.02.2018

Zwei sehr unterschiedliche Schwestern

All die Jahre
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rland 1957. Nora und Theresa sind gemeinsam mit Bruder Michael auf einem Bauernhof im irischen Malbay aufgewachen. Als die Mutter viel zu früh stirbt, übernimmt Nora als Älteste der Kinder ihre Pflichten. ...

rland 1957. Nora und Theresa sind gemeinsam mit Bruder Michael auf einem Bauernhof im irischen Malbay aufgewachen. Als die Mutter viel zu früh stirbt, übernimmt Nora als Älteste der Kinder ihre Pflichten. Sie ist mit dem Nachbarjungen Charlie verlobt, der in den USA bei seinen irischen Verwandten Fuß zu fassen versucht und Geld für die Hochzeit spart. Nora soll später nach Boston nachkommen. Die jüngere Schwester Theresa ist aufgeweckt und schreibt gute Noten, deshalb will Nora sie ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten mitnehmen. Theresa bekommt in Amerika die Möglichkeit eine gute Ausbildung erhalten, während Nora ihren Charlie heiraten soll. Doch Nora ist sich unsicher und nicht wirklich verliebt, Theresa ist wild und unerfahren. Als sie schwanger wird, trifft Nora eine folgenschwere Entscheidung....

Der Roman beginnt im Jahr 2009 mit einer Todesnachricht, die das Leben von Nora und Theresa gehörig aufwirbelt. Die einzelnen Kapitel wechseln zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Über Jahrzehnte hinweg begleiten wir die Flynns und Raffertys mit all ihren Eigenheiten und Geheimnissen. So fügt sich Puzzlesteinchen um Puzzlesteinchen, während man abwechselnd mehr über die Zeitspanne zwischen 1957 bis 2009 erfährt. Einiges lässt sich erahnen, anderes wiederum ließ mich staunend zurück.

Anfangs hatte ich noch kleine Schwierigkeiten die einzelnen Charaktere näher kennenzulernen, was sich mit der wachsenden Seitenzahl allerdings gibt. Obwohl der Roman sehr ruhig ist, hatte ich immer das Gefühl, dass ich weiterlesen muss, um mehr über die Vergangenheit zu erfahren. Gleichzeitig wartete ich aber auch auf den großen Knall in der Gegenwart, der leider nicht wirklich passierte und mich am Ende ein klein bisschen enttäuscht zurückgelassen hat.
Die sehr komplexe Familiengeschichte zeigt besonders die familiäre Unfähigkeit auf, sich Problemen zu stellen und darüber zu reden. Man verschweigt und ignoriert, Gefühle werden ausgespart.
Mit Nora und Theresa hat die Autorin zwei sehr gegensätzliche Charaktere erschaffen, die ich oft nicht wirklich verstehen konnte. Dies bezog sich aber nicht auf alle Entscheidungen, die die beiden Frauen getroffen haben. Als Leser fühlt man sich abwechselnd einmal mehr der einen und dann wieder der anderen mehr zugetan bzw. kann man nur den Kopf schütteln über Entschlüsse, die sie treffen. Man muss sich allerdings an der Nase nehmen und sich fragen, ob man nicht selbst schon gedacht hat, das Beste für einen anderen Menschen zu wollen und im Endeffekt genau das Verkehrte gemacht hat?
Es geht um Hoffnungen und Träume und wie diese langsam wie eine Seifenblase zerplatzen. Fehler, die schon die Eltern gemacht haben und die auch deren Kinder wiederholen. In "In all den Jahren" zeigt dies sehr genau auf - mit allen erdenklichen Folgen...

Das Leben der irischen Einwanderer in den USA wird sehr authentisch dargestellt. Die erste Generation, wie Nora, Charlie und Theresa leben noch sehr nach ihren irischen Traditionen, während ihre Kinder schon als typische Amerikaner heranwachsen.
Auch der religiöse Aspekt nimmt im Roman eine größere Rolle ein. Nicht nur durch den Weg, den Theresa geht, sondern auch die gelebte Religion aus dem erzkatholischen Irland, das oft in der Fremde noch mehr praktiziert wird. Hier kann man aber auch die leise Kritik an der Kirche zwischen den Zeilen lesen.
Den größten Raum und das eigentliche Thema des Buches ist aber die "Sprachlosigkeit" zwischen den Menschen, insbesondere der eigenen Familienmitglieder.
Ein tiefsinniger Roman an dessen Ende man sich die Frage stellt, wie viel Einfluss die Herkunft und die Erziehung innerhalb einer Familie hat...

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist eindringlich und detailliert, die Figuren tiefgründig. Die Geschichte ist komplex angelegt und trotzdem eher ruhig. Die Charaktere sind wunderbar gezeichnet und entfalten erst nach und nach ihre Eigenheiten.
Der Roman ist in acht Teile gegliedert und auf zwei Zeitebenen geschrieben. Die Jahreszahlen stehen am Anfang des Abschnittes.

Fazit:
Ein leiser und tiefsinniger Roman über das Schicksal einer irischen Einwandererfamilie und ihren Familiengeheimnissen, der noch lange nachwirkt. Für mich blieben am Ende dieser komplexen Geschichte einige Fragen offen, die ich gerne aufgelöst gehabt hätte, doch im Großen und Ganzen konnte mich "In all den Jahren" überzeugen.

Veröffentlicht am 25.02.2018

Actionreicher zweiter Band rund um Mark Becker

Das dunkle Netz
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Mit ihrem zweiten Thriller rund um Feldjäger Max Becker und Oberkommissarin Lisa Schäfer präsentiert uns Silvia Stolzenburg eine überaus actionreiche Geschichte.
Bereits auf den ersten Seiten ist die Spannung ...

Mit ihrem zweiten Thriller rund um Feldjäger Max Becker und Oberkommissarin Lisa Schäfer präsentiert uns Silvia Stolzenburg eine überaus actionreiche Geschichte.
Bereits auf den ersten Seiten ist die Spannung zwischen den Zeilen spürbar. Der Leser begleitet einen Mann, der in einer Firma heimlich Daten am PC kopiert. Er ist nervös und fühlt sich nach dem Verlassen des Gebäudes unwohl und verfolgt. Zur Sicherheit kopiert er die Daten nochmals und schickt den USB-stick seinem ehemaligen Kollegen bei den Feldjägern, Max Becker, den er um Hilfe bitten, aber telefonisch nicht erreichen konnte. Dieser hat am nächsten Tag eine kurze Nachricht von seinem Exkollegen Kai Jäger auf seiner Mailbox. Als er zurückrufen will, hebt Kai auch nach mehrmaligen Versuchen nicht ab.
Als die Kriminalpolizei kurze Zeit später zu einer verkohlten Leiche gerufen wird, ergibt die Obduktion, dass es sich um Kai handelt. Die Spurensicherung findet sein Handy, die Mark als letzten Kontakt anzeigt....

So treffen Mark Becker und Lisa Schäfer im zweiten Band der Reihe wieder zusammen. Der zu Beginn Tatverdächtige wird nach seiner Entlastung erneut gebeten mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Weder Lisa, noch Mark sind darüber besonders erfreut. Die Spur führt zu der Securityfirma, bei der Kai Jäger zuletzt gearbeitet hat. Diese ist allerdings alles andere als kooperativ. Wie kommt man einer Firma, die einer Festung gleicht und Mitarbeiter, die nur im Beisein eines Anwaltes sprechen, näher? Lisa und Mark haben es diesmal mit besonders skrupellosen Menschen zu tun....
Mit Hilfe seines Freundes Lukas, einem Hacker, gelingt es ihm die Daten zu entschlüsseln, die ihm Kai zugespielt hat. Bis die Polizei endlich dieselben entschlüsselt hat, ist Mark den Tätern bereits auf der Spur und begibt sich in große Gefahr...

Die Autorin hat wieder hervorragend recherchiert und bringt erneut die Unterschiede der Ermittlungsarbeit zwischen Bundeswehr und der Polizei auf den Punkt. Die Schauplätze sind lebendig beschrieben und betreffen die Umgebung von Stuttgart bis Ulm.
Das ungewöhnliche Ermittlerduo, das gegensätzlicher nicht sein könnte, bringt ebenfalls Schwung in die Geschichte und diesmal spürt man zum Ende hin sogar eine unterschwellige knisternde Spannung zwischen Mark und Lisa.
Mir war der neue Fall fast zu rasant und explosiv und erinnerte stark an einem Actionfilm im TV. Ich konnte den Thriller zwar nicht mehr aus der Hand legen, doch im Hinterkopf beschlich mich immer ein Gefühl der Unglaubwürdigkeit...
Die Autorin hat jedoch akribisch recherchiert und sich auf den neuersten Stand technischer Möglichkeiten gebracht und festgehalten, dass alle handlungen möglich sind.

Die vielen Abkürzungen, die zwar teilweise am Ende des Buches erklärt wurden, verwirrten etwas beim Lesen.

Das Ende lässt noch einige wenige Fragen offen und weist auf eine Fortsetzung hin.....darüber freue ich mich sehr.

Schreibstil:
Bei diesem Thriller ist der Schreibstil sehr temporeich und die Dialoge lebendig. Die Spannungskurve bleibt durchgehend oben. Die Autorin schreibt mitreißend und die Figuren sind authenisch. Die Kapitel sind sehr kurz gehalten.

Fazit:
Ein explosiver und actionreicher Thriller, den man kaum aus der Hand legen kann. Ich hatte aber diesmal fast das Gefühl es wäre "too much".... Trotzdem wieder ein nervenaufreibender Fall mit einem sympathischen, aber ungewöhnlichen Ermittlerpaar. Natürlich werde ich die Reihe weiterverfolgen!