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Veröffentlicht am 03.05.2026

Flauschig und herzerwärmend

Eine Maus namens Merlin
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Flauschig, herzerwärmend und voller Hoffnung.

„Eine Maus namens Merlin“ von Simon van Booy
Verlag: Klett-Cotta

Merlin, Alter geschätzt 1 Jahr, zutraulich, mit Atemnot, zieht bei Helen Cartwright, ...

Flauschig, herzerwärmend und voller Hoffnung.

„Eine Maus namens Merlin“ von Simon van Booy
Verlag: Klett-Cotta

Merlin, Alter geschätzt 1 Jahr, zutraulich, mit Atemnot, zieht bei Helen Cartwright, 83 Jahre, einsam und ohne Erwartungen an das restliche Leben, ein.
Nach 60 Jahren kommt Helen aus Australien zurück in ihren Heimatort. Einsam, verwitwet und mit wenig Ballast bezieht sie für ihre restlichen Tage ein kleines möbliertes Haus und ersetzt nur das Nötigste. Jeder Tag vergeht ereignislos, unauffällig lebt sie in ihrer alten Heimat, fernab von allem Vertrauten. Als eine graue, gepflegte und zutrauliche Maus - aus Versehen oder ganz absichtlich - bei ihr einzieht, stellt sie Helens Leben auf den Kopf. Helen verlässt notgedrungen ihre Komfortzone, möchte das exotische Tier gerne loswerden, aber nicht töten. Doch so einfach gestaltet sich das leider nicht.
Und so tritt sie wieder mit Menschen in Kontakt: vom Gemischtwarenhändler über die Bibliothekarin bis zum Kardiologen kommt Helen durch den Mäuserich ins Gespräch. Auch braucht das kleine Lebewesen ihre Unterstützung und Helen kann nun nicht mehr einfach sterben, was doch ihr Wunsch war, bevor das Tier in ihr Leben trat.
Was für eine wunderschöne, herzerweichende und berührende Geschichte. Selbst wer bei Knopfaugen und flauschigem Fell nicht ins Verzücken gerät, wird diese bezaubernde Geschichte lieben. Der Autor schreibt über die Schwere von Helens Leben ebenso wie über die Leichtigkeit, die ein kleines Lebewesen hineinbringen kann.
Was es ausmacht, gebraucht zu werden, zeigt uns van Booy und wie Menschlichkeit und Nähe das Leben wieder lebenswert machen.
Humorvoll und mit viel Leichtigkeit schreibt er über schwere Themen wie Einsamkeit und Isolation, aber auch über Lebensmut und Mitgefühl.
Ein lesenswerter Roman, der mich voller Emotionen schmunzeln lässt, ohne dabei kitschig oder schnulzig zu sein. Leise, warm und lange nachklingend.

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Veröffentlicht am 17.04.2026

Pageturner! Unbedingt lesen …

Das Signal
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Was für ein ge*ler Thriller! Kann es gar nicht anders beschreiben - durchgesuchtet an einem Tag.

Das Signal von Ursula Poznanski
Verlag: Droemer-Knaur

Viola Decker, Innenarchitektin, hübsch und verheiratet ...

Was für ein ge*ler Thriller! Kann es gar nicht anders beschreiben - durchgesuchtet an einem Tag.

Das Signal von Ursula Poznanski
Verlag: Droemer-Knaur

Viola Decker, Innenarchitektin, hübsch und verheiratet mit Adam, selbständig, Perfektionist und
Ästhet. Doch nach einem tragischen Unfall musste Viola ein Bein amputiert werden.

Adam kümmert sich sehr um seine Frau, engagiert eine furchteinflössende, dominante Pflegerin, selbst ist er jedoch körperlich distanziert.

Viola lässt sich nicht unterkriegen; Adam möchte sie von der Außenwelt abschirmen, ist auf ihre Genesung bedacht und hält alles von ihr fern. Doch das möchte Viola gar nicht; ihre besten Freundinnen Romy und Marit lenken sie doch mit ihren Geschichten eher ab.

Leider kann Viola das Erdgeschoss in ihrem abgelegenen renovierungsbedürftigen Haus nicht verlassen, die Treppe ist zu gefährlich. Komischerweise verschwinden immer wieder ihre Krücken und sie versieht diese mit einem Mini-GPS-Tracker. Ebenso bekommt Adam einen Tracker, als er sich immer seltsamer benimmt und angeblich immer mehr geschäftliche Abendtermine wahrnehmen muss.

Und schleicht da nicht jemand ums Haus?

Viola ahnt Schlimmes und die versteckten Tracker liefern ihr schwerwiegende Beweise.
Wer plant hier etwas?
Und wie kann sie sich in ihrem Zustand wehren?
Geht es um ihr gut gehütetes Geheimnis?

Die Autorin schreibt unglaublich fesselnd, zieht uns hinein in ein Labyrinth aus Lügen, Verrat und tödlichen Geheimnissen.

Überraschende Wendungen, starke Plottwists und eine packende Schreibweise, lässt uns die Luft anhalten und das Gefühl der Enge spüren.

Ursula Poznanski schreibt hier einen absolut genialen Psychothriller. Ihre Charaktere wirken sehr real, das Setting ist perfekt gewählt und der Spannungsbogen mit seinen überraschenden Wendungen packend.

Bisher habe ich noch nicht viel von der Autorin gelesen; das werde ich ändern. Ich habe nach langer Zeit wieder einmal versucht ein Buch langsamer zu lesen um mehr davon zu haben. War mir leider bei dieser exzellenten und mitreißenden Schreibweise nicht möglich.

Ein absoluter Pageturner - Suchtpotenzial garantiert! Eine große Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Leseempfehlung

Mit beiden Händen den Himmel stützen
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„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ von Lilli Tollkien
Verlag: Aufbau
Ein Roman, der sich trotz der schweren Thematik schnell wegliest.
Lale wächst in den 80er Jahren in einer Männer-WG auf. Die drogenabhängige ...

„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ von Lilli Tollkien
Verlag: Aufbau
Ein Roman, der sich trotz der schweren Thematik schnell wegliest.
Lale wächst in den 80er Jahren in einer Männer-WG auf. Die drogenabhängige Mutter hat das Sorgerecht verloren, der Vater sitzt im Gefängnis und sein Freund Karlheinz holt aus schlechtem Gewissen und wegen 700 € Pflegegeld die kleine Lale aus dem Heim und gibt ihr ein Zuhause. Falls man eine Männer-WG mit Alkohol, Drogen und wechselnden Frauen als Zuhause gelten lassen mag.
Lale sehnt sich nach Sicherheit, Wärme, Umarmung und einer Brotdose für die Schule.
Sie bekommt Freiheiten, aber keine Regeln und keine Grenzen, keine Erziehung.
Die Autorin schreibt in einer etwas distanzierten, sachlichen, aber eindringlichen Art über die schweren Themen wie se*uellen Missbrauch, Abhängigkeiten und Vernachlässigung.
Beginnend mit Lales Zeugung bis zur Entbindung ihres Kindes wird chronologisch ihr schwerer Weg erzählt. Ein Buch, das mich aufwühlt, wütend macht und mich doch voller Mitgefühl und Empathie weiterlesen lässt. Die Autorin gibt uns Einblicke in die anti-autoritäre Erziehung. Lale bekommt schon als kleines Kind eine verkehrte Art von Beziehung aufgezeigt. Frauen werden benutzt, für verrückt erklärt, wenn sie sich auflehnen und so bekommt Lale ein verquertes Bild von Beziehungen. Auch ihr Selbstbild wird stark durch die Männer und deren verzerrtes Denken über Frauen, Alkohol und Drogen geprägt.
Ihr Vater, der nach dem Gefängnis in der Kommune lebt, nimmt Lale und ihre Ängste nicht ernst. Niemand beschützt das kleine Kind auf dem Weg zur Erwachsenen und das lässt mich beim Lesen voller Unverständnis den Kopf schütteln. Weder Jugendamt noch Lehrer oder Freunde der Männerkommune helfen, auch Lales Oma und ihre ältere Schwester greifen nicht ein.
Hoffen wir, dass das System heute besser organisiert ist.
Lale ist eine kleine Streberin in der Schule, die Regeln dort gefallen ihr und sie geht gerne dorthin. Bis sie abrutscht und sich in Kreisen bewegt, in denen Alkohol und Drogen dazugehören. Lale versucht immer wieder, aus diesem Kreislauf auszubrechen, doch sie kann nichts zu Ende bringen. Ihr Versuch, zu werden wie andere Personen, lässt sie scheitern, und sie findet sich erst wieder, als sie zu schreiben beginnt.
Der Missbrauch durch einen der Männer aus der Kommune wird erst Jahre später zugelassen. Ihre Scham über die Erregung währenddessen, obwohl sie sich ekelt, ist so groß, dass sie versucht, das Thema zu ignorieren. Was nicht ausgesprochen wird, existiert nicht.
Der Debütroman von Tollkien ist kein Buch für Zwischendurch, es ist eine klare Empfehlung für alle, die sich mit diesem schweren Thema auseinandersetzen können.
Bitte die Triggerwarnung beachten.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Literarisches Highlight

Die Schwestern
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„Die Schwestern“ von Colm Tóibín Verlag : Hanser
In „Die Schwestern“ von Colm Tóibín geht es um drei Schwestern, die nach dem Tod ihres Vaters ihre Heimat verlassen und gemeinsam mit ihrer Mutter nach ...

„Die Schwestern“ von Colm Tóibín Verlag : Hanser
In „Die Schwestern“ von Colm Tóibín geht es um drei Schwestern, die nach dem Tod ihres Vaters ihre Heimat verlassen und gemeinsam mit ihrer Mutter nach Argentinien zurückkehren.
Eine Nonne hilft schließlich, die drei Mädchen in einer Schule unterzubringen; zunächst aus Fürsorge, später jedoch von Zweifeln geplagt, als sie erkennt, dass die Mutter nicht in der Lage ist, das Schulgeld zu bezahlen. Doch da ist es längst zu spät. Die Mädchen lernen schnell, sich anzupassen: Sie verleugnen einander, ihre Herkunft, ja alles, was sie als Familie einst ausmachte.

Núria, die Älteste, mittlerweile Witwe und einst Unternehmersgattin; Conxita, die mittlere Schwester, angestellt bei einer wohlhabenden Tochter, in deren Haushalt sie arbeitet; und Montse, die Jüngste, die nun in einer Autowerkstatt ihren Lebensunterhalt verdient. Montse war 20 Jahre die Geliebte eines älteren Herren und hat die Vorzüge genossen.
Der Kontakt zwischen den Schwestern ist lose geworden; bereits vor langer Zeit haben sie sich voneinander entfernt.
Die Mutter, stark im Einfluss der wohlhabenden und dominanten Núria, vernachlässigt die beiden anderen Töchter und drängt sie früh in die Selbständigkeit.
Mit bewundernswerter Präzision gelingt es dem Autor, auf wenigen Seiten die fragile Beziehung zwischen den Schwestern und auch zur Mutter eindringlich zu zeichnen. Leise und von stiller Intensität erzählt er von ihrem Leben in der Fremde, damals wie heute. Damals als arme Familie ohne Halt in Buenos Aires, heute, nach dem Erbe ihrer Tante in den Pyrenäen, als sie gemeinsam in die Vergangenheit zurückkehren.
Zart und von melancholischer Schönheit durchzogen, entwirft der Autor das Leben der Geschwister. Die Distanz und Entfremdung werden ungeschönt dargestellt; zugleich beschreibt er mit feinem Gespür die vorsichtige Annäherung während ihres Aufenthalts im kleinen Haus der Tante. Nach all den Jahren kommen sie sich wieder näher und doch bleibt das Band zwischen ihnen von einer fast schmerzhaften Zerbrechlichkeit.
Colm Tóibín überzeugt durch seinen ruhigen, fließenden und zugleich ungemein präzisen Schreibstil. Mit wenigen Worten erschafft er ein intensives, atmosphärisch dichtes Familienporträt. Er macht die Distanz spürbar und lässt zugleich in späteren Jahren Vertrautheit und Verbundenheit wieder aufscheinen; leise, behutsam und von großer literarischer Eleganz.
Was für ein Werk, was für ein zutiefst poetisches, berührendes literarisches Highlight.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Highlight

Ein Mädchen verließ das Zimmer
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„Ein Mädchen verließ mit vierzehn das Zimmer und wurde nicht mehr gesehen. Ein weißer Fleck auf der Karte. Ein nasser Fleck auf dem Laken. Eine leere Puppe. Ein Loch in der Welt.“ (Pos.3741)
Ein Mädchen ...

„Ein Mädchen verließ mit vierzehn das Zimmer und wurde nicht mehr gesehen. Ein weißer Fleck auf der Karte. Ein nasser Fleck auf dem Laken. Eine leere Puppe. Ein Loch in der Welt.“ (Pos.3741)
Ein Mädchen verlässt ein Zimmer und mit ihr verschwindet etwas, das nie wieder ganz zurückkehrt.
„Ein Mädchen verließ das Zimmer“ von Ulrikka S. Gernes / Verlag: Gutkind
Ein junges Mädchen wird verführt. Nicht mit Gewalt, nicht mit Druck, sondern mit Worten. Mit Briefen, in denen Sehnsucht mitschwingt, in denen von Liebe erzählt wird. Und doch ist diese Liebe ein Verbrechen. An ihrer Person. An ihrem Werden. Ein Verlust ihrer selbst. Nur weiß das junge Mädchen das alles noch nicht.
„Niemand versteht die Liebe, niemand außer denen, die sie fühlen.“ (Eg/Brief 05.02.1980)
Eg, Schriftsteller, Freund der Eltern, trifft auf Tanja. Vierzehn Jahre alt, eine Bohnenstange, voller Unsicherheit und doch mit einer tiefen Liebe zur Poesie. Zwischen ihnen entsteht ein reger Briefwechsel. Anfangs vielleicht harmlos, doch Eg beginnt, sich in ihre Gedanken zu schreiben. Mit Komplimenten, mit großen Worten, mit der Behauptung, sie sei sein Leben, seine Liebe, seine Sehnsucht. So geschickt, so subtil, dass Tanja sich ebenfalls in ihn verliebt. In einen 46-jährigen Mann.
Er spricht von Gleichberechtigung, von Tiefe, von einer besonderen Verbindung. Doch von der Verletzung ihrer Integrität, ihrer Würde, davon spricht er nicht.
Und das vielleicht Erschütterndste: Niemand greift ein.
Nicht die Eltern. Nicht Freunde. Nicht einmal Fremde.
Tanja, kaum älter als Egs eigene Tochter, verliert nicht nur ihre Unschuld, sondern sich selbst. Wer wäre sie gewesen ohne ihn? Was hätte sie gewollt, wenn seine Worte nicht ihre Gedanken überlagert hätten?
„Wie sieht man die Wirklichkeit in der Wirklichkeit? Auch eine Fotografie ist nur ein Ausschnitt.“ (Pos.2767)
Dieser Satz beschreibt so viel von dem, was dieses Buch ausmacht. Wir sehen Ausschnitte. Gefühle. Erinnerungen. Und erst nach und nach setzt sich das ganze Bild zusammen: erschütternd, schmerzhaft, klar, unausweichlich.
Tanja liebt. Sie gibt sich hin. Und genau darin liegt die Tragik. Denn sie ist nicht Opfer im klassischen Sinne und doch ist sie es in jeder Faser ihres Seins. Eg nimmt sich, was er will, und nennt es Liebe. Und sie glaubt ihm.
Selbst Jahre später kann er sie nicht loslassen. Seine Worte finden immer wieder ihren Weg zu ihr. Und Tanja schafft es nie ganz, sich zu befreien.
Erst als erwachsene Frau - in einer gesunden Beziehung, an der Seite eines Mannes in ihrem Alter - beginnt sie zu verstehen. Beginnt zu begreifen, was ihr genommen wurde. Dass es Worte für das gibt, was geschehen ist, dass es Gesetze dafür gibt.
Paragraf 223, Absatz 2, Strafgesetzbuch.
Doch was hilft ihr der Paragraf heute? Was kann er ihr zurückgeben? Nichts!
Und es bleibt die Frage, warum hat niemand etwas getan? Warum hat man das zugelassen?
„Du wurdest geschaffen, um mein zu sein. Eine solche Liebe setzt man nicht aufs Spiel. Als Du nichtsdestotrotz Sonne und Mond verwechseltest, verloren wir einander.“ (Pos.3692)
Diese Worte sind schwer zu ertragen. Weil sie so viel offenlegen. Besitz. Manipulation. Verdrehte Realität.
Die Autorin klagt nicht an. Sie verurteilt nicht. Und genau darin liegt die Wucht dieses Buches. Sie erzählt. Lässt uns fühlen. Lässt uns eintauchen in Tanjas Gedankenwelt, erst die des Mädchens, dann die der Frau, die zurückblickt und versucht zu verstehen.
Man spürt die verlorene Kindheit. Die Verwirrung. Die Sehnsucht nach etwas, das sich als Illusion entpuppt.
Sprachlich ist dieses Buch ein absolutes Highlight. Fließend, eindringlich, voller Emotionen. Jeder Satz sitzt, jede Zeile hallt nach. Es ist keine laute Geschichte, aber eine, die lange bleibt.
Ein Buch, das erschüttert und das wehtut.
Und ein Buch, das man nicht so schnell vergisst.

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