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Veröffentlicht am 16.06.2026

Ein komplizierter Mord

Die Poltergeist-Morde
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1939. Auf dem schottischen Castle Dundounie verschwindet Casper Juul, Sekretär des dänischen Diplomaten Hedberg, nach einer obskuren Abendgesellschaft. Da das War Office diese Situation als „diplomatische ...

1939. Auf dem schottischen Castle Dundounie verschwindet Casper Juul, Sekretär des dänischen Diplomaten Hedberg, nach einer obskuren Abendgesellschaft. Da das War Office diese Situation als „diplomatische Angelegenheit von internationaler Relevanz“ einstuft, entsendet es sein Team für skurrile Fälle, den Psychiater Sir Pervecal Holmes und John Stableford, Literaturprofessor und Autor. Obwohl die Leiche des bedauernswerten Sekretärs inzwischen aufgetaucht ist und der Fall von der Polizeibehörde als Suizid behandelt wird, wollen sich die Spezialisten ein eigenes Bild machen. Ihre Ehefrauen, Lady Penelope Holmes und Harriet Stableford, komplettieren das Ermittlerteam.

Autor Rob Reef lässt seine Hobbydetektive bereits im achten Fall ermitteln. Obwohl ich ein Fan historischer Krimis bin, wurde ich erst jetzt auf die Reihe aufmerksam. Natürlich war ich sehr gespannt. Erfreulicherweise wurden meine Erwartungen nicht enttäuscht.

Das Ermittlerquartett wird vom exzentrischen Besitzer von Dundounie, Rune Dahl, eingeladen. Er will erneut eine Séance abhalten. So lernen Stableford und seine Mitstreiter die Teilnehmer der folgenschweren House Party kennen. Einiges spricht für die Suizid-Theorie, womit sich die Ermittlungen erledigt hätten. Gerade als Stableford und Holmes übereinkommen, dass der Fall Juul nicht so offensichtlich ist, wie angenommen, geschieht ein grauenhafter Mord. Das Szenario könnte nicht genretypischer sein. Séancen mit Drohbotschaften, ein angeblicher Poltergeist, seltsame Gerüche und unheimliche Geräusche. Das als Spukschloss verrufene alte Gemäuer ist von der Außenwelt abgeschnitten. Dessen Hängebrücke und Telefonleitung hat der prompt aufziehende schwere Sturm zerstört. Das Ruderboot vor Ort ist verschwunden und Schwimmen aufgrund des Unwetters keine Option.

Der Autor trifft Sprache und Atmosphäre des klassischen Whodunits überraschend gut. Einer der Hauptcharaktere kommt wie in einem typischen Locked-Room Mystery zu Tode. Das Mordopfer war ein großer Bewunderer des Autors John Dickson Carr, der tatsächlich als Meister dieses speziellen Krimi-Genres gilt. Das Cover passt hervorragend zur Geschichte.

Die Charaktere in Haupt- und Nebenrollen lassen keine Wünsche offen. Ob Exzentriker, die dem Spiritismus anhängen oder misogyne Typen, die das Frauenbild ihrer Zeit pflegen. Zudem herrscht kein Mangel an Verdächtigen und Motiven. Aber niemand hatte die Gelegenheit, den Mord zu begehen. Der Tote wird in einem geschlossenen Raum aufgefunden. Der Krimi zieht seine Spannung einerseits aus der Tätersuche, aber vor allem aus der offenen Antwort auf die Frage: Wie konnte der Mord überhaupt geschehen?

Letztendlich wird der Fall aufgeklärt und die Beteiligten dank eines aufmerksamen Constables aus ihrer prekären Lage befreit. Zwar veranlasst der heraufziehende Krieg das War Office künftig auf Stablefords Dienste zu verzichten - er hat eine deutsche Mutter - doch auch da zeichnet sich eine befriedigende Lösung für den Weiterbestand des Ermittlerteams ab. Übrigens finde ich es amüsant, dass der Träger des berühmten Detektivnamens hier als durchaus kompetenter Sidekick des Hauptermittlers fungiert.

Meine Erwartungen an den Nostalgiekrimi wurden voll erfüllt. Der Fall hat mich gut unterhalten und mir neue Lektüre - Band 1 - 7 - beschert. Lediglich anfängliche Längen - der komplizierte Mord geschieht erst in der Mitte des Buchs - haben mich etwas gestört.

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Veröffentlicht am 13.06.2026

James Bond war gestern ...

Code Null. Dieses Spiel kennt keine Regeln
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Stell‘ dir vor, du entdeckst das Komplott einer hocheffizienten Verbrecherorganisation, deren Drahtzieher angeblich Cyberterroristen sind. Du und deine wenigen Mitstreiter sind die einzigen, die Europa ...

Stell‘ dir vor, du entdeckst das Komplott einer hocheffizienten Verbrecherorganisation, deren Drahtzieher angeblich Cyberterroristen sind. Du und deine wenigen Mitstreiter sind die einzigen, die Europa vor der Kontrolle dieser mafiösen Gruppierung noch retten können. Genau in diese Situation gerät Charlotte „Charlie“ Engel. Eigentlich hat sich die junge Programmiererin und Hackerin über ihren neuen Job bei der CSA5 gefreut, einer Spezialeinheit, zuständig für die Cybersecurity der EU. Da ahnt sie noch nicht, was auf sie zukommt.

Florian Schwiecker kenne ich von seinen Justizkrimis, die ich schätze. Jetzt hat er das Genre gewechselt und einen Tech-Thriller geschrieben. Natürlich war ich sehr gespannt und meine Erwartungen hoch. Sie wurden nicht enttäuscht.

Nach einer kurzen Fehlfunktion des Galileo-Systems, also der Navigationssatelliten der EU, häufen sich in Berlin Meldungen über Ausfälle und Beinah-Katastrophen. Alle betroffenen Bereiche wie die Börse, Flugzeuge, Krankenhäuser etc. scheinen in irgendeiner Form auf diese Daten zuzugreifen. Charlie, die gerade wieder mal arbeitslos ist, wird neugierig. Was hat den Ausfall ausgelöst? Ein Update, Überlastung oder etwas Anderes? Sie beginnt zu recherchieren und entdeckt, dass keine Fehlfunktion, sondern Hacker hinter dem Ausfall des Galileo-Systems stecken. „Timeout“ hat seine Signatur hinterlassen. Charlie informiert die CSA5 über ihre Entdeckung, was ihr einen Job bei eben dieser Einheit einbringt. Aber auch Hora, der Kopf von „Timeout“ ist auf sie aufmerksam geworden. Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt.

Charlie ist eine sehr fähige Programmiererin, die kurz vor Abschluss ihrer Dissertation das Studium aufgegeben hat. Grund dafür war ein Fehler, der von ihr geschaffenen generativen KI „KIM“, der zwei Menschen das Leben gekostet hat. Da sie „Timeout“ nicht zu fassen bekommt, reaktiviert die Programmiererin eben diese Software. Charlie, der ihr Therapeut ein leichtes Asperger-Syndrom diagnostiziert hat, ist sympathisch und verletzlich. Sie hat ein ambivalentes Verhältnis zu KIM. Lukas Philips, angeblich einer der fähigsten Mitarbeiter von CSA5, obwohl kein IT-Spezialist, vertraut Charlie auf Anhieb und setzt sich für ihre Anstellung ein. Gemeinsam geraten sie in eine Lage, die äußerst prekär ist, aber sie halten zusammen. Die anderen Charaktere haben weniger Tiefe aber Potenzial, wie Charlies Bruder Fritz oder ihre Kollegin Nicola Frost.

Florian Schwiecker konfrontiert den Leser mit einer Situation, die bedrohlich und aktuell ist. Man spürt, dass hier ein Insider berichtet und tatsächlich ist der Autor inzwischen im Bereich KI beruflich unterwegs. Leider wird der Cybersecurity speziell in Deutschland und der EU immer noch zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet, was fatale Folgen haben könnte, worauf Schwiecker deutlich hinweist.

Naturgemäß erfordert das Thema KI eine Sprache, die zahlreiche Fachbegriffe beinhaltet. Der Autor hat das elegant gelöst. Das meiste ist gut erklärt und wenn der nicht so technikaffine Konsument im Zweifelsfall stur weiter liest, schadet das nicht. Ich konnte der Handlung jedenfalls problemlos folgen. Besonders spannend fand ich den Abschnitt, der sich mit dem Deepfake beschäftigt. Es war interessant zu lesen, wie er anhand minimaler Fehler zu entlarven ist. Wer weiß, ob man dieses Wissen nicht einmal nutzen kann? Jeder kann Opfer eines Deepfake werden und genügend Menschen lassen sich problemlos täuschen. Die vorhandenen Gefahren werden realistisch dargestellt, ob Kontrolle oder Missbrauch der KI bzw. den Umgang mit ihr, Manipulation und Korruption innerhalb der Strukturen.

Die mitreißende, teils beklemmende Handlung verhindert ebenso wie die flüssige Sprache, dass der Roman trotz des techniklastigen Plots trocken wirkt. Vielmehr gelingt es Schwiecker wie gewohnt, seine Leser von Beginn an zu fesseln. Überraschende Wendungen halten die Spannung bis zuletzt hoch. Das Buch endet offen und der kleine Cliffhanger weist auf eine Fortsetzung hin. Ich werde wieder dabei sein und freue mich schon auf ein Wiedersehen mit Charlie, Lukas und KIM.

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Veröffentlicht am 02.06.2026

Was der See verbirgt.

Chiemsee-Gold oder Die Grube der unschuldigen Kinder
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Sein Job, insbesondere ungelöste Fälle wie sein letzter („Umlaufaufzug“) setzen Kriminalhauptkommissar Konrad „Konny“ Kramer derart zu, dass er sich von seiner Kollegin Waltraud zu Ferien überreden lässt. ...

Sein Job, insbesondere ungelöste Fälle wie sein letzter („Umlaufaufzug“) setzen Kriminalhauptkommissar Konrad „Konny“ Kramer derart zu, dass er sich von seiner Kollegin Waltraud zu Ferien überreden lässt. Eine ganze Woche lang! Mit dem Instinkt des passionierten Ermittlers wählt er sich zielsicher einen scheinbar idyllischen Urlaubshotspot aus, den Chiemsee. Doch unter der Oberfläche dieses beliebten Touristenziels lauert bereits das Verbrechen.

Reiner Jansen schickt sein Ermittlerpaar Winter und Kramer erneut auf Verbrecherjagd. Wie schon im Vorgänger „Umlaufaufzug“ begegnen sie unerwarteten Phänomenen. Für spannende, aber unkonventionelle Unterhaltung ist gesorgt. Ein Krimi? Mal sehen.

In verschiedenen Erzählsträngen rund um den Chiemsee wird uns das bayrische Gewässer näher gebracht. Dabei verändert sich mit jedem Kapitel die Perspektive und fordert damit die Aufmerksamkeit des Lesenden. Die geologische Entstehung des Sees wird beschrieben, vor zirka 10.000 Jahren. Zahlreiche Besucher bzw. Anwohner hat das Gewässer seither verzeichnet, vom frühen Nagetier über die Freunde Bran und Ulik bis zum hinterhältigen Römer Scipio. Vom Obersturmbannführer bis zu Lady Anja mit der lukrativen Geschäftsidee. Der drittgrößte See in Deutschland hat bereits viel gesehen und immer wieder ertönt ein unheilvolles Brummen ...

Reiner Jansen schreibt sehr bildhaft, feinsinnig und unterhaltsam. Seine Charaktere, insbesondere Konny, Waltraud und Todenhöfer habe ich gern wieder getroffen. Die Dialoge des Kommissars und seiner Kollegin genieße ich sehr, egal ob sie sich über eine Trödelshow im Fernsehen (der Autor hat doch nicht etwa unsere Kommentare beim Schauen abgehört?) unterhalten oder den ersten Bayern unter gleichen. Humor vom Feinsten („We are we“).

Der arme Konny, der heldenhaft seine Angst vorm tiefen Wasser überwinden will, stolpert bzw. schwimmt prompt über eine Leiche. Kein Wunder, dass ihm sein Urlaub nicht gefällt. Erst der Tote, dann die Begegnung mit seinem ehemaligen Hauptverdächtigen aus dem letzten, dem ungelösten, Fall. Ob Todenhöfer nicht doch ein Alter Ego von Jansen ist? Jedenfalls können sich acht Tage ganz schön in die Länge ziehen. Zumal der Urlaub doch noch zur Ermittlung mutiert, nachdem ein getöteter Taucher teilweise offenlegt, was die ganze Zeit tief im See ablief. Dann überschlagen sich die Ereignisse und rufen sogar die US-Amerikaner auf den Plan ...

Mir hat „Chiemsee-Gold“ ausgezeichnet gefallen. Vielleicht setzt die Geschichte einen bestimmten, eher schwarzen, Humor und eine gewisse Großzügigkeit bzw. Toleranz voraus. Das Buch ist unkonventionell, besonders im letzten Teil und fordert den Lesenden durch seine Sprunghaftigkeit. Gleichzeitig wirkt es dadurch lebendig und anhaltend spannend. Die feinsinnigen Anspielungen auf Personen und Ereignisse unserer Zeit sowie der humorige, aber nicht klamaukige Tonfall zeichnen Rainer Jansen aus. Die Antwort zu meiner Frage: Das Buch ist auch eine Art Krimi, aber eben nicht nur.


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Veröffentlicht am 01.06.2026

Nie mehr Waldmeisterlikör!

Mord mit Schwips
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Romy Fuchs besucht gemeinsam mit Großtante Annemarie und Omama Hildegard die Schnapsbrennerei von Gut Luisenau. Zu einer Führung mit anschließendem Edelbrand-Tasting. Brennmeister Mike Walters flirtet ...

Romy Fuchs besucht gemeinsam mit Großtante Annemarie und Omama Hildegard die Schnapsbrennerei von Gut Luisenau. Zu einer Führung mit anschließendem Edelbrand-Tasting. Brennmeister Mike Walters flirtet heftig mit Romy und luchst ihr dank Hildegards Unterstützung sogar die Handynummer ab. Kurze Zeit später lädt er sie auch schon per Textnachricht zum Essen ein. Dazu kommt es nicht, denn der aufdringliche Mike wird am nächsten Morgen tot aufgefunden. Ertrunken in einem großen Bottich voll mit Waldmeisterlikör. Von Annemarie nach Luisenau gerufen, trifft Romy gleich der zweite Schock: Der ermittelnde Beamte ist Kriminalhauptkommissar Ben Jacobs, ihr Ex. Was macht diese Großstadtpflanze im Bayrischen Wald?

„Mord mit Schwips“ ist der Auftaktband der neuen Bayernkrimi-Reihe aus Schweinhütt. Der Cosy Crime von Eva Cramer hat mich mit Mord, Humor und Lokalkolorit bestens unterhalten.

Vordergründig um Großtante Annemarie zu beruhigen, beginnt Romy, früher Journalistin in München, jetzt Keramikkünstlerin im Bayrischen Wald, selbst zu ermitteln. Ihr geschiedener Mann Ben toleriert diese Einmischung, solange keine Interna verraten werden und die Polizei eine gute Presse bekommt. Als freie Mitarbeiterin des „Ostbayern-Boten“ hat sich Romy die Berichterstattung im Mordfall Walters gesichert. Bald stellt sich heraus, dass der Ermordete ein unangenehmer Zeitgenosse war, der durch Frauengeschichten, ungezügelte Neugier und penetrante Übergriffigkeit auffiel. Mehrere Personen hatten ein Motiv, den Brennmeister mit der Vorliebe für Erpressung zu töten. Ein zweites Mordopfer erhöht den Druck auf die Kripo. Was ist bloß los in der luxuriösen Seniorenresidenz Luisenau?

Romy war mir auf Anhieb sympathisch. Klug, taff und vielseitig talentiert hat sie nach ihrer Scheidung und der Flucht aus der Großstadt einen Neuanfang gewagt. Jetzt ist sie im Kreis ihrer Lieben stärker und geerdeter als zuvor. Mir gefällt ihre Art zu denken. Zum Beispiel kommt ihr gleich George Plantagenet in den Sinn als sie erfährt wie Mike zu Tode gekommen ist. Dessen Schicksal besiegelte angeblich ein Fass Wein. Romy ist eine gute Beobachterin und einfühlsam. Auch die anderen Charaktere haben mir gefallen. Sei es die Mehrgenerationen-WG der Familie Fuchs in der Villa Serafina, der strafversetzte Ben oder der widerwärtige, aber gut getroffene Lokalreporter Anton Bauer, der Neid und Unterlegenheitsgefühle mit Unhöflichkeit und Machogehabe kompensiert.

Neben den gelungenen Protagonisten in Haupt- und Nebenrollen hat mich das Lokalkolorit besonders begeistert. Das gilt für die beeindruckende Landschaft mit dem Dreiflüsseeck in Passau oder der idyllischen Burgruine Altnußberg genauso wie für Sagen, Brauchtum und Regionalgeschichte. Da ich die Gegend kenne, gab es einige Déjà-vus.

Eva Cramer erzählt ihren Wohlfühlkrimi flott und humorvoll, aber ohne Klamauk. Zunächst haben mich die Rückschauen irritiert bis ich mich daran gewöhnt hatte. Für ausreichend Spannung ist gesorgt, die dank einiger Wendungen bis zum Showdown anhält. Mir hat gefallen, dass das Privatleben der Ermittler thematisiert wird, ohne dass es zu viel Raum einnimmt. Die noch vorhandenen Gefühle des ehemaligen Paares waren für mich ebenso gut nachvollziehbar wie die Trennungsgründe. Letztendlich wird der Fall aufgeklärt und alle Fragen sind logisch beantwortet. Wird Ben also rehabilitiert nach München zurückkehren?

Ich fand die Villa Serafina so gemütlich und die Wohngemeinschaft von Romy, Mathias, Jannis, Nicki, Omama Hildegard und Kater Falko so angenehm, dass ich mich schon auf den nächsten Besuch dort freue. Wie ich mit Vergnügen gelesen habe, wird das schon im Oktober der Fall sein.

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Veröffentlicht am 11.05.2026

Die Woche des Serienmörders

Schlafende Vulkane
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Wie jeden Morgen versorgt der alte Hilmar die Pferde im großen Reitstall von Hafnafjörður. Doch heute verläuft die Arbeit anders als geplant. In einer leerstehenden Pferdebox liegt eine nackte junge Frau ...

Wie jeden Morgen versorgt der alte Hilmar die Pferde im großen Reitstall von Hafnafjörður. Doch heute verläuft die Arbeit anders als geplant. In einer leerstehenden Pferdebox liegt eine nackte junge Frau - tot. Aufgrund der Personalknappheit bei der isländischen Kripo wird der Fall an Helga übertragen, die erst vor kurzem ihre Ausbildung an der Polizeihochschule abgeschlossen hat. Schnell stellt sich heraus, dass ein Gewaltverbrechen vorliegt. Als die Polizei das Haus des Opfers untersucht, entdeckt Helga, dass Kristófer, der zehnjährige Sohn der Toten, durch das Toilettenfenster vor dem Mörder geflohen ist. Eine hektische Suche nach dem Jungen beginnt ...

„Schlafende Vulkane“ ist das erste gemeinsame Buch der Schriftstellerkollegen Michael Hjorth und Bjarni Thorsson. Der Auftaktband der neuen Island-Thriller-Reihe glänzt mit ungewöhnlichen Ermittlern und anhaltender Spannung in düsterer Atmosphäre

Der erste Tatverdächtige, der Ex-Mann der Toten, stellt sich „nur“ als Dealer heraus. Immerhin beschert er der Polizei den größten Drogenfund des Jahres. Ein Motiv für den Mord lässt sich nicht finden. Die Rettung von Kristófer dagegen glückt. Kurz bevor er erfroren wäre, wird er vom Suchteam, bestehend aus Helga, der Polizeihündin Salka und dem Verkehrspolizisten und Outdoorspezialisten Bjarki gerettet. Inzwischen hat der Täter bereits sein nächstes Opfer im Visier. Obwohl die ehrgeizige Helga und ihr Team nahezu rund um die Uhr ermitteln, können sie den zweiten Mord nicht verhindern. Es zeichnet sich ab, dass ein Serienmörder die Taten verübt - für Island eine völlig neue Situation!

Die Charaktere gefallen mir ausgezeichnet. Helga, die sich beim Jugendamt hilflos vorkam und deshalb die Polizeihochschule besuchte, ist in Schweden aufgewachsen, hat aber einen isländischen Vater. Sie ist taff, intelligent und sehr ehrgeizig. Nach der Scheidung von einem Kontrollfreak, der sie systematisch verunsicherte, sieht sie sich mit einem Sorgerechtsstreit konfrontiert, der ihr Stresslevel zusammen mit der schwierigen Ermittlung und der ungewohnten Rolle als Teamleiterin in ungekannte Höhen steigen lässt. Bjarki, den seine Freunde Grettir nennen, war bei der Drogenfahndung und wurde aufgrund eines zunächst unbekannten Vorfalls degradiert und zur Verkehrspolizei versetzt. Er ist ein Naturmensch und hat Probleme mit Hierarchien und Vorschriften. Yvette stammt ursprünglich aus Bosnien und hat in Island eine neue Heimat gefunden. Sie ist eine äußerst fähige und engagierte Kriminaltechnikerin. Im vorliegenden Fall überschreitet sie aus Zeitnot Regeln, erhält dadurch aber entscheidende Informationen. Auch die weniger sympathischen Teamkollegen wie der karrierebewusste Dezernatsleiter Gisli Freyr („Chef zu sein war die Hölle, egal, was Dale Carnegie behaupten mochte“) oder der arbeitsscheue Benni, der Helga aus Neid das Leben schwer macht, aber sich als loyal erweist, haben Tiefe. Und nicht zu vergessen der Täter, der akribisch seine Verbrechen plant, kontrolliert und methodisch agiert. Die aus seiner Sicht geschriebenen Einschübe haben für Gänsehaut bei mir gesorgt.

Überhaupt passen die kurzen Kapitel, die häufig wechselnden Perspektiven und der bildhafte flüssige Schreibstil hervorragend zusammen. Egal ob die beeindruckende Natur Islands beschrieben wird oder die zermürbende Polizeiarbeit, die die stundenlange Sichtung unscharfer Bilder von Überwachungskameras und das Durchforschen zahlloser Social-Media-Accounts beinhaltet. Die sorgfältige Recherche der Autoren war hier für mich spürbar. Die Spannung hat mich bis zum Schluss gefesselt, sodass es mir schwerfiel das Buch aus der Hand zu legen. Erschütternd fand ich die Einblicke ins Darknet, die Beschreibung und die Klientel von Snuff-Videos und die Folgen dessen, was heute als „toxische“ Männlichkeit bezeichnet wird. Das sorgt für eine düstere Atmosphäre und erhöht zusätzlich den Druck auf die Ermittler, denen nicht nur der Fall schwer zu schaffen macht, sondern auch Politiker und Medien.

Selten hat mich der Auftaktband einer Serie so in den Bann gezogen, wie dieser. Die Ermittlung, die sich über eine Woche hinzieht, hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt.
Ich freue mich schon auf den bereits angekündigten zweiten Band und vergebe die volle Punktzahl.

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