Profilbild von auszeit_lesen

auszeit_lesen

Lesejury Profi
offline

auszeit_lesen ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit auszeit_lesen über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.05.2026

Aktueller denn je

Yesteryear
0

Worum geht’s?

Natalie ist Tradwife-Influencerin mit ihrer Yesteryear-Farm. Nach außen zeigt sie das perfekte, nostalgische Familienglück. Hinter den Kulissen sieht es jedoch ganz anders aus und als eine ...

Worum geht’s?

Natalie ist Tradwife-Influencerin mit ihrer Yesteryear-Farm. Nach außen zeigt sie das perfekte, nostalgische Familienglück. Hinter den Kulissen sieht es jedoch ganz anders aus und als eine Krise droht, findet sie sich auf einmal im tatsächlichen Farmleben im Jahr 1855 wieder.

Wie war’s?

Wer glaubt, es geht in Yesteryear nur um ein bisschen Zeitreise irrt, denn es ist ein genauer Blick auf gefährliche Strömungen unserer Gegenwart.

Manosphere & Macht: Yesteryear zeigt erschreckend gut, wie die Autonomie von Frauen unter dem Deckmantel von Tradition und Schutz begraben wird. Es geht um die Sehnsucht nach einer Welt, in der die Männer wieder die Kontrolle haben.

Verschwörung als Werkzeug: Es werden so viele Situationen gezeigt, in denen Verschwörungserzählungen genutzt werden, wenn sie ins eigene Bild passen. Insbesondere bei den Männern, Caleb und seinem Vater Doug, nimmt man es sehr wahr, dass sie Schwurbelei nutzen, um zu manipulieren, aber selbst auch daran festhalten, weil es die eigene Ideologie untermauert.

Glaube als Waffe: Glaube dient Natalie nicht als Nächstenliebe, sondern als Rechtfertigung für Rassismus, Ausgrenzung und Unterdrückung von allem, was nicht in ihr konservatives Weltbild passt. Beeindruckend fand ich, wie sie fluchen kann. ;)

Feminismus vs. Rückschritt: Die Autorin entlarvt den Tradwife-Trend, als das was er ist: Ein Wolf im Schafspelz für antifeministische Ideologien. Verrückterweise werden rückschrittliche Ansichten gepredigt und als nostalgisch verkauft, während die durch den Feminismus hart erkämpfte Gleichberechtigung gerne in Anspruch genommen wird. Nein, damals hättest du nicht als weibliche Influencerin dein eigenes Geld verdienen dürfen...

Das Buch hatte für mich schon ein paar Längen, aber ist dennoch ein wirklich lesenswerter, spannender, aber auch unterhaltsamer Roman mit absolut relevanten Inhalten!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.05.2026

Ein Buch, das mich gespalten zurück lässt.

Weird Girls
0

Worum geht’s?

Harley, Róise und Maggie sind Ende 20 und verbringen ihre Tage wie mit Anfang 20: Mit Partys, Drogen und Alkohol. Über allem schwebt der Tod ihrer Freundin Lydia und die gemeinsame Wohnung, ...

Worum geht’s?

Harley, Róise und Maggie sind Ende 20 und verbringen ihre Tage wie mit Anfang 20: Mit Partys, Drogen und Alkohol. Über allem schwebt der Tod ihrer Freundin Lydia und die gemeinsame Wohnung, die immer unbewohnbarer wird. Immer mehr wird klar: Die Partyexzesse sind eine Bewältigungsstrategie.

Wie war’s?

Das Buch fühlt sich ein wenig wie ein Coming-of-Age Roman nur mit deutlich älteren Protagonistinnen an. Wir begleiten Harley, Róise und Maggie durch ihren Alltag, ihre Partyexzesse und One-Night-Stands. Stellt euch also auf jede Menge Alkohol und Drogen ein. Es war unterhaltsam, witzig, aber auch ein wenig tragisch, denn: Eigentlich sind sie alle nicht zufrieden damit, wie ihr Leben gerade läuft. Aber sie schaffen es nicht sich selbst aus diesem Hamsterrad befreien.

Und immer wieder wird auch klar: Sie tun sich gegenseitig nicht immer gut. Die Freundschaft hat durchaus auch toxische Seiten. Die Protagonistinnen fand ich weder besonders sympathisch, noch nachvollziehbar in ihrem Handeln (ich stelle mir ihr Leben so anstrengend vor). Dennoch waren sie absolut authentisch. On top kommt die gemeinsame Wohnung, die auf so vielen Ebenen ein Sinnbild ihres Lebens und ihrer Freundschaft ist.

Womit ich mich schwer getan habe, war der Schreibstil. Ich habe bis zum Schluss gebraucht, um damit warm zu werden. Es gab immer wieder kleine Sprünge, die mich rausgerissen haben.

Was ich an dem Buch allerdings super spannend finde ist, dass es stilistisch mit den gängigen Erwartungen bricht. Die Protagonistinnen sind „weird“, sie entsprechen nicht den Normen und Rollenbildern von Frauen um die 30. Es dreht sich einiges im Kreis und die Charakterentwicklung erfolgt sehr langsam. Es gibt keinen krassen Plottwist, keine Heilung. Um es mit Worten aus dem Buch zu sagen: Es ist wie "auf einer Sauftour geschrieben […], mit ungewissem Ende. So wie das Leben" (S. 222). Und genau das macht das Buch für mich wieder besonders.

Mir gefällt es mit etwas Abstand mittlerweile gut. Ich glaube aber, dass es nicht jeden Geschmack treffen wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.04.2026

Comfort Read mit Substanz

Homesick
2

Worum geht’s?
Mara erbt eine kleine Summe und will sich dafür eine Wohnung in London kaufen. Ihr Freund Tom ist allerdings noch unschlüssig, ob er mit einziehen möchte. Denn er hängt sehr an seiner Heimat ...

Worum geht’s?
Mara erbt eine kleine Summe und will sich dafür eine Wohnung in London kaufen. Ihr Freund Tom ist allerdings noch unschlüssig, ob er mit einziehen möchte. Denn er hängt sehr an seiner Heimat und auch beruflich ist er völlig am Limit. Das stellt auch ihre Beziehung vor eine neue Herausforderung.

Wie war’s?
Ich habe Homesick als tollen Read für zwischendurch empfunden. Silvia Saunders schreibt leicht, flüssig und humorvoll und durch die kurzen Kapitel hat man schnell mehr gelesen als geplant.

Thematisch ist das Buch sehr aus dem Leben gegriffen. Es geht um alltägliche Probleme, die jede kennt: Probleme bei der Wohnungssuche, mit den Nachbarn oder Mitbewohnern und auch Alltagssexismus. Das lässt sich so gut nachempfinden.
Was mir auch gefällt, ist das Aufgreifen einer psychischen Erkrankung bei Tom als Mann. Hier ist es mal die Frau, die die Stütze ist, während der Mann seine Emotionen zeigen darf.

Durch Themen wie Depression oder Alltagssexismus bekommt das Buch eine gewisse Tiefe. Es geht jedoch nicht darum Lösungen dafür zu finden, sondern vielmehr diese Themen sichtbar zu machen. Mara empfand ich als Protagonistin in ihrem Verhalten sehr nachvollziehbar. Sie sieht sich mit all diesen Problemen konfrontiert und ist damit auch ein wenig überfordert. Für den einen vielleicht Charakterschwäche, für mich sehr authentisch, denn wie oft denken wir selbst im Alltag im Nachhinein: Hättest du mal auf diese oder jene Art reagiert…?

Mit Fortschreiten der Handlung steht die Beziehung zwischen Mara und Tom mehr im Fokus. Das hätte ich in der Form nicht gebraucht. Dennoch gefällt mir, wie wertschätzend die Autorin dies umgesetzt hat. Dadurch hat Tom als Nebencharakter viel Tiefe bekommen. Eine Szene mit den beiden ist bei mir besonders hängen geblieben.

Homesick ist kein super tiefgründiges Buch, aber dennoch ein Buch mit Substanz, das einen darüber nachdenken lässt, was man eigentlich braucht, um sich zu Hause zu fühlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 12.04.2026

Witchy Romantasy zum Wegsnacken

Her Dark Power
0

Worum geht’s?

Edda gehört zu den weißen Hexen und verheimlicht daher die dunkle, unkontrollierbare Kraft, die sie immer wieder spürt. Als sie bei ihrer Initiierung ausbricht, wird sie ans Crescent College ...

Worum geht’s?

Edda gehört zu den weißen Hexen und verheimlicht daher die dunkle, unkontrollierbare Kraft, die sie immer wieder spürt. Als sie bei ihrer Initiierung ausbricht, wird sie ans Crescent College geschickt, wo schwarze Magie gelehrt wird. Dort trifft sie auf Morven, der auch ein dunkles Geheimnis hütet.

Wie war’s`?

Dieses Buch hat mich vor allem durch seine düstere Atmosphäre gleich zu Beginn in seinen Bann gezogen. Auch die Dark-Academia Vibes haben mir gefallen. Es ist kein besonders tiefgründiges Buch und auch inhaltlich wurde das Rad nicht neu erfunden. Als kleines Fantasy-Snack-Buch zwischendurch lässt es sich aber sehr gut lesen.

Edda, als Protagonistin mochte ich, besonders wie sie versucht mit ihrer neuen, dunklen Seite klarzukommen. Die Dynamik mit Morven hat mich anfangs etwas verwirrt. Es gab zwei Spice-Szenen, die meiner Meinung nach nicht notwendig gewesen wären. Mir reicht ja eine gute Tension. Mit Myr und Reik haben wir außerdem noch zwei tolle Nebencharaktere, auf die ich mich in der Fortsetzung noch freue. Da habe ich noch die ein oder andere Erwartung.

Zum Ende hin hat die Story nochmal richtig an Fahrt aufgenommen und es wurde sehr packend. Jetzt muss ich unbedingt wissen, wie es in Band 2 weiter. Der Cliffhanger war wirklich fies und ich bin direkt bereit für das Finale im Oktober.

Wer ein paar düstere witchy und Dark Academia Vibes für zwischendurch zum Wegsnacken sucht, kann hiermit auf jeden Fall nichts falsch machen. ;)

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.03.2026

Locker, flockig & lecker

Keeping it casual
0

𝗪𝗼𝗿𝘂𝗺 𝗴𝗲𝗵𝘁'𝘀?
Max hat eine schlimme Trennung hinter und eine beängstigende OP vor sich. Um sich abzulenken meldet sie sich auf Tinder an und lernt dort Johnny kennen. Die Chemie stimmt sofort und es entwickelt ...

𝗪𝗼𝗿𝘂𝗺 𝗴𝗲𝗵𝘁'𝘀?
Max hat eine schlimme Trennung hinter und eine beängstigende OP vor sich. Um sich abzulenken meldet sie sich auf Tinder an und lernt dort Johnny kennen. Die Chemie stimmt sofort und es entwickelt sich eine Brieffreundschaft mit gemeinsamen Kochabenden, an denen sie sich durch das Familienkochbuch von Max's Ex Scott kochen. Online natürlich.
Dann steht Max OP an und alles kommt ganz anders.

​𝗪𝗶𝗲 𝘄𝗮𝗿'𝘀?
Karina May hat hier eine Geschichte geschrieben, die sich super weglesen lässt. Der Schreibstil ist locker, unkompliziert und humorvoll. Dadurch gelingt Karina May das Kunststück, dass das Buch, trotz der teils ernsten Themen, nie seine Leichtigkeit verliert.

Max mochte ich sehr gerne. Ich empfand sie als sehr positiv denkend und habe mir sehr gewünscht, dass sie ihren Weg findet. Auch Johnny war mir von Anfang an sympathisch, denn er hat Max's Wünsche respektiert, war offen und ziemlich humorvoll. Gerade die Schlagabtäusche zwischen den beiden waren einfach herrlich.
Umso mehr habe ich sie im Mittelteil vermisst, denn der verlief anders als erwartet, aber für die Charakterentwicklung nachvollziehbar (und sehr atmosphärisch).

Scott und seine Familie waren mir persönlich dagegen ein bisschen zu einseitig dargestellt. Da fehlte mir manchmal die Tiefe, die gerade Max so lebendig gemacht hat.

Was mir richtig gut gefallen hat, war wie sich die Kochthematik im Aufbau, in der Handlung und in wiederkehrenden Details durch das ganze Buch gezogen hat. Ich selbst bin ja nicht die größte Köchin, aber solche Besonderheiten liebe ich ja dennoch! Dass es am Ende sogar die Rezepte aus dem Buch zum Nachkochen gibt, ist dann das i-Tüpfelchen.

​Keeping it Casual ist für mich eine Wohlfühlgeschichte. Eine Empfehlung für alle, die Humor und besondere Details, wie die Foodie-Vibes in ihren Büchern lieben!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema