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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.09.2025

Historisch und atmosphärisch

Grand Hotel Avalon
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Der Roman erzählt von einem fiktiven Luxushotel in den Appalachen im Jahr 1942, nachdem Pearl Harbour angegriffen wurde und die USA sich nun im Krieg befindet. In einer Aktion des FBI sollen nun alle möglichen ...

Der Roman erzählt von einem fiktiven Luxushotel in den Appalachen im Jahr 1942, nachdem Pearl Harbour angegriffen wurde und die USA sich nun im Krieg befindet. In einer Aktion des FBI sollen nun alle möglichen Diplomaten und generell Staatsbürger der Kriegsgegner im Avalon unterkommen. Wir verfolgen die Geschichte aus der Sicht der Hotelleiterin und eines Staatsagenten.

Der Roman schafft eine ganz besondere Umgebung und Atmosphäre, durch den Schreibstil fühlt man sich richtig in dieses alte Hotel hineinversetzt mit Geräuschen und Gerüchen und allem. Das ist wirklich toll gelungen. Ebenso wie viel Recherche in dieses Buch ging und wie viel man über diesen Aspekt der Geschichte gelernt hat. Die Handlung ist sehr vielschichtig und geht über viele Ebenen. Besonders der Handlungsstrang über Hannelore Wolf hat mir sehr gut gefallen.
Der Roman setzt sich auch viel mit dem Thema Klassismus in der US-amerikanischen Gesellschaft auseinander, was zu sehr komplexen Beziehungen zwischen Charakteren geführt hat.

Leider kann ich trotzdem nur 3,5 Sterne geben, obwohl mir vieles gut gefallen hat, da ich irgendwie nie so richtig reingekommen bin. Es ist zwar von Anfang an viel mysteriös und es gibt viele offene Fragen, aber irgendwie wurde nie so richtig Spannung aufgebaut, sodass es für mich persönlich teilweise ein bisschen zu schleppend voranging. Mit den Protagonisten bin ich leider auch nicht richtig warm geworden. Sehr schade, da ich das Thema und Setting eigentlich spannend und vielversprechend fand und bisher Maggie Stiefvaters Bücher immer sehr mochte, deswegen war ich ein bisschen enttäuscht.

Ich würde es nur Leuten empfehlen, die interessiert an den historischen Hintergründen sind und die gerne auch ein eher langsameres, ruhiges Buch lesen.

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Veröffentlicht am 26.08.2025

wichtiges Thema aber sehr schwierige Lektüre

Botanik des Wahnsinns
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Botanik des Wahnsinns handelt von einem Protagonisten, der aus einer Familie mit vielen schweren psychischen Krankheiten kommt und sein ganzes Leben lang mit der Angst ringt, selber psychisch ...

Botanik des Wahnsinns handelt von einem Protagonisten, der aus einer Familie mit vielen schweren psychischen Krankheiten kommt und sein ganzes Leben lang mit der Angst ringt, selber psychisch krank bzw. "verrückt" zu werden. Im jungen Erwachsenenalter zieht es ihn weg aus seiner Heimatstadt München an verschiedene Orte und zu verschiedenen Studienfächern und schließlich landet er in Wien und wird Psychologe in einer Psychiatrie.

Der Anfang des Buches hat mir sehr gut gefallen, aber leider war der Schreibstil irgendwie dann doch nichts für mich, da die Geschichten der mentalen Probleme der Familienmitglieder irgendwie zu zusammenhangslos zwischen den Erzählungsstrang des Protagonisten geworfen wurden, was am Anfang noch interessant war, aber zunehmend verwirrend und anstrengend zu lesen. Es hat mich irgendwie sehr im Lesefluss gestört mit der Zeit. Dazu kam noch das wenig Namen benutzt wurden, sondern immer von " Die Mutter", "die Mutter meiner Mutter", "der Nachbar" etc. die Rede war, was sicher eine bewusste Entscheidung als Stilmittel war, mir aber nicht so zugesagt hat, da es auch verwirrend ist teilweise.

Wirklich herausragend an diesem Roman ist aber der Umgang mit psychischen Krankheiten in der Erzählung, weil der Autor es wirklich schafft, diese komplex und realistisch darzustellen, indem er die Geschichten der Menschen aus seiner Familie erzählt. Dabei kommt heraus wie sehr die Krankheiten das Leben, die Familie, die Beziehungen und das Schicksal beeinflusst. Und ein besonderer Fokus liegt auf dem Erbe für die nächste und die nachfolgenden Generationen.
Das Buch ist sehr bedrückend zu lesen durch das Thema, aber gleichzeitig nicht so berührend und bewegend wie es sein könnte, da durch den Schreibstil und die Erzählweise relativ viel emotionale Distanz aufgebaut wird.
Letzen Endes war der Roman für mich schwierig zu Ende zu lesen und der Schreibstil war teilweise einfach nicht so mein persönlicher Geschmack, dennoch habe ich einiges gelernt und aus der Lektüre mitgenommen.

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Tolle Idee, aber frustrierend zu lesen

Im Leben nebenan
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Das Konzept des Romans hat mir sehr gut gefallen. Antonia ist Mitte 30 und lebt mit ihrem Partner zusammen in der Großstadt und hat einen unerfüllten Kinderwunsch. Eines Morgens wacht sie plötzlich ...

Das Konzept des Romans hat mir sehr gut gefallen. Antonia ist Mitte 30 und lebt mit ihrem Partner zusammen in der Großstadt und hat einen unerfüllten Kinderwunsch. Eines Morgens wacht sie plötzlich in einem anderen Leben auf. Auf einmal lebt sie in einem Haus in ihrem Heimatdorf, ist verheiratet mit ihrem ersten Freund aus Schulzeiten und hat ein Baby, um das sie sich kümmern muss. Sie erinnert sich aber nur an ihr "altes" Leben und ihr kommt alles fremd vor.
Wir Leser begleiten Antonia dabei, wie sie sich mit ihrem alternativen Leben auseinander setzt. Im Wechsel dazu sehen wir sie auch (als Toni), wie sie ihr Leben in der Großstadt ohne Kinder normal weiterlebt.
Die Frage wie unser Leben wäre, wenn wir uns an einem Punkt anders entschieden hätten, stellt sich ja jeder im Laufe seines Lebens und ist immer spannend. Was wäre, wenn ich immer noch mit meiner Jugendliebe zusammen wäre? Was wäre, wenn ich in der Heimat geblieben wäre und nicht in die Großstadt gezogen wäre? Und genauso umgekehrt. Das sind Fragen mit denen sich wahrscheinlich fast jeder identifizieren kann und die das Buch sehr realistisch machen, obwohl es Magic Realism ist. Und das hat Anne Sauer auch gut umgesetzt.

Das Buch setzt sich sehr stark mit Kinderfrage auseinander und wie unsere Gesellschaft mit Frauen in Relation dazu umgeht. Es behandelt einen unerfüllten Kinderwunsch sowie gar keinen zu haben, ungewollte Mutterschaft, postpartale Depressionen und generell die Schwierigkeiten und die schönen Seiten der Mutterschaft. Es wird auch viel darauf eingegangen, wie ein Kind sowie ein unerfüllter Kinderwunsch sich auf eine Beziehung auswirkt.
Es ist auf jeden Fall ein sehr wichtiges und lesenswertes Buch, da es sich realistisch und überhaupt nicht verklärt bzw. romantisierend mit dem Thema Mutter sein/ nicht sein auseinander setzt.

Leider fand ich das Buch insgesamt zu frustrierend, also zu negativ und deprimierend, da Antonia eigentlich in beiden Versionen ihres Lebens irgendwie unzufrieden ist. Viele sagen, dass absichtlich kein Leben besser als das andere dargestellt wird, aber am Ende ist sie in beiden Versionen die meiste Zeit unglücklich. Ich verstehe ja, dass es realistisch sein soll, aber so war das irgendwie nicht besonders lebensbejahend zu lesen. Außerdem hat mich ein bisschen der Stellenwert der Kindfrage gestört, so als ob Frauen sich nur über das Mutter sein oder nicht Mutter sein definieren. Mir hat irgendwie die Perspektive einer Frau gefehlt, die nie einen Kinderwunsch hatte und damit zufrieden lebt, was auch viele Leute betrifft. Für mich als eine Frau ohne Kinderwunsch fühlte es sich am Ende so an, als ob die zweite Antonia sich einfach nur damit abgefunden hat kinderlos zu sein, nachdem es nicht funktioniert hat und nicht, als ob sie sich bewusst dazu entschieden hat. Daher fand ich nicht, dass beide Versionen "gleichwertig" behandelt wurden. Es liest sich wie ein Buch, das versucht das ganze Thema feministisch zu behandeln, und auch teilweise gute Gesellschaftskritik beinhaltet, aber am Ende in der Frage doch zu oberflächlich bleibt.

Insgesamt finde ich aber trotzdem, dass es ein sehr lesenswertes Buch ist, vor allem wenn man sich selber mit der Frage, ob man Kinder möchte oder nicht, auseinander setzt, und würde es vor allem Frauen den 20er und 30er Jahren empfehlen.

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Veröffentlicht am 20.05.2026

Schöne Atmosphäre, aber leider einige Schwächen

Der Sommer, der uns blieb
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Der Roman handelt von Pia, Britta und Martin, die zur Schulzeit beste Freunde waren, und sich nach 20 Jahren wieder sehen und endlich darüber sprechen, was damals zum Ende der Freundschaft geführt hat. ...

Der Roman handelt von Pia, Britta und Martin, die zur Schulzeit beste Freunde waren, und sich nach 20 Jahren wieder sehen und endlich darüber sprechen, was damals zum Ende der Freundschaft geführt hat.
Die idyllische Kleinstadt-Atmosphäre, die im Buch beschrieben wird, hat mir gut gefallen, ebenso die Rückblicke in die 90er Jahre, wo richtig Nostalgiegefühle aufkommen.
Die Hauptcharaktere Pia, Britta und Martin sind auch an sich gut gelungen, wobei noch mehr Unterschiede im Erzählstil gut gewesen wären, um die Perspektivwechsel noch klarer zu machen.
Der Anfang des Buches hat mir noch gut gefallen und hat genau meine Erwartungen getroffen. Leider wurde die Geschichte aber zunehmend klischeehaft und viele Wendungen waren sehr vorhersehbar. In der zweiten Hälfte wurden manche Konflikte und Aussprachen unnötig und künstlich herausgezogen. Dazu hat mir auch noch ein bisschen mehr emotionale Tiefe gefehlt.
Mein größtes Problem war allerdings der Schreibstil, der irgendwie überhaupt nicht meinen Geschmack getroffen hat. Besonders die vielen Metaphern haben mich sehr gestört, da sie nicht richtig passten oder sich immer wiederholt haben. Da bin ich wirklich enttäuscht, denn wenn man ein paar Sachen gekürzt und den Schreibstil noch ein bisschen überarbeitet hätte, wäre es für mich ein solider Urlaubsroman gewesen, aber so war ich während der zweiten Hälfte doch eher genervt die meiste Zeit. Sehr schade!

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Veröffentlicht am 25.04.2026

Nicht mein Fall

The Night We Met
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Nachdem ich meinen ersten Roman von Abby Jimenez nicht so mochte, ich aber schon so viel Gutes über sie gehört habe, wollte ich The Night We Met noch eine Chance geben. Das Buch fängt mit einer vielversprechenden ...

Nachdem ich meinen ersten Roman von Abby Jimenez nicht so mochte, ich aber schon so viel Gutes über sie gehört habe, wollte ich The Night We Met noch eine Chance geben. Das Buch fängt mit einer vielversprechenden Prämisse an. Die Idee, dass eine einzige Entscheidung das ganze Leben beeinflussen kann, hat definitiv Potenzial, was aber meiner Meinung nach nicht wirklich ausgeschöpft wird.

Schon nach wenigen Kapiteln ist klar, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird und überraschende Wendungen bleiben aus. Statt emotionaler Tiefe bekommt man oft nur klischeehafte Situationen präsentiert, die man so oder ähnlich schon in vielen anderen Liebesromanen gelesen hat.
Auch die Protagonisten wirken eher flach und nicht wirklich authentisch. Larissas innere Konflikte werden zwar thematisiert, aber nicht ausgearbeitet und ihre Entscheidungen sind schwer nachvollziehbar. Chris ist fast schon zu gut und perfekt um realistisch zu wirken, während Mike eher eindimensional als problematischer Partner dargestellt wird. Dadurch fehlt es der Dreiecksbeziehung an echter Komplexität. Ein weiterer Schwachpunkt ist für mich das Tempo der Geschichte. Einige Passagen ziehen sich unnötig in die Länge, während andere, emotional wichtige Momente zu schnell abgehandelt werden.
Der Schreibstil ist aber solide und angenehm zu lesen.

Insgesamt ist The Night We Met ein eher durchschnittlicher Liebesroman, der zwar eine interessante Ausgangsidee hat, diese aber nicht konsequent oder tiefgehend genug umsetzt.

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