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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.08.2017

Intelligente Maschinen in verschiedenen Facetten

Was sollen wir von Künstlicher Intelligenz halten?
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Fast 200 Wissenschaftler und sonstige Denker aus den verschiedensten Bereichen beantworten hier in meist zwei bis vier Seiten langen Beiträgen die Frage „Was sollen wir von künstlicher Intelligenz halten?“

Ihre ...

Fast 200 Wissenschaftler und sonstige Denker aus den verschiedensten Bereichen beantworten hier in meist zwei bis vier Seiten langen Beiträgen die Frage „Was sollen wir von künstlicher Intelligenz halten?“

Ihre Überlegungen wirken dabei großteils besonnen, übertriebene Katastrophenszenarien sind ebenso Mangelware wie allzu utopische Zukunftsvisionen. Es klingt aber häufig eine gewisse Besorgnis mit, wie das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine sich weiterentwickeln wird, wobei vielfach auch betont wird, dass wir bereits jetzt mehr und mehr Aufgaben und Entscheidungen an Computer delegieren. Daneben gibt es auch einige Autoren, welche die Entstehung von echter KI in absehbarer Zeit generell für unrealistisch halten.

So prallen hier doch einige Meinungen aufeinander und werden verschiedene Facetten der möglichen Problemstellungen im Zusammenhang mit intelligenten Maschinen beleuchtet.

Ich fand dieses Buch jedoch weniger spannend als die anderen Ausgaben zur Edge-Frage (wie zum Beispiel „Wie funktioniert die Welt?“, „Was ist ihre gefährlichste Idee?“ oder „Welche wissenschaftliche Idee ist reif für den Ruhestand?“).
Dies liegt an der diesmal sehr eingeschränkten Fragestellung. Während sonst ein breites Themenspektrum abgedeckt wurde, handelt es sich hier bei den meisten Antworten um Variationen der immer gleichen Grundaussagen.

Veröffentlicht am 26.07.2017

Eine Geschichte voll Abenteuer und Freundschaft

Krone des Schicksals
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Papinberc (Bamberg) 1208: Vor vier Jahren war es den Freunden Walther von der Vogelweide, Otto von Herneberch, Heinrich von Kalden und Gerold von Waldeck gelungen, einen legendenumwobenen Edelstein aus ...

Papinberc (Bamberg) 1208: Vor vier Jahren war es den Freunden Walther von der Vogelweide, Otto von Herneberch, Heinrich von Kalden und Gerold von Waldeck gelungen, einen legendenumwobenen Edelstein aus dem brennenden Konstantinopel zu entwenden. König Phillip will diesen nun nutzen, um seinem Neffen Federico zum Amt des Kaisers zu verhelfen. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse, ein Drama folgt auf das nächste und vor allem Walther erleidet schreckliche Verluste, was dazu führt, dass er sich von der Welt zurückzieht.
Neunzehn Jahre später weiß niemand mehr, wo der Stein geblieben ist, und ausgerechnet Walther erhält den Befehl, ihn wiederzubeschaffen. Es beginnt eine abenteuerliche und gefährliche Suche, bei der auch Leute mitmischen, die einen alten Groll gegen ihn hegen.

Walther von der Vogelweide dürfte wohl der bekannteste Minnesänger des Mittelalters sein. In dieser Eigenschaft tritt er hier allerdings kaum in Erscheinung, es werden nur ein paar bereits vor dem Einsetzen der Romanhandlung verfasste Lieder zitiert.
Walther erscheint vielmehr als ein Mann, der den Verlust seiner großen Liebe sowie einige weitere Schicksalsschläge lange nicht überwinden kann und sich erst nach und nach dazu aufrafft, seine passive Lebenseinstellung zu revidieren.
Auch die anderen Protagonisten sind interessant angelegt. Man kann die Freundschaft zwischen Walther und seinen Gefährten gut spüren, teilweise fand ich ihre Darstellung jedoch etwas zu kitschig.

Der Roman ist in einem lebendigen Stil geschrieben, vor allem diverse „Action-Szenen“ werden anschaulich geschildert. Es wird aus der Sicht verschiedener Personen erzählt, wobei das Wechselspiel der Perspektiven gut komponiert ist und für einige Dynamik sorgt. Immer wieder wird Spannung aufgebaut, so manche Geheimnisse harren ihrer Aufdeckung, einiges ist aber auch ziemlich vorhersehbar.

Obwohl relativ viele historische Persönlichkeiten vorkommen, dürfte der Inhalt doch sehr weit von realen bzw beweisbaren historischen Ereignissen abweichen. Der Autor erläutert die tatsächlichen Hintergründe aber in einem ausführlichen Nachwort.

Veröffentlicht am 12.07.2017

Hinter den Kulissen einer Papstwahl

Konklave
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Mitten in der Nacht erhält Kardinal Lomeli, Dekan des Kardinalskollegiums, die Nachricht vom Tod des Papstes. Neben der Trauer um den Heiligen Vater macht ihm auch die Besorgnis ob der ihm bevorstehenden ...

Mitten in der Nacht erhält Kardinal Lomeli, Dekan des Kardinalskollegiums, die Nachricht vom Tod des Papstes. Neben der Trauer um den Heiligen Vater macht ihm auch die Besorgnis ob der ihm bevorstehenden Aufgabe zu schaffen. Vor kurzem hatte er sein Amt noch wegen einer Glaubenskrise niederlegen wollen, nun ist es an ihm, das Konklave zu leiten und die Wahl des nächsten Papstes in geordnete Bahnen zu lenken. Schon vor deren Beginn erlebt er eine große Überraschung als ein neuer Kardinal auftaucht, den der verstorbene Papst in aller Heimlichkeit ernannt hatte. Vincent Benitez sorgt für einiges Aufsehen, doch Lomeli muss sich in den nächsten Tagen noch mit einer ganzen Reihe weiterer Probleme auseinandersetzen.

Obwohl die Handlung einige Längen aufweist und öfters über mehrere Seiten hinweg kaum etwas Besonderes passiert, wird doch erstaunlich viel Spannung aufgebaut. Es ist faszinierend, hinter die Kulissen eines Konklaves zu blicken und die verschiedenen Wahlgänge sowie Aufstieg und Fall diverser Favoriten zu beobachten.
Kardinal Lomeli ist ein interessanter Charakter, ich konnte seine Selbstzweifel und sein Ringen darum, das Richtige zu tun, gut nachvollziehen.
Nach einem gemächlichen Beginn wird es gegen Ende für meinen Geschmack jedoch ein bisschen zu Dramatisch und manches wirkt etwas weit hergeholt. Anderes ist wiederum vorhersehbar.

Doch der positive Eindruck überwiegt. Die Themenwahl ist originell und es dürfte gut recherchiert sein.

Veröffentlicht am 30.05.2026

Interessanter Roman mit unbefriedigendem Ende

Die Erfindung der Sprache
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Dieser Roman spielt auf verschiedenen Zeitebenen: In der Gegenwart gerät das geordnete Leben des Sprachwissenschaftlers Adam Riese durcheinander, als er erfährt, dass es eine Spur zu seinem vor fast 20 ...

Dieser Roman spielt auf verschiedenen Zeitebenen: In der Gegenwart gerät das geordnete Leben des Sprachwissenschaftlers Adam Riese durcheinander, als er erfährt, dass es eine Spur zu seinem vor fast 20 Jahren verschwundenen Vater gibt. Obwohl Adam immer wieder unter außerplanmäßigkeitsinduzierter Panik leidet, sich mit einer Leuchtreklametafel in seinem Kopf herumschlagen muss und sämtlichen Widrigkeiten durch das Erstellen von Listen mit genau sieben Elementen begegnet, wächst er in den nächsten Tagen über sich hinaus und bringt eine wahre „Heldenreise“ hinter sich.
Parallel dazu werden Rückblicke in die Vergangenheit geworfen. Erzählt wird unter anderem von Adams Großeltern, die auf der kleinen ostfriesischen Insel Platteoog eine Bäckerei betreiben, vom Auftauchen des Leuchtturmrestaurators Hubert Riese auf Platteoog und von Adams Kindheit, wo bald offenkundig wird, dass „etwas mit dem Jungen nicht so läuft, wie es soll.“

Das Buch ist in einem angenehmen und mitreißenden Stil verfasst, weist aber dennoch einen gewissen Tiefgang auf. Man erfährt zwar (anders als der Titel suggerieren würde) so gut wie nichts über die Erfindung der Sprache oder andere Aspekte der Sprachwissenschaft. Dafür kann man aber interessante psychologische Phänomene beobachten sowie Dynamiken innerhalb einer Familie und einer Dorfgemeinschaft miterleben.
Adam ist ein sympathischer Protagonist, den ich trotz oder gerade wegen all seiner psychischen Probleme gerne begleitet habe. Doch es treten auch einige andere faszinierende und skurrile Charaktere auf, beispielsweise Adams Großmutter, die jeder Schwierigkeit mit dem passenden Essen begegnet, ein Arzt mit ständiger Bereitschaft zur Fortbildung oder eine Logopädin mit Hang zum Diminutiv.

Der einzige wesentliche Schwachpunkt ist das Ende. Nicht nur, dass zum Schluss hin einiges unrealistisch wirkt. Es bleiben auch viele Fragen offen bzw sind die Erklärungen, die für manche Ereignisse aus der Vergangenheit gegeben werden, nicht wirklich überzeugend.
Dadurch wird der an sich positive Gesamteindruck dann doch getrübt.

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Veröffentlicht am 07.01.2026

Interessanter Ausflug ins mittelalterliche Wales

Die Tochter der Drachenkrone
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Wie schon in ihrer „Geraldines“-Reihe besucht Sabrina Qunaj auch hier das Wales des Hochmittelalters, wo die alteingesessenen Briten und die neu hinzugezogenen normannischen Eroberer um die Vorherrschaft ...

Wie schon in ihrer „Geraldines“-Reihe besucht Sabrina Qunaj auch hier das Wales des Hochmittelalters, wo die alteingesessenen Briten und die neu hinzugezogenen normannischen Eroberer um die Vorherrschaft ringen.
Erzählt wird die Geschichte von Gwenllian, der jüngsten Tochter von Rhys ap Gruffydd, dem mächtigen Fürsten von Südwales, deren Lebensweg über einige Jahrzehnte, von 1196 bis 1219, verfolgt wird. Es ist eine ereignisreiche und kriegerische Zeit. So kämpfen nicht nur zwei von Gwenllians Brüdern gegeneinander um die Nachfolge ihres verstorbenen Vaters, auch die häufig wechselnden Bündnisse der Briten untereinander sowie zwischen britischen Fürsten und Normannen (bzw wie sie hier genannt werden „Freinc“) sorgen für ständige Unruhe.
Als Frau ist Gwenllian bei all dem nur eine passive Rolle zugedacht. Ihr Beitrag besteht in ihrem Wert als Heiratskandidatin. Doch sie ist nicht so leicht bereit, sich diesbezüglich den Entscheidungen zu fügen, die andere für sie treffen. Sie strebt nach einer Verbindung, die ihr nicht nur einen guten Ehemann bringt, sondern auch der Sache der Briten dient.

Der historische Hintergrund dieses Romans ist interessant, aber auch sehr komplex. Ich hatte öfters Schwierigkeiten, den Überblick darüber zu behalten, wer gerade mit wem verbündet ist oder gegen wem kämpft. Dabei schreibt die Autorin im Nachwort, dass sie sogar noch einiges vereinfacht hat.
Auch sonst hat sich sie viele dichterische Freiheiten genommen, die teilweise der unvollständigen historischen Überlieferung geschuldet sind (vor allem über die Frauen der damaligen Zeit weiß man nur sehr wenig), teilweise biegt sie sich die Faken aber auch bewusst so zurecht, dass sie besser zu ihrer Geschichte passen. Derartiges finde ich in historischen Romanen immer etwas problematisch, vor allem, wenn realen Persönlichkeiten ein bestimmter Charakter unterstellt wird, für den es keine echten Hinweise gibt.
Trotzdem ist es schön, Gwenllian bei ihren Erlebnissen zu begleiten. Sie ist eine sympathische Protagonistin und auch ihre persönliche Entwicklung von einem naiven Mädchen zu einer mitten im Leben stehenden Frau wird gut dargestellt. Einiges ändert sich dabei jedoch nicht, wie ihre Ablehnung gegenüber den Normannen, wobei sie mit der Zeit aber doch erkennt, dass man nicht alle in einen Topf werfen darf.
Ich habe mich allerdings öfters gefragt, worauf das Ganze eigentlich hinauslaufen soll. Die Handlung hat wenige Höhepunkte, (wenngleich auch kaum langweilige Szenen). Das Ende wirkt dann ziemlich unrealistisch – obwohl (oder gerade weil) es auf einer Legende beruht – und kommt vor allem zu abrupt. Es hätten ein paar Seiten mehr investiert oder eventuell noch ein Blick in die Zukunft geworfen werden sollen.

Insgesamt dennoch ein unterhaltsamer und streckenweise spannender Roman, der in einem flotten Stil verfasst ist und an interessante Schauplätze führt.