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Veröffentlicht am 06.07.2024

Authentischer Einblick in zwei Leben

Man sieht sich
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"Man sieht sich" - nicht die berühmtesten drei Worte, aber diejenigen, die die Beziehung zwischen Frie und Robert wohl am besten beschreiben. Ihre gemeinsame Geschichte beginnt 1988 und nimmt den Leser ...

"Man sieht sich" - nicht die berühmtesten drei Worte, aber diejenigen, die die Beziehung zwischen Frie und Robert wohl am besten beschreiben. Ihre gemeinsame Geschichte beginnt 1988 und nimmt den Leser mit bis ins Jahre 2022, eine Zeitreise durch die Leben zweier Menschen und ihren Wegbegleitern.
Die Perspektive wechselt hierbei abwechselnd zwischen Frie und Robert, was eine tolle Betrachtung der Gesamtsituation ermöglicht: Man erfährt nicht nur, wie eine Person die Beziehung wahrnimmt, sondern auch was der Andere hierzu denkt und fühlt.

Die Handlung ist kein Blockbuster, es gibt keine erzwungenen Cliffhanger oder Dramatik, aber trotzdem fliegen die Seiten nur so weg und man mag gar nicht mehr aufhören zu lesen. Dies liegt hauptsächlich an den extrem authentischen Charakteren sowie der Beschreibung der Lebensumstände zu den verschiedenen Zeiten. Leser*innen im gleichen Alter wie Frie erkennen Dinge aus ihrer eigenen Jugend wieder, aber auch Jüngere stellen fest, dass sich ja im Grunde gar nicht so viel geändert hat und alle mit den gleichen Gefühlen und Problemen beim erwachsen werden zu kämpfen haben.

Diese Generationen überspannende Erzählung wird ergänzt mit einer Vielzahl von Nebencharakteren, von denen man manche direkt nicht mag und andere sofort ins Herz schließt - aber auch hier gibt es kein eindeutiges Gut oder Böse, jede Person im Buch hat ihre eigenen Stärken und Schwächen und wirkt auf jeden Leser anders, sehr menschlich einfach. Auch die Symbolik im Text ist gut gelungen und regt an vielen Stellen zum Nachdenken und Diskutieren an.

Insgesamt ist es ein echtes Herzensbuch, das einen ohne Klischees zu bedienen einfach berührt. Die Charaktere sind nicht geschrieben worden, um dem Leser zu gefallen, sondern sie sind einfach ganz normale Menschen, die wir eine Weile begleiten dürfen. Dadurch fällt es leicht, sich selbst in manchen Situationen wiederzuerkennen, aber dafür umso schwerer, das Buch am Ende wieder aus der Hand zu legen.

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Veröffentlicht am 26.05.2026

Wie das Leben so spielt

Salto
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Marko und Claire sind seit einigen Jahren schon zusammen, haben gerade Abi gemacht und träumen von einem gemeinsamen Umzug samt Studium nach München.
Doch für Marko gibt es nur Absagen, seine Alternative ...

Marko und Claire sind seit einigen Jahren schon zusammen, haben gerade Abi gemacht und träumen von einem gemeinsamen Umzug samt Studium nach München.
Doch für Marko gibt es nur Absagen, seine Alternative führt ihn nach Budapest, die Beziehung zu Claire wird beendet um eine Fernbeziehung zu vermeiden.
Und dann kommt auch dort alles ganz anders als geplant...

Salto ist ein Buch, das ich absolut verschlungen habe: Die Kapitel sind kurz, der Schreibstil angenehm und die Sprache leicht verständlich. Dazu gab es zwar keine klassische Spannung, trotzdem wollte ich permanent wissen, wie es weitergeht.
Die Sprache war hierbei passend zum Alter des Protagonisten und Ich-Erzählers Marko, seine Formulierungen und Gedanken wirkten sehr authentisch und nicht künstlich. Anspielungen auf die heutige Jugendkultur wurden so eingebaut, dass es natürlich wirkt und dabei auch für andere Altersgruppen vermutlich gut nachvollziehbar bleibt.
Dabei werden immer wieder Sätze und Textstellen mit großer Wortgewalt eingebaut, wunderbare Abschnitte, die ich doppelt gelesen habe. Teilweise haben mich einzelne Zitate an eine Art Poetry Slam erinnert.

Es gibt nicht viele Charaktere, dafür lernen wir diese umso besser kennen bzw. Markos Beziehungen zu ihnen. Hier kann nicht nur die zarte und unaufdringliche Liebesgeschichte glänzen, sondern auch die Schilderung einer Vater-Sohn-Beziehung. Statt großer Dramatik wird alles in leisen Tönen erzählt, eine Geschichte, wie sie das Leben halt so spielt.
Die Handlung spielt über mehrere Monate hinweg, immer wieder gibt es kleine Zeitsprünge und man ist hautnah dabei, wenn sich die Charaktere mit gescheiterten Plänen, Krankheiten und der Ungewissheit nach der Schule auseinandersetzen müssen. Viele dieser Gefühle hallen dabei im Leser wider, man erinnert sich an seine eigenen Erfahrungen und kann gut mitfühlen, selbst wenn der eigene Weg anders aussah.
Eine authentische Coming-of-Age-Geschichte, über die unergründlichen Wege des Lebens, in beeindruckenden Worten erzählt!

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Veröffentlicht am 12.05.2026

Obsessionen und Selbstfindung

Spielverderberin
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Auf zwei Zeitebenen bekommen wir einen kleinen Einblick in die Leben dreier Freundinnen: Sophie, Romy und Lotte stehen zunächst kurz vor dem Abi, vier Jahre später haben sich ihre Wege getrennt - doch ...

Auf zwei Zeitebenen bekommen wir einen kleinen Einblick in die Leben dreier Freundinnen: Sophie, Romy und Lotte stehen zunächst kurz vor dem Abi, vier Jahre später haben sich ihre Wege getrennt - doch was hält die Zukunft für sie parat, was verbirgt sich in der Vergangenheit?
Der Aufbau ist geschickt gestaltet, die beiden Zeitebenen wechseln sich in der Erzählung ab, während in beiden das Geschehen weiterläuft und in der Vergangenheitsebene auf die Auflösung des Geheimnisses hinsteuert.
Dieses wird immer wieder angedeutet, macht neugierig und baut leichte Spannung auf, drängt sich jedoch auch nicht in den Vordergrund wie bei einem Thriller, weshalb man am Ende auch keine krasse Auflösung benötigt.

Auch der Schreibstil hat mir gefallen, die Sätze sind überwiegend eher kurz, aber tragen Gewicht und können auch oft ohne große Worte viel Bedeutung vermitteln.
Passend dazu ist der Text in kurze Abschnitte gegliedert, die man so wunderbar wie kleine Häppchen konsumieren kann. Von daher ist dieses Buch eher keins, das man schnell wegliest, sondern eher eins, das man langsam liest und wirken lässt.
Hierbei wird dadurch auch eine besondere Atmosphäre vermittelt, es ist ein wenig bedrückend und angespannt, mit positiveren Unterbrechungen.
Die Gefühle der Charaktere, insbesondere Sophies, kommen dadurch umso besser rüber. Ich persönlich habe weniger mitgefühlt, dafür konnte ich als Beobachterin alles gut nachvollziehen.
Themen wie Obsessionen, Freundinnenschaften, Selbstfindung von jungen Erwachsenen, Verlorensein und dem Wunsch dazugehören zu wollen werden anschaulich dargestellt und authentisch beschrieben.
In einigen Dingen konnte ich mich auch selbst wiedererkennen, sowohl gefühlsmäßig als auch bei Punkten der Lebensgeschichten.
Die literarische Beschäftigung mit dem Thema Dorf-/Stadtkind fand ich daher sehr interessant, auch wenn ich vieles anders sehen würde als die Protagonistin.
Insgesamt ein eher ruhiges Buch mit versteckter Tiefe, das leicht poetisch anmutet und dem man daher Zeit geben sollte, um richtig zu wirken.

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Veröffentlicht am 11.05.2026

Hinter den Kulissen

Yesteryear
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Wer kennt sie nicht, die "perfekten" Influencer, deren komplett inszeniertes Leben auf Social Media präsentiert wird. Der neueste Trend dort sind ironischerweise die Tradwives, traditionelle Hausfrauen ...

Wer kennt sie nicht, die "perfekten" Influencer, deren komplett inszeniertes Leben auf Social Media präsentiert wird. Der neueste Trend dort sind ironischerweise die Tradwives, traditionelle Hausfrauen mit vielen Kindern und einem Leben wie in der "guten alten Zeit". Hierzu gehört auch Protagonistin Natalie, die mit Videos über Brotteige und Seifenherstellung Karriere macht, unterstützt von einem Team und viel Getrickse hinter der Kamera.
Doch was wäre, wenn das Leben, das sie als ideal verkaufen will, plötzlich Realität wäre? Das Jahr 1805 ist dann doch ein wenig zu traditionell...

Was für eine herrliche Idee, hier mal einen fiktionalen Blick hinter die Kulissen zu werfen! Natürlich hat man sich direkt an reale Tradwives erinnert gefühlt, aber auch ein wenig an religiöse Großfamilien, die durchs Fernsehen damals bekannt wurden. Vor der Kamera stehen als Kind ist selbstverständlich, aber bloß nichts selbst konsumieren.
Den Geist dieser Familien hat die Autorin in ihrem Buch sehr schön eingefangen und man konnte durchweg vieles wiedererkennen.
Gleichzeitig mochte ich aber auch den Einblick in die Gedanken von Natalie. Diese ist alles andere als sympathisch, dafür als Charakter sehr interessant und authentisch geschrieben. Wir lernen sie von einer bestimmten Seite kennen, erkunden im Verlauf der Geschichte jedoch ihre Vergangenheit und Entwicklung und können sie so besser greifen.
Dazu kommt auch noch ein gewisser Humor, der meinen Geschmack gut getroffen hat.
Sehr gefallen hat mir auch die Vermischung aus aktuellem Geschehen und Rückblenden, der Kontrast der Moderne zu der schön beschriebenen früheren Zeit.
Teilweise hat sich dies allerdings auch mal ein wenig in die Länge gezogen und die Handlung kam nicht so ganz vom Fleck, insgesamt konnte mich dieser Blick auf ein modernes Phänomen jedoch gut unterhalten und überzeugen.

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Veröffentlicht am 05.05.2026

Schön zum Miträtseln

Tatort Trelleborg - Gunni Hilding ermittelt
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Auf zwei Zeitebenen, 1989 und 1994, begleiten wir Polizistin Gunni in Schweden. In beiden Jahren werden kleine Jungen ermordet aufgefunden, doch sie ist die Einzige, die einen Zusammenhang sieht.
Währenddessen ...

Auf zwei Zeitebenen, 1989 und 1994, begleiten wir Polizistin Gunni in Schweden. In beiden Jahren werden kleine Jungen ermordet aufgefunden, doch sie ist die Einzige, die einen Zusammenhang sieht.
Währenddessen können wir auch Gunnis persönliche Entwicklung verfolgen und ihre Familie besser kennenlernen.
Das Buch liest sich wirklich gut, selbst wenn man eher wenig Ahnung von Schweden hat. Kurze Kapitel mit wechselnden Charakteren sorgen für einen tollen Lesefluss, besonders weil sie gerne mit kleinen Cliffhangern und Überraschungen enden.
Auch die Beschreibungen der schwedischen Dörfer und Landschaften fand ich gelungen, ebenso wie die ganze Atmosphäre und die Stimmung der damaligen Zeit.

Eine große Stärke der Geschichte ist, dass man von Anfang an gut miträtseln kann: Es werden zahlreiche mögliche Täter angeboten, in jedem Kapitel gibt es neue Hinweise, der eigene Verdacht ändert sich ständig.
Im Mittelteil fühlte sich dies jedoch kurzzeitig auch mal ein wenig nach "im Kreis drehen" an, wodurch das Tempo etwas gelitten hat.
Im Großen und Ganzen wurde die Spannung jedoch schön aufrecht erhalten.
Gunni als Ermittlerin mochte ich auch sehr, sie ist eine starke Frau mit Biss, die ihren Weg noch finden muss, dabei aber schon tolle Fortschritte macht. Generell haben sich die Kapitel über ihr Privatleben passend in die Handlung eingefügt und neugierig auf eine Fortsetzung gemacht.
Einen neuen Fall würde ich sofort wieder lesen, trotz der kleinen Schwächen hat mich dieses Buch super unterhalten, auch wenn einige Szenen echt traurig geschrieben waren.

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