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Veröffentlicht am 04.05.2026

Meer, Sand – und ein Sturm, der in der Familie tobt

Summer Storms
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Aufgefallen ist mir das Buch tatsächlich wegen des Covers. Nach diesem langen Winter hatte ich große Lust auf eine sommerliche Lektüre – und jetzt, wo endlich wieder jeden Tag die Sonne herauskommt, hat ...

Aufgefallen ist mir das Buch tatsächlich wegen des Covers. Nach diesem langen Winter hatte ich große Lust auf eine sommerliche Lektüre – und jetzt, wo endlich wieder jeden Tag die Sonne herauskommt, hat mich das Bild von Meer und Sandstrand sofort angesprochen. Außerdem liebe ich Bücher, in denen es um Inheritance-Drama geht. Es fühlte sich also nach genau der richtigen Stimmung an.

Der Roman hat mich dann auch zu Beginn sofort abgeholt. Alice’ innere Zerrissenheit ist von der ersten Seite an greifbar, und die Metaphern rund um die verschiedenen Fortbewegungsmittel haben für mich perfekt funktioniert. Sie zeigen, wie sehr ihr Leben früher von anderen gesteuert wurde und wie sehr sie sich nach einem Weg sehnt, den sie selbst bestimmen kann. Dieser Einstieg war für mich ein starker Teil des Buches, weil er Alice’ Gefühlswelt so klar und unaufgeregt sichtbar macht und sie damit zu einer starken Protagonistin werden lässt.

Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto deutlicher wird, wie kaputt das Familiensystem durch die Manipulation und Kontrolle des verstorbenen Vaters ist. Die Geschwisterperspektiven in den speziellen Kapiteln haben mir besonders gefallen, weil sie die Dynamik zwischen den Familienmitgliedern verständlicher machen. Man spürt, wie viel Verletzung, Erwartungsdruck und unausgesprochene Schuld in dieser Familie steckt. In den wenigen Momenten, in denen sie wirklich miteinander reden, blitzt auf, wie anders ihr Leben hätte aussehen können. Diese Szenen gehören für mich zu den stärksten des Romans.

Ganz anders ging es mir mit der Mutterfigur Elisabeth. Ihre Kälte, ihr Selbstmitleid und die Art, wie sie ihre Kinder behandelt, haben mich beim Lesen immer wieder fassungslos gemacht. Die späteren Enthüllungen über ihr Verhalten haben das nur bestätigt. Für mich ist sie eine der Figuren, die am stärksten nachhallen – allerdings nicht im positiven Sinne.

Schwieriger wurde es für mich bei der Liebesgeschichte. Was am Anfang noch eine interessante Spannung hatte, verliert sich später in Halbwahrheiten und manipulativen Momenten. Ich konnte die romantische Entwicklung zwischen Alice und Jack einfach nicht fühlen. Zu viel Misstrauen, zu viele unausgesprochene Dinge, zu viele Situationen, in denen er Entscheidungen beeinflusst, die eigentlich ihr gehören. Für mich hat das jede Chance auf eine glaubwürdige Nähe zerstört. Gerade weil der Roman so viel Wert auf Selbstbestimmung und Verletzlichkeit legt, hat diese Beziehung für mich nicht funktioniert.

Das Ende hat mich dann zwiegespalten zurückgelassen. Einige Enthüllungen fand ich stark, andere eher enttäuschend. Besonders die Auflösung rund um die Aufgaben und das Erbe fühlte sich für mich kleiner an, als die Geschichte es aufgebaut hatte. Nach all dem Drama hätte ich mir eine Wendung gewünscht, die den Figuren mehr zutraut und ihnen mehr Raum gibt, sich wirklich zu lösen. Leider ist bis zum Schluss die manipulative Präsenz von Franklin Storm zu spüren.

Trotz dieser Kritikpunkte bleibt ein Roman, der in seinen familiären Konflikten unglaublich stark ist. Die Atmosphäre, die Dynamik zwischen den Geschwistern, die emotionalen Brüche – all das hat mich sehr berührt. Nur die Liebesgeschichte konnte für mich nicht mithalten.

Fazit: Ein intensiver Roman über Familie, Kontrolle und Verletzungen, der in seinen stärksten Momenten richtig unter die Haut geht. Die Geschwister, ihre Vergangenheit und ihre Entwicklung haben mich bewegt und oft wütend gemacht – im besten Sinne. Die Liebesgeschichte dagegen bleibt für mich blass und unausgewogen. Wer vor allem wegen des Familiendramas liest, bekommt hier viel geboten. Wer eine überzeugende Romanze erwartet, könnte enttäuscht werden. Da für mich die Romanze zweitrangig war, gibt es von mir 4 Sterne.

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  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 11.04.2026

Leichter Frühlingsroman für Teenager

Picking Daisies on Sundays
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Vielen Dank an den Ravensburger Verlag für das Rezensionsexemplar über NetGalley.

„Picking Daisies on Sundays“ ist für mich eine warmherzige, frühlingsleichte Romanze, die viele süße Momente hat und mich ...

Vielen Dank an den Ravensburger Verlag für das Rezensionsexemplar über NetGalley.

„Picking Daisies on Sundays“ ist für mich eine warmherzige, frühlingsleichte Romanze, die viele süße Momente hat und mich immer wieder zum Lächeln gebracht hat. Der Ton erinnert stark an Lynn Painter – humorvoll, sanft, unaufgeregt romantisch – und das rosa Cover mit Herzen und Blumen passt perfekt zur Stimmung des Buches. Es geht um erste Liebe, ums Verliebtsein durch die rosarote Brille und um all die Unsicherheiten, die damit einhergehen. Genau deshalb halte ich die Geschichte für ideal für Teenager zwischen 12 und 15 Jahren, die sich gerade mit Themen wie erstem Schwarm, ersten Gefühlen oder erstem Liebeskummer auseinandersetzen.

Dani (von Levi Daisy genannt) ist eine Protagonistin, die viel mit sich selbst kämpft. Ihr Traum, Designerin zu werden, begleitet sie seit ihrer Kindheit, doch sie designt nie etwas für sich selbst, weil sie sich nicht schön genug fühlt. Ihr geringes Selbstbewusstsein, ihre Naivität und die ständigen negativen Gedankenspiralen ziehen sich durch das ganze Buch und waren für mich oft ermüdend. Gleichzeitig fand ich es schön zu sehen, wie sie langsam mutiger wird, sich mehr zutraut und beginnt, ihren Platz in der Designwelt einzunehmen. Diese Entwicklung ist leise, aber spürbar.

Levi dagegen wirkt auf den ersten Blick wie der perfekte Love Interest: freundlich, hilfsbereit, gutaussehend, französisch sprechend, liebevoll im Umgang mit seiner Familie. Erst nach und nach zeigt sich, dass er mehr Tiefe hat, als man zunächst denkt. Die gemeinsame Vergangenheit der beiden – verbunden durch den Verlust ihrer Väter – macht ihre Freundschaft glaubwürdig und emotional. Umso unnatürlicher wirkte für mich ihr Wiedersehen nach vier Jahren Funkstille. Es fühlte sich an, als wäre nie etwas passiert, niemand stellt Fragen, niemand wundert sich über die plötzliche Nähe. Auch Daisys spontane Zustimmung zum Fake‑Dating wirkte für mich nicht ganz nachvollziehbar, gerade weil sie Levi gedanklich immer noch Dinge von vor vier Jahren vorhält.

Ein Punkt, der mich besonders irritiert hat, war die Darstellung der Nebenfiguren. Fast alle Frauen im Buch scheinen Single zu sein und Levi anzuschmachten, was ihn noch stärker in diese perfekte‑Traumtyp‑Rolle drängt. Bella, seine Exfreundin, bleibt trotz ihrer Bedeutung für die Handlung erstaunlich blass. Gerade hier hätte die Geschichte viel Potenzial für Drama und Spannung gehabt, das leider kaum genutzt wurde. Der Mittelteil zieht sich dadurch etwas, weil sich Daisys Gedanken ständig wiederholen und der große Konflikt aus der Vergangenheit einfach nicht angesprochen wird.

Sehr positiv hervorzuheben ist dagegen Daisys Freundeskreis. Der Club, in dem jede Woche der „Promi‑Style der Woche“ gesucht wird, die kleinen Streitereien, die dort bleiben, die Frühstücksrotation der Designgruppe und die Art, wie Jia, Daisy und Gabe sich auf Dates gegenseitig im Blick behalten und aus unangenehmen Situationen retten – all das hat dem Buch viel Charme und Wärme gegeben. Diese Freundschaften wirken authentisch, unterstützend und zeigen, wie wichtig ein stabiles Umfeld gerade in jungen Jahren sein kann. Auch Levis französische Gedichte, die unauffällig in das Buch eingewoben sind, haben mir sehr gefallen und der Geschichte eine leise, intime Tiefe verliehen. Ich habe tatsächlich zurückgeblättert, um die Stellen noch einmal zu lesen.

Das Ende hat für mich vieles wieder ausgeglichen. Die Szenen zwischen Levi und Daisy sind süß, warm und versöhnlich, und obwohl ich mir zwischendurch mehr Tiefe und etwas mehr Mut zu Konflikten gewünscht hätte, hat mich der Abschluss mit einem guten Gefühl zurückgelassen.

Fazit: Eine süße, frühlingshafte Friends‑to‑Lovers‑Romance, die besonders für jüngere Leser:innen zwischen 12 und 15 gut geeignet ist. Trotz einiger Längen, Wiederholungen und unausgeschöpftem Potenzial überzeugt das Buch mit warmen Momenten, einem tollen Freundeskreis und einem liebenswerten Love Interest.

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Veröffentlicht am 11.04.2026

Schöne Graphic Novel zum Klassiker

Stolz und Vorurteil – die Graphic Novel nach Jane Austen
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Vielen Dank an den Knesebeck Verlag für dieses Rezensionsexemplar über NetGalley.

Ich lese die Bücher von Jane Austen sehr gern, und Stolz und Vorurteil gehört zu meinen Favoriten. Neben verschiedenen ...

Vielen Dank an den Knesebeck Verlag für dieses Rezensionsexemplar über NetGalley.

Ich lese die Bücher von Jane Austen sehr gern, und Stolz und Vorurteil gehört zu meinen Favoriten. Neben verschiedenen Ausgaben des Romans sammle ich inzwischen auch Graphic Novels, weshalb mich die neue Adaption von Anna Opel und Elias Linnekuhl besonders interessiert hat.

Der Roman wird von Anna Opel in einer klaren und gut verständlichen Form nacherzählt. Die Handlung ist auf das Wesentliche reduziert, sodass die Beziehungen zwischen den Figuren und die gesellschaftlichen Erwartungen leicht nachvollziehbar bleiben. Die Dialoge orientieren sich am Original, sind aber stark gekürzt, um den Erzählfluss nicht zu unterbrechen. Für Leser:innen, die den Roman kennen, funktioniert dies ganz gut. Wer Stolz und Vorurteil zum ersten Mal liest, könnte jedoch Schwierigkeiten haben, die Figuren auseinanderzuhalten oder der Handlung vollständig zu folgen.

Die Illustrationen von Elias Linnekuhl prägen den Charakter der Graphic Novel besonders stark. Seine klare Linienführung und die zurückhaltende Farbpalette erzeugen ein ruhiges, stimmiges Gesamtbild. Die Mimik und Körperhaltungen der Figuren sind einfach, aber sehr ausdrucksstark, sodass Emotionen ohne viele Worte verständlich werden. Die Innenräume und Landschaften sind stilisiert, vermitteln aber dennoch ein gutes Bild der Regency-Zeit. Die Panels sind übersichtlich gestaltet und nie überladen, was das Lesen angenehm macht und den Fokus auf die Figuren und ihre Gefühlsregungen lenkt. Ein Punkt hat mich jedoch gestört: Zwar wird bei jedem Ortswechsel der Schauplatz angegeben, aber nicht, wie viel Zeit vergangen ist. Selbst als Kennerin des Romans musste ich gelegentlich innehalten, um mich zeitlich einzuordnen.

Fazit: Insgesamt bietet die Graphic Novel eine angenehme und zugängliche Leseerfahrung. Sie vermittelt die Grundstimmung des Originals in einfacher, moderner Form und eignet sich besonders für Leser:innen, die den Klassiker kennenlernen möchten oder eine visuelle Erzählweise bevorzugen. Dennoch empfehle ich, zusätzlich den Roman von Jane Austen zu lesen, um die fehlenden Details und Zusammenhänge vollständig zu erfassen.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

REM – Ein Horrortrip mit Sogwirkung

REM
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„REM“ war für mich ein echtes Blind Date, weil ich weder Annika Strauss noch Sebastian Fitzek zuvor gelesen hatte. Vielleicht war genau das der Vorteil: Ich konnte völlig unvoreingenommen in die Geschichte ...

„REM“ war für mich ein echtes Blind Date, weil ich weder Annika Strauss noch Sebastian Fitzek zuvor gelesen hatte. Vielleicht war genau das der Vorteil: Ich konnte völlig unvoreingenommen in die Geschichte eintauchen. Schon das Cover hat mich sofort gepackt – dieses schwarze Auge mit der gesprungenen Linse jagt mir jedes Mal eine Gänsehaut über den Rücken, sobald ich das Buch in die Hand nehme.

Die Handlung zieht einen ohne Umwege hinein. Die Rückblende in Alysees Vergangenheit wirft sofort Fragen auf, die einen durch das ganze Buch begleiten: Was haben ihr Vater und sein Freund erforscht, und warum verfolgt Alysee diese Angst bis heute so hartnäckig? Der Schreibstil ist leicht und flüssig, und ehe ich mich versah, war ich schon tief in der Geschichte. Die Sogwirkung ist enorm – man liest weiter und weiter, weil man unbedingt wissen möchte, was hinter all dem steckt.

Die Figuren bleiben insgesamt eher oberflächlich, was mich aber nicht gestört hat. Über Alysee und Nico erfährt man am meisten, während die anderen Charaktere zwar kurzzeitig wichtig sind, aber nicht wirklich Tiefe bekommen. Alysee wirkt auf mich wie eine starke Protagonistin, die trotz ihres Kindheitstraumas versucht, ihr Leben in den Griff zu bekommen und Pläne für eine bessere Zukunft schmiedet. Nico dagegen war mir von Anfang an unsympathisch. Es wirkt, als würde er Alysees Gutmütigkeit ausnutzen, gerade weil ihre Gefühle für ihn kompliziert sind. Die Entwicklung ihrer Beziehung fand ich etwas merkwürdig und emotional eher flach – aber es ist ein Horrorbuch und keine Romanze, daher ist das wohl eher mein persönliches Empfinden.

Besonders intensiv wird die Atmosphäre, als Alysee und Nico das alte „Hotel“ betreten, das Alysee geerbt hat. Der Verfall, die düstere Stimmung – all das bildet die perfekte Kulisse für das, was noch kommt. Die Nebencharaktere Amir, Dani und Mike verfolgen ihre eigenen finsteren Pläne, was zusätzliche Spannung erzeugt. Einige Szenen haben einen deutlichen Ekelmoment, etwa Amirs Erinnerung an die Straßenkinder oder Danis traumatische Vergangenheit. Das ist nichts für schwache Nerven, aber sehr wirkungsvoll eingesetzt.

Ab etwa 80 Prozent verliert die Geschichte für mich etwas an Kraft. Der Plot Twist kam zwar überraschend, fühlte sich aber ein wenig konstruiert an und nahm der zuvor aufgebauten Spannung den Druck. Bis dahin war das Buch für mich klar auf Fünf‑Sterne‑Kurs. Trotzdem bleibt „REM“ ein starkes, atmosphärisches und sehr gut lesbares Buch mit einem offenen Ende, das Raum für eine Fortsetzung lässt – und die würde ich definitiv lesen.

Besonders hervorheben möchte ich die Illustrationen von Jörn Stollmann. Sie sind düster, atmosphärisch und unglaublich ausdrucksstark. Die Zeichnungen zwischen Kapitel 35 und 36 haben mich besonders überrascht – dunkel, detailreich und unheilvoll, als würden sie die kommende Handlung vorwegnehmen.

Fazit: Ein düsterer, flüssig erzählter Horror‑Thriller mit beeindruckenden Illustrationen und einer Handlung, die einen packt und nicht mehr loslässt. Auch wenn der späte Twist nicht ganz mithalten kann, bleibt das Buch absolut lesenswert – und ich wäre einer Fortsetzung von Alysees Geschichte definitiv nicht abgeneigt.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Magische Welten warten im Faraway Inn

The Faraway Inn
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Danke an den Loewe Verlag für das Rezensionsexemplar über NetGalley!

„The Faraway Inn“ ist ein Jugendbuch von Sarah Beth Durst und im Genre Cozy Fantasy angesiedelt. Es ist ein eigenständiger Roman, der ...

Danke an den Loewe Verlag für das Rezensionsexemplar über NetGalley!

„The Faraway Inn“ ist ein Jugendbuch von Sarah Beth Durst und im Genre Cozy Fantasy angesiedelt. Es ist ein eigenständiger Roman, der ohne Fortsetzung auskommt. Die Protagonistin Calisa besucht ihre Großtante Zee im Faraway Inn – ein spontaner Rückzugsort, nachdem sie Liebeskummer hat. Dort ist sie zunächst nicht besonders willkommen, doch Calisa lässt sich nicht entmutigen. Während ihres Aufenthalts macht sie einige seltsame Entdeckungen und stößt nach und nach auf eine magische Welt, die sich hinter dem Inn verbirgt.

Sarah Beth Durst beschreibt die Umgebung rund um das Faraway Inn sehr bildlich und atmosphärisch. Man sieht die Dornenranken, den Staub in den Ecken und die Löcher im Dach förmlich vor sich. Beim Lesen liegt ständig etwas Magisches in der Luft und es hat Spaß gemacht, die verwunschenen Winkel des Inns durch Calisas Augen zu entdecken. Die Handlung schreitet allerdings extrem langsam voran. Einerseits passt dieses gemächliche Tempo gut zum Cozy‑Vibe, andererseits wartet man immer wieder darauf, dass „jetzt gleich“ etwas passieren müsste. Mir hat ein klarer Hinweis gefehlt, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln will. Geht es um Calisas persönliche Reise? Um Tante Zee? Um die Rettung des Faraway Inns? Oder um eine kleine Romanze mit Jake? Am Ende ist es irgendwie alles zusammen – aber aus keinem Bereich genug, um mich vollständig zufriedenzustellen. Man muss jedoch bedenken, dass das Buch ab 12 Jahren empfohlen wird; für diese Zielgruppe ist der Handlungsverlauf vermutlich genau richtig dosiert.

Die Figuren sind durchweg sympathisch, selbst Tante Zee, die anfangs noch abweisend und kratzbürstig wirkt. Calisa ist eine starke Protagonistin: Sie kommt zwar mit gebrochenem Herzen im Faraway Inn an und erlebt zunächst Ablehnung, aber sie lässt sich nicht unterkriegen. Sie macht sich einen Plan, packt mit an und versucht, das Inn wieder auf Vordermann zu bringen. Dabei ist sie ehrgeizig und überschreitet auch mal Regeln, ohne je unsympathisch zu werden. Trotz ihres eigenen Herzschmerzes bleibt sie offen, hilfsbereit und warmherzig – etwas, das auch die Gäste des Inns schnell bemerken. Sie unterstützt sie bei ihren kleinen und großen Problemen und bekommt dabei oft Hilfe von Jake, dem Sohn des Hausmeisters.

Ich finde es schön zu sehen, dass momentan wieder (junge) Männer als männliche Hauptfiguren auftauchen, die man als echte Green Flags bezeichnen kann. Das ist gerade für die junge Zielgruppe wichtig. Ich muss an dieser Stelle anderen Rezensenten widersprechen: Jake hat sehr wohl Persönlichkeit. Persönlichkeit bedeutet nicht, ständig im Mittelpunkt zu stehen oder besonders laut zu sein. Jake ist ein eher stiller Charakter, der zuverlässig seine Aufgaben erledigt. Er ist Calisa eine große Stütze, hilft ihr im Alltag des Inns, im Umgang mit den Gästen und beim Verstehen der magischen Eigenheiten des Hauses. Er ist manchmal naiv und verspielt, aber gleichzeitig warmherzig, aufmerksam und emotional zugänglich. Er nimmt Calisa wirklich als Person wahr – und das zieht sich durch die ganze Handlung.

Auch die Nebenfiguren und magischen Kreaturen sind mit viel Charme gezeichnet. Eine hyperaktive Dryade, ein kleiner Drache, ein mürrischer Spiegel (der zum Ende hin wirklich witzig wird) und viele weitere Wesen haben Stärken und Schwächen, sodass man einige von ihnen richtig ins Herz schließen kann.

Der Schreibstil passt gut zu einem Jugendbuch. Es fällt zwar öfters das Schimpfwort Arschl*ch, aber in einem absolut vertretbaren Rahmen – und Jugendliche kennen ohnehin deutlich drastischere Ausdrücke. Das Inn und seine Bewohner werden atmosphärisch beschrieben, aber nie überladen oder blumig, wie es in Fantasy manchmal vorkommt. Dadurch bleibt der Stil gut lesbar und zugänglich für die Zielgruppe.

Fazit: Für mich ist „The Faraway Inn“ ein warmes, atmosphärisches Jugendbuch, das vor allem durch seine magische Kulisse und seine liebenswerten Figuren überzeugt. Die langsame Handlung ist Geschmackssache – sie passt zwar zum Cozy‑Fantasy‑Gefühl, ließ mich aber manchmal etwas orientierungslos zurück. Trotzdem habe ich die Zeit im Inn, die kleinen magischen Momente und die sanfte Entwicklung der Charaktere genossen. Für die Zielgruppe ab 12 Jahren ist es ein stimmiges, zugängliches und charmantes Buch, das zeigt, wie viel Kraft in Freundlichkeit, Mut und Zusammenhalt steckt.

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