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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.05.2026

Kein typischer Krimi

Giftiger Grund
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„Giftiger Grund“ von Thomas Knüwer ist definitiv anders als viele Krimis, und genau das hat mich zunächst neugierig gemacht. Der Schauplatz ist eine verlassene Tankstelle – ein Lost Place, an dem vor sieben ...

„Giftiger Grund“ von Thomas Knüwer ist definitiv anders als viele Krimis, und genau das hat mich zunächst neugierig gemacht. Der Schauplatz ist eine verlassene Tankstelle – ein Lost Place, an dem vor sieben Jahren ein Überfall stattfand und die kurz darauf geschlossen wurde. Als der ehemalige Täter Joran nach verbüßter Haftstrafe zurückkehrt, um die damals versteckte Beute zu holen, findet er stattdessen die Leiche seines besten Freundes Aras. Dazu kommen ein kleines Mädchen im Schlafanzug und Chanu, die Videos von verlassenen Orten dreht. Die Ausgangssituation klang für mich ausgesprochen spannend und geheimnisvoll.

Leider konnte mich die Umsetzung nicht mitreißen. Besonders die Sprache hat mir große Schwierigkeiten bereitet. Sie ist sehr direkt, hart, oft kurz und knapp gehalten. Sicherlich passt dieser Stil zu den Figuren und wirkt authentisch, doch viele Formulierungen haben mich eher abgestoßen als in die Geschichte hineingezogen. Ich konnte keinen Zugang dazu finden und habe mich dadurch oft auf Distanz zum Geschehen gefühlt.

Zwar ist die Spannung unterschwellig vorhanden, doch viele Passagen empfand ich als langatmig und wenig aussagekräftig. Zudem handelt es sich nicht um einen klassischen Krimi mit Ermittlungsarbeit, was mir persönlich gefehlt hat.

Auch die Figuren konnten mich kaum erreichen. Edda hat mein Mitgefühl geweckt, doch weder Joran noch Chanu waren für mich greifbar oder interessant genug, um wirklich mit ihnen mitzufiebern. Dadurch fiel es mir schwer, emotional in die Geschichte einzutauchen, und ich habe mich eher durch das Buch hindurchgekämpft.

Eine interessante Idee mit ungewöhnlichem Setting, die bei mir leider nicht zünden konnte. Schade!

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Veröffentlicht am 29.05.2026

Eine bewegende Exilgeschichte

Ein Ort, der bleibt
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Mit „Ein Ort, der bleibt“ erzählt Sandra Lüpke eine Geschichte auf zwei Zeitebenen, die sowohl in Deutschland als auch in Istanbul spielt und auf wahren Begebenheiten basiert. Besonders der historische ...

Mit „Ein Ort, der bleibt“ erzählt Sandra Lüpke eine Geschichte auf zwei Zeitebenen, die sowohl in Deutschland als auch in Istanbul spielt und auf wahren Begebenheiten basiert. Besonders der historische Handlungsstrang rund um Magda und Alfred Heilbronn hat mich sehr berührt und war für mich eindeutig die größte Stärke des Romans. Aufgrund von Alfreds jüdischer Herkunft muss das Paar Deutschland verlassen und nach Istanbul auswandern – ein spannendes und zugleich bedrückendes Kapitel deutscher Geschichte.

Besonders faszinierend fand ich dabei die Schilderungen rund um den Aufbau des botanischen Gartens in Istanbul. Dieser Aspekt hat der Geschichte noch einmal eine ganz besondere Atmosphäre verliehen und gezeigt, wie eng Wissenschaft, Exil und persönliche Schicksale miteinander verbunden waren. Gerade diese Einblicke in das Leben deutscher Emigranten in der Türkei und ihren Beitrag vor Ort haben den Vergangenheitsstrang für mich sehr lebendig und interessant gemacht.

Leider konnte mich die Gegenwartsebene deutlich weniger überzeugen. Vor allem mit Imke bin ich einfach nicht warm geworden. Ihre Perspektive hat mich emotional kaum erreicht, und insgesamt wollte der Funke in diesem Erzählstrang nie so richtig überspringen. Dadurch hatte ich immer wieder das Gefühl, lieber zur Vergangenheit zurückkehren zu wollen.

Auch der Schreibstil war für mich eher schwierig. Viele ausführliche Beschreibungen sorgten zwar für Atmosphäre, gleichzeitig empfand ich die Handlung aber oft als etwas zäh und wenig lebendig. Manche Passagen wirkten auf mich dadurch unnötig in die Länge gezogen.

Das ist besonders schade, weil ich das Buch aufgrund seines Themas wirklich sehr gerne mögen wollte. Die historische Grundlage und die Geschichte von Magda und Alfred hätten für mich großes Potenzial gehabt. Insgesamt bleibt deshalb ein Roman, der mich in der Vergangenheit faszinieren konnte, mich in der Gegenwart jedoch leider verloren hat.

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Veröffentlicht am 14.05.2026

Still und beklemmend

Mit beiden Händen den Himmel stützen
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Mit beiden Händen den Himmel stützen von Lilli Tolkien ist ein Buch, das weh tut. Nicht laut oder dramatisch, sondern auf eine stille, beklemmende Weise, die sich beim Lesen immer tiefer festsetzt. Gerade ...

Mit beiden Händen den Himmel stützen von Lilli Tolkien ist ein Buch, das weh tut. Nicht laut oder dramatisch, sondern auf eine stille, beklemmende Weise, die sich beim Lesen immer tiefer festsetzt. Gerade weil der Roman so autofiktional wirkt und vieles ungeschönt erzählt, entfaltet er eine enorme Authentizität. Ich war selbst jung in dieser Zeit und habe erschreckend vieles wiedererkannt – diese Atmosphäre aus Orientierungslosigkeit, Sehnsucht und gleichzeitigem Absturz. Genau das macht das Buch so schwer auszuhalten.

Der Roman erinnert mich stellenweise stark an „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“: dieselbe rohe Ehrlichkeit, dieselbe emotionale Kälte und dieses Gefühl, Jugendlichen beim langsamen Verschwinden zuzusehen. Besonders gelungen fand ich die dichte, bedrückende Atmosphäre. Manche Szenen haben mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt.

Trotzdem war es für mich kein literarisches Highlight. Der sehr einfache Schreibstil passt zwar zur kindlichen Perspektive und verstärkt die Direktheit vieler Situationen, konnte mich aber auf Dauer nicht ganz tragen. Mir fehlte sprachlich manchmal die Tiefe oder eine besondere erzählerische Kraft, die über die reine Wucht der Erlebnisse hinausgeht. Auch die kindliche Erzählstimme hat mich emotional nicht immer erreicht, obwohl ich den Ansatz nachvollziehen kann.

Und doch halte ich dieses Buch für wichtig. Weil es nichts beschönigt. Weil es zeigt, wie fragil junge Menschen sein können. Und weil manche Geschichten nicht dafür da sind, „schön“ zu sein, sondern wahr.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

Mehr Familiendrama als Thriller

Meeresdunkel
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Till Raethers Meeresdunkel setzt auf ein vielversprechendes erzählerisches Konzept: kurze, wechselnde Kapitel aus der Perspektive von Henrike, Samuel und dem achtjährigen Juri. Gerade dieser Perspektivwechsel ...

Till Raethers Meeresdunkel setzt auf ein vielversprechendes erzählerisches Konzept: kurze, wechselnde Kapitel aus der Perspektive von Henrike, Samuel und dem achtjährigen Juri. Gerade dieser Perspektivwechsel sorgt zunächst für Dynamik und weckt Neugier. Doch was auf dem Papier spannend klingt, funktioniert nicht durchgehend. Besonders Juris Stimme wirkt oft nicht altersgerecht – seine Gedanken und Beobachtungen erscheinen zu reflektiert und konstruiert, was die Glaubwürdigkeit der Figur schwächt.

Der Roman entwickelt sich insgesamt zu einem Wechselbad der Gefühle: Einige Passagen sind durchaus packend und erzeugen eine dichte Atmosphäre, doch immer wieder wird mein Lesefluss durch langatmige Abschnitte gebremst. Die Spannung, die ein Thriller eigentlich tragen sollte, baut sich nur phasenweise auf und verpufft dann wieder.

Zwar werden im Verlauf einige Fragen aufgelöst, doch vieles bleibt im Unklaren. Dieses Offenlassen wirkt weniger wie ein bewusst eingesetztes Stilmittel, sondern eher wie eine verpasste Chance, die Handlung stringent zu Ende zu führen. Hinzu kommen mehrere unglaubwürdige und sehr konstruiert wirkende Entwicklungen, die es mir schwer machen, mich vollständig auf die Geschichte einzulassen.

Letztlich fühlt sich Meeresdunkel weniger wie ein Thriller an, sondern eher wie eine Familiengeschichte, die gerne dramatisch und spannungsgeladen gewesen wäre, dieses Ziel für mich jedoch nicht erreicht. Die Grundidee ist interessant, die Umsetzung bleibt jedoch hinter ihren Möglichkeiten zurück.

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Zwischen Spannung und viel Leerlauf

Woman Down
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Selten hat mich ein Buch so sehr enttäuscht – gerade weil ich die Romane von Colleen Hoover eigentlich sehr schätze. Schon das Vorwort hat mich stutzig gemacht, da die Autorin mehrfach betont, dass die ...

Selten hat mich ein Buch so sehr enttäuscht – gerade weil ich die Romane von Colleen Hoover eigentlich sehr schätze. Schon das Vorwort hat mich stutzig gemacht, da die Autorin mehrfach betont, dass die Geschichte nichts mit ihrem Privatleben oder ihren Moralvorstellungen zu tun habe. Rückblickend wirkte das fast wie eine vorsorgliche Distanzierung.

Die Idee klang zunächst vielversprechend: Eine Autorin in der Schaffenskrise trifft auf einen attraktiven Cop, der wie die Hauptfigur ihres eigenen Romans wirkt. Daraus hätte sich eine spannende und auch „spicy“ Geschichte entwickeln können. Leider scheitert das für mich vor allem an der Protagonistin Petra. Ihr Verhalten war für mich weder nachvollziehbar noch konsistent – mal extrem naiv, dann wieder sprunghaft in eine andere Richtung. Dadurch blieb sie mir durchgehend unsympathisch, besonders ihr ausgeprägtes Selbstmitleid war schwer zu ertragen.

Auch der Schreibstil konnte mich diesmal nicht überzeugen. Ich hatte ihn deutlich lebendiger in Erinnerung; hier wirkte vieles einfach und stellenweise repetitiv. Zwar gibt es zwischendurch spannende Momente, doch die Handlung flacht immer wieder ab und verliert sich in belanglosen Passagen. Das Ende schließlich wirkt stark konstruiert und ließ mich mehrfach nur den Kopf schütteln.

Insgesamt eine interessante Grundidee mit schwacher Umsetzung , sehr schade!

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