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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.11.2025

Trotz seiner nüchternen Sprache bewegender Roman

Schwebende Lasten
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An den Roman musste ich im Anschluss immer wieder denken, so hat er bei mir doch viele Bilder im Kopf hinterlassen - Magdeburg im 2.Weltkrieg, die erste Waschmaschine zu DDR-Zeiten, die Arbeit im Kran, ...

An den Roman musste ich im Anschluss immer wieder denken, so hat er bei mir doch viele Bilder im Kopf hinterlassen - Magdeburg im 2.Weltkrieg, die erste Waschmaschine zu DDR-Zeiten, die Arbeit im Kran, die umstrukturierte Plattenbausiedlung nach der Wende. Als Leser begleitet man Hanna, eine Blumenverkäuferin aus Magdeburg, durch das 20.Jahrhundert. Der zeitliche Bogen spannt sich beginnend in den 20er Jahren bis nach der Wende.
Es ist unglaublich, mit welcher Detailgenauigkeit Annette Gröscher die geschichtlichen Fakten zusammengetragen hat. Dabei ist der Roman nie trockener Geschichtsstoff, sondern lebendig und bisweilen auch erschütternd und intensiv. Zu der Hauptfigur bleibt eine gewisse Distanz. Vielleicht weil Pragmatismus und Nüchternheit wichtig für das Überleben und den Aufrechterhalt der "kleinbürgerlichen Wohlanständigkeit" (S.135) waren und wenig Raum für eine tiefe emotionale Innenschau zulässt. Vielmehr hatte ich beim Lesen das Gefühl, mit Hannas Augen durch die deutsche Geschichte zu reisen und das was ich "sah" hat mich manchmal schmunzeln lassen, mich manchmal aber auch sehr bewegt und mich gleichzeitig fast etwas demütig werden lassen, wenn ich lese, was diese Frauen erlebt und geleistet haben. Der Roman hat seine nachdenklichen ("Im Kapitalismus stirbt die Individualität, weil alle individuell sein wollen." (S.217)), aber auch seine leisen, poetischen Alltagsmomente.
Trotz seiner teilweise nüchternen Darstellung konnte mich das Buch sehr begeistern. Ein wunderbarer Roman über Widerstandskraft und innere Stärke, der sich zu lesen lohnt.

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Veröffentlicht am 23.05.2026

inspirierend

Was dein Leben leichter macht
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In zwanzig Kapiteln erzählt der Psychotherapeut Sina Haghiri Geschichten aus dem Alltag – über Gesellschaft, Gesundheit und das, was uns als Menschen psychisch bewegt. Die eingeflochtenen persönlichen ...

In zwanzig Kapiteln erzählt der Psychotherapeut Sina Haghiri Geschichten aus dem Alltag – über Gesellschaft, Gesundheit und das, was uns als Menschen psychisch bewegt. Die eingeflochtenen persönlichen Geschichten und Begegnungen machen die Kapitel sehr nahbar, und gleichzeitig sind sie mit Fachwissen gespickt, sodass ich als Leserin viele Kapitel mit einem kleinen Aha-Moment abgeschlossen habe.

Besonders mochte ich tatsächlich das Kapitel zum Thema Sterben – mit seinen Fragen rund um Würdezentriertheit hat es mich wirklich zum Nachdenken gebracht. Es ist selten, dass ein Sachbuch dieses Thema so einfühlsam und gleichzeitig klar behandelt.

Positiv hervorzuheben ist auch, dass das Buch zu keiner Zeit belehrend wirkt – es verhilft vielmehr zu eigenen Einsichten, was ich als sehr angenehm empfunden habe. Man kann es von vorne bis hinten durchlesen oder sich gezielt einzelne Kapitel heraussuchen, die einen gerade interessieren – beides funktioniert gut.

Natürlich zündet nicht jedes Kapitel gleichermaßen: Manche haben mir neue Erkenntnisse für Herz und Verstand geschenkt, andere haben mich weniger berührt. Insgesamt habe ich das Buch als inspirierend und anregend erlebt – allerdings war es für mich kein Buch, das man in einem Zug liest. Ich konnte es immer nur in kleinen Portionen zu mir nehmen, um die Inhalte wirklich verdauen zu können.

Was die äußere Aufmachung betrifft, hat mich das Buch etwas weniger überzeugt. Das Design ist sehr schlicht gehalten, das Papier wirkt eher „pappig" und hätte gerne hochwertiger sein dürfen. Bei einem Buch, das man naturgemäß mit vielen kleinen Pausen liest, hat mir ein Leseband tatsächlich gefehlt.

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Veröffentlicht am 23.05.2026

Unterhaltsam

Yesteryear
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Wer auf der Suche nach gepflegter Langeweile ist, Hände weg von diesem Buch! Allen anderen sei das Buch empfohlen – innerhalb von 2 Tagen hatte ich das Buch gelesen und mich dabei bestens unterhalten gefühlt.
Äußerlich ...

Wer auf der Suche nach gepflegter Langeweile ist, Hände weg von diesem Buch! Allen anderen sei das Buch empfohlen – innerhalb von 2 Tagen hatte ich das Buch gelesen und mich dabei bestens unterhalten gefühlt.
Äußerlich macht das Buch ebenfalls eine gute Figur: Der halbtransparente Umschlag mit "doppeltem Boden" und das graue Leseband passen sehr gut zu dem Thema des Romans.
Im Mittelpunkt steht Natalie, die als klassische Trade Wife mit ihrer Familie auf einer Farm lebt und dieses vermeintlich idyllische Landleben für ihre Follower inszeniert – und damit ordentlich Geld verdient. Was die Kamera nicht zeigt: Nannys, Produzenten, Farmarbeiter, die das ganze Konstrukt am Laufen halten, aber auch die Familienspannungen und -konflikte. Als Natalie sich plötzlich ohne jede Unterstützung in eben jener Welt wiederfindet, die sie bislang nur vermarktet hat, nimmt der Roman Fahrt auf.
Besonders interessant ist dabei die Figur der Natalie selbst: Das Buch zeigt, wie jemand aus einer tief empfundenen Sehnsucht nach Sicherheit und Struktur allmählich in die Rolle einer Trade Wife hineinwächst – und wie sie damit zugleich eine Sehnsucht bedient, die viele Menschen in einer chaotischen Welt nach der guten alten Zeit mit ihren traditionellen Werten verspüren. Natalie ist als Figur mit ihrer vermeintlichen Überlegenheit und sarkastischem Ton ausgesprochen unsympathisch gezeichnet – und dennoch folgt man ihr gerade deswegen gebannt. Es gibt sogar Momente, in denen ich ihr innerlich zustimmend genickt habe, etwa wenn sie die Zerrissenheit von Frauen zwischen beruflichen Anforderungen und familiären Bindungen und Verpflichtungen beim Namen nennt.
Das Buch öffnet viele Themen: Social Media und Authentizität, Geschlechterrollen, den Preis des perfekten Lebens. Allerdings werden die wenigsten davon in der Tiefe weiter ausgeleuchtet. Ob das ein Manko ist, ist vermutlich Geschmackssache. Einzelne Bilder oder Zitate, die mich noch lange nach dem Lesen begleiten, habe ich zwar nicht mitgenommen – aber als kurzweilige, kluge Unterhaltung ist Yesteryear auf jeden Fall eine Empfehlung wert.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Eine besondere Kinderbuchreihe – geheimnisvoll und fesselnd

Mika Mysteries - Die Spur der Meisterdiebin
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Im Vergleich zum ersten Teil empfanden unser neunjähriger Sohn und ich diesen zweiten Band vielleicht etwas langatmiger. Gleichzeitig besticht der Roman durch seine geheimnisvolle und wunderbar erzählte ...

Im Vergleich zum ersten Teil empfanden unser neunjähriger Sohn und ich diesen zweiten Band vielleicht etwas langatmiger. Gleichzeitig besticht der Roman durch seine geheimnisvolle und wunderbar erzählte Atmosphäre im Stockholm der Jahrhundertwende. 

Zur Handlung: Stockholm 1881: Die Stadt fiebert der Rückkehr des Forschungsschiffs Vega entgegen, während im Waisenhaus einige Kinder spurlos verschwinden. Als Kommissar Hoff Mika wegen einer Diebstahlserie um Hilfe bittet, gerät sie in einen gefährlichen Konflikt zwischen Loyalität und Gerechtigkeit.

Ungewöhnlich für ein Kinderbuch haben die Charaktere eine bemerkenswerte Tiefe. Das ganze Buch hat durchaus etwas Düsteres, was Kinder einerseits als faszinierend erleben, aber möglicherweise nicht für empfindsame Kinder geeignet ist. Johan Rundberg traut seinen jungen Lesern in der Darstellung durchaus viel zu.

Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, das Buch vorzulesen und unser 9 jähriger Sohn war trotz kleiner Längen in der Mitte immer gespannt dabei. Für uns eine besondere Buchreihe zwischen all den anderen Kinderbüchern. Johan Rundberg wurde für den ersten Band "Der Ruf des Nachtraben" 2021 mit dem renommierten schwedischen Augustpreis ausgezeichnet – zu Recht!

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Starke Atmosphäre und Sprache, dramaturgisch etwas überfrachtet

Der Fährmann
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„Der Fährmann" hat mich mit den ersten Seiten durch seinen dunklen, geheimnisvollen Schreibstil, die teils poetische Sprache und die atmosphärische Dichte mitnehmen können. Denk gelingt es, mit bildhaften ...

„Der Fährmann" hat mich mit den ersten Seiten durch seinen dunklen, geheimnisvollen Schreibstil, die teils poetische Sprache und die atmosphärische Dichte mitnehmen können. Denk gelingt es, mit bildhaften Worten das Gesellschaftsporträt einer jungen Generation zu Beginn des Ersten Weltkriegs im deutsch-österreichischen Grenzgebiet nachzuzeichnen – insbesondere die eingeschränkten Lebensmöglichkeiten von Frauen.

Weniger überzeugt haben mich die Figurenzeichnung und das Finale. Die Hauptfiguren bleiben leider etwas eindimensional – klare Sympathieträger stehen einem bösen Gegenspieler gegenüber, Grautöne fehlen. Gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse geradezu, was mich emotional nicht mehr richtig hat mitnehmen können. Weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen.

Trotz dieser Schwächen ein lesenswerter Roman, der durch seine sprachliche Kraft und die Darstellung der Lebensrealität junger Frauen zu Beginn des Ersten Weltkriegs berührt.

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