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Veröffentlicht am 08.05.2026

Ein starker Kampf, nicht gut dargestellt.

Im Leben bleiben
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In diesem Buch fasst der DJ Paul van Dyk seine Erlebnisse vor und nach einem schweren Unfall, bei dem er mehrere Schädel-Hirn-Traumata und Wirbelsäulenbrüche erlitt, zusammen. Dabei wirft er auch kurz ...

In diesem Buch fasst der DJ Paul van Dyk seine Erlebnisse vor und nach einem schweren Unfall, bei dem er mehrere Schädel-Hirn-Traumata und Wirbelsäulenbrüche erlitt, zusammen. Dabei wirft er auch kurz einen Blick auf seine Biografie und musikalische Leidenschaft.
Zunächst ist mir wichtig zu betonen, dass der Autor einen wichtigen Kampf in seinem Leben schildert, dem man nur mit Respekt gegenübertreten kann. Leider macht er dies literarisch überhaupt nicht anspruchsvoll und das Buch wird dadurch nicht mehr als eine kurzweilige Lektüre.

Was direkt auf dem Cover, im Umschlag und auch weiter im Buch verheimlicht wird: Fast die Hälfte des Buches hat seine Frau aus ihrer Sicht geschrieben. Das ist eine sehr gute Idee, um auch den Blick einer Angehörigen aufgezeigt zu bekommen, aber das gehört einfach klar benannt. So ist die Lektüre zunehmend verwirrend, wenn sich abschnittsweise - mitunter auf einer Seite mehrmals - ohne Hinweis die Erzählperspektive verändert und man als Leser stets aufs neue erraten muss, wer nun gerade zu Wort kommt. Da hätte es einfache Möglichkeiten gegeben, dies besser kenntlich zu machen. So fehlen dem Leser auch jegliche biografische Angaben zur Mitautorin, um deren Schilderungen besser einordnen zu können.
Ebenso scheinen die Verfasser davon auszugehen, dass bereits viel Hintergrundwissen zum Unfall und die Zeit danach bekannt ist. Es werden mitunter Punkte eingeworfen, die nicht weiter erläutert werden, wie z.B. "dieser Typ, der [nach dem Unfall] durch die Gegend twitterte". Es wird nichts dazu gesagt, was dieser Mensch geschrieben hat, wer er ist etc. Als Leserin, die in solchen Netzwerken nicht aktiv ist, fühlt man sich hier nicht abgeholt. Oder es wird einfach gesagt "wie bei Michael Schumacher". Ja, mir ist wissend, dass dieser einen Skiunfall hatte, inwiefern dies mit Paul van Dyk vergleichbar ist, sollte herausgearbeitet werden, wird es aber nicht.
Die Geschehnisse werden auch zeitlich in keiner Weise eingeordnet. Man liest am Anfang von "Februar" und später mal von "Juni". Es fehlen im Krankheitsverlauf Orientierungspunkte, anhand derer man sich besser vostellen könnte, wie schnell sich Paul van Dyk wieder aufgekämpft hat.
Inhaltlich ist der Mittelteil mit dem Krankheitsverlauf der interessanteste, leider wird nicht detailiert genug darauf eingegangen. Welche Hilfsmittel hatte der Autor? Wie hat das rein praktisch alles funktioniert? Auch wird der erste Auftritt nach der Rehabilitation nur angesprochen, benannt, aber überhaupt nicht beschrieben. So bleibt der Leser unwissend zurück und hat wenig Vorstellung davon, wie dieses scheinbare Wunder und wichtige Ereignis für den Autor abgelaufen ist.
Stilistisch/literarisch/sprachlich ist das Buch tatsächlich wenig anspruchsvoll. Ob es ein Lektorat gab, weiß ich nicht. Es ist zumindest nicht anhand der Qualität des Textes zu erkennen.

Insgesamt ist das Buch irgendwie nichts halbes und nichts ganzes. Es kratzt kurz an der Biografie, aber zu wenig, um "Biografie" genannt zu werden. Es benennt Elemente der elektronischen Dance-Musik, ohne aber ein größeres Interesse beim Leser zu wecken oder eine konkrete Verbindung zum Rest des Buches herzustellen. Es beschreibt den Krankheitsverlauf und Weg zurück auf die Bühne, aber ohne ins Detail zu gehen, weder praktisch noch psychologisch. Hauptsächlich verbreitet es das Mantra der Liebe als stärkste heilende Kraft. Das wird immer wieder wiederholt, bis es auch der Letzte verstanden hat.

Ich möchte Paul van Dyk nicht unterstellen, dass er dieses Buch [mit seiner Frau zusammen (!)] für seine Fans geschrieben hat. Aber ich würde vermuten, dass Fans am meisten damit anfangen können. Für jemanden, der sich für die Geschichte als solche interessiert, ohne ein entsprechendes Hintergrundwissen zur Person zu haben, enttäuscht das Buch. Da gibt es viel anspruchsvollere, bessere Werke zum Thema, wie z.B. "Du stirbst nicht" von Kathrin Schmidt!

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Ich habe mir aufgrund des Covers mehr erhofft

Kein Beileid
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In dieser Sammlung werden sechs Kurzgeschichten zu verschiedensten Themen zusammengefasst, die alle etwas mehr oder weniger mit "Mit-Leid" oder "Bei-Leid" zu tun haben. Dabei treffen wir Psychopathen, ...

In dieser Sammlung werden sechs Kurzgeschichten zu verschiedensten Themen zusammengefasst, die alle etwas mehr oder weniger mit "Mit-Leid" oder "Bei-Leid" zu tun haben. Dabei treffen wir Psychopathen, Tierschützer, Missbrauchsopfer aber auch Hund und Katz an. Die Geschichten rangieren dabei zwischen toternsten Themen, wie Kindesmissbrauch und Gewalt in der Familie, und locker, leichten, wie ein Hund, der à la Crumpy Cat traurig guckt und zum Lächeln gebracht wird. Somit wird thematisch ein sehr weiter Bogen gespannt. Vor allem die Tiergeschichten sind recht kurzweilig und stilistisch am besten.

Insgesamt handelt es sich hierbei jedoch qualitativ eher um durchschnittliche Literatur. Die Sprache ist einfach, manchmal holprig, die Interpunktion lässt verwundern und Spannungsbögen werden vorweg genommen. Dies geschieht durch die Gestaltung des Buches. Jeder Geschichte ist ein Zitat und ein Bild vorangestellt. Prinzipiell schön anzusehen und passend gewählt, verrät leider häufig schon das Zitat, worauf die Geschichte hinausläuft und beraubt den Leser dadurch der Chance, während des Lesens selbst Hypothesen zum Plot aufzustellen und wieder zu verwerfen.
Die Schriftgestaltung ist äußerst "gedehnt" gewählt. Soll heißen: Das Buch ist zwar 130 Seiten "stark", durch großen Zeilenabstand, große Schriftgröße und viel Freiraum, schrumpfen die Geschichten allerdings zusammen. Im kleinen Format des Büchleins, wird so auch das Lesen als solches erschwert.
Die Covergestaltung hingegen ist sehr ansprechend. Der Witz der "Kein Beileid"-Karte passt zum Titel der Sammlung.

Dies ist ein Buch, was man mal fix an einem Nachmittag lesen kann, muss man aber auch nicht.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

"Hellsichtiger Gesellschaftroman"? Wie bitte?!

Freinacht
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Im vom Verlag angekündigten "hellsichtigen Gesellschaftsroman über Ziellosigkeit und Verantwortung, Schuld und Sühne", dem neuen Buch von Thomas Lang, geht es grundsätzlich um vier Jugendliche, die in ...

Im vom Verlag angekündigten "hellsichtigen Gesellschaftsroman über Ziellosigkeit und Verantwortung, Schuld und Sühne", dem neuen Buch von Thomas Lang, geht es grundsätzlich um vier Jugendliche, die in einer Feiernacht auf einem verlassenen Bahngelände eine Tat begehen. Zunächst lernen wir im ersten Teil die Protagonisten kennen, hauptsächlich Elle eine Schülerin, um deren 16. Geburstagsfeier es sich handelt. Im zweiten Teil werden die Tat und die unmittelbaren Folgen für die Jugendlichen beschrieben. Und im dritten Teil geht es dann noch einmal ganz kurz um die langfristigen Folgen, indem wir zehn Jahre in die Zukunft springen.

Grundsätzlich ist der Roman schnell und flüssig runtergelesen. Das ist wohl die größte "Stärke" des Buches. Auch die Grundidee ist nicht schlecht, zu zeigen welche Auswirkungen eine Tat unter Alkoholeinfluss auf die Beteiligten Täter haben kann. Leider spielt sich der interessante Teil erst auf den letzten 30 Seiten ab. Ein schlechter Schnitt für ein 335-Seiten-Buch. Die 300 Seiten vorher handelt es sich hauptsächlich um ein Pubertierenden-Roman mit Sätzen wie: "Mela konnte ihr nicht ansehen, wie sie sich fühlte. Ihr Septum schmückte ein Barbell mit Sterncheneinlagen am rechten Ende." ... Mal ganz abgesehen von doch sehr angestrengter Jugendsprache zwischendurch.

Die Figuren bleiben beim Lesen, zumindest der Mitte 30jährigen Leserin, fern. Es kommen keine Sympathien auf. Es werden Entscheidungen getroffen, die nicht nachvollziehbar erscheinen und die Protagonisten durchlaufen Veränderungen (nach dem 10-Jahres-Sprung), die sich nicht herleiten lassen. Beispiele möchte ich hier nicht nennen, um nicht das letzte bisschen Spannung aus dem Buch zu nehmen.

Insgesamt habe ich bei der obigen Verlagsankündigung für ein Buch von einem Bachmann-Preisträger viel mehr erwartet. Im Nachwort wird erwähnt, dass das Buch als Internetprojekt auch mit Schülern entstand. Dies möchte ich nicht kleinreden, aber letztendlich steht der Name des Autoren auf dem Buchcover und von ihm hätte ich einfach mehr erhofft. Das Buch erfüllt nicht meine Ansprüche und kann von mir demnach auch leider nicht weiterempfohlen werden.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Wenig gehaltvoll, aber schön illustriert

In die Wildnis
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Zur Info vorab: Ich habe nicht die Originalausgabe, sondern die Veröffentlichung der Büchergilde Gutenberg mit den Illustrationen von Christian Schneider gelesen. Diese Information ist deshalb wichtig, ...

Zur Info vorab: Ich habe nicht die Originalausgabe, sondern die Veröffentlichung der Büchergilde Gutenberg mit den Illustrationen von Christian Schneider gelesen. Diese Information ist deshalb wichtig, weil das Buch durch die illustrationen viel mehr von außen erwarten lässt, als dann zwischen den Buchdeckeln inhaltlich zu finden ist.

Krakauer schildert im Vorwort, dass das Buch aus einer Reportage für das Magazin "Outside" kurz nach Auffinden der Leiche des Amateur-Alaska-Abenteurers Christopher McCandless in 1992 entstanden sei. Diese Reportage sei gut angekommen, sodass er ein buch daraus gemacht habe (kurz zusammengefasst). Und genau das ist hier geschehen: Krakauer bläst einen Artikel auf Buchlänge auf und tut dies durch einfallslose Erzählungen, langweilige Anekdoten und ohne jeden literarischen Anspruch. Thematisch war der fünseitige Artikel sicherlich sehr gut gelungen, als Buch ist das Ganze jedoch definitiv "zu dünn". Warum in Anführungszeichen? Weil Das Buch (in meiner Ausgabe) mit seinen 340 Seiten defintiv ermüdend "zu lang" geworden ist. Allein die tollen Illustrationen von Schneider, welche so auch entweder in einem Naturkundebuch für Alaska oder einem Jack London Roman hätten erscheinen können, lassen Bilder dieser beeindruckenden Landschaft im Geiste des Lesers entstehen. Der Autor selbst schafft dies leider gar nicht.

Insgesamt ein unausgegorenes Buch, was man sich auch ersparen kann. Lieber gleich Jack London lesen. Und so schön die Illustrationen in der Büchergilde-Ausgabe auch sind, einen Kauf dieser Ausgabe lohnt sich allein deshalb trotzdem nicht.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Sex and the Country

Der Große Garten
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Wie kann man diesen Roman (eine Kategorisierung, die sicherlich generell bei diesem Werk ausgehebelt scheint) inhaltlich beschreiben? Radl schreibt ein Sachbuch über Gartentipps und das Leben als Städterin ...

Wie kann man diesen Roman (eine Kategorisierung, die sicherlich generell bei diesem Werk ausgehebelt scheint) inhaltlich beschreiben? Radl schreibt ein Sachbuch über Gartentipps und das Leben als Städterin auf dem Dorf. Dieses ähnelt wohl sehr dem der Autorin, sodass man ihn als "autobiografisch" bezeichnen könnte.

Formell wird der Roman in ultrakurzen Kapiteln von mitunter Halbseitenlänge erzählt. Insgesamt kommt das Buch damit auf - grob überschlagen, nicht nachgetählt - 360 Kapitel bei einer Seitenzahl von 306! Das ist nicht nur "mal was anderes" sondern vor allem anstrengend. Ständig springt die Autorin von Thema zu Thema ein flüssiges Lesen ergab sich für mich nicht. Und obwohl die Beiträge durchaus von Witz und Ironie gespickt sind, bleibt das Buch einfach langweilig. Ich bin bis Seite 155 insgesamt zehn Mal eingeschlafen und habe zweimal das Buch gänzlich weggelegt, um ein anderes Buch zur Abwechslung zu lesen. Die einzelnen Beiträge könnte ich mir gut als Kolumne in einer Großstadtzeitung vorstellen. Den Witz und die Würze haben sie, für ein zusammengewürfeltes Buch, taugen sie aber leider nicht. Hinzu kommt die sehr vereinfachte Sprache der Autorin. Ein Aussagesatz reiht sich an den nächsten. Manchmal hätte ich das Buch in die Ecke werfen wollen, wenn noch ein einziges Mal "Der Mann macht dies oder jenes.", "Der Liebhaber sagt das." usw. in Reihe gestanden hätte.

Die Gartentipps bleiben dabei Allgemeinwissen und sind unzusammenhängend - wie der Rest des Buches - eingestreut. Nebenbei vögelt sich die Protagonistin durch die Schlafzimmer verschiedenster Männer dieses Lebensabschnitts. Einer davon: ein scheinbar sexsüchtiger Analytiker...hm.

So bleibt für mich nach Abbruch der Lektüre auf der Hälfte die Frage zurück, ob dieses Buch nur die hier selbstironisch vorgeführten, sinnsuchenden Städter überzeugen kann. Mich kann es das leider nicht.

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