Profilbild von Archer

Archer

Lesejury Star
online

Archer ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Archer über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.03.2018

Heißkalt

Fire & Frost, Band 1: Vom Eis berührt
0

In einer Welt, in der sich besonders begabte Menschen - die Fire- und die Frostbloods - bekämpfen, ist Ruby eine der letzten Firebloods. Die Firebloods werden gnadenlos von den Soldaten des Frostkönigs ...

In einer Welt, in der sich besonders begabte Menschen - die Fire- und die Frostbloods - bekämpfen, ist Ruby eine der letzten Firebloods. Die Firebloods werden gnadenlos von den Soldaten des Frostkönigs gejagt, wenn man sie erwischt, landen sie im Gefängnis oder schlimmer noch, in der Arena des Königs, der zur Belustigung seines Volkes so etwas wie Gladiatorenkämpfe durchführen lässt. Ruby wird gefangengenommen, wobei ihre Mutter ums Leben kommt und sie darbt ein halbes Jahr unter grausamsten Umständen in einem Kerker vor sich hin, bevor ausgerechnet eine Gruppe Frostbloods sie befreit. Sie soll ihnen helfen, den Eisthron des Königs zu zerstören, denn in diesem soll eine dunkle Macht existieren, welche den Charakter des Königs zerstört.

Für einen Jugendfantasy mit starken Liebesgedönsanteil war die Geschichte nicht so schlecht. In die richtige Richtung ging schon mal, dass der Held nicht mega schön war, dass die Heldin nirgendswo anders mehr hinsehen konnte. Sein Gesicht war durch einen Mordanschlag vernarbt, andererseits habe ich seine Augenfarbe nicht verstanden. Da waren so viele Blautöne drin, dass seine Augen hätten flackern müssen wie ein Neonschild. Irgendein Humbug in Jugendfantasy muss wohl sein. Das Buch war gut geschrieben, die Handlung ging rasch voran, es war allerdings auch so durchsichtig wie eine geputzte Fensterscheibe. Auch moralische Dilemma wurden angeschnitten, hätten aber auch gern vertieft werden dürfen. Soweit ich verstanden habe, handelt es sich um eine Trilogie, allerdings könnte das Buch auch für sich allein stehen. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 26.02.2018

Traue niemandem

Der Mond des Vergessens
0

Nail ist ein Waisenjunge, der bei seinem gestrengen Mentor Shawcraft aufwächst. Tala und Jondralyn sind die Töchter eines in der Schlacht gefallenen Königs, deren Bruder Jovan sich zu einem Tyrannen entwickelt ...

Nail ist ein Waisenjunge, der bei seinem gestrengen Mentor Shawcraft aufwächst. Tala und Jondralyn sind die Töchter eines in der Schlacht gefallenen Königs, deren Bruder Jovan sich zu einem Tyrannen entwickelt hat. Dann gibt es noch Aeros, den Engelsprinzen, der mit seiner Streitmacht auf brutalste Art und Weise Länder überfällt und erobert. Während die Adligen ihre eigenen Ziele intrigant verfolgen, will Nail eigentlich nur anerkannt werden und das Mädchen küssen, in welches er verliebt ist. Doch die Eroberer machen auch nicht vor seinem Dorf halt, sie metzeln alles nieder und nehmen den Rest der Bevölkerung als Sklaven. Nail und ein paar der Dörfler können fliehen, doch das ist erst der Anfang einer Odyssee, deren Ausgang alles andere als in Stein gemeißelt ist, egal, was die Priester und Geistlichen dazu sagen.

Ich bewundere die Welt, die erschaffen wurde. Sie mag nicht megakomplex sein, man steigt schnell durch, aber sie hat Substanz. Jeweils vor den einzelnen Kapiteln gibt es Auszüge aus den verschiedenen religiösen Schriften, und man weiß, wer an was glaubt und was dieser Glaube aussagt. Womit ich jedoch gar nicht klar kam, waren eigentlich fast alle Protagonisten. Ich fand sie alle mega unsympathisch und gerade die, die als die wichtigsten vorgestellt wurden, mega dumm. Ständig wurde mir erzählt, wie stark und gut im Schwertkampf Nail ist - zwei Seiten weiter wird er gleich von zwei Dörflern per Schwert verprügelt. Jondralyn, so wurde mir mitgeteilt, sei mega schlau und voll die Schwertkämpferin - wieder zwei Seiten weiter lässt sie sich per Schwert von ihrem Bruder verprügeln, dem König, der wohl wenig Zeit zum Trainieren hat. Außerdem waren alle ihre Handlungen so dermaßen dumm und genau das Gegenteil dessen, was ein kurz mitdenkender Zeitgenosse tun würde, dass ich sie nur absolut nicht ausstehen konnte. Das galt für 90 Prozent aller Beteiligten hier, sodass mir am Ende eigentlich auch egal war, was aus ihnen wurde. Das bibelstarke Buch von fast 900 Seiten lässt sich schnell lesen, der Schreibstil ist angenehm, aber da mir das Schicksal aller so derart gleichgültig ist, werde ich die Nachfolger nicht lesen. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 04.02.2018

Der Chaoten zweiter Fall

Das Revier der schrägen Vögel
0

Ein ehemaliges hohes Mitglied der Polizei wird ermordet, und das auf offener Straße. Vorher ist er schwer misshandelt worden, wie Spuren an seinem Körper verraten. Eigentlich ein Fall, der zu frisch und ...

Ein ehemaliges hohes Mitglied der Polizei wird ermordet, und das auf offener Straße. Vorher ist er schwer misshandelt worden, wie Spuren an seinem Körper verraten. Eigentlich ein Fall, der zu frisch und brisant ist für die Chaotentruppe von Anne Capestan - wenn es sich nicht um ihren Ex-Schwiegervater handeln würde. Und der Mord an dem Ex-Schwiegervater bedingt, dass sie mit ihrem Ex-Mann reden muss. Natürlich bleibt es weder bei dem einzigen Mordfall noch bei der uns bekannten Chaotentruppe, denn die bekommen Zuwachs. Erst einen Polizisten, der eindeutig nicht in die Zeit passt, denn er fühlt sich als Musketier des 17. Jahrhunderts und später einem in Ungnade gefallenen dunkelhäutigen Elitebullen. Dazu kommt, dass sie wieder Dreck über einen von der Polizei ausgraben und wer weiß? Vielleicht ist einer von ihnen selbst ein Mörder ... Gelegenheit genug für Chaos und Durcheinander.

Der zweite Fall von Kommando Abstellgleis war nicht schlecht, aber es kam nicht an die Genialität des ersten Bandes heran. Es fängt schon mal damit an, dass das Familiäre viel zu breit getreten wurde. Ab und zu mal einen Einblick in die Familien oder Hintergründe der schrägen Vögel ist gut und schön, aber mir hätte das, was ich von den Einzelnen im ersten Teil erfahren habe, vollkommen gereicht. Dann war mir zuviel des Angeschmachte zwischen Capestan und ihrem Ex - ich hab keinen Bock mehr zu lesen, wie zwei Leute, die sich getrennt haben, eigentlich im Inneren auch nach fast zwanzig Jahren noch total verliebt ineinander sind. Bleibt nur zu sagen, dass erstens die Sprecherin total genial war, wie auch schon beim ersten dieser Bücher - das Französische perlt von ihren Lippen, als würde sie nichts anderes sprechen, und dass ich hoffe, im nächsten Band wieder mehr Situationskomik und weniger Familiengedöns zu lesen. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 16.01.2018

Jablo... na, die Kerze halt!

SINCLAIR - Dead Zone: Folge 03
0

Zurück nach Düsseldorf. Wir schreiben das Jahr 1888 und finden uns in Begleitung von Gregor, dem Neffen von Sonderberg, und Minnie, seiner Assistentin wieder, die zum Feuerwerk der 600-Jahr-Feier zusammentreffen. ...

Zurück nach Düsseldorf. Wir schreiben das Jahr 1888 und finden uns in Begleitung von Gregor, dem Neffen von Sonderberg, und Minnie, seiner Assistentin wieder, die zum Feuerwerk der 600-Jahr-Feier zusammentreffen. Gregor scheint endlich einen Job gefunden zu haben: in der Lampenfabrik des Fabrikanten Krump, und seine Arbeit scheint so gewürdigt zu werden, dass er sogar Vorarbeiter sein soll. Dumm nur, dass mit einem Mal betreffende Fabrik in die Luft geht und Gregors Chef stirbt. Und dann weisen sehr viele Indizien darauf, dass ausgerechnet Sonderbergs Neffe der Mörder sein muss.

Tatsächlich ist es der Serie mit diesem Fall endlich gelungen, mich eine Weile im Dunkeln tappen zu lassen, wie alles zusammenhängt. Ich wusste vorher auch nicht, was eine Jablotschkowsche Kerze ist und das Ende des 19. Jahrhunderts fand ich auch gut dargestellt. Wie üblich haperte es manchmal mit der Logik - warum wurden zum Beispiel nicht mal Gregors Schrift und die Schrift auf seinem angeblichen Drohbrief verglichen? Aber es konnte mich in seiner Kürze dieses Mal besser unterhalten als die beiden Vorgänger, zumal die Minnie-Sprecherin wie üblich brillierte. Von daher gibt's dieses Mal 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 09.01.2018

Gefangen

Cloud
0

Mit sechzehn ist das Leben schon mal von Natur aus nicht einfach. Die Eltern brauchen ewig, bis sie erwachsen werden und außer einem selbst ist sowieso niemand vernünftig. Emma ist gerade in diesem undankbaren ...

Mit sechzehn ist das Leben schon mal von Natur aus nicht einfach. Die Eltern brauchen ewig, bis sie erwachsen werden und außer einem selbst ist sowieso niemand vernünftig. Emma ist gerade in diesem undankbaren Alter, doch ihre Probleme sind sogar größer als die der meisten anderen. Vor wenigen Monaten ist ihr kleiner Bruder Ethan gestorben, und in ihrer Trauer und Verzweiflung ziehen ihre Eltern mit ihr in ein Smart Home, ein Haus, in dem alles über Computer gesteuert wird, auch und gerade die Sicherheit. Emma hat das Gefühl, mit niemandem reden zu können; desto mehr freut sie sich, als sie in einer Facebook-Trauergruppe Paul kennenlernt. Paul versteht genau, was sie durchmacht, er hört ihr zu, er ermutigt sie, mit jemandem zu reden und auch wieder mit dem Laufen anzufangen. Doch nach und nach wird Pauls Fürsorge immer aufdringlicher, und dann erfährt Emma etwas über ihn, das sie nie erwartet hätte und sie in Lebensgefahr bringt.

Emmas Hin- und Hergerissenheit war gut dargestellt, auch wenn ich manche ihrer Reaktionen als zu naiv und konstruiert empfand. Aber die Gefahr, sich Fremden im Internet anzuvertrauen, wird gut beschrieben und es ist nicht das, was die meisten erwarten werden. Mir gefiel, wie Emmas Verzweiflung greifbar wurde, aber ihre Freunde waren mir ein bisschen zu sehr Klischee. Die hippe beste Freundin, der (total heimlich) in sie verknallte beste Freund, der so glatt und rund war, dass er als Buslenkrad durchgehen könnte. Trotzdem mochte ich das Buch größtenteils, es war spannend geschrieben und leicht zu lesen, und wäre es nicht gar so konstruiert, hätte es richtig großes Kino sein können. 3,5/5 Punkten.