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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.08.2021

Luft nach oben

Der Wolkentempel
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Der Wolkentempel von Patrick Woodhead handelt von zwei britischen Extrembergsteigern, die ihren Versuch, einen Achttausender zu erklimmen abbrechen müssen. Dabei machen sie aber eine Entdeckung, die nicht ...

Der Wolkentempel von Patrick Woodhead handelt von zwei britischen Extrembergsteigern, die ihren Versuch, einen Achttausender zu erklimmen abbrechen müssen. Dabei machen sie aber eine Entdeckung, die nicht zuletzt Grund dafür ist, dass sie sich erneut ins unwirtliche Tibet begeben. Ihnen fällt dort eher zufällig die Aufgabe zu, ein Kloster und den Vertreter des Dalai Lama vor den Chinesen zu beschützen und zu retten.

Patrick Woodhead beschreibt die Bergsteigerszenen sehr plastisch und eindringlich. Man fühlt sich fast mit in die Seilschaft an den Berg versetzt. Auch die einzelnen Personen sind gut herausgearbeitet. Aber irgendwie fehlt das gewisse Etwas, das den Roman zu etwas ganz besonderem gemacht hätte. Vielleicht liegt es daran, dass man zu wenig von Tibet und den Lebensumständen der Tibeter unter chinesischer Willkürherrschaft erfährt. Schade! Trotzdem hat es Spaß gemacht, das Buch zu lesen. Es ist sehr flüssig geschrieben und als Bettlektüre gut geeignet

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Veröffentlicht am 24.08.2021

Eine beeindruckende Persönlichkeit

Hauskonzert
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Igor Levit war mir bisher nicht bekannt, aufgrund des Klappentextes und der Leseprobe war ich aber total gespannt darauf, Einblick in sein Leben zu bekommen. Es beeindruckt mich sehr, wenn Menschen mit ...

Igor Levit war mir bisher nicht bekannt, aufgrund des Klappentextes und der Leseprobe war ich aber total gespannt darauf, Einblick in sein Leben zu bekommen. Es beeindruckt mich sehr, wenn Menschen mit großer Begabung - wofür auch immer - etwas daraus machen. Levit wird als "Jahrhundertpianist" gehandelt, nutzt seine Berühmtheit aber auch für sein politisches Engagement.

Der rasante Erzählstil macht mich schon beim Lesen fast atemlos. Wie muss es erst Levit gehen, der dieses Leben auf der Überholspur führt? Eins ist klar, er macht nichts halbherzig. Seien es die Hauskonzerte, die er pandemiebedingt nicht im Konzertsaal vor Publikum spielen kann oder sein politischer Einsatz. Nichts überlässt er dem Zufall, bei allem ist Perfektionismus im Spiel.

Als gebürtiger Russe mit jüdischen Wurzeln erlebt er Rassismus und Antisemitismus. Er lässt sich aber davon nicht ruhigstellen. Vielmehr hat er es sich zur Aufgabe gemacht, keiner Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen, sondern aktiv für eine bessere Welt zu kämpfen. Igor Levit ist eine beeindruckende Persönlichkeit!

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Veröffentlicht am 05.05.2026

Denkanstöße und klare Haltung

Das, was da ist
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„Das, was da ist“ von Konrad Staisch richtet den Blick auf den Wert bereits vorhandener Materialien. Statt Neues zu kaufen, geht es darum, Bestehendes weiterzuverwenden – praktisch und als Haltung.

Das ...

„Das, was da ist“ von Konrad Staisch richtet den Blick auf den Wert bereits vorhandener Materialien. Statt Neues zu kaufen, geht es darum, Bestehendes weiterzuverwenden – praktisch und als Haltung.

Das Buch verbindet persönliche Beobachtungen mit grundsätzlichen Überlegungen zu Konsum und Ressourcen. Kapitel 3 widmet sich Materialien und Werkzeugen, Kapitel 4 enthält konkrete Anleitungen für Projekte. Die übrigen Kapitel sind stärker einordnend und reflektierend.

Gestalterisch setzt das Buch überwiegend auf einfache Zeichnungen und Schrittfolgen, die an einen comicartigen Stil erinnern. Die textlastigeren Kapitel sind entsprechend zurückhaltender umgesetzt.

Die Grundidee des Buches ist in sich schlüssig und gut nachvollziehbar. Für mich wirkte sie jedoch stellenweise sehr weit gedacht. Ich hatte eher alltagsnahe Upcycling-Ideen erwartet, während hier ein für mich ungewohnter Umgang mit teils bereits entsorgten Materialien im Mittelpunkt steht.

Gerade darin liegt sicher auch die Stärke des Buches: Es führt den Ansatz konsequent zu Ende und regt zum Nachdenken an. Gleichzeitig blieb es für mich persönlich auf Distanz, weil ich mich mit dieser Herangehensweise nicht wirklich identifizieren konnte.

Insgesamt ist „Das, was da ist“ ein Sachbuch mit klarer Haltung, das interessante Denkanstöße liefert – auch wenn es mich nicht vollständig abgeholt hat.

Veröffentlicht am 14.03.2026

Guter Überblick im Comicstil

Hochbeete für Ahnungslose
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Seit Kurzem bin ich stolze Besitzerin zweier Hochbeete. Da sie nun endlich bepflanzt werden wollten, kam „Hochbeete für Ahnungslose“ von Anja Klein und Véro Mischitz wie gerufen. Wie üblich bei der „für ...

Seit Kurzem bin ich stolze Besitzerin zweier Hochbeete. Da sie nun endlich bepflanzt werden wollten, kam „Hochbeete für Ahnungslose“ von Anja Klein und Véro Mischitz wie gerufen. Wie üblich bei der „für Ahnungslose“-Reihe ist der Ratgeber in Comicform gestaltet. Nach einigen grundsätzlichen Informationen folgt eine Bauanleitung für ein Hochbeet aus Holz sowie eine Erklärung, wie es befüllt werden soll. Danach geht es um das Bepflanzen der Beete, um Pflege und Ernte. Abgerundet wird das Buch durch Pflanzpläne und Lösungen für häufige Probleme.

Optisch ist das Buch wunderschön gestaltet – es macht Spaß, darin zu blättern, und durch den Comicstil bekommt man schnell einen Überblick. Wer einfach nur die wichtigsten Informationen in übersichtlicher Form haben möchte, ist mit dem Buch bestens bedient – besonders für Einsteiger:innen ist es ein guter Einstieg. Für meinen Geschmack dürfte es inhaltlich allerdings noch etwas ausführlicher sein. Vielleicht bin ich aber auch einfach nicht ganz so ahnungslos.

Veröffentlicht am 21.06.2025

Symbolisch aufgeladen

Unmöglicher Abschied
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Mit großer Neugier habe ich zu diesem Buch gegriffen – nicht zuletzt, weil Han Kang als Literaturnobelpreisträgerin zu den international renommiertesten Stimmen der Gegenwartsliteratur zählt. "Unmöglicher ...

Mit großer Neugier habe ich zu diesem Buch gegriffen – nicht zuletzt, weil Han Kang als Literaturnobelpreisträgerin zu den international renommiertesten Stimmen der Gegenwartsliteratur zählt. "Unmöglicher Abschied" ist ein stiller, fein gearbeiteter Roman, der sich mit Verlust, Erinnerung und kollektivem Trauma auseinandersetzt.

Im Mittelpunkt steht die Schriftstellerin Gyeongha, die auf die verschneite Insel Jeju reist, um sich im Auftrag einer Freundin um ihren Vogel zu kümmern. Was wie eine ruhige Gefälligkeit beginnt, führt sie tief in die verdrängte Vergangenheit: Das Massaker von Jeju 1948 wird behutsam angedeutet, nie explizit erzählt – und gerade dadurch eindrucksvoll greifbar.

Han Kangs Sprache ist poetisch und zurückhaltend, mit vielen symbolischen Bildern und einer ganz eigenen, fast traumähnlichen Atmosphäre. Die literarische Qualität ist spürbar, gleichzeitig verlangt der Roman Aufmerksamkeit und Geduld. Mich haben einzelne Szenen berührt – insgesamt aber blieb mir das Geschehen fern, was vor allem an der sehr stillen, oft fragmentierten Erzählweise liegt.

"Unmöglicher Abschied" ist ein nachdenklicher, sprachlich starker Roman, der leise wirkt und lange nachhallt. Wer poetische, symbolisch aufgeladene Literatur mit tieferem historischem Hintergrund sucht, wird hier fündig. Meine Erwartungen waren hoch – nicht alle wurden erfüllt, aber das Buch hat Spuren hinterlassen.