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Veröffentlicht am 01.03.2026

Ich wurde in den Kopf der Protagonistin reingeworfen, habe kurze und intensive Einblicke bekommen und wurde abrupt wieder rausgerissen.

Zusammenkunft
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"Zusammenkunft" erzählt die Geschichte einer namenlosen, britischen, Schwarzen Ich-Erzählerin, die mit ihrem Job im Finanzwesen den "gesellschaftlichen Aufstieg" "geschafft" hat. Die Handlung wird nicht ...

"Zusammenkunft" erzählt die Geschichte einer namenlosen, britischen, Schwarzen Ich-Erzählerin, die mit ihrem Job im Finanzwesen den "gesellschaftlichen Aufstieg" "geschafft" hat. Die Handlung wird nicht wie in einem klassischen Roman erzählt, sondern fragmentarisch und durcheinander. Dazwischen muss die Leser*in viele Leerstellen gedanklich selbst ausfüllen und kommt oft durcheinander.

Ich fand dieses Buch sehr bewegend! Es ist eindrücklich und schlau geschrieben und enthält viele nachdenklich stimmende Themen. Es kritisiert Rassismus, Klassismus, Sexismus, den Kolonialismus des britischen Empires und die fehlende Aufarbeitung dessen. Wenn ich mir das Buch nicht von meiner Geschichtslehrerin ausgeliehen hätte, hätte ich viele Passagen darin markiert, die on point sind! Die Thematik macht wütend, da gesellschaftlicher Druck und Missstände angeprangert werden.

Auf diesen 100 Seiten, die ich in einem Rutsch durchgelesen habe, steckt sehr viel drin und es ist noch viel mehr Raum da. Ich hätte gerne einen ganzen Roman mit dieser Figur im Fokus gelesen, denn so kam mir das alles viel zu kurz abgehandelt vor. Ich wurde in den Kopf der Protagonistin reingeworfen, habe kurze und intensive Einblicke bekommen und wurde abrupt wieder rausgerissen. Das fühlt sich für mich sehr unbefriedigend an, vor allem mit dem offenen Ende. Ich hätte sehr gerne 100-200 Seiten mehr gelesen, was vermutlich ein Kompliment an das Werk ist.

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Veröffentlicht am 22.03.2024

Ein toller Nostalgietrip!

Das Geheimnis des Amuletts
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Das Geheimnis des Amuletts hat mir einen tollen Nostalgietrip beschert! Das Buch erinnert mich sehr an Mia and Me (die Serie habe ich GELIEBT)! Außerdem sind bei mir die Klassenfahrt- und Urlaubfeelings ...

Das Geheimnis des Amuletts hat mir einen tollen Nostalgietrip beschert! Das Buch erinnert mich sehr an Mia and Me (die Serie habe ich GELIEBT)! Außerdem sind bei mir die Klassenfahrt- und Urlaubfeelings sehr gut rübergekommen und es kam mir so vor, als wäre ich selbst auf einem Ausflug an der französischen Küste! Nicht nur das, auch die Fabelwesen sind bildhaft und unfassbar süß beschrieben und ich hatte sie direkt vor Augen! Leonie Langpeter schreibt sehr authentisch mit einer flüssigen und lebensnahen Sprache, die das Lesen sehr leicht macht!

Allerdings war mir das Buch viel zu schnell geschrieben. Ich hatte das Gefühl, als wäre die Handlung sehr gerafft und man rast nur durch die Geschichte. Dadurch hatte ich kein richtiges Gefühl für die Charaktere und einige Fragen sind unbeantwortet. Was hat es mit der Stadt der Elfen und ihrem Gründer auf sich? Warum existiert sie? Wer ist der Bösewicht, was hat er vor und vor allem WARUM? Dadurch, dass ich das alles nicht wusste, kam mir die Geschichte nicht hundertprozentig glaubhaft vor. 50 bis 100 Seiten mehr hätten dem Buch gut getan, um sich mehr Zeit zu lassen und solche Fragen zu beantworten. Diese Seiten hätte ich auch gerne gelesen, da mir Das Geheimnis des Amuletts an sich gut gefallen hat!

Die Protagonistin Amelie musste viele mysteriöse Rätsel lösen und ich hatte viel Spaß beim Miträtseln! Einige Plottwists habe ich vorhergesehen aber das hat der Geschichte keinen Abbruch getan. Der Cliffhanger am Ende macht mich sehr neugierig auf eine mögliche Fortsetzung, die ich gerne lesen möchte!

Ich gebe diesem Debüt 3,5 von 5 Sternen und empfehle es wärmstens Kindern, die noch nicht so viel Leseerfahrung haben! Durch die einfache Sprache und der Länge des Buches eignet es sich für sie perfekt!

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Zu kitschig

The Last Wish of Bristol Keats
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Während ich ein sehr großer Fan von Pearsons "Chroniken der Verbliebenen" bin und mir auch "The Courting of Bristol Keats" sehr gut gefallen hat, hat mich "The Last Wish of Bristol Keats" leider nicht ...

Während ich ein sehr großer Fan von Pearsons "Chroniken der Verbliebenen" bin und mir auch "The Courting of Bristol Keats" sehr gut gefallen hat, hat mich "The Last Wish of Bristol Keats" leider nicht ganz so sehr abgeholt.
Die Handlung dieses zweiten, finalen Bandes knüpft nahtlos an Band 1 an und alle Handlungsstränge, die im ersten Teil aufgemacht wurden, werden fortgeführt. Jedes kleinste Detail wird wichtig und das fand ich sehr toll zu lesen, weil sich alles perfekt zusammenfügt.

Schon im Klappentext wird angeteasert, dass eine Person stirbt und das geschieht auch recht zu Anfang des Buches. Ich habe bei diesem Mord leider überhaupt nicht mitgefühlt, sondern mich eher gefragt: "Wer war diese Figur nochmal??". An dieser Stelle tut es den Emotionen nicht so gut, dass schon in Band 1 sooo unglaublich viele Nebenfiguren eingeführt wurden. Das sorgt zwar dafür, dass Elfheim detailreich und riesengroß wirkt, führt allerdings im entscheidenden Moment dazu, dass kaum Bindung zu den Charakteren da ist. Das wurde im Laufe des Buches etwas besser, da ich mehr Zeit mit den Charakteren verbringen konnte, aber eine richtig enge Bindung habe ich nicht aufbauen können und das finde ich etwas schade.

Am meisten herausgerissen haben mich die Spice-Szenen! Die waren für mich sehr unangenehm zu lesen und deutlich vulgärer und überpräsenter als im ersten Band, vor allem an, meiner Meinung nach, wirklich unangebrachten Stellen. Hallo, ihr hattet gerade einen riesigen Konflikt und solltet euch lieber vernünftig aussprechen!! Hallo, gerade ist Krieg!! Irgendwann, im Laufe der Handlung arbeiten Bristol und Thygan endlich vernünftig an ihrer Beziehung, aber ich fand das ganz schön spät.

Das epische Finale, auf das sich bestimmt 200 Seiten lang vorbereitet wurde, hat mich dann sehr berührt, das war sehr spannend aufgebaut. Allerdings mag ich das Ende nicht, was meiner Meinung nach auf einer Seite viel zu hart und auf einer anderen Seite viel zu kitschig ist. Da wurde viel Drama geschoben, damit es am Ende ein trauriges "8 Jahre später"-Kapitel und danach einen kitschigen "1 Jahr später"-Epilog geben kann. Von so etwas bin ich kein Fan, weil es dem Finale die Schlagkraft nimmt. Ich mag es lieber, wenn Bücher kurz nach dem Höhepunkt aufhören und die Figuren auf eine hoffnungsvolle Zukunft blicken, diese brauche ich aber nicht komplett auserzählt.

Alles in allem hat mich "The Last Wish of Bristol Keats" zwar mitgerissen, aber ich bin oft unzufrieden aus der Handlung ausgestiegen. An den tollen ersten Band kommt dieses Finale für mich leider nicht ran.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Was will dieses Buch?

Fischtage
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"Fischtage" handelt von der sechzehnjährigen Ella, die mit Wutanfällen zu kämpfen hat. Sie lebt in Dortmund und kommt aus einer Künstlerfamilie, die Mutter ist Galeristin und der Vater erfolgloser Schauspieler. ...

"Fischtage" handelt von der sechzehnjährigen Ella, die mit Wutanfällen zu kämpfen hat. Sie lebt in Dortmund und kommt aus einer Künstlerfamilie, die Mutter ist Galeristin und der Vater erfolgloser Schauspieler. Die beiden sind definitiv keine Anwärter für den Titel "Eltern des Jahres", da ihre drei Kinder mit dem wilden Drogen- und Partyleben ihrer Eltern aufwachsen. Als der jüngste Sohn Luis verschwindet, bekommt das niemand außer Ella mit. Da sie die Schnauze voll hat, haut sie von zuhause ab, um ihn zu suchen. Im Schrebergarten des alten Eckard kommt sie unter, Gesellschaft leistet ihr ein seltsamer, sprechender, bei Gefahr singender Plastikfisch.
Und so beginnt Ellas Suche nach Luis, die vielmehr eine Suche nach ihrer eigenen Zugehörigkeit ist.

Die Handlung wird aus der Ich-Perspektive von Ella erzählt. Sie ist unglaublich bissig in ihrer Sichtweise auf ihr Umfeld. Das war sehr unterhaltsam zu lesen. Der beste Part an diesem Buch war für mich der Anfang, wo Ella ihre Familie beschreibt und uns in ihr Leben einführt. Generell spannend fand ich die Milieustudie und an manchen Stellen die Gesellschaftskritik in diesem Buch. Ella begegnet sehr vielen, interessanten Menschen aus verschiedenen Schichten und macht eine kleine Entwicklung durch. Sie lernt, andere Menschen an sich heranzulassen und gewinnt einen anderen Blick auf die Welt. Diese Entwicklung ist schön, aber hat mich weniger mitgerissen als erwartet.

Bei manchen Figuren, wie bei Oksana, finde ich die Beweggründe nicht nachvollziehbar. Warum hilft sie Ella? Ich fand einiges nicht so ganz schlüssig. Den sprechenden Plastikfisch kann ich akzeptieren, der ist ja absichtlich unrealistisch und irgendwie lustig. Aber diese ganze Abenteuerreise mit der Auflösung am Ende hat mich nicht ganz gekriegt, sondern eher ratlos zurückgelassen. Sie wirkte auf mich sehr klischeehaft und der actionfilmmäßige Showdown wirkte auf mich deplatziert. Außerdem werden Ella schlimme Dinge angetan, die überhaupt nichts zur Handlung beitragen, konsequenzlos bleiben und nicht mehr aufgefriffen oder eingeordnet werden, als wäre es gar nicht passiert.
Und egal, wie oft ich den letzten Satz lese, ich verstehe ihn leider nicht, weil er für mich einfach nicht zum Rest des Buches passt.

Ich weiß nicht ganz, wie ich "Fischtage" finden soll, es ist so ein "Joa, kann man machen"-Buch. Der bissige Schreibstil ist toll und das Element des magischen Realismus mit dem sprechenden Plastikfisch ist sehr originell, aber die Handlung ist dann doch unerwartet gewöhnlich aufgebaut. Ich bin ein kleines bisschen enttäuscht, weil ich das Potential sehe und ein Lesehighlight erwartet habe. Ich werde zukünftigen Büchern von Brandi definitiv eine weitere Chance geben.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Popkultur durch die feministische Brille

Girl vs. Girl
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"Girl vs. Girl" ist ein intersektional feministisches Sachbuch, das sich mit der Darstellung von Frauen in der Popkultur von den 90er Jahren bis in die Gegenwart beschäftigt. Aufgrund des Titels dachte ...

"Girl vs. Girl" ist ein intersektional feministisches Sachbuch, das sich mit der Darstellung von Frauen in der Popkultur von den 90er Jahren bis in die Gegenwart beschäftigt. Aufgrund des Titels dachte ich im Vorfeld, dass es um die Grabenkämpfe dieser Frauen untereinander geht, aber das ist nicht der Fall, da es eher um den male gaze und patriarchale Strukturen in der Popkultur geht.

Ich finde diese Lektüre sehr lehrreich. Sie setzt in Beziehung, warum die selbstbewussten Supermodels der 90er (wie Naomi Campbell) durch fragile, sehr junge Models (wie Kate Moss) ersetzt wurden, weil Erstere durch ihren Einfluss und ihr Selbstbewusstsein für sich selbst (Bezahlung etc.) eingestanden sind und man(n) mit diesen unsicheren, jungen Models so umgehen konnte, wie man(n) wollte. Diese These hat mich sehr zum Nachdenken gebracht (und sie wird in dem Buch wesentlich besser erklärt, als ich es hier tun kann).
Auch sehr spannend fand ich zu erfahren, dass der Begriff "Girlboss" ursprünglich aus der Riot Grrrl Szene stammt und empowernd gemeint war, bevor "Girlboss" zur indiviudualistischen, kommerzialisierten Phrase verkommen ist.
Das Schockierendste war für mich, dass die Autorin aufzeigt, wie Pornopraphie die Popkultur beeinflusst. Die dargestellten Wechselwirkungen sind so interessant wie errschreckend. Für diese Erkenntnis lohnt sich das Lesen!
Der chronologische und thematische Aufbau des Buches macht es sehr leicht, den beschriebenen Entwicklungen der Popkultur zu folgen.

Allerdings bin ich in diesem Buch auch immer wieder über Thesen gestolpert, die für mich nicht genug ausgeführt wurden. Die Ansätze waren immer da, aber sie wurden für mich nicht genug erklärt. Die Autorin beschreibt patriarchale, gesellschaftliche Symptome in der Popkultur, aber nicht en Detail deren Ursachen. Das war wahrscheinlich auch nicht der Anspruch des Buches, was eher die Entwicklung der Popkultur beschreiben und miteinander in Beziehung setzen möchte (und das gelingt dem Buch gut).

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