Der Autor hat mich frühzeitig verloren
Grünkohl und Curry1974 sind Hasnains Eltern von Pakistan nach Deutschland gezogen. Vor den Toren Hamburgs in Twielenfeeth sollten sie ein Zuhause finden. Doch die Willkür der Ausländerbehörde hat es ihnen nicht leicht gemacht ...
1974 sind Hasnains Eltern von Pakistan nach Deutschland gezogen. Vor den Toren Hamburgs in Twielenfeeth sollten sie ein Zuhause finden. Doch die Willkür der Ausländerbehörde hat es ihnen nicht leicht gemacht und die anpassungsfähige Familie mehrfach mit Ausweisung bedroht.
Nach fünfzig Jahren in Deutschland hat der Vater das Bedürfnis, seine Heimat wiederzusehen und so macht er sich mit seinem Sohn auf die lange Reise nach Lucknow. Endlich im Afzal Mahal angekommen, erkennt der Vater den Brunnen in der Mitte des Hauses wieder. Er ist stillgelegt, weil es längst fließendes Wasser gibt. Vieles hat sich verändert, mehrere Anbauten sind entstanden. Die Wohnräume zur Straße sind an Geschäftsleute vermietet. Die Straße vor dem Haus wurde zur Hauptverkehrsader. Ihre Ankunft hat sich herumgesprochen. Am Abend kommen alle ansässigen Verwandten, um sie willkommen zu heißen.
Die Schwester des Vaters erinnert sich an die schreckliche Zeit, als der Vater noch klein war und das alles wegen des Pfeffers. Ende des 16. Jahrhunderts kontrollierten die Niederländer den Gewürzhandel und hoben die Pfefferpreise an. Die aufsteigende Großmacht Britannien wollten sich dem Pfefferdiktat nicht beugen und wurden zuerst Handels- dann Kolonialmacht. 1757 unterwarfen die gierigen Briten Indien und boten die Spanier und Franzosen aus. 1857 probten indische Infanteriesoldaten innerhalb der britischen Armee einen Aufstand (Sepoy-Aufstand). 70 Jahre später startete der Rechtsanwalt Mahatma Gandhi symbolische Aktionen zum Ausdruck indischer Gewaltfreiheit und Beharrlichkeit, um die Briten zum Abzug zu bewegen.
Fazit: Der Autor und mehrfach ausgezeichnete Journalist, Hasnain Kazim, hat mich auf eine Reise eingeladen, von der ich frühzeitig abgesprungen bin. Ich habe das Buch auf Seite 67 abgebrochen, weil ich auf dem nicht uninteressanten, aber beschwerlichen Weg durch die Historie sowohl Orientierung als auch Geduld verloren habe. Die Geschichte des Kolonialismus finde ich wichtig, aber der Stil der Dokumentation ist unendlich dröge. Die vielen indischen Namen ließen mich immer wieder zurückblättern. Ich hätte mir ein wenig mehr Prosa gewünscht, stattdessen bekam ich, zumindest bis zu dem Punkt an den ich es geschafft hatte, journalistische Trockenheit vorgesetzt. Und ich liebe gute journalistische Artikel, wie ich sie im Spiegel finde und weiß, dass man die Dinge auch interessant beschreiben kann. Wie dem auch sei. Das Buch erschien erstmals 2009 und wurde von Penguin in überarbeiteter Form neu verlegt.