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Veröffentlicht am 05.05.2026

Familie gespalten - bis heute

Hitlers Gefolgsmann
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Mich hat die Kurzbeschreibung des Buchs neugierig gemacht. Ich wollte wissen, wie geht der Autor mit seiner Familiengeschichte um. Übt er rigoros Kritik an seinem Großvater oder sucht er für dessen NS-Kariere, ...

Mich hat die Kurzbeschreibung des Buchs neugierig gemacht. Ich wollte wissen, wie geht der Autor mit seiner Familiengeschichte um. Übt er rigoros Kritik an seinem Großvater oder sucht er für dessen NS-Kariere, Erklärungen. Wie Axel Spilcker es im Buch letztendlich dargestellt hat, fand ich richtig gut. Die ersten Kapitel befassen sich mit dem Lebensweg von Robert Ley, seiner Kindheit, seinem Aufstieg als Hitlers Ratgeber, wie auch seinen Beziehungen zu den anderen NS-Größen. Dabei habe ich die Ausführungen mehr aus der Sicht eines Dritten erzählt empfunden, ohne große Emotionen und Rechtfertigungen. Natürlich konnte ich mir die darin aufgeführten Personen und dessen Machtbereiche unter der NS-Herrschaft gar nicht alle merken. Hier war der Autor mehr als gründlich. Eines wurde aber deutlich: der ehemalige Reichsorganisationsleiter war ein Lebemann. Seine Macht hat er nicht nur Umsetzung seiner Visionen und der NS-Doktrin genutzt. Er hat sich im gleichen Zuge auch bereichert und ein luxuriöses Leben geführt, bei der jüngere Frauen eine große Rolle gespielt haben. Er hat die Frauen benutzt und hatte Kinder mit 3 verschiedenen Frauen. Auch heute noch spaltet sich die Familie bei Bewertung seines politischen und menschlichen Verhaltens. Seine älteste Tochter Renate aus erster Ehe, dessen Mutter er die Scheidung aufgezwungen hat, konnte ich nicht verstehen. Für mich ist sie bis zum Ende des Buchs ein Widerspruch geblieben. Auf der einen Seite anerkannte Professorin für Sozialwissenschaften, hat sie meiner Meinung nach noch immer eine verklärte Sicht auf ihren Vater und seine Taten. Die Gefühle der liebenden Tochter überdecken ihr sonstiges Rechtsempfinden.
Einige der Nachkommen von Robert Ley scheuen sich ihr Verwandtschaftsverhältnis zur ehemaligen NS-Größe offenzulegen, befürchten Anfeindungen. Heute noch.
Ich finde dieses Buch sehr lesenswert, es hat mich gut unterhalten und somit sind 5 Lese-Sterne durchaus verdient.

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Veröffentlicht am 05.05.2026

lesenswerrte Familiengeschichte

Das Haus der Erinnerung
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Das Buch wechselt zwischen Irland nach dem Ende des 2. Weltkrieges und dem Jahr 2025. Dabei lernt man gleich zu Anfang die junge Evie kennen, die in einem reichen Haushalt in Aisling aufwächst und doch ...

Das Buch wechselt zwischen Irland nach dem Ende des 2. Weltkrieges und dem Jahr 2025. Dabei lernt man gleich zu Anfang die junge Evie kennen, die in einem reichen Haushalt in Aisling aufwächst und doch mit ihren Leben nicht zufrieden ist. Ihre Eltern sind oft monatelang auf Reisen, was der Job ihres Vaters als Regierungsangestellter mit sich bringt und ihre Mutter begleitet ihn immer. Evie fühlt sich insbesondere von ihrer Mutter ungeliebt, hätte gern mehr Zeit der Mutter verbracht. Nach den ersten Abschnitten konnte ich das verstehen, denn trotz ihrer 14 Jahre herrschen strenge Regeln für Evie, die ich als lieblos empfand. Einzige Lichtblicke sind die Begegnungen mit dem Sohn des örtlichen Krämerladens. Doch dann nehmen ihre Eltern nach Kriegsende sie mit in ein Hotel in Kislee wo Evie Harding, etwa so alt wie sie und stark geschminkt, kennenlernt. Es ist eine Begegnung, die für Evie sehr aufregend ist denn Harding scheint keine Angst zu haben, keine Grenzen zu kennen. Evie bewundert sie. Doch dann reisen ihre Eltern wieder ab und erst Monate später sehen sich die beiden jungen Frauen wieder…
2025 ist Evie 93 Jahre alt, lebt in Chicago und hat einen letzten Wunsch. Sie möchte noch einmal nach Aisling, ihre alte Heimat in Irland, und bittet ihre Enkeltochter Rainey sie zu begleiten. Genau wie Rainey kann der Leser miterleben, was damals zwischen Harding und Evie wirklich passiert ist, warum Evie nach Amerika ausgewandert ist und nun kurz vor ihrem Lebensende unbedingt noch einmal ihr Elternhaus sehen will. Es ist eine Geschichte voller Enttäuschungen und Leid, aber auch voller Mut, Beharrlichkeit und Liebe. Ich kann es jedem, der gerne Familienromane liest, uneingeschränkt empfehlen. Von mir gibt’s 5 Lese-Sterne.

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Veröffentlicht am 27.04.2026

Der Titel trifft‘s – ein Buch das nachdenklich macht

Die Schatten der Schuld
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Marlene Reinhardt, die noch immer dem Hamburger Firmen-Konglomerat vorsteht und es mit eiserner Hand führt, soll zu ihrem 80. Geburtstag wegen ihres sozialen Engagements mit einer großen Feier im Hamburger ...

Marlene Reinhardt, die noch immer dem Hamburger Firmen-Konglomerat vorsteht und es mit eiserner Hand führt, soll zu ihrem 80. Geburtstag wegen ihres sozialen Engagements mit einer großen Feier im Hamburger Rathaussaal geehrt werden. Doch dann wird sie nach der Laudatio des Bürgermeisters in einem Nebenraum von einem alten Mann mit dem Messer angegriffen und landet schwer verletzt auf der Intensivstation…
Enkelin Kaya ist natürlich besorgt um ihre Oma Mala, wie sie Marlene als kleines Mädchen genannt hat. Aber gleichzeitig will sie auch wissen, was diesen alten Mann zu dieser Tat getrieben hat. Wie der Autor das vermittelt, war nicht nur emotional sehr eindringlich, es hat auch eine für mich völlig neue Seite der Schuld und ihrer Auswirkungen zum Thema gemacht. Insofern passt der Titel unwahrscheinlich gut.
Was Kaya mit ihren Fragen zur Familiengeschichte wie auch zur Geschichte des Täters erfährt, lässt sie ihr eigenes Leben hinterfragen. Sie sieht, auch wenn bereits 80 vergangen sind, die Rolle ihrer Familie, in Persona ihres Urgroßvaters, sehr kritisch. In der Diskussion mit ihrer Großmutter, die eine Mitschuld rigoros abweist, wendet sich das Bild welches Kaya von ihrer liebevollen Oma Mala hat. Kaya erkennt auch, dass ihre Eltern, Onkels und Tante in Marlenes Machtspiel zu Spielfiguren wurden. Das mitzuerleben, war durchaus spannend. Denn Michael Jensen versteht es die Figuren sehr lebendig zu beschreiben. Eine gewisse humorvolle Seite kommt dabei auch nicht zu kurz.
Mich hat das Buch nicht nur ausgesprochen kurzweilig unterhalten. Es gab mir mit dem fachlichen Hintergrundwissen zu transgenerationeller Weitergabe von Traumata auch eine neue Sicht auf das Grundthema. Von mir gibt’s 5 Lese-Sterne, eine 100%ige Leseempfehlung eingeschlossen.

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Veröffentlicht am 19.04.2026

wunderbarer Lesestoff

Das Bettelmädchen
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Schwester Henny ist 1906 die erste weibliche Polizeiassistentin in Deutschland. Ein Job für den sie brennt, der ihr aber auch viel abverlangt. Denn sie will mehr als nur die Anstandsdame bei der ärztlichen ...

Schwester Henny ist 1906 die erste weibliche Polizeiassistentin in Deutschland. Ein Job für den sie brennt, der ihr aber auch viel abverlangt. Denn sie will mehr als nur die Anstandsdame bei der ärztlichen Untersuchung der Frauen auf Geschlechtskrankheiten sein. Henny sieht hinter die Kulissen, will nicht nur klarstellen, dass diese Frauen sich erst durch Männer infiziert haben und es die Männer sind, die diese Krankheit auch in ihre Familien bringen. Denn bisher sieht der Paragraf 361 Absatz 6 nur die Bestrafung der Frauen vor. Gleichzeitig sieht Henny aber auch das Elend der unehelichen Kinder, deren Mütter gesellschaftlich geächtet und viele von ihnen einem grausamen Schicksal entgegensehen. So auch das Bettelmädchen Sophie, dessen Zuhälter sie zwingt, unter Vortäuschung von Versehrtheit, das Mitleid der Mitmenschen zu erwecken oder auch diese zu bestehlen. Das stellt aber erst den Anfang ihres traurigen in der Abwärtsspirale befindlichen Lebens dar.
Im Buch halten sich die Schilderungen um Hennys schwierigen Stand im Job, ihren Visionen und ihrem Kampf für mehr Frauenrechte die Waage mit den Ausführungen, wie Sophies Leben weitergeht. Das Mädchen hat mir unwahrscheinlich leidgetan. Gleichzeitig hat es aber auch vermittelt, wie wichtig Hennys Kampf für die Rechte der Frauen ist. Der Autorin gelingt es sehr eindringlich zu schildern, welche Widerstände auf Hennys Vorschläge treffen. Schlimmer noch, je mehr sie sich für die Frauen einsetzt, um so mehr steht sie im Focus der Kritik bei ihren Chefs. Aber es gab damals noch andere Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen. Ich hatte bisher nie davon gehört, dass Kellnerinnen keinen Lohn erhielten. Für sie war das Trinkgeld die Bezahlung.
Eines habe ich beim Lesen gemerkt: wie intensiv Helene Winter sich mit der Materie im Vorfeld befasst haben muss. Mich hat dieser erste Teil auf jeden Fall überzeugt und darum gibt’s von mir 5 Lese-Sterne.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Schein, Sein – einfach verwirrend

Die Psychopathin - Wer manipuliert dich wirklich?
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Karolin Boger hatte bisher kein einfaches Leben. Seit sie klein ist, musste sie sich um ihre depressive Schwester Jenny kümmern, nun auch noch um deren 13jährige Tochter. Beruflich hat sie ihren Platz ...

Karolin Boger hatte bisher kein einfaches Leben. Seit sie klein ist, musste sie sich um ihre depressive Schwester Jenny kümmern, nun auch noch um deren 13jährige Tochter. Beruflich hat sie ihren Platz gefunden – in der Schraubenfabrik. Als Leiterin genießt sie das Vertrauen des Firmenchefs. Und endlich hat sie auch den liebevollen Mann fürs Leben gefunden. Kleiner Makel – Christopfer ist noch verheiratet und die Scheidung läuft.
Doch immer mehr seltsame Dinge geschehen in Karos Umfeld. Scheunen brennen in unmittelbarer Umgebung, ein totes Kaninchen knallt gegen ihre Terassentür.
Die Autorin lässt den Leser an den Ängsten und Zweifeln von Karo teilnehmen. Hautnah ist zu erleben, wie sie immer ängstlicher, wie sie versucht sich zu wehren und dabei immer noch der Fels in der Brandung für ihre Schwester und ihre Nichte Ronja zu sein. Mir hat die Frau auf der einen Seite unwahrscheinlich leidgetan und auf der anderen habe ich sie dafür bewundert, wie sie sich zur Wehr setzt. Irgendwann hatte das aber fast etwas Manisches. Jeden in ihrem Umfeld misstraut sie. Ich fand es jedenfalls unwahrscheinlich spannend, wie Karo hier im Buch versucht ihr Leben in den Griff zu bekommen. Und das, ohne zu ahnen wer wirklich hinter allem steckt. Von mir gibt’s 5 Lese-Sterne, Leseempfehlung eingeschlossen.

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