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Veröffentlicht am 20.05.2026

Klischeebehafteter cozy Kleinstadt-Roman

Ein Zuhause im Frühling
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Die Illustratorin Ella braucht eine Auszeit von ihrem Freund und Ereignissen in London, weshalb sie aufs Land reist um das Cottage ihrer Patentante zu hüten. Dort will sie Distanz zu ihrem Londoner Leben ...

Die Illustratorin Ella braucht eine Auszeit von ihrem Freund und Ereignissen in London, weshalb sie aufs Land reist um das Cottage ihrer Patentante zu hüten. Dort will sie Distanz zu ihrem Londoner Leben schaffen und ihre Kreativität wieder finden. Doch überraschenderweise muss sie die Labradorhündin Tess hüten und die Dorfgemeinschaft fordert von ihr Tätigkeiten, die sonst ihre Patentante übernommen hat. Statt alleine im Cottage zu malen, trifft sie also immer wieder auf einige Dorfbewohner/innen, wie den Tierarzt Devon oder seine Mitarbeiterin Bets, und beginnt Gefallen an ihrem neuen Leben dort zu finden.

Ich finde die Cottage- und Dorfatmosphäre in der Geschichte richtig schön. Wilsgrave ist ein kleines Dorf mitten in wunderschöner Landschaft und mit sehr sympathischen, aber auch typisch nervigen Bewohner/innen. Der Vibe ist gemütlich, amüsant und herzlich, weil das Landleben anschaulich dargestellt wird. Ella ist total in Slow Living eingetaucht und aufgegangen, z. B. beim Blumenschmuck für die Kirche. Die Menschen im Dorf sind total unterschiedlich und tauchen zum richtigen Zeitpunkt pointiert auf. Die Tierarzthelferin Bets ist so eine liebenswerte Frau und selbst die nervigste Dorfbewohnerin, die es ja auch immer geben muss, hat mich nur schmunzeln lassen. Die Protagonistin selbst war unter anderem mit ihrer Arglosigkeit und ihrer Ansicht zum Schminken oft sehr klischeebehaftet, insgesamt wird ihr Charakter aber stets sehr anschaulich und nachvollziehbar dargestellt.

Die Wendungen, die dann im weiteren Verlauf auftauchen, haben mir eher weniger gefallen. Der erste Plotttwist hat mich überrascht, aber nur, weil ich dachte es wäre schon längst offensichtlich. Dieser Punkt hat mich übrigens schon von Anfang an genervt. Und bevor ich total schwammig weiterschreibe, im Grunde fand ich es auch positiv für die Geschichte, nur das Wie war schon sehr gewollt und unverschämt. Die zweite Wendung hat mich aufgeregt. Wie kann Ella so gelebt haben? Das ist heutzutage doch total unrealistisch. Wobei danach sogar etwas Action aufkam, was mir ziemlich gut gefallen hat, weil hier Schwung in die Geschichte kam. Und positiv umgesetzt finde ich auch tiefgründige Aspekte von Ellas Vergangenheit in London.


Fazit:
„Ein Zuhause im Frühling“ beinhaltet eine tolle Dorfgemeinschaft und passende Elemente von Slow Living, weshalb ich mich schon sehr freue mit der Fortsetzung nach Wilsgrave zurückzukehren. Ella selbst und ihre Entwicklung sind klischeebehaftet, was ich so von der Beststeller-Autorin gar nicht erwartet hätte. Die Wendungen am Ende haben mich verwirrt, genervt, aber auch viel Action und Heiterkeit in die Geschichte gebracht. Für Fans von Hunden und Slow Living bzw. herzlichem Kleinstadtsetting, aber auch etwas Tiefgründigkeit, kann ich die Geschichte sehr empfehlen.

Veröffentlicht am 28.04.2026

Nicht so fröhlich, wie das Cover versprechen mag

You and Me - Die zweite erste Liebe
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Adam und Jules sind schon seit Jahrzehnten zusammen und haben bereits erwachsene Kinder, doch die beiden sind in Routinen gefangen und mit vielem nicht glücklich, wie steht es nun um ihre Beziehung? Auf ...

Adam und Jules sind schon seit Jahrzehnten zusammen und haben bereits erwachsene Kinder, doch die beiden sind in Routinen gefangen und mit vielem nicht glücklich, wie steht es nun um ihre Beziehung? Auf dem Dachboden finden die beiden alte Mixtapes, die sie sich in ihrer Datingphase und zu wichtigen Tagen gegenseitig geschenkt haben. Adam legt eine Kassette ein und reist zurück zu diesem Moment, zu diesem Tag – buchstäblich. Ja, die Geschichte handelt tatsächlich von Zeitreisen, was mir gar nicht bewusst war, obwohl es auf dem Klappentext steht, was ich aber metaphorisch aufgefasst habe. Nun reisen die beiden also abwechselnd zurück in ihrer gemeinsamen Geschichte und ändern auch einige Dinge, doch führt das alles zwischen ihnen beiden zum Besseren?

Der Anfang des Buches war für mich nicht leicht. Adam und Jules sind mit einigen Dingen in ihrem Leben nicht mehr zufrieden und miteinander auch nicht. Ihr Sohn schmeißt die Uni, während ihre Tochter zwar einen Job hat, aber wie ihr Bruder keinen Handgriff im Haushalt hilft und für gewisse Arbeiten zu ihrer Mutter rennt. Das war mir anfangs zu negativ. Als wir aber anfangen mehr über Adam und Jules und ihre Beziehung zu erfahren, haben mir die Rückblicke ihrer ersten Verliebtheit wieder die Laune gehoben. Man lernt somit auch die jüngeren Versionen der beiden kennen. Ich finde, das Autorenduo hat das Protagonistenpaar richtig anschaulich und nachvollziehbar dargestellt. Die Charaktere sind mir sympathisch, aber während der Geschichte nie richtig ans Herz gewachsen. Trotzdem konnte ich immer verstehen, warum sie in bestimmten Situationen so gehandelt haben.

Ich finde es schön, dass Musik so eine große Rolle spielt. Es werden auch einige Songs im Buch genannt und anfangs ist ein QR-Code für die Playlist auf Spotify abgebildet. Musik sagt so viel aus, leider kann ich beim Lesen keine Musik nebenbei hören, ansonsten wäre das ein richtig schöner Soundtrack gewesen. Auch dass Jules und Adam sich immer wieder zu besonderen Anlässen ein Mixtape erstellt und geschenkt haben, finde ich eine richtig schöne Geste.

Während der ganzen Zeitreisen und Veränderungen der Vergangenheit, wird die Geschichte repetitiv. Es ist zwar interessant und spannend, wie die neue Gegenwart aussieht, aber der Lerneffekt bei Jules und Adam ist kaum da und sie agieren im Grunde immer wieder gleich. Die Handlungen von ihnen selbst sind immer wieder gleich und auch gegenseitig sehr ähnlich. Die Geschichte endet teilweise vorhersehbar und einfach zu perfekt. Dass jetzt z. B. jeder Charakter auf den letzten Seiten in eine Beziehung gequetscht wird, ist zu viel. Und die Auflösung der Zeitreisen finde ich nachvollziehbar, aber schade. Der letzte Satz (mir sind letzte Sätze von Büchern so wichtig!) ist einfach unromantisch, unangenehm und zu gewollt.


Fazit:
„You & Me“ ist eine richtig schöne Idee mit den tatsächlichen Zeiteisen, die Jules und Adam in die vielen Jahre und Momente ihrer Beziehung zurückschicken. Die Thematik ist recht schön aufgebaut und die Charaktere von dem Autorenduo nachvollziehbar geschildert, jedoch wird die Handlung repetitiv und das Ende lässt mich unbefriedigend zurück. Die Geschichte ist nicht so fröhlich, wie das farbenfrohe Cover zu versprechen scheint.

Veröffentlicht am 22.11.2025

Hää? (Ja, ich hätte auch nie gedacht, dass ich mal so einen wortgewandten aussagekräftigen Titel nutze)

Die Spur der Vertrauten
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In dieser Welt steht das Wir über allem. Die Gesellschaft ist auf die Gesamtheit fokussiert und der/die Einzelne ist nicht wichtig, nur als kleines Zahnrad für das große Wir. Die Menschen haben alle einen ...

In dieser Welt steht das Wir über allem. Die Gesellschaft ist auf die Gesamtheit fokussiert und der/die Einzelne ist nicht wichtig, nur als kleines Zahnrad für das große Wir. Die Menschen haben alle einen Instinkt, der sich in der Kindheit entwickelt. Claire ist eine Vertraute, schenkt also jedem ihr Ohr, und Goliath ein Schützer, muss also die Menschen in seiner Umgebung vor Gefahren retten. Ja, muss! Denn der Instinkt hat eine gewisse Reichweite und die Personen üben ihn auf Autopilot aus. Claire und Goliath befinden sich in ihrem letzten Schuljahr, als beiden auffällt, dass andere Schüler/innen verschwinden. Die beiden fangen zunächst einzeln an nachzuforschen und suchen später gemeinsam nach den verschwundenen Jugendlichen. Dabei sind sie ein ziemlich gegensätzliches Paar, denn Claire hat ein Geheimnis und Goliath setzt alles daran, in der Rangfolge dieser Welt aufzusteigen.

Die Idee dieser Dystopie ist wirklich faszinierend und außergewöhnlich. Anfangs muss man sich erst darin einleben, denn wir sind alle daran gewohnt, dass unser Leben genauso wichtig ist, wie jedes andere auch. Hier aber zählt nur das Wir, der/die Einzelne ist quasi nur eine kleine Ameise für den riesen Bau. Der Instinkt ist stark, sodass die Menschen wie unter Zwang agieren. Wenn Goliath als Schützer z. B. sieht, dass ein Haus brennt, muss er hineinlaufen um alle aus den Flammen befreien, auch wenn er dabei selbst umkommen könnte. Diese Welt ist manchmal wirklich erschreckend und sehr krass. Mir hat die Idee von Christelle Dabos sehr gut gefallen. Der Weltenaufbau ist auch teilweise komplex, sodass man oft konzentriert lesen muss, keine Geschichte für zwischendurch. Die Protagonisten sind aber sympathisch, anschaulich und nahbar dargestellt, sodass man ihnen gut folgen kann. Außerdem sind die Geschehnisse richtig spannend und faszinierend, sodass ich sie kaum aus der Hand legen konnte.

Kurz vor der Hälfte hat die Geschichte einen kleinen Cut, der einige Monate überspringt und sich auch von der Erzählung ganz anders anfühlt. Als würde das Buch aus zwei Teilen bestehen. Nachdem es etwas gemächlicher beginnt, wird es aber wieder total spannend. Wobei ich mir manchmal auch dachte, dass man daraus gut eine Dilogie mit mehr Erläuterungen und Zeit zum Einfinden hätte machen können. Zwischen Claires und Goliaths Kapiteln gibt es auch einige wenige, aus anderen Erzählperspektiven. Diese sind sehr spannend und man merkt danach bald, um welche Person es sich handelt. Es werden immer wieder spannende Charaktere eingeführt und einiges aufgedeckt.

Die Idee der Geschichte hat mich wirklich beeindruckt, sodass ich dem Buch schon 5 Sterne geben wollte… Die Welt ist komplex, aber ich hatte immer das Gefühl sie verstanden zu haben; bis die letzten Kapitel kamen. Zum Schluss gibt es einen spannenden Showdown und sogar ein Kapitel, das sich wie ein Prolog liest. Aber es gibt keine Erklärung für das Ende. Für das, was passiert ist. Dafür, warum und wie es passiert ist. Ich habe einiges verstanden, ja, aber ich habe noch so viele offene Fragen. Für mich hat das Buchende gar nichts beendet. Man kann doch keine so komplexe Welt erschaffen, die dann irgendwie sinnfrei endet. Ich bin total enttäuscht und ratlos von dem Schluss. Ich habe das Buch schon vor einigen Wochen beendet und frag mich immer noch, ob die Lesezeit es wert war.


Fazit:
„Die Spur der Vertrauten“ ist eine thematisch faszinierende und absolut spannende Dystopie. Die Welt ist zwar komplex, sodass man aufmerksam lesen muss, aber auch unfassbar spannend, mitreißend und erschreckend. Ich war wirklich begeistert von dem Buch, weil es etwas Besonderes ist, aber das Ende hat mich maßlos enttäuscht. Ich bin so ratlos und habe zu viele offene Fragen. Wie kann man nur so ein tolles Gedankenexperiment zu Papier bringen und es dann völlig sinnfrei enden lassen?

Veröffentlicht am 21.09.2025

Sehr komplex, verwirrend und düster

Katabasis
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Alice ist eine sehr ehrgeizige Doktorandin der Analytischen Magie in Cambridge und arbeitet unter dem besten Magier der Welt, Professor Grimes. Als dieser durch einen Fehler im magischen Pentagramm stirbt, ...

Alice ist eine sehr ehrgeizige Doktorandin der Analytischen Magie in Cambridge und arbeitet unter dem besten Magier der Welt, Professor Grimes. Als dieser durch einen Fehler im magischen Pentagramm stirbt, entschließt sich Alice ihm in die Hölle zu folgen und zurückzuholen. Dabei schließt sich plötzlich Peter an, das Genie in ihrem Jahrgang. Die beiden haben alte Werke von Philosophen studiert, die bereits in die Hölle gereist sind und dadurch versucht sich auf die sieben Höllenkreise mit deren jeweiligen Todsünde vorzubereiten. Doch haben sie alle Gefahren bedacht, einschließlich ihrer eigenen Gefühle?

Der Aufbau und das System der Hölle waren sehr verwirrend für mich. R. F. Kuang kann beeindruckende und stimmige Geschichten schreiben, das hat sie bisher hinreichend bewiesen. Aber hier ist mir die Geschichte leider zu komplex gewesen. Als Alice und Peter in der Hölle ankommen sehen sie zwar eine Knochenwand, aber auch direkt Gebäude, die aussehen wie ihre Uni, was mich zunächst enttäuscht hat. Alice‘ und Peters Ziel ist es ihren verehrten Professor zu finden, aber trotzdem kamen mir die beiden oft ziellos vor. Außerdem hat die Hölle für Lebende, wie die beiden es sind, andere Regeln als für die verstorbenen Seelen. Und das Vorankommen in den Höllenkreisen unterliegt auch bestimmten Regeln. Aber WIE sehen die Regeln aus? Ich hab das oftmals nicht verstanden, warum die beiden etwas taten, warum nicht und warum sie weiter zogen oder überhaupt wohin. Dabei hilft es auch nicht, dass alle alten Philosophen und Magier, die bereits in die Hölle gereist sind, andere Aufzeichnungen angefertigt haben und die beiden Protagonisten sich auch überhaupt erst einmal einen Überblick bzw. Lageplan über die Hölle machen mussten. Es ist okay, wenn vieles schwammig ist oder sich erst entwickelt, aber irgendwann kommt der Punkt, wo man das auch den Leser/innen verständlich nahe bringen muss. Die Erklärungen anhand von Philosophie und mathematischer Logik sind zwar faszinierend, aber oftmals auch nicht verständlich. Entweder hätte die kluge Autorin hier die unnötigen Erläuterungen weglassen sollen oder genauer und einfacher veranschaulichen.

Mit der Zeit wurden die abstrakten Erklärungen weniger und die Charaktere der Geschichte weiter herausgearbeitet. Wir treffen nämlich auf Alice und Peter als sie gerade in die Hölle hinabsteigen. Während sie sich dort ihren Weg bahnen, gibt es immer wieder Rückblicke in ihre Studienzeit. Die Autorin hat die Vergangenheitskapitel dabei wirklich geschickt beschrieben, sodass wir Alice, Peter und den Professor immer besser kennenlernen. Die Hölle selbst ist natürlich kein Spaziergang und wurde vor allem als grau und trist beschrieben. Die Schilderung von Alice‘ Studium selbst kann damit aber gekonnt mithalten. Es gibt viele ernste und düstere Themen, die dem Genre Dark Academia alle Ehre machen (Triggerwarnung). Ab diesem Zeitpunkt wurde ich viel mehr mitgerissen, als bei den vielen Mikroabenteuern in den Höllenkreisen. Die Geschichte wurde im letzten Drittel sehr, sehr fesselnd, wirklich schockierend, absolut schmerzvoll und gleichzeitig berührend zu lesen.

„Im Kern ging es bei Magie nicht um komplizierte Mathematik oder Logik oder Linguistik, sondern darum, dass man daran glaubte. Durch den Glauben entfaltete ein Zauber seine Wirkung. Es war gar keine Frage der Algorithmen, sondern der Selbsttäuschung.“ S.155f


Fazit:
Das Buch „Katabasis“ macht seinem Genre Dark Academia wirklich alle Ehre. Zunächst folgt man Alice und Peter auf ihrem oft nebulösen und komplexen Weg in der Hölle, was für mich verwirrend und bis heute teilweise unverständlich war. Später werden die Themen immer düsterer und wohl auch die akademische Ausbildung an Unis und deren Schwächen kritisiert (Buch spielt vor der Jahrhundertwende). Was anfangs philosophisch und abenteuerlich beginnt, wird immer mehr charakterorientiert, geheimnisvoll und fesselnd.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Fantasy
Veröffentlicht am 09.09.2025

Eine besondere Geschichte, die mich leider nicht gänzlich überzeugen konnte

Das Knistern der Sterne
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Stella hat es momentan schwer im Leben, denn ihre Ehe ging in die Brüche, sie hat ihr Gespür für ihre Arbeit als Masseurin verloren und diesen Job nun ebenfalls. In dieser Situation findet der ältere Balthasar ...

Stella hat es momentan schwer im Leben, denn ihre Ehe ging in die Brüche, sie hat ihr Gespür für ihre Arbeit als Masseurin verloren und diesen Job nun ebenfalls. In dieser Situation findet der ältere Balthasar Stella und bittet sie, mit ihm die Reise auf einem Kreuzfahrtschiff anzutreten. Das Arrangement sieht folgendermaßen aus: Balthasar kommt für die Reise auf, lässt Stella freie Hand und möchte zum Abendessen ihre Gesellschaft und währenddessen hören, was sie den Tag über erlebt hat.

Beide Protagonisten waren mir anfangs sehr sympathisch und ich konnte ihre Situation mitfühlen. Auch wenn noch lange geheim bleibt, was in deren Leben vor sich geht, so konnte die Autorin die Gefühle von Stella und Balthasar nachvollziehbar beschreiben. Der Schreibstil ist definitiv etwas Besonderes. Clarie Hoffmann nutzt zwar viele Schachtelsätze, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran und kann die Geschichte durch die besondere Atmosphäre des Erzählstils genießen.

Leider wurden mir die beiden Protagonisten mit jeder Seite immer fremder. Balthasar kommt man bis zum Ende hinweg gar nicht mehr nah. Das liegt daran, dass die Geschichte aus Stellas Perspektive beschrieben wird und der Leser nur noch beim Abendessen auf Balthasar trifft. Hier hat die Autorin ein besonderes Mittel zum Erzählen verwendet, da man nur dem Dialog der beiden Protagonisten folgt. Es gibt keine Tätigkeiten der beiden, keine Mimik, keine Gestik. Einfach nichts, das mich durch die oft philosophischen Gespräche führt. Dadurch wurde es mühsam dem Gespräch zu folgen und ich hatte dadurch oft das Gefühl in der Kabine nebenan zu sitzen und zu lauschen. Dabei bin ich der Typ Leserin, der mitten in der Handlung sein und sie direkt miterleben möchte. Weil der Fokus ebenfalls auf das tägliche Abendessen gelegt wird, sind Stellas übrige Stunden auf dem Schiff mit der Zeit eher langweilig. Manche Kapitel sind nur kurz und sehr knapp beschrieben, deren entstandene Lücken erst beim Abendessen mit Balthasar gefüllt werden. Aber es wird auch wirklich alles, das mal angesprochen oder angedeutet wird und in dem Moment fehlt, später wieder aufgegriffen und abgeschlossen. Leider schwand auch meine anfängliche Sympathie und Anteilnahme gegenüber Stella, da sie meinem Empfinden nach auch gemein und manchmal rücksichtslos ist.

>>Es gibt auf Erden keine größere Macht als einen glücklichen Menschen. Und Luis war an diesem vollkommenen Tag das beste Beispiel dafür, dass dieser Satz der Wahrheit entsprach.<< S. 211

Die ganze Geschichte erscheint mir sehr entrückt. Ich mag besondere Geschichten, die etwas anders sind und das hat mir hier auch gut gefallen. Durch die Reise auf dem Meer ist ein Teil der Realität gefühlt weit weg. Auch wenn mir die beiden Protagonisten nicht immer sympathisch waren, sind Stella und Balthasar alles andere als 0815, vor allem Stella mit ihrer Gabe. Und insebesondere der Junge Luis hat mir sehr gut gefallen – mein Lieblingscharakter! Man spürt oftmals die Fantasie der Autorin, z. B. auch darin, dass der Buchtitel in einem unwirklichen Moment aufgegriffen wird.

Das Ende finde ich schön. Es rundet die ganze Geschichte ab, ist mir aber etwas zu rosarot, wird teilweise sogar tiefgründig und bringt einem auch die beiden Protagonisten wieder näher. Wie Stella mit ihren Schicksalsschlägen schlussendlich umgeht um einen Neuanafang starten zu können, hat mir gut gefallen. Auch als Balthasars Vergangenheit gelüftet wurde, hab ich mich wieder in ihn hinein fühlen können und hatte trotz allem Mitleid mit ihm. Ein Detail bezüglich Balthasars Ende der Kreuzfahrt hat mich sehr gestört, aber ich hab das Buch trotzdem zufrieden und mit einem guten Gefühl schließen können.


Fazit:
„Das Knistern der Sterne“ ist ein besonderes Buch, auch wenn es mich zwiegespalten zurücklässt. Die Geschichte wirkt entrückt, die Protagonisten sind nicht einfach nur gewöhnlich und der Schreibstil ist auch besonders. Leider hing der Mittelteil bezüglich der beiden Hauptfiguren und der Handlung etwas durch. Wenn man kein Problem mit einem kargen Dialog hat, vielleicht sogar gerne Drehbücher oder Theaterstücke liest, wird man definitiv mehr gefallen an der Geschichte finden als ich. Auch wenn ich einiges zu bemängeln habe und das Buch nur bedingt weiterempfehlen kann, muss ich nach einem zeitlichen Abstand nach Beenden des Buches nun sagen, dass ich die Geschichte doch recht gerne gelesen habe und es in meinen gelesenen Büchern nicht missen möchte.