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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.04.2026

REM – Ein Horrortrip mit Sogwirkung

REM
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„REM“ war für mich ein echtes Blind Date, weil ich weder Annika Strauss noch Sebastian Fitzek zuvor gelesen hatte. Vielleicht war genau das der Vorteil: Ich konnte völlig unvoreingenommen in die Geschichte ...

„REM“ war für mich ein echtes Blind Date, weil ich weder Annika Strauss noch Sebastian Fitzek zuvor gelesen hatte. Vielleicht war genau das der Vorteil: Ich konnte völlig unvoreingenommen in die Geschichte eintauchen. Schon das Cover hat mich sofort gepackt – dieses schwarze Auge mit der gesprungenen Linse jagt mir jedes Mal eine Gänsehaut über den Rücken, sobald ich das Buch in die Hand nehme.

Die Handlung zieht einen ohne Umwege hinein. Die Rückblende in Alysees Vergangenheit wirft sofort Fragen auf, die einen durch das ganze Buch begleiten: Was haben ihr Vater und sein Freund erforscht, und warum verfolgt Alysee diese Angst bis heute so hartnäckig? Der Schreibstil ist leicht und flüssig, und ehe ich mich versah, war ich schon tief in der Geschichte. Die Sogwirkung ist enorm – man liest weiter und weiter, weil man unbedingt wissen möchte, was hinter all dem steckt.

Die Figuren bleiben insgesamt eher oberflächlich, was mich aber nicht gestört hat. Über Alysee und Nico erfährt man am meisten, während die anderen Charaktere zwar kurzzeitig wichtig sind, aber nicht wirklich Tiefe bekommen. Alysee wirkt auf mich wie eine starke Protagonistin, die trotz ihres Kindheitstraumas versucht, ihr Leben in den Griff zu bekommen und Pläne für eine bessere Zukunft schmiedet. Nico dagegen war mir von Anfang an unsympathisch. Es wirkt, als würde er Alysees Gutmütigkeit ausnutzen, gerade weil ihre Gefühle für ihn kompliziert sind. Die Entwicklung ihrer Beziehung fand ich etwas merkwürdig und emotional eher flach – aber es ist ein Horrorbuch und keine Romanze, daher ist das wohl eher mein persönliches Empfinden.

Besonders intensiv wird die Atmosphäre, als Alysee und Nico das alte „Hotel“ betreten, das Alysee geerbt hat. Der Verfall, die düstere Stimmung – all das bildet die perfekte Kulisse für das, was noch kommt. Die Nebencharaktere Amir, Dani und Mike verfolgen ihre eigenen finsteren Pläne, was zusätzliche Spannung erzeugt. Einige Szenen haben einen deutlichen Ekelmoment, etwa Amirs Erinnerung an die Straßenkinder oder Danis traumatische Vergangenheit. Das ist nichts für schwache Nerven, aber sehr wirkungsvoll eingesetzt.

Ab etwa 80 Prozent verliert die Geschichte für mich etwas an Kraft. Der Plot Twist kam zwar überraschend, fühlte sich aber ein wenig konstruiert an und nahm der zuvor aufgebauten Spannung den Druck. Bis dahin war das Buch für mich klar auf Fünf‑Sterne‑Kurs. Trotzdem bleibt „REM“ ein starkes, atmosphärisches und sehr gut lesbares Buch mit einem offenen Ende, das Raum für eine Fortsetzung lässt – und die würde ich definitiv lesen.

Besonders hervorheben möchte ich die Illustrationen von Jörn Stollmann. Sie sind düster, atmosphärisch und unglaublich ausdrucksstark. Die Zeichnungen zwischen Kapitel 35 und 36 haben mich besonders überrascht – dunkel, detailreich und unheilvoll, als würden sie die kommende Handlung vorwegnehmen.

Fazit: Ein düsterer, flüssig erzählter Horror‑Thriller mit beeindruckenden Illustrationen und einer Handlung, die einen packt und nicht mehr loslässt. Auch wenn der späte Twist nicht ganz mithalten kann, bleibt das Buch absolut lesenswert – und ich wäre einer Fortsetzung von Alysees Geschichte definitiv nicht abgeneigt.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Magische Welten warten im Faraway Inn

The Faraway Inn
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Danke an den Loewe Verlag für das Rezensionsexemplar über NetGalley!

„The Faraway Inn“ ist ein Jugendbuch von Sarah Beth Durst und im Genre Cozy Fantasy angesiedelt. Es ist ein eigenständiger Roman, der ...

Danke an den Loewe Verlag für das Rezensionsexemplar über NetGalley!

„The Faraway Inn“ ist ein Jugendbuch von Sarah Beth Durst und im Genre Cozy Fantasy angesiedelt. Es ist ein eigenständiger Roman, der ohne Fortsetzung auskommt. Die Protagonistin Calisa besucht ihre Großtante Zee im Faraway Inn – ein spontaner Rückzugsort, nachdem sie Liebeskummer hat. Dort ist sie zunächst nicht besonders willkommen, doch Calisa lässt sich nicht entmutigen. Während ihres Aufenthalts macht sie einige seltsame Entdeckungen und stößt nach und nach auf eine magische Welt, die sich hinter dem Inn verbirgt.

Sarah Beth Durst beschreibt die Umgebung rund um das Faraway Inn sehr bildlich und atmosphärisch. Man sieht die Dornenranken, den Staub in den Ecken und die Löcher im Dach förmlich vor sich. Beim Lesen liegt ständig etwas Magisches in der Luft und es hat Spaß gemacht, die verwunschenen Winkel des Inns durch Calisas Augen zu entdecken. Die Handlung schreitet allerdings extrem langsam voran. Einerseits passt dieses gemächliche Tempo gut zum Cozy‑Vibe, andererseits wartet man immer wieder darauf, dass „jetzt gleich“ etwas passieren müsste. Mir hat ein klarer Hinweis gefehlt, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln will. Geht es um Calisas persönliche Reise? Um Tante Zee? Um die Rettung des Faraway Inns? Oder um eine kleine Romanze mit Jake? Am Ende ist es irgendwie alles zusammen – aber aus keinem Bereich genug, um mich vollständig zufriedenzustellen. Man muss jedoch bedenken, dass das Buch ab 12 Jahren empfohlen wird; für diese Zielgruppe ist der Handlungsverlauf vermutlich genau richtig dosiert.

Die Figuren sind durchweg sympathisch, selbst Tante Zee, die anfangs noch abweisend und kratzbürstig wirkt. Calisa ist eine starke Protagonistin: Sie kommt zwar mit gebrochenem Herzen im Faraway Inn an und erlebt zunächst Ablehnung, aber sie lässt sich nicht unterkriegen. Sie macht sich einen Plan, packt mit an und versucht, das Inn wieder auf Vordermann zu bringen. Dabei ist sie ehrgeizig und überschreitet auch mal Regeln, ohne je unsympathisch zu werden. Trotz ihres eigenen Herzschmerzes bleibt sie offen, hilfsbereit und warmherzig – etwas, das auch die Gäste des Inns schnell bemerken. Sie unterstützt sie bei ihren kleinen und großen Problemen und bekommt dabei oft Hilfe von Jake, dem Sohn des Hausmeisters.

Ich finde es schön zu sehen, dass momentan wieder (junge) Männer als männliche Hauptfiguren auftauchen, die man als echte Green Flags bezeichnen kann. Das ist gerade für die junge Zielgruppe wichtig. Ich muss an dieser Stelle anderen Rezensenten widersprechen: Jake hat sehr wohl Persönlichkeit. Persönlichkeit bedeutet nicht, ständig im Mittelpunkt zu stehen oder besonders laut zu sein. Jake ist ein eher stiller Charakter, der zuverlässig seine Aufgaben erledigt. Er ist Calisa eine große Stütze, hilft ihr im Alltag des Inns, im Umgang mit den Gästen und beim Verstehen der magischen Eigenheiten des Hauses. Er ist manchmal naiv und verspielt, aber gleichzeitig warmherzig, aufmerksam und emotional zugänglich. Er nimmt Calisa wirklich als Person wahr – und das zieht sich durch die ganze Handlung.

Auch die Nebenfiguren und magischen Kreaturen sind mit viel Charme gezeichnet. Eine hyperaktive Dryade, ein kleiner Drache, ein mürrischer Spiegel (der zum Ende hin wirklich witzig wird) und viele weitere Wesen haben Stärken und Schwächen, sodass man einige von ihnen richtig ins Herz schließen kann.

Der Schreibstil passt gut zu einem Jugendbuch. Es fällt zwar öfters das Schimpfwort Arschl*ch, aber in einem absolut vertretbaren Rahmen – und Jugendliche kennen ohnehin deutlich drastischere Ausdrücke. Das Inn und seine Bewohner werden atmosphärisch beschrieben, aber nie überladen oder blumig, wie es in Fantasy manchmal vorkommt. Dadurch bleibt der Stil gut lesbar und zugänglich für die Zielgruppe.

Fazit: Für mich ist „The Faraway Inn“ ein warmes, atmosphärisches Jugendbuch, das vor allem durch seine magische Kulisse und seine liebenswerten Figuren überzeugt. Die langsame Handlung ist Geschmackssache – sie passt zwar zum Cozy‑Fantasy‑Gefühl, ließ mich aber manchmal etwas orientierungslos zurück. Trotzdem habe ich die Zeit im Inn, die kleinen magischen Momente und die sanfte Entwicklung der Charaktere genossen. Für die Zielgruppe ab 12 Jahren ist es ein stimmiges, zugängliches und charmantes Buch, das zeigt, wie viel Kraft in Freundlichkeit, Mut und Zusammenhalt steckt.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Wem kann man trauen?

Wenn Liebe tötet
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Nalini Singh kenne ich vor allem aus dem Fantasybereich durch ihre Gestaltwandler‑Reihe, die mich viele Jahre begleitet hat und die ich immer gern gelesen habe. Als ich dann gesehen habe, dass sie einen ...

Nalini Singh kenne ich vor allem aus dem Fantasybereich durch ihre Gestaltwandler‑Reihe, die mich viele Jahre begleitet hat und die ich immer gern gelesen habe. Als ich dann gesehen habe, dass sie einen Thriller geschrieben hat, war ich erst überrascht – und gleichzeitig neugierig, wie sie sich in einem ganz anderen Genre schlägt.

Tavish als Protagonist hat mich von Anfang an beschäftigt. Er bewegt sich in einem Umfeld wohlhabender, älterer Frauen, die später unter seltsamen Umständen sterben, und allein das sorgt schon für ein ungutes Gefühl und Misstrauen. Gleichzeitig bleibt er so undurchsichtig, dass ich nie sicher war, wie viel von dem, was er denkt oder erzählt, wirklich stimmt. Dieses ständige Hin‑ und Her zwischen Zweifel und dem Wunsch, ihn zu verstehen, zieht sich durch das ganze Buch und macht einen großen Teil der Spannung aus.

Die Handlung lebt davon, dass sich der Verdacht immer wieder in eine neue Richtung entwickelt. Kaum glaubt man, einer Spur folgen zu können, tauchen neue Hinweise auf, die alles wieder durcheinanderbringen. Dadurch bleibt die Geschichte in Bewegung und wirkt trotzdem glaubwürdig.

Erzählt wird auf zwei Ebenen: In der Gegenwart steht der Angriff auf die Familie Prasad im Mittelpunkt, während Rückblicke auf frühere Ermittlungen und auf Tavishs Vergangenheit nach und nach weitere Puzzleteile liefern. Diese Einschübe bremsen den Lesefluss zwar manchmal ein wenig, sind aber wichtig, weil sie das Gesamtbild Schritt für Schritt erweitern. Gleichzeitig sind sie so eng mit der Handlung verknüpft, dass ich mir kaum vorstellen kann, wie man sie anders hätte einbauen können, ohne der Spannung etwas zu nehmen.

Der Twist am Ende hat mich wirklich überrascht. Ich hatte viele Vermutungen, aber auf diese Wendung wäre ich nicht gekommen. Plötzlich wirkt alles anders, und ich musste das Gelesene noch einmal für mich sortieren.

Fazit: "Wenn Liebe tötet" ist für mich ein atmosphärischer Thriller, der vor allem durch seine Figuren und die stetige Unsicherheit rund um Tavish funktioniert. Die Mischung aus Gegenwart und Rückblicken ist nicht immer ganz flüssig, gibt der Geschichte aber genau die Tiefe, die sie braucht. Auch wenn mich Singhs Fantasywelten emotional stärker erreichen, hat mich dieser Thriller gut unterhalten und mit seinem unerwarteten Twist wirklich überrascht.

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Veröffentlicht am 21.03.2026

Grusel garantiert

Der Fluch von Carrow House
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Der Fluch von Carrow House hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen, und obwohl ich dem Buch vier statt fünf Sterne gebe, habe ich die düstere Atmosphäre und den klassischen Haunted-House‑Charme sehr ...

Der Fluch von Carrow House hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen, und obwohl ich dem Buch vier statt fünf Sterne gebe, habe ich die düstere Atmosphäre und den klassischen Haunted-House‑Charme sehr genossen. Je tiefer ich gemeinsam mit Remy und den anderen Gästen in die Geschichte des Hauses eintauche, desto stärker spüre ich die Bedrohung, die über allem schwebt. Besonders gelungen fand ich, wie sich das Mysterium rund um Carrow House Schicht für Schicht enthüllt, ohne jemals zu früh zu viel preiszugeben.

Die Charaktere wirken anfangs wie eine bunt zusammengewürfelte Gruppe, doch im Verlauf der Geschichte entwickeln sie sich auf subtile, aber spürbare Weise weiter. Remy bleibt für mich die stärkste Figur – neugierig, mutig und gleichzeitig verletzlich genug, um glaubwürdig zu bleiben. Auch die Nebenfiguren erhalten genug Raum, um eigene Motive und Ängste zu zeigen, was die Dynamik innerhalb der Gruppe intensiviert. Manche Entwicklungen hätte ich mir jedoch noch etwas tiefergehend gewünscht, gerade weil das Setting so viel Potenzial für zwischenmenschliche Konflikte bietet.

Die Spannung baut sich kontinuierlich auf und lebt vor allem von der unheimlichen Atmosphäre des Hauses. Die Mischung aus paranormalen Ereignissen, historischen Geheimnissen und der wachsenden Unsicherheit innerhalb der Gruppe sorgt dafür, dass ich immer weiterlesen wollte. Besonders die Momente, in denen die Beziehungen zwischen den Figuren auf die Probe gestellt werden, haben die Bedrohung noch greifbarer gemacht. Gleichzeitig bleibt die Geschichte gut lesbar und verliert sich nie in unnötigen Abschweifungen.

Das Fazit zu Der Fluch von Carrow House fällt für mich insgesamt sehr positiv aus, auch wenn das Buch nicht ganz die volle Punktzahl erreicht. Besonders beeindruckt hat mich, wie konsequent Darcy Coates die unheimliche Atmosphäre trägt: Das Haus wirkt wie ein eigener Charakter, der jede Szene beeinflusst und die Figuren zu Entscheidungen drängt, die sie sonst vielleicht nie getroffen hätten. Die Mischung aus klassischem Spukhaus‑Feeling, historischen Geheimnissen und psychologischer Spannung funktioniert ausgesprochen gut und sorgt dafür, dass die Geschichte bis zum Schluss fesselnd bleibt. Gleichzeitig spürt man, wie viel Potenzial in den Beziehungen zwischen den Figuren steckt – manche Konflikte und Entwicklungen hätten für meinen Geschmack noch stärker vertieft werden können, gerade weil die Dynamik innerhalb der Gruppe so viel Raum für emotionale Reibung bietet. Trotzdem bleibt das Buch ein atmosphärisch dichtes, unterhaltsames und stellenweise richtig packendes Leseerlebnis, das mich neugierig auf weitere Werke der Autorin gemacht hat.

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Veröffentlicht am 21.03.2026

Wer ist die Madenmutter?

Der Spuk von Beacon Hill
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Da es mein erstes Buch von Ambrose Ibsen war, wusste ich nicht genau, was mich erwartet. Schon auf den ersten Seiten hatte ich das Gefühl, dass dieses Buch weniger auf schnelle Schockmomente setzt, sondern ...

Da es mein erstes Buch von Ambrose Ibsen war, wusste ich nicht genau, was mich erwartet. Schon auf den ersten Seiten hatte ich das Gefühl, dass dieses Buch weniger auf schnelle Schockmomente setzt, sondern auf eine langsam wachsende, unterschwellige Spannung. Die bedrückende Atmosphäre im Buch hat mich sofort neugierig gemacht. Besonders Sadie, die Hauptfigur, hat mich schnell für sich eingenommen und ich wollte wissen, wie sie mit all den paranormalen Ereignissen umgehen würde.

Sadie wirkt für mich wie eine sehr glaubwürdige junge Frau, die eigentlich nur ihr Leben in den Griff bekommen möchte und dann in etwas hineingerät, das sie weder versteht noch kontrollieren kann. Ich mochte, wie sie anfangs versucht, alles rational zu erklären. Sie übertreibt nicht, sie dramatisiert nicht, sondern versucht, Schritt für Schritt herauszufinden, was in diesem Haus vor sich geht. Gerade diese Bodenständigkeit hat dafür gesorgt, dass die unheimlichen Momente bei mir stärker ankamen. Wenn Sadie Angst bekommt, fühlt es sich nicht wie ein Horror-Klischee an, sondern wie eine echte Reaktion auf etwas, das man selbst nicht erleben möchte.

Der Grusel schiebt sich leise in die Geschichte, bis er kaum noch zu übersehen ist. Besonders die Begegnungen mit der sogenannten „Madenmutter“ haben mich erwischt. Ibsen beschreibt diese Figur nicht übermäßig grafisch, aber genau das macht sie so unangenehm. Dieses Gefühl, dass etwas im Verborgenen kriecht, lebt und beobachtet, hat bei mir einen Ekel-Grusel ausgelöst, der länger nachwirkt als jeder billige Jumpscare. Sadies Mischung aus Abscheu und dem Drang, trotzdem weiter nachzuforschen, hat diese Szenen noch intensiver gemacht. Ich konnte gut nachvollziehen, wie sie innerlich schwankt – zwischen Fluchtinstinkt und dem Bedürfnis, endlich zu verstehen, was in diesem Haus passiert. Auch die subtileren Spukelemente haben bei mir funktioniert: Türen, die sich nicht so verhalten, wie sie sollten, Geräusche ohne erkennbaren Ursprung, und dieses ständige Gefühl, dass Sadie nicht allein ist. Durch ihre nüchterne Art wirken diese Ereignisse nicht überzogen, sondern wie reale Störungen, die sich langsam zu etwas Größerem zusammenfügen. Das Haus selbst fühlt sich wie ein stiller Gegenspieler an, der Sadie immer weiter in seine Geschichte hineinzieht.

Natürlich hat das Buch auch Schwächen. Die Nebenfiguren bleiben im Vergleich zu Sadie eher blass und erfüllen hauptsächlich funktionale Rollen. Manche Wendungen konnte ich früh erahnen, was dem Spannungsbogen ein wenig die Kraft nimmt. Trotzdem trägt Sadie die Handlung so überzeugend, dass diese Schwächen für mich nicht allzu sehr ins Gewicht gefallen sind.

Fazit: Der Spuk von Beacon Hill hat sich für mich als ein atmosphärisches, eher ruhiges Horrorbuch erwiesen, das für mich vor allem deshalb funktioniert, weil Sadie als Figur so glaubwürdig bleibt. Ihre Art, mit den seltsamen Ereignissen umzugehen – vorsichtig, nachvollziehbar und ohne unnötiges Drama – hat dafür gesorgt, dass die unheimlichen Momente bei mir deutlich intensiver ankamen. Gerade weil sie so glaubwürdig bleibt, wollte ich unbedingt wissen, wie sie mit dem Spuk fertig wird und wohin die Geschichte sie führt.

Als erstes Buch von Ambrose Ibsen hat es bei mir definitiv Interesse geweckt, auch wenn erzählerisch nicht alles perfekt ineinandergreift. Trotzdem hat mich die Atmosphäre gepackt, und Sadie war für mich der Grund, warum ich bis zum Schluss drangeblieben bin.

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