Eine epische Reihe!
Das Schwert der Wahrheit 3Ich habe die Reihe rund um Richard und Kahlan bereits vor mehr als einem Jahrzehnt zum ersten Mal verschlungen – und es fühlt sich jedes Mal aufs Neue an, als würde ich wieder vollständig in diese Welt ...
Ich habe die Reihe rund um Richard und Kahlan bereits vor mehr als einem Jahrzehnt zum ersten Mal verschlungen – und es fühlt sich jedes Mal aufs Neue an, als würde ich wieder vollständig in diese Welt hineingezogen werden. Diese Bücher sind schlichtweg überwältigend und erzählen eine Geschichte, die für mich bis heute etwas Eigenständiges und Besonderes bleibt. Wenn ich die Reihe mit nur einem Wort einordnen müsste, dann wäre es ohne Zweifel: episch.
Im dritten Band „Die Günstlinge der Unterwelt“ hat Richard gerade erst eine kaum vorstellbare Bedrohung überwunden – und doch bleibt ihm keine Verschnaufpause. Nachdem mit Darken Rahl bereits ein beeindruckender Antagonist besiegt wurde, denkt man unweigerlich, dass eine Steigerung kaum möglich ist. Doch genau hier zeigt die Geschichte erneut, dass das Böse noch dunkler, noch komplexer und noch gefährlicher auftreten kann. Die Reihe beweist damit einmal mehr: Es geht tatsächlich immer noch schlimmer.
Besonders in diesem Teil wird Richards innerer Konflikt sehr greifbar. Einerseits trägt er seine Rolle als Sucher mit wachsender Selbstverständlichkeit, andererseits sehnt er sich nach einem einfachen Leben fernab von Verantwortung und Gefahr – nach einem Dasein in Ruhe, fast unscheinbar, irgendwo in seiner Waldhütte.
Parallel dazu folgen wir Kahlan und Zedd auf ihrem Weg, Richard beizustehen. Beide Figuren sind außergewöhnlich tief und liebevoll gestaltet. Überhaupt ist die Figurenzeichnung von Terry Goodkind beeindruckend detailreich und konsequent ausgearbeitet. Kahlan ist eine Figur, die man kaum nicht mögen kann, Zedd ebenso. Die Mord-Sith wiederum lösen verständlicherweise eher Ablehnung aus – und trotzdem besitzen selbst sie eine gewisse Faszination. Selbst Charaktere, die man eigentlich „ablehnt“, bleiben irgendwie unvergesslich. Darken Rahl ist dafür das beste Beispiel: trotz seiner Rolle als Gegenspieler bleibt er einer der prägendsten Figuren der Reihe.
Zwischendurch nimmt sich die Handlung zwar etwas mehr Zeit, was bei einem Umfang von über 800 Seiten aber kaum überrascht. Und ehrlich gesagt: Eine durchgehende Dauerexplosion aus Spannung und Brutalität wäre auf Dauer kaum zu verarbeiten. Die Härte der Geschichte ist dabei durchaus präsent – Krieg und Gewalt werden ungefiltert und ohne Beschönigung dargestellt. Wäre das Buch heute erschienen, würde es vermutlich entsprechende Hinweise geben.
Gegen Ende zieht das Tempo dann deutlich an. Besonders die letzten rund 200 Seiten entwickeln eine enorme Sogwirkung, sodass man das Buch kaum noch beiseitelegen kann. Der finale Höhepunkt bündelt noch einmal alles, was die Geschichte ausmacht, und hinterlässt einen ziemlich sprachlos zurück, wenn die letzte Seite umgeblättert ist.
Kurz gesagt: ein intensives, düsteres und beeindruckendes Fantasywerk, das man so schnell nicht vergisst.