Intensiv und atmosphärisch
Wilde HäuserDev liegt auf dem Sofa, die Kopfhörer auf den Ohren. Schräg gegenüber im Sessel, den früher seine Mutter für sich beanspruchte, die Promenadenmischung Georgie. Ein in die Jahre gekommener räudiger Köter ...
Dev liegt auf dem Sofa, die Kopfhörer auf den Ohren. Schräg gegenüber im Sessel, den früher seine Mutter für sich beanspruchte, die Promenadenmischung Georgie. Ein in die Jahre gekommener räudiger Köter mit schlechter Laune, fettem Überbiss und immerzu flehentlichem Blick. Georgie hat seiner verstorbenen Mutter gehört und war nie Devs Freund. Da er jedoch akzeptiert, dass Dev nun das Sagen hat und Herr über das Dosenfutter ist, führt er Devs Befehle aus, sofern sie energisch genug herausgebellt kommen.
Schluss jetzt!, dämmt Dev Georgies Gekläffe ein. Die Scheinwerferlichter eines Autos gleiten über die Wohnzimmerwände. Dev steht auf und schiebt die Vorhänge zur Seite. Er erkennt den Wagen seines Cousins Gabe Ferida. Er hält an, steigt aus, gefolgt von seinem Bruder Sketch. Sie zerren einen Jugendlichen von der Rückbank und scheuchen ihn zur Hintertür. Dev öffnet und sieht in ein blasses Gesicht.
Sketch ist zwei Jahre älter als Dev. Seine trainierten Oberarme sind übersät mit Tätowierungen. Sein Kinn ist kantig, die blauen Augen leuchten launisch. Wenn ihm danach ist, zieht er Schwachköpfen eins über. Gabe ist vierzig, sieht aber zehn Jahre älter aus. Er besteht aus Haut und Knochen. Sein langes vernarbtes Gesicht rahmt die tief in den Höhlen liegenden Augen ein. Zehn Jahre Heroin hatten ihm übel mitgespielt. Gar nicht einfach in der tiefsten Provinz Irlands so draufzukommen. Sie arbeiten für einen Typen namens Mulrooney. Kommen immer mal wieder bei Dev reingeschneit und bringen Pakete, die Dev dann wahlweise im Keller oder der Scheune unterbringt, bis sie wieder abgeholt werden. Dev bekommt dafür ein bisschen Geld. Jetzt sitzt der Junge in seiner Küche, weil sein Bruder die Feridas abgezockt hat. Dreizehn Riesen schuldet er Mulrooney und Sketch und Gabe werden sie eintreiben, egal wie.
Fazit: Colin Barrett, mehrfach ausgezeichneter Autor, hat das Porträt dreier Kleinstadtganoven gezeichnet. Die Feridabrüder verticken Drogen, der behäbige Cousin Dev bietet sein Haus als Lager an. Eigentlich will Dev, der keine sozialen Kontakte hat, nur seine Ruhe. Doch dann schleppen sie ihm eine Geisel ins Haus, um von dessen Bruder zu erpressen, was ihnen zusteht. Die Mutter der Geisel setzt seinen Bruder unter Druck, der das Dilemma zu verantworten hat. Ich erfahre Devs Hintergründe und warum er unter Panikattacken leidet. Im Laufe der Geschichte nimmt die Geisel Einfluss auf den konfliktscheuen Dev und rettet damit ihr Leben. Der Autor hat die Gabe, szenisch zu schreiben, was die Geschichte atmosphärisch und dicht macht. Manchmal wurden mir die detaillierten Umgebungsbeschreibungen etwas viel, dennoch liest sich das Buch, als würde man einen Film schauen. Das war gute Unterhaltung und für alle Krimifans, die einen besonderen Schreibstil mögen genau das richtige Buch. Nicht zu vergessen, das Cover, die gesamte Umschlaggestaltung ist, wie bei allen gebundenen Steidl Büchern wieder ein besonderes Zusatzbonbon.